Advent, Advent, die Halle brennt...

von Amery
OneshotFreundschaft / P6
01.12.2019
09.12.2019
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"Wann," Shirabu schielte über den Rand seines Buches zu Goshiki hinüber, "fängt Schnee eigentlich an, etwas zu wiegen?"
"Wie meinst du das? Schnee wiegt immer etwas," er senkte wieder den Kopf.
"Nein, nein! Überleg doch mal. Wenn eine Flocke auf meiner Hand landet, spüre ich nur ihre Kälte, aber nicht ihr Gewicht!", triumphierend sah Goshiki den Zuspieler an.
Shirabu seufzte leise.
"Überleg du mal. Ein einzelnes Blatt Papier wiegt auch nicht viel, aber ein ganzer Karton schon. Bei Schnee ist das auch nicht anders," gelangweilt versenkte er wieder die Nase im Buch.
"Shirabu! Du wolltest mir doch was beibringen! Also sag mir, wann Schnee anfängt etwas zu wiegen?"
"Stopp, ich habe nie gesagt, dass ich dir was beibringe. Ich habe den anderen lediglich zugesagt, dass ich dir beim Lernen Gesellschaft leiste, damit du dich nicht wieder ablenken lässt. Wenn du zu sehr abrutscht, darfst du nicht spielen und wenn du nicht spielen darfst, wird der Trainer sauer. Das wollen wir vermeiden, wenn es geht. Zum anderen, solltest du lernen, mal richtig zuzuhören: Schnee wiegt immer etwas! Selbst die kleinste Flocke hat ein Eigengewicht," Shirabus Blick fiel auf die Uhr. "Und jetzt komm, das Training fängt gleich an. Wir können auch nachher noch weiter lernen."

"Noch etwas über ein Jahr, dann bin ich ihn endlich los," murmelte Shirabu. Sie machten gerade eine Trainings-Pause und er beobachtete, wie Goshiki ein paar Meter weiter mit Tendō herumalberte.
"Es sei denn...," begann Kawanishi neben ihn.
"Es sei denn, was?", hakte Shirabu nach, während er seine Flasche hob, um zu trinken.
"Es sei denn, er geht an die gleiche Uni wie du," fügte der Mitteblocker hinzu.
Shirabu erstarrte, seine Hand mit der Flasche auf halben Weg zum Mund. Dann entspannte er sich.
"Hätte er nicht die Noten zu, egal, wie viel ich mit ihm lernen würde," er trank.
"Mag sein, aber er könnte trotzdem in deine Nähe ziehen, weil er dich vermisst und regelmäßig sehen will."
Shirabu erstarrte wieder, kniff die Augen zusammen und fixierte Kawanishi.
"Ich hab keine Ahnung, welche Laus dir über die Leber gelaufen ist, aber warum willst du, dass ich auch Leide? Hör auf mit diesen Szenarien, wenn du nicht willst, dass ich heute Nacht Alpträume kriege."
"Shirabu!", er sah Tendō und Goshiki auf sich zukommen. Letzterer mit seinem üblichen naiven Blick, Ersterer mit einem mutwilligen Glitzern in den Augen.
"Wann fängt Schnee an, etwas zu wiegen?", fragte der Mittelblocker unschuldig.
Shirabu knurrte.

"Da," Shirabu knallte Tendō und Goshiki ein Buch vor die Nase.
Fast das gesamte Team, hatte sich in der Bibliothek zum Lernen eingefunden und Shirabu nutzte die Gelegenheit, um diese leidige Frage endlich aus der Welt zu schaffen.
"Was ist das?", fragten die beiden auch gleich.
"Ein Buch," antwortete Shirabu trocken. "Wenn man eine Frage hat, kann man sich das entsprechende Buch suchen und findet darin eine Antwort."
"Und was hat ein Chemie-Buch mit dem Gewicht von Schnee zu tun?", fragte Tendō. Inzwischen wirkte er deutlich weniger amüsiert, als noch vorhin in der Sporthalle.
"In den Büchern über Meteorologie habe ich leider keine Antwort auf eure Frage gefunden."
Zweifelnd sah Tendō zwischen dem Buch und Shirabu hin und her. Goshiki hatte sich den Wälzer inzwischen geschnappt und blätterte darin. Allerdings schien er nicht viel damit anfangen zu können.
Klar, dachte Shirabu, die einzigen Bilder in dem Buch, waren graphische Darstellungen von Atomen und Molekülen. Kein Wunder, dass das den Erstklässler überforderte.
"Ich kenne das Buch. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich daran erinnern könnte, wenn dort das Gewicht von Schnee behandelt worden wäre. Oder Wetter im Allgemeinen," meinte Tendō schließlich.
"Klar, ihr müsst das Gewicht auch erst ausrechnen," Shirabu holte Zettel und Stift hervor und nahm Goshiki das Buch ab.
Konzentriert, blätterte er zu den entsprechenden Seiten und suchte sich für seine Formel alles zusammen, was er brauchte. Dann begann er zu rechnen.
Tendō und Goshiki wechselten immer wieder zweifelnde Blicke, während sie mit immer größer werdenden Augen verfolgten, wie Shirabu nach und nach die Formel auflöste.
"So, fertig. Da seht ihrs: Ein Schneekristall wiegt 30 Mikrogramm," zufrieden, deutete Shirabu auf den Zettel.
"Wie viel ist ein Mikrogramm?", fragte Goshiki vorsichtig.
"Ein Mikrogramm sind ein Millionstel Gramm," antwortete Tendō abwesend. Er war im Geiste immer noch mit der Formel beschäftigt. Und dem Tempo, mit dem der Zuspieler sie gelöst hatte. Nur am Rande, bekam er mit, wie Goshiki verwirrt den Kopf schief legte.
"Und was heißt das?"
"Mann! Geh doch einfach raus und wieg den Schnee selber, wenn du mit Mathe überfordert bist," genervt blies Shirabu sich seinen Pony aus der Stirn.
"Eine gute Idee!", Tendōs Augen leuchteten auf. "Komm, Tsutomu, wir gehen jetzt raus und wiegen den Schnee. Mit diesen blöden Zahlen und Formeln kann doch keiner was anfangen."
Der Erstklässler nickte begeistert und gemeinsam verließen sie die Bibliothek.

Als Shirabu nach einer Weile aus dem Fenster sah, konnte er beobachten, wie Tendō und Goshiki verschiedene Behälter mit Schnee füllten und auf eine Waage stellten.
Auf den ersten Blick, könnte man nun meinen, sie würden daraus ein wissenschaftliches Experiment machen. Doch bei genauerem hinsehen, bemerkte man, dass die beiden eigentlich nur herumalberten und fast ebenso viel Schnee als Wurfgeschoß diente, wie in den Behältern landete.
"Irgendwie, bezweifle ich, dass das Goshiki morgen bei seiner Mathe-Arbeit helfen wird," merkte Kawanishi an, der sich neben ihn gestellt hatte und das Ganze ebenfalls beobachtete.
"Weißt du was? Es ist mir egal! Soll er seine Arbeit doch in den Sand setzen. Vielleicht lernt er ja was daraus, wenn er zur Nachhilfe muss, statt am Trainingslager teilzunehmen."
Entschlossen setzte Shirabu sich wieder auf seinen Platz und begann, seinen eigenen Schulstoff zu lernen
Ihm fehlte momentan eindeutig die Kraft und Geduld, den Jüngeren noch einmal an den Schreibtisch zu ketten. Vor allem, wenn Tendō ihn nach Strich und Faden sabotierte...
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