Sonne - 2019

von Alice83
GeschichteFreundschaft / P18
Jan "Farin Urlaub" Vetter OC (Own Character)
01.12.2019
01.12.2019
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A/N: Ähem, ja. Habe ich schon erzählt, ohne euch geht es nicht? ;)

Hier also der Oneshot zum ersten Advent, inklusive Gaststar (sorry, Livi ♡).

Bis nächsten Sonntag, schätze ich. Ähem ;)

♡♡♡♡♡
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Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt,
und auch, wenn das jetzt kitschig klingt:
Ich hab heut Nacht um dich geweint.
Ich wünsch dir, dass die Sonne für dich scheint. - Sonne (FURT)


01.12.2019, Düsseldorf, Südfriedhof, 12:54 Uhr

Der Kies knirschte unter Charlottes Winterstiefeln.

Da Jan sich derzeit überwiegend in Hamburg aufhielt, ihre Kinder sowieso ihrer Wege gingen und sie selbst gerade mit ihrem neuen Buch ohnehin nicht gut voran kam, hatte sie die letzten drei Tage in der Heimat verbracht, bei ihren Eltern, bei Simon, am Rhein, zu Hause halt.

Sie hatte mit ihrer Mutter Plätzchen gebacken, ihrem Vater mit dem Adventskranz geholfen, hatte die ersten Geschenke besorgt und war mit ihren Eltern Riesenrad gefahren.

Jetzt war sie schon fast wieder auf dem Heimweg, aber sie wollte Düsseldorf nicht verlassen, ohne ihrer besten Freundin vorher einen Besuch abgestattet zu haben.

Sie warf einen Blick in ihren Korb und stellte fest, dass sie zwei Grablichter mehr dabei hatte, als sie benötigte.

Einer spontanen Eingebung folgend, bog sie vom Hauptweg ab, um zunächst noch zwei anderen alten Bekannten einen Besuch abzustatten.

Kurz darauf erblickte sie ihn, groß, schwarze Winterjacke mit Kunstpelzkragen, die Hände in den Taschen vergraben, vor dem Grab seines Managers und seines ehemaligen Schlagzeugers stehen.

Für gewöhnlich rief sie ihn an, wenn sie in Düsseldorf war, aber dieses Wochenende war einfach so ausgefüllt mit Terminen gewesen, dass sie schlicht keine Zeit für ihn gehabt hätte.

Sie zögerte kurz, setzte ihren Weg dann aber fort.

Er blickte in ihre Richtung und lächelte.

„Charlotte, du hier? Das ist ja lieb.“

Sie umarmte ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Ist doch selbstverständlich, Andreas. Wenn ich schon mal hier bin, schaue ich auch bei Wölli und Jochen vorbei.“

Sie kniete sich nieder, zündete die Grablichter an, stellte sie ab und stellte sich dann wieder neben ihn.

„Warst du die letzten Tage in Flingern? Habe dich gar nicht gesehen.“

Charlotte lachte.

„Ja, da war ich tatsächlich. Aber das Wochenende war so schnell rum, weißt du…“

Er legte ihr eine Hand auf den Arm.

„Alles gut, du musst dich nicht rechtfertigen.“

Er deutete mit dem Kopf auf das Weihnachtsgesteck in ihrem Korb.

„Du willst zu Romy, oder?“

Sie sah ihn an und nickte zustimmend.

„Na komm, dann begleite ich dich noch. Oder magst du lieber alleine gehen?“

„Ach was, nein, komm ruhig mit.“

Schweigend liefen sie zurück auf den Hauptweg.

„Danke übrigens für eure schöne Danksagung. Hätte ja mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass Herr Urlaub das noch gebacken kriegt.“

Charlotte lachte.

„Du, da hätte keiner mit gerechnet, ich am allerwenigsten.“

Sie bogen in den Weg ein, der zu Romy führte, und blieben dort vor dem sandfarbenen Stein stehen.

Ihr Grab war, wie immer, gepflegt und mit Fotos und Briefen übersät.

Obwohl Marleen und Christian mittlerweile studierten, Simon sogar seit geraumer Zeit eine neue Freundin hatte, sie kamen immer noch regelmäßig her und hinterließen Romy kleine Liebesbotschaften.

Charlotte legte seufzend ihr Gesteck ab und wischte sich möglichst unauffällig eine Träne aus dem Augenwinkel.

„Die Trauer bleibt, was? Ich kenne das.“

„Ja, sie fehlt mir immer noch. Gerade dieses Jahr, die Hochzeit, mein Umzug nach Berlin, und das alles. Ich habe immer noch das Bedürfnis, sie anzurufen und ihr alles zu erzählen.“

Er legte eine Hand auf ihre Schulter.

„Sie ist noch bei dir, Charlotte. Ganz sicher.“

Sie schaute ihn an und lächelte.

„Das glaube ich auch. Trotzdem ist es nach wie vor schwierig.“

Sie standen noch eine Weile schweigend da, bis sich erneut eine Hand auf ihre Schulter legte.

„Komm, Lotte. Es ist Zeit, heim zu fahren, habe ich Recht?“

Sie lächelte ihn dankbar an.

„Stimmt, ich bin quasi schon auf dem Heimweg.“

„Habe ich mir gedacht.“

Schweigend und einträchtig liefen sie gemeinsam zurück Richtung Parkplatz.

Vor Charlottes Auto blieben sie stehen und umarmten sich.

„Danke für deine Begleitung, Andreas.“

Er drückte sie fest an sich.

„Für dich immer. Gute Fahrt und viele Grüße an die Konkurrenz.“

„Danke, richte ich aus.“

Sie öffnete ihren Kofferraum und verstaute ihren Korb, dann fiel ihr noch etwas ein.

„Andreas?“

Er drehte sich noch mal um und sah sie fragend an.

„Ja?“

„Mir gefällt euer neues Album. Hast du Tonleitern geübt? Du singst ja auf einmal.“

Er zog ihr eine Grimasse.

„Manchmal bin ich echt froh, dass du keine Musikjournalistin mehr bist.“

Sie lachte und winkte ihm noch einmal zu.

Er hob ebenfalls noch einmal die Hand, bevor er sich umdrehte und verschwand.

Sie hatte gerade auf dem Fahrersitz Platz genommen, als ihr Handy klingelte.

„Meister, was gibt es?“

„Ich wollte fragen, ob du heute Abend mit mir ausgehst.“

Charlotte stutzte.

„Jan, ich fahre gerade in Düsseldorf los, bis nach Hamburg schaffe ich es beim besten Willen heute nicht mehr.“

„Dann ist es ja gut, dass ich in Berlin bin.“

„Du bist daheim?“

Er lachte.

„Ja, gerade rein. Wir haben uns gegenseitig drei Tage Urlaub gegeben.“

„Ihr Spinner.“

„Also, gehst du mit mir aus?“

„Natürlich. Ich bin in vier bis fünf Stunden zu Hause.“

„Fahr vorsichtig, mein Schatz. Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch.“

Sie lächelte, steckte ihr Handy in die vorgesehene Halterung, betrachtete noch einmal das Friedhofstor und lächelte.

„Schönen ersten Advent, mein Engel.“

Dann startete sie den Motor und legte den Rückwärtsgang ein.

Es war, wieder mal, höchste Zeit, nach Hause zu fahren.