Doctor Who Adventskalender

GeschichteHumor, Romanze / P12
01.12.2019
09.12.2019
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Somewhere in time and space. Certainly there must have been December 3rd, 2019 but not here.

Meine Zehen wackelten über der Lehne der Bank in dem Kontrollraum und die Decke war fest um meinen Körper geschlungen. Ich las in meinem Buch, dass mir Agatha geschenkt hatte. ‚The murder at the vicarage‘. Ja, von DER Agatha. Gerade verfolgte ich gespannt die Erlebnisse von Miss Marple und konnte meinen Blick überhaupt nicht abwenden. Blindlings tastete ich nach meiner Tee Tasse am Boden.

Der Doctor schraubte irgendwas unter mir in dem Inneren der TARDIS herum und unsere Stille wurde nur von dem Umblättern einer Buchseite oder dem Herunterfallen eines Schraubenschlüssels gestört.

Ungeschickt schubste ich mit meiner Hand die Tasse um, sodass sich die rotbraune Flüssigkeit über den Boden der Konsole ergoß. Ich seufzte und legte mein Buch beiseite, um mir eine neue Kanne zu machen. Meine Kuschelsocken tappten leise über den Boden der TARDIS, bevor ich einen neuen Kessel mit Wasser gefüllte und ihn auf den Herd aufsetzte.

*oOo*

„Möchtest du auch ein Tasse Tee, Doctor?“ fragte ich besagten Time Lord, diesmal mit einer ganzen Kanne und zwei Tassen bewaffnet. Irgendwo unter meinen Füßen in den Eingeweiden der Konsole erklang ein Ächzen, bevor das Gesicht des Doctors am Rand der Treppe erschien. Einige braune Haarsträhnen klebten ihm im Gesicht. Er fuhr sich mit dem Handrücken über die verschwitzte Stirn und verteilte somit das ganze schwarze Schmieröl weiter auf seinem Gesicht. Auch seine Hände und sein Anzug waren schwarz befleckt. Einen kurzen Moment vergass ich, was ich ihn gefragt hatte und sah ihn einfach nur an. Er warf mir ein warmes, wenn auch etwas unsicheres Lächeln zu, dass mir beinahe den Atem raubte und fuhr sich so durch die Haar, dass sie in alle Richtungen abstanden, was ihn nur noch besser aussehen ließ.

„Nah. Ich mache mir später einen Kakao.“ lehnte er ab.
„ich habe aber zu viel gemacht! Außerdem ist Tee viel besser als Kakao!“ behaarte ich.
„Was? In welchem Universum ist Tee denn besser als Kakao? Kakao ist Tee vielmals überlegen!“ erklärte der Doctor ungläubig.
„Ist er nicht!“
„Doch!“
„Nein!“
„Doch!“
„Warum streiten wir uns über Getränke?“ fragte ich entnervt. Der Doctor drehte sich nur um und ging.
„Wohin gehst du?“ fragte ich verwirrt.
„Ich werde zwei Tassen Kakao machen, um dir ein für alle mal zu beweisen, dass Kakao tausendmal besser als Tee ist!“ rief er über seine Schulter zurück, bevor er in den unzähligen Gängen der TARDIS verschwand. Kopfschüttelnd nahm ich mein Buch vom Boden auf und nippte an meinem Tee.

*oOo*

Eine Klirren und Scheppern ertönte aus der Küche, dann ein Fluchen und schließlich etwas, was verdächtig nach dem Schallschraubenzieher klang, doch ich hakte nicht nach.
Nur wenige Minuten später stand eine große dampfende Tasse Kakao vor mir. Sie trug einen Berg Sahne wie eine Schaumkrone und duftete nach Zimt und Schokolade. Kleine Marshmallows zierten die Sahne und trieben in der braunen Brühe umher. Ich konnte nicht anders als den Duft tief einzuatmen. Der Doctor grinste bereits siegessicher. Er selbst hatte neben mir Platz genommen und meine Beine etwas beiseite geschoben. Großzügig deckte ich unsere Beine zu und rutschte näher an ihn, bis ich mit meiner Wange gegen den rauen Stoff sein Anzugs lehnte. Dass ic dabei selbst Maschinenöl abbekam, störte mich nicht weiter.

Vorsichtig setzte ich die dampfende Tasse an meine Lippen und kostete den Kakao des Doctors. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie er mich gespannt beobachtete. Ich konnte nicht anders als genussvoll die Augen zu schließen und zu seufzen, als ich von der heißen Schokolade kostete. Die Sahne zerfloss süß auf meiner Zunge, die Marshmallows quollen auf und sogen sich mit Kakao voll. Wie weiche Kissen trieben sie in meinem Mund umher und waren so süß, dass sie an meinen Zähnen kleben blieben. Die Schokolade schmeckte nach echter dunkler Schokolade und eine Note aus Zimt rundete das Ganze ab. Es war der beste Kakao, den ich jemals in meinem Leben getrunken hatte. Auch der Doctor setzte sein warmes Getränk nun an die Lippen und nahm einen großen Schluck, bevor er sich entspannt zurücklehnte und einen Arm um mich schlang.

„Und?“
„Du hast mich überzeugt. Das ist das Beste, was ich je getrunken habe.“ murmelte ich in die Tasse. Er grinste zufrieden. Als er mich wieder ansah, glänzten seine braunen Augen im schummrigen Licht der TARDIS. Er lächelte.

„Du hast da etwas Sahne.“ murmelte er und wischte sie mir mit dem Daumen von der Lippe.
„Danke.“ murmelte ich, noch immer im Bann des schokoladigen Brauns seiner Augen gefangen. Schließlich riss ich mich von seinem Blick los.
„Ich.. ihm.. i-ich.“ Verärgert über das zittern in meiner Stimme verstummte ich, stand auf und sammelte mich kurz, danach drehte ich mich zum Doctor um.
„Wir haben noch Plätzchen. Ich hol mal schnell welche.“ beeilte ich mich. Auch der Doctor schien noch benommen und nickte nur.
Um die Ecke lehnte ich mich gegen die Wand, atmete tief durch und fuhr mir durch die langen blonden Strähnen. Was war nur los mit mir? Mir war hoffentlich nicht die ganze Weihnachtsstimmung „Weihnachten ist die Zeit der Liebenden“ zu Kopf steigen lassen, oder?

Als ich die Dose mit den Plätzchen öffnete, erstarrte ich in der Bewegung.
„Hat jemand die Hälfte der Plätzchen weggegessen?“ fragte ich, als ich zurück zur Konsole gekehrt war. Der Doctor sah an mir vorbei.
„Doctor?“ fragte ich und begann zu lachen. Auch an seinen Lippen zog ein kleines Lächeln. Ich seufzte und ließ mich wieder neben ihn fallen, diesmal penibel darauf bedacht, dass sich unsere Schultern nicht berührten. Wir schwiegen, tranken unseren Kakao und nur das Krümeln und Kauen der Kekse war zu hören.

„Ich glaube, ich habe genug Kekse für die nächsten zwei Jahre gegessen.“ meinte ich stöhnend und rieb mir über den Bauch. Ich hatte versucht meinen Mund gefüllt zu halten, um nicht mit dem Doctor reden zu müssen.
„Was meinst du mit ‚genug Kekse‘? Es gibt nicht genug Kekse, ich wette, dass es physikalisch gar nicht möglich ist!“ erwiderte der Doctor und lenkte das Ganze auf wissenschaftliche Bahnen um.
„Ich glaube, ich bekomme ein Fressbaby!“ lachte ich.
„Ich will Patenonkel werden!“ erhob er seine Stimme und fing ebenfalls das Grinsen an. Plötzlich streckte er die Hand aus und legte sie auf meinen Bauch. Ich spürte die Wärme, die von seiner Hand ausging und auf meinen Bauch überstrahlte.
„Ich glaube, es tritt!“ versuchte der Doctor mit ernster Miene zu sagen, doch ein Lachen funkelte in seinen Augen und bahnte sich den Weg durch seine Kehle. Er nahm meine Hand und legte sie unter seine auf die Stelle meines Pullovers, wo zuvor noch seine gelegen hatte. Sofort vermisste ich die Wärme.
„Stimmt.“ Tat ich auf überrascht und sah ihn mit großen Augen an, bevor wir abermals loslachten.

*oOo*

Wir hatten eine Zeitlang ruhig nebeneinander gesessen, wobei die Hand des Doctors noch immer auf meinem Bauch verweilte und abwesend hin und her strich, was mich an die Zeit erinnerte, in der ich bei Alpträumen immer mit meinem besten Freund, also ihm, Kissenburgen gebaut hatte, wenn ich nicht schlafen konnte und doch irgendwann an seiner Seite eingeschlafen war, während er etwas von Gallifrey erzählte. Überrascht von meinen eigenen Gedanken schüttelte ich den Kopf.

„Was machst du dieses Jahr an Weihnachten, Doctor?“ fragte ich leise, um die Ruhe nicht zu stören. Er brummte und seine Augen suchten meine.
„Ach, ich werde mal hier, mal dort sein. Mein Zuhause ist zwischen den Sternen, Stell. Wenn ich irgendwo gebraucht werde, werde ich da sein.“ Kurz überlegte ich, dann ergriff ich wieder das Wort.
„Gehen wir mal davon aus, das Universum braucht dich nicht, was machst du dann?“
„Das Universum und die Erde brauchen mich jede Weihnachten, Stell.“
„Aber was, wenn nicht, was, wenn… Nun ja, was wenn ich dich mehr brauche?“
„Du wirst mit deinen Freunden feiern.“ erwiderte er und wich meinem Blick aus.
„Du wirst die Feiertage nicht allein und traurig verbringen! Das werde ich nicht erlauben!“ Seine Haare hingen ihm noch immer in die Stirn und ich verspürte den unbändigen Drang mit meinen Haaren hindurch zu fahren, jedoch ließ ich es bleiben.
„Ich kenne deine vergangenen Weihnachten. Du wirst Weihnachten nicht allein sein! Nicht solange ich da bin.“ Natürlich wusste ich, dass er spätestens Weihnachten immer von seinen Begleitern verlassen wurde, aber ich wollte anders sein. Ich reiste seit sieben Jahren mit ihm und hatte bisher Weihnachten auf seinen Wunsch hin mit Freunden verbracht, damit war jetzt Schluss!
„Du könntest mit zu meiner Freundin kommen?“ Grübelte ich.
„Nah. Ich bin nicht so der Typ für die Feierlichkeiten.“ entgegnete er hartnäckig.
Ich stemmte die Arme in die Hüften und schob somit seine Hand von meinem Bauch.
„Tja, wenn du nicht zur Party willst, dann bringe ich die Party eben zu dir! Wir werden Weihnachten zusammen verbringen! Mit allen! Rose, Jack, Donna, Martha, Mickey, Jackie, Metadoctor!“ Er lächelte und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
„Das geht nicht und das weißt du! Sie existieren in einem anderen Universum oder erinnern sich nicht an mich, Stell.“
„Wenn ich will, schaffe ich alles, Doctor! Verlass dich drauf! Wir werden Weihnachten zusammen verbringen.“ Ob du willst oder nicht, ließ ich unausgesprochen.

"Wieso machst du das alles für mich?" fragte er und sah ehrlich berührt aus. Meine Finger fanden wie immer seine.
"Weil du mir das Universum bedeutest, Doctor."