Weihnachten, was bist du?

GeschichteAllgemein / P12
01.12.2019
24.12.2019
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01.12.2019 842
 
Herzlich Willkommen!

Seit einiger Zeit möchte ich gerne einmal einen Adventskalender mit diversen Kurzgeschichten schreiben und in diesem Jahr habe ich es tatsächlich geschafft, sodass ihr pünktlich zum ersten Dezember die erste Kurzgeschichte lesen könnt.
Vorweg muss ich euch sagen, dass ich noch nicht alle Kapitel fertig habe und ich daher auch nicht versprechen kann, dass die einzelnen Kapitel immer am Morgen veröffentlicht werden.
Des Weiteren habe ich mich darum bemüht, dass jede Geschichte im Zeichen eines Weihnachtsliedes steht. (Wie ihr dabei wahrscheinlich bemerken werdet, haben es mir besonders Lieder aus meiner Kindheit von Rolf Zuckowski angetan :D)
So und jetzt nur noch eine Sache:
*Disclaimer: Alle existierenden Personen gehören sich selbst, alle anderen mir. Die Geschichte ist meiner Fantasie entsprungen und hat keinerlei Bezug zur Wirklichkeit. Auch die zitierten Lieder sind nur geliehen.

Und nun viel Spaß beim Lesen und einen schönen ersten Advent!




Das erste Türchen


Advent,Advent,
ein Lichtlein brennt.
Erst eins,dann zwei,
dann drei,dann vier,
dann steht das Christkind
vor der Tür. - Rolf Zuckowski



"Pff, pff!", pustete der kleine Junge und betrachtete das Flackern des Kerzenfeuers in dem leichten Windhauch. Dann klatschte er plötzlich in die Hände und verkündete mit seinem schallenden Kinderlachen: "Aus!"
Einen Augenblick später wurde die Kerze des Adventskranzes wieder entzündet und das Spiel begann von Neuem. "Pff…"
"Du kleines Spuckemonster", lachte Annemieke und wischte ihrem Sohn die Spucke vom Kinn, die sich dort im Versuch die Kerze auszupusten angesammelt hatte. Der Kleine kniff die Augen zusammen und versuchte sich seiner Mutter zu entwinden, aber mit geübten Handbewegungen hatte die Musicaldarstellerin bereits mit dem Tuch über das Kinn ihres Sohnemannes gerieben. Dieser schien dadurch jedoch die Lust am Kerze Auspusten verloren zu haben, denn mit ruckartigen Bewegungen bedeutete er seiner Mutter, dass er von ihrem Schoß wollte. Auf dem Boden abgesetzt, lief der Kleine mit tapsigen Schritten und noch ein wenig wackelig auf die kleine Spieleecke zu, in der bereits ein Kind spielte. Sofort gesellte er sich zu dem etwa zwei Jahre älteren Jungen, der ihm die Holzlokomotive reichte.
"Das erste Weihnachtsfest, das das eigene Kind wirklich miterlebt ist magisch", wurde Annemieke von ihrer Freundin aus ihren Gedanken gerissen. "Alles ist für alle Beteiligten total aufregend. Wir haben es uns so weihnachtlich gemacht wie nur möglich. Die ganze Wohnung wurde geschmückt, es wurde gebacken und am Abend haben wir unserem Schatz abwechselnd eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen", fuhr die blondhaarige fort.
"Aber denkst du, Adam versteht überhaupt schon, was hier geschieht?", gab Annemieke grübelnd zu bedenken.
"Er wird mit Sicherheit nicht alles verstehen, schon gar nicht, warum wir Weihnachten feiern, aber es ist etwas ganz besonderes frühestmöglich diese Tradition zu begründen!"
"Da hast du recht. Außerdem möchte ich ihm den Weihnachtszauber mitgeben, den auch wir als Kinder hatten", verkündete die Darstellerin.
"Also wird zu euch der Sinterklaas kommen, aber auch der Weihnachtsmann oder das Christkind?", fragte Wietske.
"Ganz genau! Adam soll nicht nur zweisprachig aufwachsen, sondern auch die verschiedenen Bräuche kennenlernen, die nun einmal beide Teil von ihm sind."

Während die Kinder spielten, unterhielten sich die Erwachsenen über die bevorstehenden Wochen bis Weihnachten - Was sie bis dahin noch alles zu erledigen hatten, wo und wie sie die Festtage verbrachten und natürlich welche Geschenke noch zu besorgen waren.
Draußen wer es bereits dunkel, als sich Adam an den Beinen seiner Mutter festhielt und diese mit müden Augen anblickte. "Hoch!", quengelte er und streckte die Arme empor.
"Oh je, schon so spät", stieß Annemieke erschrocken hervor.
"Da haben wir uns wohl ein wenig verquatscht. Es ist ja schon längst Schlafenszeit!", antworte Wietske mit einem Blick auf die Wohnzimmeruhr. "Wir verabschieden uns dann auch mal."
Mit Adam auf dem Arm begleitete Annemieke ihre Freundin und deren Sohn zur Wohnungstür. "Bis bald!"
Wietske war bereits in das Treppenhaus hinaus getreten, als sie sich ruckartig umwandte. "Das habe ich total vergessen", sprach sie und reichte ihrer Freundin ein dünnes, großes Bilderbuch, welches sich in ihrem Rucksack versteckt hatte.
"Weihnachten, was bist du? - Mein erster Adventskalender in Bildern und vierundzwanzig kleinen Geschichten", las Annemieke laut den Buchtitel vor.
"Jonah ist alt genug für einen neuen Adventskalender und die Geschichten sind wirklich toll. Vielleicht magst du sie Adam vorlesen, dann dort wird ganz liebevoll und kindgerecht erzählt, was Weihnachten ist."

Glücklich lächelnd bedankte sich Annemieke bei ihrer Freundin. Anschließend brachte sie ihren Sohnemann in sein Kinderbettchen und setzte sich mit dem Bilderbuch ins Wohnzimmer. Sie musste die Seiten nur überfliegen, um festzustellen, dass Wietske nicht zu viel versprochen hatte. Annemieke war ganz in die Weihnachtsgeschichte versunken, als sie ins Grübeln geriet. War für viele Weihnachten überhaupt noch das, was hier beschrieben wurde?
Warum gab es da nicht vielmehr einen Adventskalender für Erwachsene? Denn wie sollten die Eltern ihren Kindern erklären, was Weihnachten war, wenn sie es selbst nicht wussten?
Und während sie weiterlas, fragte sie sich selbst: "Weihnachten, was bist du?"
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