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Johnlock Adventskalender

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12
Dr. John Watson Sherlock Holmes
01.12.2019
19.12.2019
19
20.946
7
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19.12.2019 1.153
 
John seufzte, als er das Büro der Direktorin betrat.

Mrs Willow-Stein war eine große, einschüchternde Frau. Sie hatte dunkelbraunes Haar und scharf konturierte Augenbrauen, ihr Lippenstift war immer makellos ausgewählt und aufgetragen, sowie auch der Rest ihrer Kleidung. Sie saß an ihrem Schreibtisch, ordnete ein paar Blätter mit den Händen und sah den Jungen vor ihr an, als John eintrat.

„Guten Morgen, Dr Watson. Bitte setzen Sie sich.“ Als sie aufstand, um John seinen Platz anzudeuten. Er setzte sich neben Hamish, welcher einen verwirrten Eindruck auf ihn machte.

„Guten Morgen, Mrs Willow-Stein.“ Antwortete John. Sie schüttelten kurz die Hände und John drehte sich anschließend zu seinem Sohn um.
„Also, was war es diesmal?“ fragte Vater. Er hatte schon vor langer Zeit den Überblick verloren, wie oft entweder Sherlock oder er in diesem Büro hatten erscheinen müssen, um sich über Hamish’s Benehmen zu unterhalten. Er kam nicht gut mit seinen Mitschülern aus und es interessierte ihn nichtmal. John war ehrlich besorgt, wie sein sechsjähriger Junge sich später in der High School machen würde. Natürlich wollte Mycroft - und Sherlock ebenfalls - dass Hamish nach Harrow geschickt wurde, was jedoch zur Folge hätte, dass er außer John’s Reichweite wäre und er ihn so nicht mehr beschützen könnte. Lächerlicher Unsinn, aber offensichtlich musste ein Holmes, wenn er schon eine öffentliche Schule besuchte, auf eine Schule in Oxford gehen. Es war eine Tradition. John darüber innerlich nur schnauben.

„Es war nicht meine Schuld, Dad.“ begann Hamish sich bereits zu verteidigen und John sah, wie die Direktorin etwas lächelte.
„Dieses Mal war es wirklich nicht Hamish’s Schuld, Dr Watson.“ Pflichtete sie seinem Sohn bei. „Soweit ich von Mis Canterbury informiert wurde, arbeiteten Hamish und ein Mitschüler namens Edward Gibbins gerade am selben Tisch während des Kunstunterrichts, als es passierte.“

„Wir waren dabei Weihnachtskarten zu basteln.“ fügte Hamish hinzu und Mrs Williow-Stein lachte.

„In der Tat fertigten sie Weihnachtskarten an und es gab allem Anschein nach einen Streit über die Existenz eines bestimmten Weihnachtsmanns, was Mr Gibbins sehr verärgerte.“ endete die Direktorin. John nickte wissend. Er bemerkte die leicht geschwollene Wange seines Sohnes - nichts beunruhigendes, definitiv nur ein leichter Schlag - und das seine Uniform nicht länger so makellos war. Sie hatten sich also wirklich geprügelt. John seufzte und tätschelte Hamish’s Kopf.

„Du hast ihm gesagt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt?“ Es klang nicht wirklich wie eine Frage. Hamish zuckte mit den Schultern.
„Wie hast du das überhaupt herausge - dein Vater hat es dir gesagt, stimmt’s?“ John schüttelte den Kopf und begann bereits das Gespräch im Kopf zu planen, welches er später zuhause mit Sherlock führen würde.
„Warum hast du das getan, Hal?“

„Er war langweilig! Redete in einem Fort über die Geschenke, welche der Weihnachtsmann ihm bringen würde. Dann begann er zu sagen, dass ich, weil ich ein Besserwisser und nervig bin, der Liste der Unartigen von dem Weihnachtsmann stünde und ich nur Kohle zu Weihnachten bekäme!“ Erklärte Hamish und sprach dabei genauso schnell wie sein Vater.
„Aber dann erzählte ich ihm, dass Daddy mir erklärt hatte, der Weihnachtsmann sei nur eine folkloristische Kreaturen, erfunden von den westlichen Kulturen, und dass alles bloß Unfug sei, denn - mal ehrlich - es ist absolut unlogisch zu erwarten, ein Mann könnte mit einem Schlitten und Rentieren allen Kinder auf diesem Planeten Geschenke bringen. Abgesehen davon stimmt nicht einmal diese Tatsache, denn es gibt schließlich Kinder, die überhaupt kein Weihnachten feiern!“ beendete er seine Schlussfolgerungen und atmete tief durch. John sah ihn mit großen Augen an. Es war wirklich beeindruckend, wie logisch und rational er doch in seinem Alter schon war, aber er wollte nicht, dass Hamish die schönsten Dinge seiner Kindheit verpasste, nur weil sein Verstand wie ein Vulkan explodierte.

„Ich verstehe.“ sagte John schließlich und drehte sich zur Direktorin um. „ich denke, ich werde ihn nun heim bringen.“

Mrs Willow-Stein nickte. „Ich halte es für das Beste. Wir haben bereits mit Mr Gibbins’ Eltern gesprochen und natürlich wird sein Handeln, Hamish zu schlagen, angemessene Folgen haben.“ berichtete sie ihm und er nickte.

„Vielen Dank, Mrs Willow-Stein.“ bedankte er sich, erhob sich und nahm Hamish bei der Hand. Sie winkte sie nur ab und entließ sie somit.

„Das ist mein Job, Dr Watson. Vielen Dank fürs Kommen.“ sagte sie.

Sie verabschiedeten sich und John verließ mit seinem Sohn an der Hand das Büro und hielt den Kopf während des Laufens gesenkt. Sobald sie außerhalb des Gebäudes angekommen waren, beugte sich John zu Hamish hinab, um auf Augenhöhe mit seinem Sohn zu sein.

„Geht es dir gut, Hamish? Hast du Schmerzen?“ erkundigte John sich besorgt. Hamish schüttelte bloß den Kopf.

„Es tut mir leid, Dad.“ entschuldigte er sich. „Ich habe dich enttäuscht, also würde ich mich gerne entschuldigen.“ John lächelte und zog seinen Sohn in eine Umarmung.

„Oh, Hal, du hast mich nicht im Geringsten enttäuscht.“ erwiderte er und rieb sanft über Hamish’s Wange. „ich etwas traurig über die Tatsache, dass du nicht den Glauben Weihnachtens genießen wirst, wie ich es in deinem Alter getan habe, das ist alles…“

Hamish zog sich zurück und sah ihn an. „Also bist du nicht sauer, weil ich das gesagt habe, was Daddy gesagt hat?“

„nun, ich hätte es bevorzugt, wenn du es nicht getan hättest. Ehrlich, Hamish, ich kann dir gar nicht deutlich genug sagen, wie ich ich es nicht möchte, dass du die lächerlichen Dinge nachplapperst, die dein Vater dir sagt, Hamish. Ich weiß, du kannst das vertragen, aber viele andere Kinder können es nicht.“ Er zwickte in Hamish’s Nase und bekam ein Kichern von ihm. „Aber ich liebe dich und ich bin so stolz darauf, wie schlau du bist… So lange du du selbst bist, wirst du mich niemals enttäuschen, Hamish.“ erklärte er seinem Sohn ernst.

Hamish nickte. „Okay.“ sagte er mit schwacher Stimme, die John’s Herz schmerzen ließ und ihn dazu zwang, seinem Sohn eine noch fester Umarmung zu geben. „Ich hab dich auch lieb, Dad.“

Mit einem Lächeln stand John wieder auf und sah zu seinem Sohn hinab. „Was würdest du von einem Eis halten? Wir haben noch ein paar Stunden, die wir uns vertreiben müssen.“ Sagte er. Hamish’s Gesicht begann zu strahlen, während er auf und ab hüpfte.

„Eis! Ja!“ Er begann neben John her zu tänzeln, welcher seine Hand mit einem großen Lächeln nahm. Es war offenkundig, dass Hamish trotz seines herausragenden Intellekts immerhin dieses eine Wunder immer noch mit allen anderen Kindern teilte.



A/N: Wann habt ihr aufgehört an den Weihnachtsmann zu glauben? Ich bereits mit fünf Jahren. Bei mir war es ähnlich wie bei Hamish nur dass ich von selbst draufgekommen bin, weil ich es einfach seltsam fand, dass es so viele Kinder auf der Welt gibt und jedes seine geschenkzeitgleich durch einen fliegenden Schlitten bekommt. Außerdem hat mich das ganze Christkind und Weihnachtsmann-Zeug dann sehr verwirrt. Beides konnte nicht existieren. Letzten Endes existierte dann gar nichts mehr. Wie war das bei euch? ; )
 
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