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Johnlock Adventskalender

GeschichteHumor, Romanze / P12
Dr. John Watson Sherlock Holmes
01.12.2019
19.12.2019
19
20.946
7
Alle Kapitel
62 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
01.12.2019 1.332
 
A/N: Willkommen zu dem diesjährigen Johnlock Adventskalender! Ich freue mich, dass ihr (wieder) den Weg hierher gefunden hast. Dieses Jahr besteht der Kalender aus 25 süßen Drabbles, die von WritingQuill auf AO3 auf Englisch geschrieben wurden und von mir nun übersetzt werden dürfen. Ich wünsche euch schon mal eine besinnliche Zeit und viel Spaß mit Sherlock und John.

Liebe Grüße,

MR

*oOo*


Es war ein Wintertag wie jeder andere auch. Der Himmel war in ein dreckiges Grauweiß getaucht, die Bäume waren nackt und in Lichterketten eingehüllt, um für weihnachtliche Stimmung zu sorgen, die Autos entlang der Straßen waren mit Frost überzogen – es war unglaublich langweilig.

Sherlock griff sich mit beiden Händen in das Haar und zog daran, alles nur damit diese elendige Langeweile verschwand. Es gab keine neuen Fälle – die hatte es bereits seit zwei Wochen nicht gegeben – und John war gerade in der Praxis, sodass er Sherlock alleine mit seiner endlosen Langeweile in der 221B Baker Street zurückließ.

Sherlock hörte wie Mrs Hudson unten ihre Wohnung für Weihnachten dekorierte, während sie Weihnachtslieder vor sich hinsang. Irgendetwas über bells also Glocken, er konnte es nicht genau sagen, denn er hatte jegliche Informationen über Weihnachten aus seinem Gehirn gelöscht. Es war ein Fest, eine reine Nebensächlichkeit zur Beschäftigung der einfachen Masse. Er würde ja am liebsten herunterbrüllen, dass sie ihren Mund halten sollte, doch er war zu gelangweilt, um sich zu bewegen. Neben dem Karmin war ein kleiner Weihnachtsbaum aufgestellt, auf welchen zu kaufen, John bestanden hatte. Sherlock betrachtete den Baum verächtlich. Sein Mitbewohner war verrückt, sogar lächerlich, wenn er sich um einen verdammten Weihnachtsbaum so bemühte. Wo lag der Sinn in dieser Tradition, wenn der Baum, sobald die Feiertage vorüber waren, doch nur wieder aus der Wohnung entfernt werden würde?
„Sei nicht so ein Scrooge!“ hatte John gesungen, während er den Ständer aufgestellt hatte. Sherlock hatte keine Ahnung, was ein „Scrooge“ sein sollte, aber es kümmerte ihn nicht weiter – höchstwahrscheinlich handelte es sich dabei sowieso nur um etwas aus der populären Kultur. Irrelevant.

Ein leises Klopfen unterbrach seine Überlegungen. Er blickte zur Tür und sah dabei zu, wie Mrs Hudson mit einem Lächeln die Wohnung betrat.
„Hallo Sherlock, immer noch gelangweilt? Keine Sorge, ich bin mir sicher, dass sich bald noch ein schöner Mord für dich ergibt.“ sagte sie. Währenddessen ging sie in Richtung Küche und füllte den Kühlschrank mit Einkäufen auf. „Nun, ich habe euch etwas eingekauft. Es ist nicht gut, wenn zwei erwachsene Männer nur von Take-away leben.“ meinte sie stirnrunzelnd. „Aber ich bin nicht eure Haushälterin, mein Lieber.“ Dann tat sie etwas, was Sherlock von seinem Winkel auf der Couch aus nicht sehen konnte – obwohl er sich kichern hörte, was seltsam war – und schließlich ging sie wieder. Sherlock grummelte nur anstatt sich zu bedanken, denn, mal ehrlich, wo lag der Sinn in dem Ganzen, wenn alles so verdammt langweilig war?

Stunden hätten vergehen können, oder Minuten, in denen Sherlock nicht sagen konnte, wann John ankam. Sherlock hatte sich von seinem Platz auf dem Sofa entfernt und stand nun am Fenster und kratzte über die Saiten seiner Geige mit dem Bogen.

"Oh, um Himmels willen", hörte er John klagen, als er hereinkam und seine Ohren mit den Händen bedeckte.

"Guten Abend, John. Wie war dein Tag?" fragte Sherlock mit Verachtung. Wie kann John es wagen, an diesem dummen Ort zu arbeiten und sich um dumme Kinder und faule Menschen mit nichts als einer Erkältung zu kümmern? Und schlimmer noch, Sherlock den ganzen Tag es selbst zu überlassen, sich zu unterhalten? Er war ein Freund.

"Ich werde deinen Sarkasmus und deine Boshaftigkeit ignorieren und sagen, dass es wirklich ein guter Tag war", sagte John, und Sherlock konnte das Grinsen spüren. "Wenn du dich so langweilst, warum nimmst du dann nicht eines deiner Experimente auf? Ich bin sicher, dass alles, woran du letzte Woche gearbeitet hast, jetzt gut sein könnte."
Sherlock schnaubte, legte seine Geige wieder in den Koffer und warf sich auf seinen Stuhl, gegenüber von John.

"Ich habe es vor zwei Tagen fertig gestellt. Langweilig."

John lachte nur und schüttelte den Kopf. "Du bist unverbesserlich." Dann richtete er seinen Blick wieder auf seine Zeitung.

Mit einer Augenrolle klopfte Sherlock mit den Fingern auf die Armlehnen und zappelte. Er wackelte mit der Hüfte und versuchte, es sich bequem zu machen, etwas anderes zu spüren als die schiere Langeweile.
Er stand abrupt auf und ließ John ihn anschauen. "Ich muss etwas tun."

"Was?"

"Ich weiß nicht, irgendetwas! Mein Kopf wird bei all der Unruhe explodieren", grummelte er wieder und John sah ihn mitleidig an. Er stand auf und ging in die Küche.

"Wie wäre es, wenn ich dir einen Tee mache?", fragte er. Johns Antwort auf alles war Tee - es war ärgerlich. Mit einem zurückhaltenden Nicken stimmte Sherlock dem verdammten Tee zu. Immer Tee. Tee, Tee, Tee, Tee. Als er sich der Schwelle zur Küche näherte, bemerkte Sherlock etwas, das vorher nicht da war. Ein Haufen winziger grüner Zweige mit ein paar Blättern, eng mit einer roten Schleife umwickelt, klebte an der Spitze des Eingangs. Sherlock hob eine Augenbraue an und ging durch seine mentale Datenbank mit Pflanzen und Kräutern, aber das schien ihm unbekannt. Wenigstens war es ein Rätsel. John räusperte sich, und Sherlock sah ihn an.

"Hier ist dein Tee",  John überreichte ihm eine dampfende Tasse, natürlich mit der perfekten Menge an Milch und Zucker. Sherlock brummte dankend und machte sich daran, die Pflanze aus der Ferne zu untersuchen.
"Ist das eine Mistelzweig?" fragte John und Sherlock sah ihn überrascht an.
"Was? "
"Weißt du, was diese Pflanze ist?

"Natürlich tue ich das, es ist ein Mistelzweig! Jeder weiß, was das ist...." antwortete John und gab Sherlock einen ungläubigen Blick.

"Was macht es hier?"

John lachte und stand unter der Pflanze und sah zu ihr auf. "War Mrs. Hudson heute hier?" Sherlock nickte und John brummte. "Dann hat sie ihn wahrscheinlich dort platziert."

"Aber... warum?" Sherlocks Kopf fing an, wehzutun. Es war eines dieser Dinge der Populärkultur. Es war unwichtig. Aber es fühlte sich wichtig an, er musste wissen, warum um alles in der Welt Mrs. Hudson diese Pflanze dort platziert hatte.

Mit einem Lächeln winkte John ihm zu. "Komm her, du musst darunter stehen, verstehst du?
Sherlock seufzte, bewegte sich aber trotzdem. Dann nahm John die unberührte Tasse Tee aus seiner Hand und stellte sie auf den Küchentisch.

"Und?" fragte Sherlock und sah zur Pflanze hinauf. John kicherte und berührte Sherlocks Unterarm.
"Schließe deine Augen", sagte er und Sherlock verpflichtete sich, der Wissenschaft zuliebe. Er fühlte eine Hand auf dem Nacken seines Halses und zog ihn nach unten. Dann ein Atemzug in der Nähe seines Gesichts, dann übten Lippen auf seinen leichten Druck aus. Er fühlte, wie sich sein Atem verfangen hatte und ein Schauer über seine Wirbelsäule hinunterlief. Es dauerte weniger als zwanzig Sekunden, aber in dieser Zeit war es ruhig.

Als sie sich voneinander entfernten, grinste John ihn an. "Man soll sich küssen, wenn man unter einer Mistel steht", erklärte er.

Sherlock starrte ihn mit großen Augen an. Natürlich die Weihnachtstradition. Und Mrs. Hudson dachte immer wieder, dass sie ein Paar seien, sicherlich würde sie es dort hingetan haben, nur um sie jedes Mal, wenn sie die Küche betraten, sich küssen zu lassen.

Obwohl es Sherlock, wenn er darüber nachdachte, nichts ausmachen würde, das zu tun.

Also sah er den Mistel noch einmal an und ging dann zu John, der ihn immer noch anlächelte.

"Ich verstehe", sagte Sherlock, dann beugte er sich leicht hinunter, um John wieder zu küssen, aber diesmal tiefer. Seine Handlungen waren mehr als willkommen, also standen sie einfach da, unter dem Mistelzweig und küssten sich.
Und wenn Sherlock beschloss, diesen Mistelzweig überallhin mitzunehmen, wo er mit John hinging, dann nur, weil Weihnachtsbräuche wichtig waren.
 
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