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Gewissensonflikte

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Hoshi Sato Malcolm Reed
02.12.2019
23.12.2019
5
6.185
4
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
09.12.2019 1.409
 
Travis starrte in das Gesicht seines Führungsoffiziers und fühlte, wie seine Entschlossenheit, einem Eiswürfel gleich, dahinschmolz.

Hoshi hatte ihm erzählt, dass Malcolm den Captain auf der Waffe der Xindi zurückgelassen hatte, um sie und Corporal Morgan in Sicherheit zu bringen. Dass Malcolm es getan hatte, weil er direkt dazu aufgefordert worden war, obwohl er versucht hatte, den Auftrag, den Sprengstoff zu setzen, selbst durchzuführen. Der Captain hatte es abgelehnt.

Und der Captain war tot.

Das Schiff ohne Captain Archer war etwas, das sich der Steuermann kaum vorstellen konnte. Er bewunderte den Mann, seit er ihn das erste Mal getroffen hatte, sogar schon vorher; sogar Boomers hatten von den Projekt gehört, von Henry Archers Traum eines Antriebs, der Schiffe in Warp 5 antreiben konnte. Nichts hätte natürlicher sein können, als dass Henrys Sohn Jonathan das Kommando über das Schiff übernehmen sollte, mit dem der Traum seines Vaters Wirklichkeit wurde.

Seine eigene Errungenschaft, während der Alpha-Schicht das Steuer zu übernehmen, war eine Quelle von immensem Stolz. Denn trotz der Reibereien mit seiner Familie, war für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen; und trotz der Gerüchte, dass einige Offiziere der Sternenflotte auf diejenigen herabblickten, die ihre Arbeit auf den Handelsschiffen gelernt hatten, hatte Jonathan Archer nie einen Hinweis darauf gegeben, dass er seinen neuen Steuermann nicht seiner Position für würdig hielt. Das Leben an Bord der Enterprise war eine Erfahrung gewesen, die er sich für nichts entgehen lassen, hätte.

Und jetzt war Archer tot.

Die Tatsache war ebenso unvorstellbar wie verheerend. Die Zerstörung der Xindi-Waffe zum Mittelpunkt der Existenz des Captains geworden, seitdem das Schiff ausgesandt worden war, um es zu vernichten und irgendwie schien es völlig falsch, dass er im Moment seiner Errungenschaft sterben musste.

In der offiziellen Ankündigung waren nicht viele Fakten verraten worden. Was Travis über das Geschehene wusste, beruhte hauptsächlich auf seiner Freundschaft mit Hoshi, die er in der Krankenstation besucht hatte, sobald Phlox Besuche zugelassen hatte, und die ihm erzählt hatte, was in den letzten paar verzweifelten Minuten im Kern der Waffe passiert war.

Hoshi war am Ende ihrer Kräfte angelangt. Ohne Hilfe hätte sie es nie geschafft, zu dem Punkt zurückzukehren, wo sie zu Degras Schiff zurückgebracht werden könnte. Sie befand sich immer noch unter der Obhut von Phlox, obwohl sie leichte Aufgaben übernehmen durfte und würde höchstwahrscheinlich wieder auf der Brücke sein, wenn das Schiff die Erde erreichte; er war ebenso entsetzt über ihre Blässe wie über die schrecklichen Spuren auf ihrer Stirn, wo die Reptilianer sie gefoltert hatten, um sie dazu zu bringen, ihnen die Startcodes zu geben. So war Travis zutiefst und unbeschreiblich dankbar, dass sie lebend zurückgebracht worden war, und trotz seines Schmerzes über des Tod des Captains hatte er seitdem versucht, sich bei dem Mann zu bedanken, der für Hoshis Überleben maßgeblich verantwortlich war.

Am Tag zuvor war der Lieutenant verschwunden, sobald er seinen offiziellen Bericht eingereicht hatte. Kaum überraschend; angesichts dessen, was geschehen war, wäre es nur menschlich, ihm Zeit zu geben, sich zu erholen, um die Ereignisse zu verarbeiten. Wenn er versucht hätte, sich zum Dienst zu melden, wäre er vermutlich sofort in sein Quartier zurückgeschickt worden. Aber heute Morgen war er wie immer pünktlich aufgetaucht, mit einem Gesicht, das aussah, als wäre es aus Granit gemeißelt worden.

Angesichts der Tatsache, dass sie zur Erde zurückgebracht wurden, gab es nicht viel zu tun. Aber Malcolm Reed ließ sich nie davon abhalten, etwas zu finden, das eine Kontrolle der Waffensysteme erforderte, und er hatte die ganze Zeit seiner Schicht dort gesessen und schweigend Zeug getan. Beim Schichtwechsel war Travis hoffungsvoll gewesen; aber noch bevor er das Steuer an Emma Deloughry übergeben hatte, war der taktische Offizier im Turbolift verschwunden und wurde als nächstes in der Waffenkammer gesichtet, wo er sich mit belanglosen Arbeiten beschäftigte.

Zutiefst besorgt war Travis zum Maschinenraum gegangen. Trip war immer noch dort und machte auf eigene Kosten Überstunden. Wahrscheinlich hatte es ihn nicht besonders gefreut, unterbrochen zu werden. Natürlich trug der Commander nicht nur die Verantwortung dafür, den Schaden am Schiff zu reparieren, sondern trauerte auch um seinen Freund, zusätzlich zum Verlust seiner Schwester; auch er hatte mager und müde ausgesehen. Im Nachhinein war es vielleicht keine gute Idee gewesen, eine weitere Last auf seine Schultern zu legen, nämlich das Wohl des taktischen Offiziers. Aber das war das Protokoll in solchen Situationen, und Travis hatte kaum eine andere Wahl gehabt, als es zu befolgen.

Sein Trick hatte zumindest oberflächlich Erfolg gehabt. Malcolm war aus der Waffenkammer vertrieben und zum Essen geschickt worden – er hatte die Brücke zur Mittagszeit nicht verlassen und sich mit einem gelegentlichen Schluck aus einer Wasserflasche zufriedengegeben. Aber offensichtlich war seine Fügsamkeit jetzt zu Ende.

Jetzt starrte Travis in sein steinernes Gesicht und hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. „Danke, dass Sie Hoshi gerettet haben,“ war offensichtlich in Ordnung, aber unter den gegeben Umständen bezweifelte er, dass es gut ankommen würde. Es bestand kein Zweifel, dass der Engländer sein eigenes Leben für ihre Rettung gegeben hätte, wie auch für den Rest der Crew. Es begann Travis zu dämmern, dass es für Malcolm eine schwer zu ertragende Last sein musste, sein eigenes Leben gerettet zu haben, aber nicht das des Captains.

„Gibt es noch etwas, Ensign?“ fragte die kalte englische Stimme.

Um Himmels willen, Malcolm, trauern Sie wie der Rest von uns, aber hören Sie auf, sich selbst die Schuld zu geben. Aber das konnte er nicht sagen, weil der andere Mann es nicht akzeptieren würde.

„Nein, Sir,“ sagte er traurig und sah zu, wie sein Freund schweigend nickte, sich umdrehte und den Korridor entlanglief.

Dennoch konnte es nicht einfach auf sich beziehen lassen. Obwohl er sich zweifellos lieben von wilden Pferden schleifen lassen würde, als es zuzugeben, brauchte Malcolm Hilfe.

Trip? Hatte bereits eingegriffen und brauchte höchstwahrscheinlich keine zusätzliche Belastung. Der… Captain T'Pol? Wahrscheinlich nicht die beste Person, um mit dem Thema rasender menschlicher Emotionen anzusprechen.

Nicht zum ersten Mal musste Travis mit Bedauern an Major Hayes denken. Trotz allem, was er und Lieutenant Reed euphemistisch als eine ziemlich schwierige Arbeitsbeziehung beschrieben hatten, war Travis nicht der einzige, der der Meinung war, dass Malcolms tiefes Gefühl der Unsicherheit ihn daran gehindert hatte, zu erkennen, dass der MACO ein großartiger Kerl und ein Profi wie er war. Unter anderen Umständen wären sie vielleicht gute Freunde geworden, und gegen Ende glaubte er, dass Malcolm endlich anfing, Hayes Qualitäten zu schätzen. Selbst wenn das nicht passiert wäre, glaubte Travis, dass der Major der Mann gewesen wäre, der Malcolm vermutlich am Meisten hätte helfen können. Aber leider hatte ein Schuss mit einem Gewehr der Reptilianer Hayes in die Brust getroffen, als er aus der Mission zur Rettung von Hoshi weggebeamt wurde, und jetzt würde niemand mehr wissen, was er im Hinblick auf den Umgang mit einem straffen Briten, dem der Verlust des Captains emotional zerschmettert hatte, gemacht hätte.

Der Steuermann wandte sich mit gerunzelter Stirn weg. Ihm gingen die Optionen aus. Em, Malcolms Stellvertreterin, hatte Dienst, oder sie wäre seine automatische Wahl als Vertraute gewesen. Er hatte bereits ihr besorgtes Gesicht gesehen, als sie ihren Platz auf der Brücke angenommen hatte. Zweifellos würde sie, sobald ihre Schicht zu Ende war, auf die Suche gehen, aber es blieben noch Stunden, bis die geschah; und die Vorahnung saß in seinem Magen wie ein Stein, das trotz aller strengen Pflicht von Reed – der Kerl dachte zweifellos, dass Dummheiten machen, einem Offizier unwürdig wäre – der Lieutenant jetzt Hilfe brauchte.

Die beiden waren Freunde. Er glaubte es mit Sicherheit, und obwohl Malcolms englische Zurückhaltung offenkundige Freundschaftsbezeugungen untersagte, war er zuversichtlich, dass das Gefühl gegenseitig war. Zusätzlich zu ihrem andauernden Schachkrieg (er hatte noch nicht gewinnen können, aber er arbeitete daran) trainierten sie zusammen im Fitnessstudio und hatten manchmal Sparringssitzungen nur zum Spaß. Vielleicht waren sie nicht die wahrscheinlichsten Typen, die die Gesellschaft des anderen genossen, aber er dachte gern, er hätte Commander Tucker dabei geholfen, die eher düstere Lebenseinstellung des Briten aufzuheitern. Als Freund sollte er sich also sicher einen Weg einfallen lassen, um die dort so deutlich sichtbaren Barrieren zu durchbrechen. Malcolm war hinter ihnen begraben wie ein Tier, das sich verstecken und seine Wunden im Dunkeln lecken wollte; dazu waren Freunde doch da, oder?

Gut. Diesmal schien es nicht so zu sein. Manchmal – das hatte ihm seine Mutter gesagt – gibt es Zeiten, in denen man nicht helfen kann, egal wie sehr man auch helfen möchte.

Er war auf halbem Weg zu seinem Quartier, als die Idee ihn traf.

Er sah das völlig falsch an.
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