Der Informant und das Monster - eine Verbindung?

von Tanik
OneshotDrama / P16
Izaya Orihara Shizuo Heiwajima
01.12.2019
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01.12.2019 2.200
 
Der Himmel über Ikebukuro trägt graue Wolken, aus welchen sich der Regen in Strömen ergießt. Jener Großstadtdschungel, welcher sonst so überfüllt von Menschen ist, wirkt irgendwie leer und es herrscht Stille. Es ist ein wahrlich betrüblicher Anblick und doch scheint er wie gemacht, für diesen Tag und diese Situation. Ein paar Männer fliehen aus einer kleinen Seitengasse, vor einem blonden Mann, welcher ihnen mit dem Tode droht. Anschließend zündet der Mann sich eine Zigarette an und richtet sich seine Sonnenbrille, die er selbst an einem verregneten Tag im Herbst nicht ablegt.

Zum ersten Mal in Shizuo Heiwajimas Leben, hat er das Gefühl vollkommen zur Ruhe gekommen zu sein, die Stille genießend sieht er vor sich zu Boden, wo ein schwarzhaariger Mann liegt, welcher schwer atmet. Die einst so bequem aussehende Jacke des Mannes - welche fast so etwas wie ein Markenzeichen für ihn ist - ist bestenfalls als heruntergekommener Fetzen zu bezeichnen, blaue Flecken und zahlreiche Schnitte zieren seinen blassen Körper, seine Lippe ist aufgeplatzt und ihm läuft Blut aus dem Mund. Hustend und am Ende seiner Kräfte fragt der Schwarzhaarige «Na, Shizu-chan? Bist du zufrieden mich so zu sehen? Oder willst du zuende bringen, was dieser Abschaum angefangen hat?» Der Blondhaarige schweigt, verzieht aber die Miene. «Der Floh redet» denkt Shizuo «er redet und redet und redet! Er ist so laut, so nervig, so verabscheuungswürdig! Wenn er wüsste was gut für ihn ist, dann würde er schweigen.» In der Tat sollte man mit solchen Wunden einfach ruhig liegen bleiben und auf Rettung warten.

«Shizu-chan» fragt der Schwarzhaarige erneut «bist du zufrieden? Gefällt es dir, zu sehen, wie deine Nemesis zugrunde geht?» Anschließend lacht der Informant kurz auf, jedoch vergeht ihm die Lust daran schlagartig, da ihn die Schmerzen zu sehe peinigen. Sein Blick wird glasig, als er an den Vorfall denkt, welcher sich hier kurz vor dem Erscheinen des Monsters ereignet hatte.

- w e n i g e  M i n u t e n  z u v o r -

Tritte und Schläge. Sie prasselten auf ihn herein, wie ein gewaltiger Hagelsturm, warfen ihn zu Boden. «Heh, scheinbar ist Izaya Orihara wohl wirklich nur eine Lachnummer» rief einer der Männer, vermutlich deren Anführer. Er trat und trat mit jedem Mal ein wenig stärker zu, lachend. Seine Kollegen sahen begeistert dabei zu, oder beteiligten sich sogar an dieser Aktion. «Na, Orihara-san, bist du nun zufrieden, jetzt wo du bekommst, was dir zusteht?» Es tat weh. Wäre er nur nicht so unvorsichtig gewesen. Er hätte es kommen sehen müssen, ein Mann wie er macht sich schließlich keine Freunde mit seinen Diensten und Verhaltensweisen.

«Hey, ich habe dich eben was gefragt! Antworte gefälligst» schreit der Anführer der Bande und sieht dem Schwarzhaarigen mit stechenden Blicken an. «Antworte» zischt er immer wieder «Antworte! Antworte! Antworte, du Bastard!» Izaya war Niemand, der gerne Schwäche zeigte. Er würde garantiert nicht das Spiel dieses Idioten mitspielen. Und er würde ihm auch nicht die Freude zuteil werden lassen, ihn zerbrechen zu sehen. Aber wenn er nicht gerade das Opfer wäre, dann würde er diese unnötige Aggression gepaart mit einer wundervoll ausgebildeten Idiotie sogar ausgesprochen amüsant finden.

«Weißt du» begann Izaya während er zwischen den Männern hin und her blickte «ich muss dir nicht antworten, wenn ich das nicht möchte. Und ich denke, es ist eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich nicht dazu herablasse, mit Abschaum wie dir zu sprechen. Ich ziehe es vor, mit echten Menschen zu sprechen.» Kurz darauf spürte der Informant, wie der Schlag ihn traf - wortwörtlich. Ein Schlag mitten in das jugendlich aussehende Gesicht des Schwarzhaarigen. Izayas Lippen sind aufgeplatzt und Blut quillt aus ihnen hervor, er versucht jedoch sich sein Leiden nicht anmerken zu lassen.

«Jungs, verpasst diesem Penner mal eine ordentliche Abreibung, oder noch besser: Schlagt ihn tot» ordnet der Anführer dieser Gruppierung an und sofort wurden Messer gezückt. Izaya setzte ein verschlagenes Lächeln auf «Na los, bringt meinem Leben ein Ende. Der einzige Preis, den ihr dafür zahlen müsst» er biss die Zähne zusammen, weil der Schmerz schier unerträglich zu sein schien «ist eure Menschlichkeit.»

Und ab diesem Moment war alles Schwarz.
Bis zu dem Zeitpunkt, als er die Stimme des Blonden vernahm.


«Bist du zufrieden, Shizu-chan» fragte Izaya nun leise, während ein schrecklich falsches Lächeln sein Gesicht schmückt. «Zufrieden» murmelt Shizuo Heiwajima nun und bückt sich hinunter zu seinem verhassten Feind. Er mustert ihn und fast - aber nur fast - bekommt er sogar Mitleid mit ihm. Tatsächlich ist es ja schon immer der sehnlichste Wunsch des Blonden gewesen, seinen Erzfeind in dieser Lage zu sehen. Er wollte ihn verwundet, dem Tode nahe sehen und anwesend sein, wenn der schwarzhaarige Informant aus Shinjuku seinen letzten Atemzug tut.

Doch er fühlt sich keineswegs glücklich, über diese Wunscherfüllung. Es liegt eindeutig daran, dass ihm jemand zuvorgekommen ist. Denn wenn Jemand diesen erbärmlichen Floh zum Tode verurteilen sollte, dann er. Und auch nur er, niemand sonst sollte ihm das nehmen. Shizuos Hände ballen sich zu Fäusten, seine Augen verengen sich und zischend bekennt er sich dazu, nicht zufrieden zu sein. «Natürlich bin ich es nicht!»

Verwunderung macht sich auf Izayas bleichen Gesicht breit, seine Augen mustern den ehemaligen Barkeeper intensiv, als er wissen will «warum? Du wolltest mich doch immer tot sehen, oder hat da etwa Jemand seine Meinung geändert?» Wie gerne würde Shizuo ihn jetzt gerne schlagen, oder erwürgen. Jedes Mal, wenn der Floh seinen Mund aufmacht, bekommt er das starke Bedürfnis, ihn zum Schweigen zu bringen. Doch er reißt sich zusammen und schnappt sich den Informanten, welcher sichtlich geschockt ist.

«Shizu-chan, warum tust du das? Du könntest mich sterben lassen, das ist dir klar, nicht wahr?» Als Antwort erhält der Schwarzhaarige nur ein undefinierbares Knurren. Das stachelt den Verletzten dazu an, dem Blonden auf die Nerven zu gehen - als könnte Izaya niemals keine Freude daran empfinden. «Du wolltest mich immer töten, doch jetzt rettest du mich? Welch erstaunlicher Wandel der Dinge das doch ist! Ich hätte niemals gedacht, dass derjenige, der mir so verhasst ist, mir einmal das Leben retten würde.» «Halt endlich deinen verdammten Mund, sonst lasse ich dich einfach irgendwo liegen» brüllt Shizuo, der mehr als nur genervt ist. Der Schwarzhaarige sollte seine Stimme schonen.

Ein schwaches Lachen entkommt Izayas Mund «Das könntest du durchaus machen, wahrscheinlich würde man dich dafür feiern. Ich meine, mir wird ohnehin Niemand auch nur eine Träne nachweinen.» Der Blonde hätte nicht gedacht, dass sich sein Hass für den Schwarzhaarigen noch steigern kann, aber tatsächlich ist dies gerade eben der Fall. Diese Einstellung gefällt dem Blonden nicht. Niemand sollte so über sich denken, auch wenn es bei Izaya definitiv so ist, wie er sagt. Shizuo jedenfalls würde den Floh nicht vermissen, sein Leben würde ruhiger werden und vor allem eines: Friedvoll.

«Jetzt sag mir» verlangt der Schwarzhaarige von jenem Monster, das ihn trägt «warum hilfst du mir. Liegt dir etwa etwas an mir?» «NIEMALS, ICH HASSE DICH!»
«Wäre auch ziemlich untypisch für dich, wenn du mich plötzlich leiden könntest, Shizu-chan.»
«Ich helfe dir nur, weil ich derjenige sein will, der dich tötet» sagt der Blondhaarige und versetzt den Informanten dadurch für einen kurzen Moment in Sprachlosigkeit.

«Verstehe» murmelt Izaya, welcher immer mehr Probleme damit hat, zu sprechen und sieht dem blonden Monster direkt in die Augen «dementsprechend haben wir also tatsächlich diese Art von Verbindung.» «Hä» will der ehemalige Barkeeper wissen «was laberst du da? Wir haben keine Verbindung!» «Das behauptest du, dabei ist es offensichtlich, dass wir beide wie Ying und Yang fungieren. Pluspol und Minuspol. Tag und Nacht, wenn du mit dem Prinzip von Ying und Yang nicht vertraut bist und rein gar nichts über Magnetismus weißt. Wir sind gegenteilig und doch geraten wir immer wieder aneinander.» In Shizuo Heiwajima keimt erneut das Bedürfnis auf, ihn zu verschlagen, doch beschließt er einmal über die Worte des Schwarzhaarigen nachzudenken. Wenigstens für einen Moment.

Es ist wahr, die beiden haben eine Verbindung. Durch Hass geschmiedet, genährt durch Gewalt und beseelt vom Verlangen das Leben des anderen zu beenden.

Ohne Izaya, wäre es Shizuo vergönnt ein friedliches, ruhiges Leben zu führen. Es wäre alles was er wollen würde. Er wäre glücklich. Doch es ist aufregend, dem Floh hinterher zu jagen, es ist gefährlich und es treibt nicht nur seinen Blutdruck in die Höhe, nein, es gibt ihm auch die Möglichkeit seinen angestauten Aggressionen freien Lauf zu lassen. Es ist eine Art Ventil, wenn man so will. Und sie beide haben etwas von dieser Verbindung. Izaya hat seine Freude daran und auch der Blondhaarige genießt es auf seine eigene Art. Zudem wird es auch nie langweilig.

«Ich verstehe» sagt das Monster und der Floh weitet die Augen, als wolle er damit ausdrücken «ach was? Wer hätte gedacht, dass du in der Lage bist, etwas zu verstehen Shizu-chan?» Doch er sagt nichts. Seine Körpertempertur ist gering, seine Atmung noch immer schwer. Der Schmerz sitzt dem Schwarzhaarigen in allen Gliedern, die Erschöpfung geht einher mit der Kraftlosigkeit die ihn befällt. Er schließt die Augen, aus denen mittlerweile doch Tränen geflossen sind. Dies entgeht Shizuo natürlich keineswegs, es versetzt ihn in einen panischen Zustand, welchen er sich nicht genau erklären kann. Er weiß nur eines «ich muss mich beeilen. Sonst wird er... er wird sterben.»

- E i n  p a a r  T a g e  s p ä t e r -

Die Sonne sendet ihr gleißendes Licht in Strahlenform auf die Stadt Ikebukuro, überall befinden sich Menschen und die Ruhe ist dahin. Menschenmassen, wohin das Auge nur blickt, die unterschiedlichsten Leute treffen in der Großstadt aufeinander. Die Atmosphäre ist nicht zu vergleichen mit der, von vor ein paar Tagen.

«Fang mich doch, Shizu-chan» ruft ein schwarzhaariger Mann in einer geflickten Jacke mit Pelz, welcher vor einem anderen, hochgewachsenen blonden Mann wegrennt. Dieser besagte Blondschopf hält ein verbogenes Straßenschild in der Hand und brüllt den Namen der Person, die er verachtet wie keine andere auf der Welt.

«IZAYA, KOMM HER UND LASS DICH UMBRINGEN!» Es ist alles wie gehabt, doch merkt man, dass sich auch etwas geändert hat. Der Gesichtsausdruck des Blonden ist längst nicht mehr so verzerrt vor Zorn, wie es einmal der Fall war. Er wirkt zwar mächtig wütend, aber dennoch könnte man meinen, dass sich ein Lächeln auf seinem Gesicht zu befinden scheint.

«Oh seht nur! Die beiden kämpfen schon wieder!»
«Geht aus der Reichweite, sonst treffen sie euch noch!»
«Passt auf, dass ihr nicht versehentlich in den Weg von Heiwajima Shizuo geratet, der macht euch platt!»
«Er sieht heute wieder so zornig aus, es ist beängstigend!»
«Und was macht Orihara da schon wieder? Vorsicht, er wirft Messer!»
«Wie viele von denen hat er denn überhaupt?»
«Bitte nicht angreifen, wir sind nur Touristen!»

Es gleicht viel mehr einem Fangenspiel mit Publikum- einem Fangenspiel bei dem die Messer und die Straßenschilder, Mülleimer und weiteres wild umherfliegen. Der Schwarzhaarige flüchtet in eine kleine Gasse, Shizuo verfolgt ihn und bemerkt, dass der Informant aus Shinjuku soeben in eine Sackgasse gelaufen ist. «Oh, da habe ich mich wohl in der Richtung geirrt» meint Izaya grinsend «was für ein unglücklicher Zufall.»

Shizuo Heiwajima treibt den Kleineren weiter in die Gasse, bis dessen Rücken die kalte Backsteinmauer berührt. «Wirst du mich jetzt töten, Shizu-chan? Es ist doch dein Herzenswunsch!» Der Blonde schlägt neben dem Floh gegen die Wand und genießt die Angst, welche für einen kurzen Moment in Izaya Oriharas Augen zu sehen ist. Dann schüttelt er den Kopf «nein, ich töte dich heute nicht.»

«Oh» fragt der Informant mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht «wieso denn nicht? Ist heute kein schöner Tag, um seine Menschlichkeit zu verlieren, Shizu-chan?» Als er darauf keine Antwort erhält, beschließt er in Erfahrung zu bringen, ob der Blonde etwa einen Sinneswandel hatte. Daraufhin erntet Izaya nur schallendes Gelächter. Verwirrt sieht er den Blonden an und fragt «was ist denn jetzt in dich gefahren? Lachst du etwa über mich und den miserablen Zustand in dem ich mich befunden habe? Na, na Shizu-chan, das ist aber gemein von dir! Oder lachst du etwa über meine Frage? Was genau ist gerade los mit dir, du blondes Monster?»

«Nein, es ist Nichts» sagt Shizuo Heiwajima «nur habe ich beschlossen, dass die Erfüllung meines Herzenswunsches noch eine Weile warten kann. Schließlich haben wir doch eine Verbindung, oder nicht?»

«Ja» stimmt der Schwarzhaarige zu «die haben wir in der Tat. Eine Verbindung aus purem Hass, oder hasst du mich etwa gar nicht mehr?»

«Natürlich hasse ich dich noch. Ich könnte dich niemals nicht hassen, Izaya!»

«Ah, da bin ich aber wirklich erleichtert, Shizu-chan. Ich hasse dich nämlich auch, sogar ausgesprochen gerne~»

Und auch wenn Hass ein so negatives Wort ist, die gesamte Abneigung die man für einen Menschen empfinden kann umschreibt, so hat es für diese zwei seltsamen Gestalten doch seine eigene Bedeutung. Sie hassen sich mit ganzer Leidenschaft, doch sind sie sich bewusst: Wenn der andere stirbt, dann ist der Spaß vorbei. Und sowohl Izaya als auch Shizuo wollen keineswegs, dass diese alltäglichen Verfolgungsjagden enden.

«Ich hasse dich so sehr, Izaya» flüstert Shizuo «so sehr, dass ich dich vorerst leben lasse.»

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Hiermit bedanke ich mich für's Lesen meiner allerersten Fanfiction. Sie mag vielleicht etwas kurz geraten und keineswegs perfekt sein, aber ich hoffe sie war unterhaltsam :)

~Tanik
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