Advent, Advent, die Halle brennt...

von Amery
OneshotFreundschaft / P6
01.12.2019
31.12.2019
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01.12.2019 1.036
 
Lev war deprimiert.
Das Training war nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Tatsächlich war so ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte.
Und das hatte natürlich Folgen gehabt.
Kenma weigerte sich, mit ihm zu sprechen oder sonstwie mit ihm zu kommunizieren. Nicht, dass er es dem Zweitklässler verübeln konnte.
Der Volleyball, den er ihm ins Gesicht gepfeffert hatte, hatte ganz schön Wumms gehabt und, wie er gehört hatte, hatte es fast drei Minuten gedauert, bis die Nase des Zuspielers nicht mehr blutete.
Selber hatte er es nicht erlebt, weil Kuroo seinen Kindheitsfreund gleich ins Krankenzimmer gebracht hatte. Vorsorglich, falls ihm doch noch schlecht werden sollte.
Dass allein war schon schlimm genug, wäre ihm aber sicherlich verziehen worden. Beim Sport passierten nun mal Unfälle. Auch, wenn es verständlicher gewesen wäre, wenn er den Zuspieler auf der anderen Seite des Feldes erwischt hätte und nicht seinen eigenen.
Teshiro, ihr zweiter Zuspieler, war vermutlich der Einzige, der der Situation etwas Gutes abgewinnen konnte. Zumindest hatte er ganz schön blass ausgesehen, als er Kenma angestarrt und dabei seine eigene Nase befühlt hatte.
Aber zurück zu Levs Problemen.
Wo Kenma sich weigerte, noch mit ihm zu reden, redete Yaku eindeutig zu viel mit ihm.
Oder eher schrie.
Der Patzer mit Kenma war schließlich nicht das Einzige gewesen, was er verbockt hatte.
Immer wieder, war er über seine eigenen Füße gestolpert und hatte die Annahmen verpatzt. Oder war, bei dem Versuch anzugreifen, mit einem der Außenangreifer kollidiert.
Einmal hatte er sogar Shibayama umgerannt.
Es war ein Versehen gewesen, ehrlich!
Shibayama hatte es auch tapfer weggelächelt, aber als Lev versuchte, Yaku zu erklären, dass er den Libero schlicht und ergreifend übersehen hatte, weil er schließlich fast 35 Zentimeter größer wäre, hatten Kai und Yamamoto den Drittklässler von ihm wegziehen müssen, bevor er ernsthaften Schaden anrichten konnte.
Danach hatte Trainer Nekomata ihn nach Hause geschickt.
Es habe keinen Sinn mehr, ihn heute noch weitertrainieren zu lassen. So unkonzentriert, wie er sich bisher präsentiert habe, würde er eher sich und andere verletzen und das könnten sie sich einfach nicht leisten.
Lev hatte ihm betrübt zugestimmt und sich gerade an den Rand setzen wollen, um weiter zuzusehen, als Fukunaga ihn auch schon aus der Halle geschoben hatte.
Bevor er protestieren konnte, war sein Blick auf Yaku gefallen. Der Libero hatte ihn mit einem gar tödlichen Blick fixiert. Vermutlich war es wirklich besser, wenn er schon Zuhause wäre, wenn das Training auch für das restliche Team endete.
Also war er schnell in den Club-Raum gehuscht, um sich umzuziehen und seine Sachen zu holen.
Dort war er Kuroo begegnet.
Dieser war gerade dabei gewesen, Kenmas Sachen zu packen und sich selbst umzuziehen.
"Gehst du schon?", hatte der Kapitän ihn gefragt.
"Ja, der Trainer hat mich nach Hause geschickt. Mit mir sei heute nichts anzufangen. Und so, wie Yaku mich angesehen hat, ist es wohl besser, wenn ich schon weg bin, wenn das Training endet. Wie geht es Kenma? Hat das Nasenbluten aufgehört?"
"Ja, vor ein paar Minuten schon. Ich wollte ihn gerade nach Hause bringen, aber wenn du sowieso Schluss machst, könntest du das auch erledigen. Dann kann ich wieder in die Halle und weiter trainieren. Wir müssen ja nicht alle drei fehlen", Kuroo fuhr sich durch die Haare und zog seine Trainings-Kleidung wieder an.
"Wird ihm das denn Recht sein? Ich mein, ich hab ihn schließlich mit einem Volleyball abgeschossen", meinte Lev leidend.
"Hast du das absichtlich gemacht?"
"Nein."
"Gut, dann entschuldige dich einfach bei ihm und versuch, ihn mit seinem Lieblings-Apfelkuchen zu bestechen."
Lev fasste neuen Mut und nickte motiviert. Dann kam ihm eine Idee.
"Könnte das bei Shibayama auch funktionieren?"
"Was hast du denn mit dem gemacht?", fragte der ältere Mittelblocker misstrauisch.
"Ich hab ihn umgerannt", gab Lev kleinlaut zu. "Ich hab ihn einfach übersehen, er ist doch so klein."
"Hast du das genau so gesagt?"
"Fast."
"Wow, Yaku muss heute seinen geduldigen Tag haben, schließlich lebst du noch", Kuroo rieb sich über den Nacken. Er hatte schon eine vage Ahnung, was ihn gleich in der Halle erwartete.
"Hör zu, ich sag dir, was du machen sollst..."

Also war Lev nach Hause gegangen, hatte unterwegs den Bestechungs-Kuchen für Kenma gekauft und seine Schwester Alisa, die deutlich besser kochen konnte als er, gebeten, für Shibayama ein Bento mit Omuraisu vorzubereiten.
Außerdem hatte seine Schwester ihm, nachdem sie gehört hatte, was passiert war und fertig mit lachen war, versprochen, für den Rest des Teams Kekse zu backen.
Als Entschuldigung für die Tollpatschigkeit ihres kleinen Bruders.
Ihn selbst hatte sie aus der Küche geworfen. Das Risiko, dass er ihre Kekse auch noch ruinieren würde, sei ihr zu hoch, hatte sie gesagt.
Jetzt saß er auf der Veranda ihres Hauses und schob gedankenverloren den Schnee hin und her.
"Das sieht ja wie eine Katze aus."
Überrascht sah Lev auf und folgte Kuroos Blickrichtung zu dem Schneehaufen vor ihm.
Tatsächlich, der Haufen hatte sich in eine Schnee-Katze verwandelt.
"Ich hab da eine Idee", der Kapitän grinste hinterhältig und suchte den perfekten Winkel, bevor er ein Foto mit seinem Handy schoss und es an mehrere Personen zu schicken schien.
"Sind die anderen noch sauer auf mich?", fragte Lev kleinlaut.
"Nö, Yaku hat sich wieder beruhigt und Shibayama und Kenma waren von Anfang an nicht wirklich sauer. Endgültig verzeihen werden sie dir, wenn du das Futter, dass deine Schwester gerade für uns macht, Morgen mitbringst. Diese Kekse sind göttlich", schwärmte der Hahnenkamm.
Es überraschte Lev nicht, dass Kuroo bereits zum Probieren in der Küche gewesen war. Hätte Alisa ihm nicht mit dem Kochlöffel gedroht, hätte er die Küche ebenfalls erst wieder verlassen, wenn die Teigschüssel leer gewesen wäre.
"Russische Weihnachtskekse, nach dem Rezept von meiner Oma", erklärte Lev.
"Hmh, schmeckt", nickte der Ältere. Als sein Handy den Eingang einer Nachricht anzeigte, lächelte er.
"Der Erste hat angebissen. Mögen die Spiele beginnen."



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Nächsten Adventssonntag, erfahrt ihr, was Kuroo damit meinte und was ein kleines harmloses Foto für einen Wirbel verursachen kann! ^^
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