All I Want For Christmas

GeschichteRomanze, Familie / P16 Slash
Annabeth Chase Katie Gardner Nico di Angelo Percy Jackson Travis Stoll Will Solace
01.12.2019
08.12.2019
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Adventskalender 2019 – All I Want For Christmas


Christmas Lights


3. Dezember


Erst als Travis sich seufzend mit dem Ziel erhob seinen Kopf mit etwas Frischluft abzukühlen, blickte er zum ersten Mal aus dem Fenster. Viel sah er nicht von der stockfinsteren Welt auf der anderen Seite. Doch im sanften Schein seiner Nachttischlampe sah er wie etwas vor der Fensterscheibe zu seinem Zimmer zu Boden viel. Kleine, weiße Flocken.
Blitzschnell stand Travis am Fenster und drückte seine Nase wie ein kleines Kind gegen die kalte Scheibe, die durch seinen warmen Atem sofort beschlug. Und noch schneller als er am Fenster war, stand er nur Sekunden später angezogen vor seiner Zimmertür, schlich kurz darauf durch den großen Schlafraum der Hermeshütte und stand im Freien, während die Tür sich hinter ihm mit einem leisen Klicken schloss.
Sanft rieselte der Schnee vom Himmel herab und legte sich auf die dunkelblonden Haare des Hermessohnes. Eine bereits fünf Fingerbreiten hohe Schneeschicht bedeckte den Boden und bei dem was da runter kam, würde es nicht bei dieser Höhe bleiben. Wenn die anderen Camper am nächsten Morgen die Augen öffnen und in den Tag starten würden, würde ihnen eine Überraschung bevorstehen. Schnee in Camp Halfblood. Das hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben. Das letzte Mal war es in Travis´ erstem Winter im Camp passiert, nachdem er und sein Bruder Connor ein halbes Jahr zuvor von einem Satyr von Zuhause abgeholt worden waren. In diesem halben Jahr hatte er Katie kennengelernt und sie waren unzertrennlich geworden. Sie hatten im Meterhohen Schnee getobt, der das Camp unter seiner kalten Masse vergrub, bauten sich Höhlen, in denen sie sich vor anderen Campern versteckten, und machten stundenlange Spaziergänge durch die unberührten Winterlandschaften von Camp Halfblood.
Damals war die Welt noch in Ordnung gewesen. Und manchmal wünschte sich Travis diese unbeschwerte Zeit seiner Kindheit zurück, als Katie und er noch Freunde gewesen waren. Aber der Hermessohn wusste auch, dass er Fehler gemacht hatte, die er nicht wieder gut machen konnte. Fehler, die ihn bis heute verfolgten – die er jedoch immer wieder aufs neue beging.
Ganz Hermeslike hatte er das getan, was er am besten konnte, um Katie zu imponieren: Er hatte ihr einen Streich gespielt. Und für jeden einzelnen, den er in den letzten Jahren plante und durchführte, hatte er sich viel Zeit genommen. Hatte Liebe hineingesteckt und viele Male bei der Vorbereitung aus allen Poren geschwitzt. Doch es hatte sich immer gelohnt – anfangs. Denn irgendwann hatte auch der Hermesspross bemerkt, dass Katie seine Streiche alles andere als gefielen. Dass sie nicht zu verstehen schien, wie sie gemeint waren.
In all den Jahren hatte er immer nur einer Person Streiche gespielt. Es war immer Katie gewesen. Immer Katie, der er versucht hatte ihr so seine Gefühle zu zeigen. Und so war er nicht mehr aus diesem Teufelskreis gekommen. Immer weiter hatten die beiden sich durch Travis Tun von einander entfernt. Aber je weiter sie sich von einander distanzierten, umso mehr versuchte der dunkelblonde Junge diese Kluft zu kompensieren.
Der Schnee fiel immer dichter in dicken Flocken vom Himmel. Eine Taschenlampe, die Travis schnell geschnappt hatte, bevor er sein Zimmer und die Hütte verlassen hatte, leuchtete ihm den Weg, als er sich von der Hermeshütte zu entfernen begann. Sie war die einzige Lichtquelle in der dunklen Nacht. Ohne sie hätte er wahrscheinlich nach den ersten Schritten den Weg zu seiner Hütte nicht mehr wieder gefunden.
Die kalte Luft sorgte dafür, dass Travis´ Gesicht schon bald taub und seine Nasenspitze genauso rot wie seine Wangen war. Dennoch ging er einfach weiter, vergrub sein Gesicht tiefer in seiner Jacke, sodass nur noch seine Augen hervorlugten, immer sein Ziel vor Augen.
Sein Weg führte in durch den Wald, auf dessen Boden sich ebenfalls schon eine, wenn auch dünnere, nicht zu verachtende Schneeschicht gebildet hatte. Er brachte ihn an einen Ort, der für Travis schon immer eine größere Bedeutung gehabt hatte: Der Ort, an dem er und Katie sich als Kinder, umgeben von unberührtem Schnee, klarer Luft und vor dem sanften Schneefall an diesem Tag durch die Zweige einer hohen Tanne bewahrt, ewige Freundschaft geschworen hatten. Damals mit kleinem Fingerschwur und dem Austausch eines Gegenstandes, der dem Besitzer am Herzen hing. Und Travis hatte der Demetertochter eine schlichte Kette geschenkt, die aus nicht mehr als einem schwarzen Lederband und einem kleinen, silbernen Caduceus-Anhänger bestand. Diese Kette hatte ihm seine Mutter ein halbes Jahr zuvor zum Abschied geschenkt. Sie war das einzige, das ihn noch an sei erinnerte.
Von Katie hatte Travis damals eine getrocknete Blume, eingeschlagen in ein schon vergilbendes Stück Papier, bekommen. Eine kleine Blume, die nicht viel größer war als sein Zeigefinger und trotz ihres leblosen Zustandes noch so filigran zu sein schien wie an dem Tag, an dem sie zum ersten Mal aufgeblüht war. Katie hatte ihm dann verraten, dass es die erste Pflanze war, die sie selbst hatte wachsen und gedeihen lassen. Und für eine Tochter der Demeter war dies etwas ganz besonderes. Doch, hatte das braunhaarige Mädchen gesagt, sei sie sich sicher, dass sie bei ihm in guten Händen war.
Und so ein Mädchen hatte Travis gehen lassen. Er verstand nicht, wie er das nur hatte zulassen können.Wie hatte er nur so blöd sein können?
Vorsichtig tastete der Hermessohn mit seinen kalten Fingern seine Brust ab. Dabei nahm er auch die Kälte in Kauf, die plötzlich unter seine warme Jacke kroch und ihn frösteln ließ. Denn er spürte nur einen Augenblick später den kleinen Beutel, den er an seiner normalen Camp-Halfblood-Perlenkette befestigt hatte. Und darin befand sich die in Papier eingeschlagene erste Pflanze, die Katie hatte wachsen lassen – nur eine Daumenbreite von seinem schlagenden Herz entfernt.
Kurze Zeit später stand Travis mit einem Mal auf einer Lichtung. Er war weit entfernt von Zeus´ Faust, weit Weg von Bunker 9 oder der Residenz der Satyrn. An diesem Ort traf man so gut wie nie einen der anderen Camper. Was auch einer der Gründe dafür gewesen war, dass die beiden sich genau diesen Platz gesucht hatte. Sie hatten alleine sein wollen. Wollten die gemeinsame Zeit genießen und voll auskosten – etwas, das Travis auch in dieser Nacht liebend gern getan hätte.
Als der Hermessohn seine Taschenlampe zu der Stelle schwenkte, an der sie damals gesessen hatten, erschrak er. Der Lichtkegel zitterte kurz, ehe sich der junge Mann wieder im Griff hatte. Denn in diesem Augenblick war er nicht alleine auf der Lichtung.
Unter einer alten, hochgewachsenen Tanne, unter deren ausladenden Zweigen kein Schnee lag, saß bereits Katie Gardner auf einem Bett aus Moos und starrte Travis aus großen, Augen verdutzt an.
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