Gefährten 2.0 Adventskalender

GeschichteHumor, Freundschaft / P12
OC (Own Character)
01.12.2019
15.01.2020
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Als Faelorun die Augen aufschlug, merkte er, dass irgendetwas anders war. Normalerweise konnte er von seinem Bett aus das gesamte Zimmer überblicken, doch an diesem Morgen war sein Sichtfeld blockiert. Das verwirrte ihn und so zwickte er sich in den Arm, um zu überprüfen, ob er sich vielleicht wieder einmal in einem dieser Alpträume befand, in denen er sich in einer Bibliothek verlaufen hatte. Ja, eigentlich liebte Faelorun Bibliotheken. Aber die Tatsache, dass er den Ausgang nicht fand, machte diese Träume dennoch ausgesprochen unangenehm.

Der Schmerz in seinem Unterarm ließ ihn schlagartig wach werden. Er hatte seine Finger fester zugekniffen als beabsichtigt. Wenigstens war ihm jetzt klar, dass er nicht träumte. Doch warum konnte er dann nicht durchs Zimmer schauen?
Bei näherer Betrachtung offenbarte sich die Blockade als große Holzkiste, die jemand direkt neben seinem Bett abgestellt hatte. Er selbst war es jedenfalls nicht gewesen, da war er sich sicher. Schließlich schlafwandelte er nicht und außerdem gab es in seinem Kopf keine Erinnerungslücke, die darauf hätte schließen lassen, dass er in der vorherigen Nacht dem Wein allzu sehr zugesprochen hatte. Nicht, dass so etwas jemals vorgekommen wäre...

Unwirsch schüttelte Faelorun die seltsamen Gedanken ab und begann, die Holzkiste genauer zu inspizieren. Er vermutete, dass es sich dabei um sein Wichtelgeschenk handelte. Neugierig öffnete er die Kiste an der dafür vorgesehenen Stelle und fand darin eine zweite. Auch diese öffnete er, und auch sie enthielt lediglich eine weitere Kiste.
Dieser Vorgang wiederholte sich einige Male und Faelorun begann sich zu fragen, ob sich nicht einfach jemand einen Scherz erlaubt hatte und er gar nichts finden würde.
Doch schließlich, als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, fand er endlich sein Geschenk. Ganze zehn Kisten hatte er dafür öffnen müssen! Doch offensichtlich hatte sich die Mühe gelohnt. Begeistert nahm Faelorun das Buch in die Hand.
Es trug den Titel 》Das letzte Bündnis zwischen Elben und Menschen《.
"Wunderbar!", rief Faelorun euphorisch aus, "genau das habe ich noch gebraucht, um endlich die Vorgeschichte des Ringkrieges vervollständigen zu können!"
Er blätterte durch die Seiten und stieß immer wieder begeisterte Rufe aus. Schon lange hatte er zu diesem Thema Recherche betrieben, denn schließlich schrieb er an seinem Epos über den Ringkrieg. Damit seine Schilderungen nachvollziehbar waren, brauchte er allerdings die Vorgeschichte des Ringes und dieses Buch lieferte ihm endlich die entscheidenden Informationen.
So in das Buch vertieft, überhörte Faelorun das Klopfen an seiner Tür und schaute erst auf, als Regin sich vor ihm aufbaute und begann, sich lautstark zu beschweren.
"Was ist denn mit dir los? Warum schreist du hier herum, als wäre etwas Furchtbares geschehen? Ich habe so tief geschlafen, und ihr reißt mich aus meinen Träumen!"
Faelorun ließ sich kein bisschen aus der Ruhe bringen, denn er war gerade in Hochstimmung und die würde ihm auch der Zwerg nicht verderben können. Außerdem kam Regin ihm gerade recht.
"Keine Sorge, es ist nichts passiert, ich habe mich nur an meinem Wichtelgeschenk erfreut. Dennoch ist es gut, dass du hier bist, Regin. Hast du einen Schwibbogen angefertigt?"
"Nicht nur einen. Ich dachte schon, es wäre umsonst gewesen, weil du nie danach gefragt hast. Wenn du sie sehen möchtest, dann hole ich sie", brummelte er vor sich hin.
Faelorun stimmte zu und der Zwerg verschwand wieder aus seinem Zimmer. Schnell brachte der Gelehrte sich in einen vorzeigbaren Zustand. Anschließend überlegte er, was er mit den Kisten anstellen sollte, die jetzt überall in seinem Zimmer verteilt waren. Für einen Moment erwog Faelorun, sie einfach vor ein anderes Zimmer zu stellen, doch diesen Gedanken verwarf er wieder. Eigentlich waren sie ja ein Teil des Geschenks gewesen und vielleicht konnte er sie ja auch noch gebrauchen, also stapelte er sie einfach wieder ineinander und schob sie in eine Ecke des Zimmers.
Gerade als er damit fertig geworden war, kam Regin wieder.
"Oh, Kisten, die haben mir gerade noch gefehlt...", kommentierte er die Ankunft des Zwerges. Dieser zuckte bloß mit den Schultern.
"Ich kann auch wieder gehen", meinte er, während er seine Fracht vorsichtig auf den Boden stellte.
"Nein, das sollt ihr nicht", widersprach Faelorun eilig. Nichtsdestotrotz ging Regin einfach aus dem Zimmer hinaus. Faelorun starrte ihm verwirrt hinterher.
"Regin, komm zurück, das war doch nicht so gemeint!"
"Weiß ich", erwiderte der Zwerg, ging aber einfach weiter.
Warum blieb er denn dann nicht da? Faelorun verstand diesen Mann nicht. Die Erklärung folgte aber nur kurze Zeit später, denn Regin kam mit weiteren Kisten zurück.
"Was hast du denn da alles drin?", fragte Faelorun ungläubig.
Regin lächelte stolz. "Da staunst du, was? Hilf mir beim Auspacken der Sachen, dann siehst du es."
Und Faelorun sah es und traute seinen Augen nicht.
"Ich fasse es nicht! Wann hast du das denn alles geschnitzt?"
"Nun... nachdem ich deinen Brief bekam."
"Und das konntest du alles auf Dragoles' 'Drache' hertransportieren?"
Regins stolzes Lächeln wich einem gequälten Gesichtsausdruck.
"Bitte, erinnere mich nicht daran!", bat ihn der Zwerg.
"In Ordnung", stimmte Faelorun zu. Er hatte schon gehört, wie es Regin auf der Reise hierher ergangen war und in dieser Hinsicht hegte er durchaus Mitgefühl für den Zwerg. "Dann lass uns diese ganzen Kisten in die Festhalle bringen und dann wecken wir die Anderen, damit wir alles schön schmücken können."
Jetzt grinste Regin wieder.
"Wenn wir die Reihenfolge der ersten beiden Punkte vertauschen, müssen wir uns nicht alleine abschleppen", schlug er vor.
Faelorun lachte. "Du hast vollkommen Recht!"

Sie weckten also ihre Gefährten auf, welche mehr oder weniger begeistert reagierten, und brachten die Kisten in die große Festhalle. Dort bestaunten alle die Kunstwerke, die Regin erschaffen hatte. Es entbrannte ein ziemlich heftiger Streit, als sie sich nicht einigen konnten, welcher Schwibbogen in welches Fenster zu stellen sei.
Faelorun seufzte tief. Eigentlich sollten Advents - und Weihnachtszeit doch besinnlich und harmonisch sein.
Glücklicherweise griff Nella schließlich schlichtend ein und schickte die, die sich nicht einigen konnten, nach draußen, um Tannenzweige zu holen. Als sie wiederkamen, standen bereits alle Schwibbögen an ihrem Platz.
Mit den Tannenzweigen schmückten alle nun wieder ganz friedlich die Halle, bis jeder zufrieden war.

"In zwei Tagen ist es soweit!", rief Mira schließlich voll Vorfreude aus.
Und Faelorun sah die gleiche Freude auf den Gesichtern von Nella, Yarína, Ruonwe, Regin, Dragoles, Una und Frodo. Und endlich war er sich sicher, dass dieses Treffen eine gute Idee war - und freute sich mit ihnen.

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Bitte entschuldigt die lange Wartezeit. Jetzt sind es nur noch zwei Kapitel... ob es auch nur zwei Tage sein werden, weiß ich noch nicht.
Und nachdem ich mit dem Adventskalender fertig bin, geht es dann auch endlich wieder mit der Hauptgeschichte weiter!

Liebe Grüße
Elenor <3