Ain´t My Fault (Adventskalender 2019)

GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy Lucius Malfoy
01.12.2019
09.12.2019
9
21811
7
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Wenn man nur Draco und Narzissa beobachtet, könnte man glauben, dass es sich um einen netten Abend handelt. Draco hält Astorias Hand, Narzissa plaudert leichthin mit ihr, gibt sich zwar distanziert aber nicht unhöflich. Sie verfolgt Astorias Ausführungen zu aktuellen Entwicklungen wohlwollend, blickt ganz offensichtlich zufrieden auf die in ihren Augen perfekte Schwiegertochter in der Gesellschaft. Sie ist wohlerzogen und zurückhaltend, hat das Lächeln einstudiert.

„Fast hätte ich es vergessen…“, beginnt sie ein neues Thema, als sie sich ganz sicher ist, dass Lucius zuhört. „Wie mir zu Ohren gekommen ist, sind die Kew Gardens im Besitz der Familie Malfoy?“ Sie wartet, bis Narzissa aufmunternd genickt hat. „Ich habe sie bereits vor einiger Zeit besichtigen dürfen, sie sind wunderschön… Perfekt für eine Hochzeit.“

Auf diese Äußerung hin reagiert Draco kaum, Lucius lässt hingegen scheppernd seine Gabel unter den Tisch fallen. Er starrt sie mit großen Augen an. „Der Meinung ist meine Freundin Romilda Vane übrigens auch – sie hat mich gebeten, nachzufragen, ob es möglich wäre, die Gärten für eine Hochzeit am 11. Juli zu mieten. Anscheinend sind sie offiziell ausgebucht, aber ich wollte noch einmal nachhaken…“

Narzissa Malfoy scheint in ihrem Kopf bereits die Termine zu überschlagen. „Ich bin mir sehr sicher, dass der 11. Juli ein Tag ist, an dem der Park normalerweise öffentlich zugänglich ist. Aber das können wir mit dem zuständigen Organisator klären, ich werde ihn gleich morgen kontaktieren. Es sollte auf jeden Fall für deine Freundin möglich sein, Astoria.“

Sie bedankt sich mit einem zuckersüßen Lächeln. „Ich bin überrascht, dass ihr überhaupt Ländereien in der Muggelwelt besitzt, beziehungsweise diese der Muggelwelt zugänglich macht. Spricht das nicht gegen eure Philosophie?“ Die Frage ist ganz allgemein in den Raum gestellt worden und Lucius antwortet.

„Ihr Geld ist ja trotzdem etwas wert. Es ist schließlich die Aufgabe eines jeden Malfoy, das Vermögen der Familie zu erweitern. Da kann man auch auf unkonventionellere Methoden zurückgreifen.“ Astoria nickt nachdenklich. Zwar stimmt sie mit der Philosophie, dass Muggelstämmige und Halbblüter weniger wert sind als Reinblüter schon lange nicht mehr überein, aber für die offene Revolution dagegen ist sie nicht stark genug. Das weiß sie, das hat sie sich selbst gegenüber schon vor langer Zeit eingestanden, und sie kann eigentlich ganz gut damit leben. Sie selbst wird diese uralte Ideologie ihren Kindern nicht mehr eintrichtern – aber sie wird sich sicher nicht mit ihrer Familie – oder zukünftigen Schwiegerfamilie – deswegen zerstreiten. Es genügt ihr, wenn Draco diesem Gedankengut den Rücken zugekehrt hat, und das hat er… Oder wenigstens schimpft er nicht mehr. Das reicht ihr für den Augenblick.

Das Gespräch wendet sich unverfänglicheren Themen zu und führt schließlich zu einem Verdauungstrunk im Salon. Auf Dracos ausführliches Loblied hin mischt sie für Lucius und Narzissa eigenhändig eine Alkoholkreation aus dem Hause Greengrass, die sie mit fünfzehn mit ihrer Schwester zusammen aus den Vorräten im Kellergewölbe ihrer Eltern erschaffen hat. Das verrät sie allerdings nicht, sie überreicht es Narzissa nur mit einem freundlichen Lächeln.

Da fällt Narzissa ein, dass sie von Draco noch einige Unterschriften für eine Wohltätigkeitsveranstaltung braucht. Es ist Astoria fast, als würde Draco sie fragend anschauen, ehe er mit seiner Mutter den Raum verlässt, aber vielleicht ist das auch nur Einbildung gewesen. Mit sicheren Handgriffen bereitet Astoria das zweite Glas vor und hält es Lucius nonchalant hin. Er nimmt es ihr dankend ab, wobei seine Hand aber einen Moment länger als notwendig auf ihren Fingern verharrt. Diese Erkenntnis lässt das Triumphgefühl in Astoria anschwellen – er will sie berühren.

Sie zieht sich kommentarlos wieder zurück und nimmt in dem gemütlichen Polstersessel gegenüber von Lucius Platz. Schweigen dehnt sich zwischen ihnen aus, doch Astoria ist nicht diejenige, die es brechen wird. Als ein lauter Knall durchs Haus halt, zuckt sie leicht zusammen, aber Lucius ist so erschrocken, als wäre er gerade aus den Untiefen seiner Gedanken aufgetaucht. Das sorgsam gemischte Getränk ergießt sich über seine Roben und er zieht verärgert die Augenbrauen hoch. „Das sind die Flügeltüren vom Balkon nebenan – sie knallen im Wind immer zu“, erklärt er, offensichtlich verärgert über die Sauerei.

Er tastet nach seinem Zauberstab, aber der liegt noch auf dem Esstisch, das weiß Astoria genau. Und obwohl sie ihren Stab nur aus dem Ärmel ziehen müsste, sieht sie jetzt ihre Chance, es ihm heimzuzahlen. Sie meint „Hier, lass mich dir helfen“ und greift nach einer der goldbestickten Servietten auf dem Beistelltisch. Er wehrt sich nicht, als sie ihm mit sanften Bewegungen die Spritzer vom Kragen wischt. Es scheint, als wollte er nun doch etwas sagen, irgendetwas… Aber Draco und Narzissa kündigen sich mit lauten Schritten wieder an.

Astoria erhebt sich von der Sessellehne, auf der sie soeben noch gethront hat, und legt Lucius die Serviette mit sanftem Druck in den Schoß – er starrt sie mit großen Augen an, dann fasst er nach ihrer Hand, als wollte er sie an sich ziehen – bis Narzissa um die Ecke biegt.

„Was ist denn hier passiert?“, fragt sie, offensichtlich verwundert über den leicht derangierten Zustand ihres Mannes.

Lucius zuckt mit den Schultern. „Ich habe mich erschrocken und bekleckert, und mein Zauberstab ist nirgendwo aufzufinden.“ Narzissa seufzt und trocknet Lucius mit einem einfachen Schlenker ihres Handgelenks, dann setzt sie sich an den Platz, an dem Astoria nur wenige Sekunden zuvor war.

Draco entschuldigt sich für seine Abwesenheit und schlägt vor, sie bald nach Hause zu bringen. Astoria wirft nur ein, dass sie davor noch das Bad benutzen muss. Sie beugt sich nach vorne, um ihre Tasche vom Boden aufzuheben, und weiß genau, dass sie Lucius damit einen perfekten Einblick in ihr Dekolleté ermöglicht – nur Lucius, weder Narzissa noch Draco können das aus diesem Winkel erkennen. Und sie weiß, sie sieht ihm an, dass er es genießt. Mit einem leisen Grinsen verlässt sie den Salon.

Im weiß marmorierten Bad sieht sie ihre geröteten Wangen im Spiegel. Sie kann nicht verleugnen, dass ihr das Spiel mit dem Feuer Spaß macht. Lucius direkt vor Dracos Nase zu provozieren macht den Reiz nur umso größer… Selbst, wenn wohl nichts mehr daraus resultieren wird, sie hat das Gefühl, ihm seine Bemerkung vom Beginn des Abends wenigstens heimgezahlt zu haben.

Sie lässt sich einige Sekunden lang eiskaltes Wasser über die Handgelenke laufen und spritzt sich ein wenig davon in den Nacken, um sich abzukühlen. Dann trocknet sie sich ab und tritt zurück in den Gang hinaus. Sie hat keine zwei Schritte getan, da muss sie einen Aufschrei unterdrücken, als Lucius sie am Arm packt und in eine Nische zieht. Sie starrt ihn überrascht an und er hält eine Sekunde lang inne, als würde er ihre Reaktion abwarten – aber ihr rasendes Herz und das lustvoll geschwungene Lächeln lassen weder bei ihm noch ihr Zweifel übrig, was sie empfindet. Er zieht sie an sich, ein kurzer, sehnsuchtsvoller Kuss folgt, der so intensiv ist, dass es ihr die Luft raubt. Sogar ihr Verstand schweigt vollkommen über die Möglichkeit, hier erwischt zu werden, und gibt die Kontrolle auf.

Lucius lässt von ihr ab und drückt ihr etwas Kleines, Dünnes in die Hand. Astoria blickt ihn verwirrt an, als sie erkennt, dass es eine kunstvoll verzierte Haarnadel ist.

„Triff mich in den Kew Gardens. Um Mitternacht. Wenn du die Haarnadel trägst, wird sie dich durch die Schutzzauber hindurch einlassen. Niemand wird mehr dort sein außer uns.“

Er streicht ihr noch eine Haarsträhne aus dem Gesicht und verschwindet dann den Flur entlang, in die Richtung, in der sie sein Büro vermutet. Astoria nimmt einen beruhigenden Atemzug und lässt die Haarnadel in ihre Handtasche gleiten. Ein Blick in den Handspiegel bestätigt ihr, dass sie immer noch präsentabel ist, obwohl sie sich bei Weitem nicht so fühlt. In der Eingangshalle verabschieden sie und Draco sich von Narzissa, die ihren Mann entschuldigt, der sich für die Arbeit zurückziehen musste. Astoria winkt diese kleine Unhöflichkeit ab und lässt sich von Draco nach Hause bringen.

Als Draco sich an der Tür ihrer Wohnung von ihr verabschiedet, hat sie das Gefühl, gerade einem guten, platonischen Freund auf Wiedersehen zu sagen.

Oder dem Pfarrer der örtlichen Gemeinde.

Ein wahnwitziger, verzweifelter Impuls steigt in ihr auf, als er gehen will. Vielleicht liegt es daran, dass sie so unendlich verwirrt ist und von Lucius aus dem Konzept gebracht wurde, oder daran, dass sie so gerne wüsste, woran sie mit Draco ist – aber sie schlingt ihre Arme um seinen Nacken und zieht ihn an sich. Er lässt es geschehen, ist anscheinend verwundert aber nicht abgeneigt. Sie ist verwirrt davon, wie gut sich seine Lippen auf ihren anfühlen. Er bewegt sich vorsichtig, als wäre sie ganz zerbrechlich, und es hat etwas ungemein Beruhigendes, so geküsst zu werden, als wäre sie absolut kostbar und einzigartig.

Aber als sie drängender wird (sie weiß gar nicht, was ihr Plan ist, will sie mit Draco überhaupt weitergehen?) löst er sich mit sanftem Druck aus ihrer Umklammerung. Ihr entfährt ein unwilliger Laut, dieser Kuss war nicht annähernd lange genug, um ihr dabei zu helfen, ihre Gefühle zu sortieren, oder zu vergessen. Aber er lächelt sie nur schwach an und sagt leise: „Das war schön.“ Er streicht ihr über das Kinn, das Haar hinter das Ohr, und seine Finger hinterlassen den Hauch eines Schauers… Dann drückt er ihr noch einen Kuss auf die Stirn und verschwindet mit einem „Gute Nacht.“

Astoria starrt in die Leere, in die er eben verschwunden ist und verabscheut sich selbst. Sie ist schrecklich und überhitzt und verrückt und sie wird Lucius heute Nacht treffen.
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