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Johnlock Adventskalender

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12
Dr. John Watson Sherlock Holmes
01.12.2019
19.12.2019
19
20.946
7
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Dieses Kapitel
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14.12.2019 998
 
Sherlock Holmes ging in die Küche, als er Mrs. Watson sah, wie sie ein Blech ihrer leckeren Lebkuchen fertig stellte. Er liebte die Kuchen, doch als er nach einem fragen wollte, tauchte ein kleiner blonder Junge hinter ihm auf und blickte mit einem Lächeln zu den Lebkuchenmännern hinauf.

"Kann ich einen haben, Ma?", fragte er, seine Stimme war weich und zart. Er selbst war eigentlich auch ziemlich klein - sicherlich kleiner als Sherlock. Und sein Haar war auch viel kürzer. Mrs Watson sah auf ihn herab und schüttelte den Kopf.

"Tut mir leid, Schätzchen, aber das ist für die Holmeses", sagte sie ihm, ein trauriges Lächeln auf ihrem Gesicht.

Der Junge schniefte - seine rote Nase deutete entweder eine Erkältung oder Allegien an - und nickte. "Machst du mehr, wenn wir nach Hause kommen?“

Mrs. Watson beugte sich hinab, um ihrem Sohn gegenüberzutreten, und Sherlock versteckte sich etwas mehr hinter der Tür, da das Lauschen von den meisten Menschen verpönt wurde. Er beobachtete, wie die Köchin mit der Hand über die Haare ihres Sohnes fuhr und seufzte.

"Nein, es tut mir leid..... Wir können es uns nicht leisten, Johnny", sagte sie und der Junge -- John, offenkundig -- nickte noch einmal.

"In Ordnung," stimmte er zu und schenkte seiner Mutter ein strahlendes Lächeln - obwohl Sherlock erkennen konnte, dass er etwas verheimlichte, war er einfach wirklich gut darin, Menschen zu lesen.

Mrs Watson hat John einen Kuss auf die Stirn gegeben - Mami hat Sherlock oder Mycroft nie einen Kuss auf die Stirn gegeben - und stand auf, dann begann sie, die Kekse auf einen sehr schönen Teller zu legen. Sie stellte den Teller auf den Küchentisch und ging weiter in die Speisekammer. Sherlock betrat dann die Küche, da es jetzt sicher war. Er ging rüber, um einen Keks aufzuheben, als er Husten hörte.

"Hi", sagte John und versteckte sich halb hinter der Tür der Speisekammer. Er wirkte irgendwie noch kleiner, obwohl Sherlock wusste, dass er mindestens ein Jahr älter sein musste.

"Du bist  der Sohn von Mrs. Watson", nickte der Junge.

"Und wer bist du?"

"Sherlock Holmes", antwortete er kalt, denn so behandelte er Kinder in seinem Alter - sie alle waren Idioten, die es genossen, ihn zu verspotten.

John kicherte. "Das ist ein lustiger Name", sagte er. Sherlock starrte ihn an. "Nein, tut mir leid..... Es ist nur..... Ich hatte ihn noch nie gehört...." Er packte den Türrahmen mit einer Hand und sah weg. "Es ist ein cooler Name, aber..... Jedenfalls besser als John."

"Wenigstens wird man deswegen nicht jeden Tag verspottet", kam aus Sherlocks Mund, bevor er es stoppen konnte.

John lächelte und nickte. "Ja.... Aber ich werde verspottet, weil ich kurz bin, also ist es nicht so viel besser", kicherte er und das ließ Sherlock seltsamerweise lächeln.

Sherlock erkannte, dass John sich nicht an ihm störte. Es war ein seltsames Gefühl, in der Tat ganz neu. Also beschloss Sherlock, ein weiteren Schritt  zu machen und zu sehen, ob John wütend werden würde.

"Du hast so getan, als ob du dich nicht darum kümmern würdest, dass deine Mutter dir nicht die Kekse machen kann.", sagte Sherlock. Johns Augen weiteten sich, als er nach vorne trat.

"Woher weißt du das?"

"Ich weiß es nicht, ich sah es", sagte Sherlock und zitierte etwas, was er Mycroft einmal sagen hörte. "Du hast ihr nicht in die Augen geschaut, als du genickt hast, dass es okay war, und nachdem sie gegangen ist, hast du dir nach einem Schnupfen das Auge abgewischt, was bedeutet, dass du deine Erkältung benutzt hast, um die Tatsache zu verbergen, dass du wegen der Kekse weinen wolltest. Das passiert also oft. Deine Mutter muss den ganzen Haushalt allein bewältigen, da sie keinen Mann hat. Ich weiß das, weil ich zufällig gehört habe, wie sie es der Haushälterin in dem Gespräch für den Job erzählt hat. Und du hast auch einen Bruder, was bedeutet, dass sie für drei Personen mit dem Gehalt eines Kochs auskommen muss, und das deckt kaum die Grundausgaben, sodass sie auf keinen Fall jemals Kekse für die Familie machen könnte. Die Tatsache jedoch, dass sie weiß, wie man sie macht und dass man sich sogar die Mühe macht, sie zu fragen, zeigt, dass deine Familie früher Geld hatte, aber jetzt ist sie irgendwie arm, wahrscheinlich hat es etwas mit deinem Vater zu tun," feuerte Sherlock ab und hielt nicht einmal an, um zu atmen. Er keuchte leicht, als John ihn anstarrte.

"Das war.... fantastisch!" rief John aus.

"Denkst du das wirklich?" Sherlock hob eine Augenbraue auf ihn. John nickte.

"Ja! Es war wirklich richtig! Wie hast du das gemacht?"

Sherlock zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Ich sehe nur Dinge und sie machen Sinn in meinem Kopf, kann nicht wirklich sagen, wie...", gab er zu. Er war sowieso erst elf Jahre alt, und Mycroft hatte ihm noch nicht beigebracht, wie die Deduktionen richtig funktionierten. John lächelte weiter.

"Cool..."

Sherlock erwiderte das Lächeln. "Hatte ich denn Recht?"

"Ja", antwortete John. "Außer, dass ich eine Schwester habe, keinen Bruder. Wir nennen sie Harry, aber das ist die Abkürzung für Harriet."

"Es gibt immer etwas!" Sherlock schlug sich mit der Handfläche gegen die Stirn. Dann wandte er sich wieder John zu und grinste. "Es hat dir wirklich gefallen?"

"Es ist brillant! Viel cooler als die Kartentricks, die mein Vater mir beigebracht hat...." sagte John und nahm ein traurigeres Lächeln an. Sherlock folgerte daraus, dass sein Vater gestorben sei, aber er mochte John, also sagte er nichts.

"Ich nehme einen Keks", sagte er und John nickte und sah auf seine Schuhe herab. "Möchtest du einen?"

Als John ihn anstrahlte, wurde Sherlock klar, dass er gerade seinen ersten Freund gefunden hatte.
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