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Weihnachten, was bist du?

GeschichteAllgemein / P12
01.12.2019
24.12.2019
24
36.798
6
Alle Kapitel
42 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.12.2019 1.463
 
Guten Morgen!

Hier ist dann auch schon das zweite Türchen und ich wünsche euch viel Vergnügen damit.
Habt ihr eigentlich besondere Wünsche, welche Darsteller*innen in meinen Kurzgeschichten auftreten sollen? Inwieweit ich all eure Wünsche umsetzen kann, kann ich derzeit noch nicht versprechen, aber es würde mich durchaus mal interessieren und wer weiß, vielleicht kommt dann der ein oder andere in den kommenden Türchen vor.
Auch bin ich sehr gespannt, wie euch die einzelnen Geschichten gefallen und würde mich natürlich sehr über konstruktive Kritik und selbstverständlich auch Lob (:D) freuen.

Liebe Grüße
Lila




Das zweite Türchen


Dezemberträume
zum Greifen nah und doch so weit
Musik, die tief in uns klingt
und uns ein Stück vom Himmel bringt
und sonderbar -
auf einmal sind Dezemberträume wahr – Rolf Zuckowski


„Elsa? Elsaaaa? WILLEMIJN!!!“, brüllte Roberta aus Leibeskräften. So ging das nun schon seit einer Ewigkeit. Immer wieder verpasste Willemijn ihren Einsatz, obwohl sie sämtliche Lieder des Films eigentlich auswendig kennen musste, denn immerhin hatte sie Elsa in dem Film selbst synchronisiert. Gähnend erhob sich Willemijn aus dem Bett, welches als Kulisse diente und starrte in das Gesicht ihrer Kollegin. „Mensch, Willemijn. Jetzt reiß dich endlich zusammen, ich habe auch noch anderes zu tun, als den ganzen Tag zu proben. Wir wollen fertig werden.“
„Tut mir leid, Robbie. Ich habe einfach zu wenig geschlafen.“
Misstrauisch beäugte Roberta ihre Freundin, die sich verschlafen die Augen rieb. Normalerweise war die Niederländerin immer hochkonzentriert bei der Sache und selbstverständlich auch bestens vorbereitet. Heute jedoch verpasste sie ihre Einsätze, besser gesagt, sie verschlief sie im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei war an Schlaf noch lange nicht zu denken, wollten sie das Benefizprojekt in so kurzer Zeit auf die Beine stellen. Denn in den kommenden Tagen würde die kleine Truppe aus ausgebildeten Musicaldarstellern und dem Ensemble des Musical-Projektes der Stadt ein weihnachtliches Benefizkonzert kreieren und dabei unter anderem mehrere Lieder aus dem Film die Eiskönigin präsentieren. Damit der Abend nicht nur eine Aneinanderreihung von Liedern werden würde, hatten sich die Darsteller bereit erklärt, die Moderation zu übernehmen, die aus eigenen Anekdoten, weihnachtlichen Geschichten oder eben einzelnen Dialogen bestand. Im Falle der Eiskönigin hatten sie sich sogar etwas ganz Besonderes überlegt und versuchten nun in einer Kurzfassung die Geschichte von Elsa, Anna, Christof, Sven und Olaf zu erzählen. Genauer genommen hatte sich Uwe als Obertroll selbst zum Geschichtenerzähler ernannt, da er sowieso während dieses Blockes ansonsten nichts zu tun haben würde. Sofort hatte er Gefallen daran gefunden, seine Kollegen nach seiner Pfeife tanzen zu lassen und immer wieder waren dem Darsteller neue Ideen gekommen, wie er Arendelle zum Leben erwecken konnte. So hatte Uwe auch darauf bestanden, dass Willemijn während des Liedes „Willst du einen Schneemann bauen“, welches von zwei Kindern des Ensembles und Roberta gesungen wurde, auf dem Bett saß und was er als Obertroll befahl, war nun einmal Gesetz. Zuerst hatte Willemijn protestiert, weshalb sie auf dem Bett sitzen sollte, wenn sie doch sowieso nichts sagte, aber Uwe ließ keine Widerrede dulden. „Das Bett ist unser einziges Requisit und dann müssen wir es auch regelmäßig einsetzen!“
„Aber tun wir das nicht bereits, wenn ständig eines der Kinder darauf sitzt?“, hatte Roberta nachdenklich erwidert. Tatsächlich saß im Laufe des Konzertes immer wieder ein Kind auf dem Bett, denn es träumte von Weihnachten und in der Traumwelt erlebte es die einzelnen Konzertblöcke – eine weitere verrückte Idee, die von Uwe stammte, aber dem Ensemble des Musical-Projektes sehr gut gefallen hatte. In Wirklichkeit hatten sie es vermutlich nur nicht gewagt, der Musicalgröße Uwe Kröger zu widersprechen, vermutete Willemijn.
„Los, Roberta hat recht, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“, schaltete sich plötzlich Patrick ein, der dem Geschehen bisher nur stumm gelauscht hatte.
„Ist ja gut, ich komme doch schon“, erwiderte Willemijn und erhob sich schwerfällig aus dem weichen Bett. „Dann machen wir jetzt einfach mal so, als hättest du gerade deinen Text nach dem Lied gesagt und schon kann das Lied beginnen!“
Mit dem Kopf nickte die Niederländerin in die Richtung des Dirigenten der kleinen Band, die augenblicklich zu spielen begann. Sichtlich unmotiviert leierte Willemijn „Lass jetzt los“ und schritt dabei, wie Uwe es ihr angeraten hatte, durch die Gänge des leeren Zuschauersaals.
„Wenn du das morgen mit mehr Elan machst, werden sich die Kinder da unten bestimmt alle total freuen. Immerhin bist du für sie alle die echte Elas!“, rief Uwe seiner Kollegin entgegen.
„Aye Aye, Herr Regisseur“, antwortete Willemijn gereizt, während sie wieder die Bühne betrat. Wie konnte ein einzelner Mensch einem nur so sehr auf die Nerven gehen. Als ob sie nicht wüsste, wie sie sich während eines Auftritts zu präsentieren hatte. Außerdem konnte sie ja auch nichts dafür, dass sie so schlecht geschlafen hatte und sich der Schlafmangel auf ihre Stimmung auswirkte. Die Darstellerin presste sich zwei Finger an die Schläfe, die zu pochen begonnen hatte und somit eine Migräne prognostizierte. Sie schien heute auch wirklich vor nichts verschont zu bleiben.

Die nächste Zeit verging wie im Flug und auch wenn die Niederländerin nicht vollkommen bei der Sache war, gelang es ihr keinen weiteren Patzer zu verursachen. " Ist wirklich alles in Ordnung mit dir? Du willst doch nicht etwa krank werden?", fragte Roberta besorgt und musterte Willemin, die sich wiederholt die Schläfe massierte. "Nein, ich bekomme wahrscheinlich eine Migräne. Deshalb hoffe ich nur, dass das hier bald vorbei ist und ich mich in mein Bett legen kann." Gerade wollte Roberta etwas erwidern, als Uwe vor die beiden Frauen trat und verkündete: "Los, lasst uns endlich das letzte Lied proben", verkündete Uwe und nahm seine Position auf der Bühne ein. Die beiden Darstellerinnen folgten seinem Beispiel und stellten sich vor die Mitglieder des Ensembles, mit denen sie den letzten Song des Abends gemeinsam singen würden. Ein etwa zwölfjähriger Junge stimmte We are the world an. Seine Stimme harmonierte wunderbar mit der Musik und Willemijn musste schwer gegen den Kloß in ihrem Hals ankämpfen. "Jetzt bloß nicht auch noch weinen", ermahnte sich die Niederländerin immer wieder. Sie war doch sonst nicht so nah am Wasser gebaut.
Nur mit großer Mühe sang sie den Song zu Ende, ohne plötzlich in Tränen auszubrechen.

"Sehr schön!", kommentierte Uwe und machte erste Anstalten zu den improvisierten Garderoben der Darsteller zu verschwinden. Auch Roberta schien sich ihrem Kollegen anschließen  zu wollen. Als sie jedoch bemerkte, dass sich Willemijn kein Stückchen rührte, wandte sie sich zu ihrer Kollegin um. Da stand sie nun mit Tränen überströmten Wangen und am ganzen Körper zitternd. Kurz fragte sich Roberta wann ihre Freundin zu weinen begonnen hatte, denn sie hatte bisher kein Schluchzen vernommen.
"Mensch, Willemijn! Was ist denn nur los mit dir?"
"Die Kinder waren einfach so rührend, findest du nicht?", erwiderte die Niederländerin schniefend. "Ehm ja, das waren sie, aber das ist doch noch lange kein Grund weinen zu müssen", gab Roberta  zu bedenken, während sie ihre Kollegin in ihre Arme schloss und ihr beruhigend über den Rücken strich.
"Daran sind diese dämlichen Hormone Schuld!"
"Welche Hormone?", fragte Roberta neugierig.
"Ich wollte es dir eigentlich erst erzählen, wenn es funktioniert hat, aber das kann ich dann wohl auch jetzt machen. Wir versuchen seit einiger Zeit ein Kind zu bekommen. Bisher hat es leider noch nich geklappt und ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob es überhaupt funktionieren wird.", erzählte Willemijn unter neuen Tränen.
"Hast du in den übrigen Zyklen auch so heftig auf die Hormontherapie reagiert?", fragte plötzlich Uwe, der der Unterhaltung der beiden Frauen heimlich gelauscht hatte.
Überrascht blickten die beiden Darstellerinnen ihren Kollegen an, doch dann schüttelte Willemijn nachdenklich den Kopf. "Meine Ärztin wollte etwas Neues ausprobieren", fügte sie leise hinzu.
"Und du hast noch nicht daran gedacht, dass es funktioniert haben könnte?", fragte Roberta, ihre Freundin immer noch in den Armen haltend.
"Ich wollte mir keine unnötigen Hoffnungen machen", gestand Willemijn niedergeschlagen.
Die Worte ihrer Kollegin trafen die beiden Darsteller mitten ins Herz und ehe sie sich versahen, hatten sie Willemijn bereits zu einem Schwangerschaftstest ermutigt.

Aufgeregt tigerte Roberta  vor der Damentoilette auf und ab. Wie lange konnte das wohl dauern, bis man das Ergebnis von so einen Test bekam? Es kam ihr jedenfalls wie eine Ewigkeit vor. Wie es da wohl erst iwer Freundin gehen musste. Keinen Mucks gab die Niederländerin von sich und Roberta war bereits versucht nachzufragen, ob alles in Ordnung sei. Doch in eben dem Moment wurden die Kabinentür geöffnet. Kreidebleich trat Willemijn heraus. Ihr Blick wanderte von dem Test zu ihrer Freundin und wieder zurück. " Und?", fragte Roberta, die diese Warterei nicht mehr länger aushielt.
Wieder sah die Niederländerin von dem Test auf, dann stieß sie gepresst und mit Unglauben hervor: "Schwanger!"
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