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Hinter den Schatten

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 Slash
Bryce Walker Clay Jensen Tony Padilla
02.12.2019
05.12.2019
2
2.037
3
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Dieses Kapitel
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02.12.2019 692
 
"you will burn and you will burn out; you will be healed and come back again."
—      fyodor dostoyevsky



Ohrenbetäubend, schrill und aufdringlich klangen die Sirenen an seine Ohren. Wie ein gequälter Schrei durchbrachen sie die Nacht und bohrten sich mit einer solchen Intensität in seinen Kopf, dass es ihm körperliche Schmerzen bereitete. Die Gelenke taten ihm vor Kälte und Anspannung weh, doch er wagte es nicht sich aufzurichten, saß weiterhin in gebückter Haltung hinter einer zur Hälfte eingestürzten Mauer. Wenn er die Augen nur einen Spalt öffnete, was er immer wieder tat, wenn die Paranoia ihn packte und er das Gefühl hatte jemand würde direkt vor ihm stehen, dann konnte er die roten und blauen Lichter sehen, die sich am dunklen Nachhimmel abfärbten. Sie schienen zu tanzen, ihn zu verhöhnen, ihn verraten zu wollen. Die bislang so stille Nacht hatte sich in ein lautes, buntes Spektakel verwandelt. Wie hektische Tiere rannten Menschen über den kleinen Hafen, versunken in ihrer Arbeit oder einfach nur zum starren. Es war so, als hätten sie sich versammelt um ihm bei seinem Untergang zuzusehen. Zumindest bildete er sich das vor Panik und Hysterie ein und so sehr er es auch versuchte, sein Körper wollte ihm nicht gehorchen. Wollte sich nicht beruhigen, sich nicht aus dem Schutz der Dunkelheit erheben. Er kauerte einfach nur da, lauschte dem Klang seines wummernden Herzens, welches wie die Bässe eines Rocksongs in seiner Brust pulsierte und hoffte, dass sein Gehirn ihm einfach nur wieder einen Streich spielte. Dass er jeden Moment aus dem Alptraum erwachen würde, doch er wusste es besser. Dieses Mal war es mehr als das. Zu präsent war die Kälte, die nasse Kleidung, die an ihm herunter hing; getränkt vom Wasser des kleinen Piers und von seinem Schweiß, der ihm vor lauter Angst aus allen Poren zu fließen schien.

Er holte tief Luft, stieß sie dann instinktiv wieder aus und hinterließ so  kleine Wolken in der Luft vor sich, während gedämpfte Stimmen und andere Geräusche an sein Ohr drangen. Das Rauschen des Polizeifunks. Das Plätschern, welches die Taucher hinterließen, als sie die Wasseroberfläche durchbrachen und schließlich die lauten Rufe einer der Polizisten.

„Wir brauchen die Spurensicherung! Wir haben eine Leiche gefunden!“

Der junge Mann zwang sich dazu seinen Kopf zu recken und den Polizisten anzusehen, der nur wenige Meter von seinem Versteck entfernt stand. Er sah gerade noch wie dieser mit der flachen Hand auf seine Windschutzscheibe schlug, ehe er sich an seinen Kollegen wandte. „Also doch kein übler Streich.“, sagte er. Seine Stimme klang abgeschlagen und mürrisch. „Rufen Sie mich, wenn sie wissen um wen es sich handelt. Und kontaktieren sie die Spurensicherung.“

Vorsichtig ließ er sich zurück gegen die Mauer sinken, fiel mit den Knien unsanft auf den feuchten Asphalt, den Schmerz ignorierend, der sich ausbreitete. Er steckte sich die Hand in den Mund, erstickte so das Keuchen, welches sich in seiner Kehle aufbaute und mit aller Kraft kämpfte um an die Oberfläche zu kommen. Er schmeckte Blut; sein eigenes, weil er sich so fest auf die Finger biss, dass er seine Haut verletzte. Sein Blick verschleiert vor Tränen, griff er mit der freien Hand in seine Jackentasche und zog sein Handy heraus. Er wählte die erste Nummer, die ihm in den Sinn kam, wartete gespannt darauf, dass sich die vertraute Stimme am anderen Ende meldete. Betete, flehte, dass er sie hören würde.

„Hallo?“

Er zuckte zusammen, obgleich er sich genau diese Stimme herbeigesehnt hatte.

„Hallo? Ist da Jemand?“

Verkrampft lehnte er sich zurück, nahm die blutende Hand aus dem Mund. „Scheiße“, stieß er nuschelnd hervor. „Verdammte Scheiße.“

Am anderen Ende der Leitung raschelte es. „Wer ist da?“

„Du musst.. Fuck.. Du musst mir helfen.“, stammelte er verzweifelt als Antwort. Eine Träne bahnte sich den Weg über seine Wange und verlor sich schließlich auf seinen geöffneten Lippen. Er wimmerte, auch wenn er zwanghaft versuchte sich unter Kontrolle zu haben. Sein Kopf sank nach hinten gegen die kühlen Steine.

Am anderen Ende hörte er wieder ein Rascheln. Es klang so, als würde sich der andere aufsetzen. Das Klicken eines Lichtschalters im Hintergrund. „Clay? Wo bist du? Alles in Ordnung?“
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