Geschichte: Freie Arbeiten / Projekte / 120er / Untold

Untold

von Xalita
KurzgeschichteAllgemein / P16
01.12.2019
31.05.2020
10
4.241
2
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
23.12.2019 746
 
Humor, Horror, P12


Memory - Erinnerung (20.12.19)

Es geschah am Sonntagabend. Ich lag auf dem Sofa, die Kopfhörer in den Ohren, das Handy vor mir. Ich lachte schon eine ganze Weile, als meine Mutter schließlich satt hatte und das Verbot aussprach – genug Internet für heute! Ich protestierte, wie langweilig, nein, was sollte ich denn machen? Wirklich, am Wochenende dürfe man doch wohl noch Spaß haben! Emsig erinnerte ich sie an die gute Mathearbeit, eine Drei, wirklich, das war was Besonderes für mich. Und die Eins im Test, hatte sie die vergessen? Gestern hatte ich doch sogar das Geschirr gespült (mein Bruder war’s), aber nein, kein Erbarmen. Das Handy musste auf auf dem Regal liegen bleiben.

Ausgeschaltet, ermahnte sie mich streng.

Frustriert warf ich mich in den Sessel und entschied, meine Mutter mit Verachtung und dummen Gerede zu strafen. So plapperte ich vor mich hin, bis ihr der Kragen platzte. Ob ich mein Zimmer schon aufgeräumt hätte, fragte sie. Ich schaute frech in ihr Gesicht und wägte die Möglichkeiten ab – lügen oder die Wahrheit sagen? Die Lüge würde sie schnell aufdecken können, also gab ich zu, nein, hatte ich noch nicht.

Natürlich hatte sie mich die Treppe heraufgescheucht und nun saß ich da, auf dem ungemachten Bett. Klamotten lagen herum, der Teller mit dem Essen von gestern stand auf der Kommode, die Stifte, Blöcke und Bücher schienen sich auf dem Schreibtisch bekriegt zu haben.

Mir blieb keine Wahl, das wusste ich, ich war nicht dumm. Also raffte ich mich auf und begann, die Wäsche nach schmutzig und okay zu ordnen, die Flaschenarmeen aus Wasser und Cola sich gegenüberzustellen und packte die Sachen für die Schule ein. Bei dem restlichen Zeug nahm ich es dann nicht mehr so genau, wozu gab es schließlich Schubladen und überhaupt, so voll war der Mülleimer jetzt auch nicht.

Kurze Zeit später eilte ich nach unten, übersprang die letzte Stufe sogar und holte den Staubsauger. Ich mochte seinen Geruch nicht, aber Angefangenes soll man ja bekanntlich zu Ende bringen, also entfernte ich doch recht ordentlich die Spinnenweben und die Popcornkrümel von dem Filmeabend letzte Woche.

Die Hände in die Seiten gestemmt sah ich mich zufrieden um. Doch, annehmbar ist es schon so.

Da hörte ich ein Geräusch, drehte mich um und machte ein Satz nach hinten. In meiner Tür stand jemand, das Blut tropfte von ihm herab, ein irres Lächeln auf den Lippen. Ob ich Angst hätte, fragte er mich und hob das Messer. Ich sagte nichts, nicht wirklich, nun ja, eigentlich starrte ich nur mit einem Anflug von Missbilligung auf die roten Flecken in meinem Teppich. Ein Geist sei er, rachlüstig, informierte er mich, ich sei sein Opfer, weil ich weiblich wäre und überhaupt, alle Frauen wären Verräter. Ab diesem Punkt wurde es lächerlich, ich war doch keine Therapeutin für Herzschmerzpatienten! Ich bat ihn freundlich, sich doch jemand anderes zu suchen, ich hätte heute schon genug getan. Perplex ließ er die Hand sinken, sowas war ihm wohl noch nie passiert.

Nebenbei bemerkt, fuhr ich fort, ich hätte das Zimmer gerade erst gesäubert, es sei nicht fair, es jetzt noch mit meiner Leiche zu belasten und der Schmiererei erst. Mutig ob seiner Verblüffung wies ich ihn auf seine Unhöflichkeit hin und er zeigte sich ersichtlich, fragte, wann ich denn sonst bereit zum Ermordet werden wäre.

Na, erwiderte ich, bestimmt nicht in diesem schönen Zimmer.

Da wurde er weinerlich, er sei doch an diesen Raum gebunden, wie sollte er mich denn sonst kriegen?

Wenn es mal wieder unordentlich sei, dürfe er mich meinetwegen erstechen, zuckte ich die Schultern. Es würde ja nicht lange dauern, lautete das Versprechen.

Da zog er sich einwilligend zurück und ich beschloss, jedes Chaos ab sofort aus meinem Zimmer zu verbannen. Schließlich wollte ich unbedingt noch das nächste Buch dieser tollen Reihe lesen und überhaupt, das wollte ich meiner Familie gar nicht antun.

Der Geist tat mir immer ein wenig leid, vermutlich wartete er irgendwann nur noch hoffnungslos darauf, dass endlich jemand anderes das Zimmer bezog. Blöd nur, dass ich hier wohnen blieb, als meine Eltern sich ein Häuschen in Irland nahmen und meine Kinder in der Wohnung aufwuchsen. Die Ordnung übernahm ich rasch überall, ein wenig Angst vor dem Geist bleibt doch, obwohl er ja angeblich nur in meinem Zimmer eingreifen konnte.

Ja, das war die Geschichte, wie ich zur Ordnung kam. Und jetzt schlaf, mein Schatz, ja, deinen Gute-Nachtkuss kriegst du auch noch. Träum schön und morgen räumst du das hier auf, versprochen?
Review schreiben