Ain´t My Fault (Adventskalender 2019)

GeschichteDrama, Romanze / P18
Astoria Greengrass Draco Malfoy Lucius Malfoy
01.12.2019
26.12.2019
25
42.082
12
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Dieses Kapitel
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01.12.2019 5.151
 
Herzlich Willkommen zu meinem ersten Adventskalender! Ich freue mich sehr, dass ihr dabei seid, und hoffe, dass ihr bis zum Ende bleibt! :)

Es ist keine weihnachtliche Wohlfühl-Geschichte, das warne ich gleich mal vorneweg. Wer meinen Oneshot "Pretty as a Picture" kennt, der weiß, was jetzt auf ihn zukommt. Das hier ist das Prequel/Sequel dazu. Man kann die Geschichte auch ohne den Oneshot zu kennen, lesen, es wird im ersten Kapitel sehr schnell deutlich, worum es geht! ;)

Das Pairing ist gewöhnungsbedürftig, aber wer eine Schwäche für Drama und Skandale hat, wird hier auf seine Kosten kommen. Das erste Kapitel ist zu dem Lied "Ain't My Fault" von Zara Larsson entstanden, alle anderen werden ohne Lyric-Einschübe auskommen.

In dieser Geschichte werden unter anderem Fremdgehen und Affären thematisiert. Natürlich sollen diese Angelegenheiten nicht verherrlicht werden, aber die Sicht meiner Charaktere ist sehr subjektiv, daher bitte ich euch, das im Hinterkopf zu behalten. Die Figuren sind keine guten Menschen, manipulativ und berechnend und das hier ist auch keine gesunde, zwischenmenschliche Beziehungskonstellation.

Außerdem: Die Geschichte ist ab 18, und das mit gutem Grund! (Da es das erste Mal ist, dass ich explizite Szenen wirklich ausgeschrieben habe, freue ich mich natürlich sehr über Feedback!) Wer kein Fan von Lemon-Szenen ist, kann sie überspringen - sie sind nicht relevant für die Handlung, machen aber schon einen Teil davon aus.

Die Geschichte ist momentan zu 3/4 fertig, aber ich bin zuversichtlich, dass ich sie rechtzeitig zu Ende schreiben werde - andernfalls warne ich euch natürlich vor.

Updates sollten vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag erfolgen, wenn alles glattgeht :)

So genug der Vorrede, ich wünsche euch ganz viel Spaß und bin gespannt auf eure Reaktionen!



Oh my, oh my, oh my
Oh my, oh my, oh my
Oh my, oh my, oh my, oh my


Astoria ist angenehm überrascht, als sie Lucius auf der anderen Seite des Raumes erblickt. Sie hat nicht erwartet, ihn bei dieser Abendveranstaltung anzutreffen. Dass sie hier an der Seite von Draco erschienen ist, sollte den Repräsentationspflichten eigentlich genüge tun. Doch nun ist er da, lässt seinen Blick durch den Saal schweifen, nicht suchend, sondern vollkommen selbstverständlich, als wäre ihm jede einzelne anwesende Person hörig. Zunächst ist sie unsicher, ob sie ihn auf sich aufmerksam machen soll, aber als ihr klar wird, dass Draco sie seit beinahe zehn Minuten gekonnt ignoriert, hat sie es satt, allein an ihrem Sektglas zu nippen. Sie hebt geziert die Hand, ein kaum wahrnehmbares Biegen der Finger, nur für den erkennbar, für den es bestimmt ist.

Es verschafft Astoria ein leichtes Gefühl von Befriedigung zu sehen, wie Lucius den Mann stehen lässt, der ihn gerade in ein Gespräch verwickeln wollte, und sich stattdessen in ihre Richtung aufmacht. Wenige Sekunden später steht er vor ihr, mit einem weltgewandten Lächeln auf den Lippen und einem Rotweinglas, das neben ihm schwebt. Er drückt ihr einen sanften Kuss auf den Handrücken, der ihren Herzschlag ein winziges bisschen beschleunigt, ehe er sie formvollendet begrüßt.

„Guten Abend, Miss Greengrass. Sie sehen umwerfend aus.” Astoria kann ihre Freude ob dieses Kompliments nicht verbergen und strahlt. „Danke, Mr. Malfoy. Für einen so besonderen Anlass lohnt es sich doch, sich herzurichten.“ Ihr weinrotes, hochgeschlossenes Kleid ist bodenlang, doch die Spitze lässt Haut durchblitzen, und es ist gerade eng genug, um nicht mehr als hochanständig zu gelten.

„Und das ist Ihnen hervorragend gelungen. Wo ist Draco? Sollte er sich nicht darum sorgen, dass Sie ihm entführt werden?“ Sie kichert leise, damenhaft, verschämt. In diesem perfekt einstudierten Tonfall, der Verlegenheit und Anstand signalisiert. (Nicht, dass sie diese beiden Eigenschaften tatsächlich besäße. Aber sie ist hervorragend darin, der Gesellschaft weißzumachen, dass sie es tut.)

It ain't my fault you keep turning me on
It ain't my fault you got, got me so gone
It ain't my fault I'm not leavin' alone
It ain't my fault you keep turning me on


„Draco ist…“ Sie reißt sich von Lucius´ Anblick los, und dreht sich suchend um. Gerade eben ist er noch nur wenige Meter von ihr entfernt gestanden… Endlich, sie erblickt ihn an der Bar, immer noch in das todlangweilige Gespräch über Investitionen mit Gregory vertieft. Es fällt ihr schwer, sich eine beleidigte Miene zu verkneifen. Sie hat sich vielleicht gedanklich aus der Konversation ausgeklinkt, aber Draco hätte sie völlig alleine stehen gelassen, wenn sie Lucius nicht zu sich geholt hätte. In den vergangenen Monaten, die sie mit ihrem neuen Freund verbracht hat, ist ihr immer mehr die frustrierende Wahrheit klargeworden, dass er nicht ganz so mysteriös ist, wie sie es sich erhofft hat.

Sie schüttelt den Kopf und weist mit dem Kinn in Dracos Richtung, um Lucius auf ihn aufmerksam zu machen. „Da drüben.“ Man muss ihr die mangelnde Begeisterung angesehen haben, da Lucius sie nun sehr viel aufmerksamer mustert als zuvor. „Ich dachte, ich hätte ihn besser erzogen. Man lässt eine Dame auf solchen Veranstaltungen nicht einfach zurück. Wollen Sie, dass ich ihn an den Ohren zu Ihnen zurückschleife?“

Bei der Vorstellung, wie der manierliche Lucius Malfoy seinen Sohn wie ein ungezogenes Kleinkind durch den Saal zerrt, muss sie nun tatsächlich laut lachen. „Ich glaube, das wird nicht nötig sein. Aber danke, Mr. Malfoy. Ich befinde mich jetzt doch in wesentlich besserer Gesellschaft.“ Den letzten Teil des Satzes fügt sie kokett hinzu, was vielleicht ein wenig riskant ist, aber das ist ihr in dem Moment egal. Der Alkohol ist ihr zu Kopf gestiegen, sie fühlt sich in der Gegenwart dieses Mannes beschwingt, und es macht ihr schon seit ihrer Jugend viel zu viel Spaß, ihren Gegenüber aus dem Konzept zu bringen. Gerade, wenn dieser männlich ist. Wenn es ihr bei Lucius Malfoy gelingt, wird sie das als Erfolg verbuchen.

Für den Augenblick wirkt es jedoch nicht so, als hätte sie ihn verunsichert – er scherzt bloß galant zurück: „Das sollten Sie Draco aber lieber nicht sagen.“ Sie kann sich gerade noch davon abhalten, ihre Gedanken auszusprechen. Wieso? Vielleicht würde ihn ein wenig Konkurrenzdenken endlich dazu bringen, sich mehr anzustrengen.  Aber das kann sie nicht sagen – nicht, wenn es sich bei dem möglichen Konkurrenten um Dracos eigenen Vater handelt. Selbst sie kennt Grenzen.

I can't talk right now
I'm looking and I like what I'm seeing
Got me feeling kinda shocked right now
Couldn't stop right now, even if I wanted
Gotta get it, get it, get it, while it's hot right now
Oh my God, what is this?
Want you all in my business
Baby, I insist
Please don't blame me for whatever happens next


Also seufzt sie nur leise. „Nein, das sollte ich wohl nicht.“

„Es könnte ihn sonst noch von seinen Verlobungsplänen abbringen, wenn er die Befürchtung hegen müsste, dass Sie Ihre Zeit lieber mit mir als mit ihm verbringen.“

Schweigen.

Astoria friert mitten in der Bewegung ein, und der Sekt in dem Glas, den sie soeben zu ihrem Mund führen wollte, schwappt über. Ein paar Tropfen ergießen sich über ihr Kleid, aber sie ist zu sehr damit beschäftigt, ihn schockiert anzustarren, als dass sie sich darum kümmern könnte. Ihr Herz beginnt zu rasen, und Aufregung und Unwohlsein vermischen sich in ihrem Magen zu einem schweren Klumpen. So viel dazu, dass sie ihn   verunsichern wollte.

„Verlobungspläne?“, hakt sie schließlich nach, mit stoisch ruhiger Stimme, aber sie weiß, sie weiß    einfach, dass Lucius ihr die Nervosität ansieht. Nicht, dass sie nicht bereits mit dem Gedanken gespielt hätte. In der Reinblütergesellschaft gibt es keine lockeren Beziehungen, die jahrelang andauern, um sicherzugehen, dass man auch wirklich in jeder Lebenslage kompatibel ist. Hinter jedem Treffen, jeder Aufforderung, jeder noch so kleinen Geste der Zuneigung liegt der Druck von vergangenen Generationen verborgen, die ihre Linie ordnungsgemäß fortgeführt sehen wollen.

Sie ist sich bewusst, dass ihre Eltern schon länger darauf warten, dass sie eine ernste Beziehung eingeht – nicht diese  Spielereien mit Halbblütern, wie ihr Vater es freundlicherweise genannt hat, als er sie einmal bei einem Kuss mit ihrem damaligen Freund erwischt hat – aber, dass Draco nach nur vier Monaten über eine Hochzeit nachdenkt, ist zu früh. Viel zu früh. Sie ist sich nicht sicher, ob sie das will. Kann sie das nach so einer kurzen Zeitspanne schon wissen? Sollte sie es? Und darf sie überhaupt zweifeln – an einem Malfoy? Seit dem zweiten Zaubererkrieg hat diese Familie unermüdlich daran gearbeitet, ihren guten Ruf wiederherzustellen, und nach Jahren eiserner Bemühungen, voll großzügiger Spenden und überzeugender Vorführung der neuen Toleranzpolitik ist ihr Ansehen wieder rasant angestiegen.

„Jetzt habe ich Sie verschreckt. Das war nicht meine Absicht“, beteuert Lucius. Er legt ihr seine Hand beruhigend auf den Arm, und obwohl dieser vollkommen vom Stoff ihres Kleides bedeckt ist, fühlt sie die Wärme, die sich unter der Berührung ausbreitet. Sie schüttelt den Kopf, um Fassung bemüht, sie will sich diese Blöße nicht geben.

„Nein, nein, nicht erschreckt. Nur verwundert. So lange gehen wir ja noch nicht miteinander aus. Aber es ist mir natürlich eine Ehre, in Erwägung gezogen zu werden.“ Leere Floskeln kommen ihr über die Lippen, während sie rasend schnell überlegt, wie sie sich aus dieser Situation herauswinden kann. Hat Draco schon genaue Pläne entworfen? Er wird es doch nicht etwa heute tun?

„Märchenprinzen kommen doch immer schneller zur Sache, habe ich mir sagen lassen.“ Verdutzt blickt sie auf, eine solche Formulierung hat sie von ihm wirklich nicht erwartet. Sie sucht sein Gesicht nach Sarkasmus ab, selbst wenn seine Stimme nichts davon verraten hat – und da erkennt sie den ironischen Zug um seinen Mund. Er lächelt um Verzeihung heischend, und sie stößt erleichtert die Luft aus. Gleich darauf folgt ein ersticktes Lachen.

„Der Ausdruck war vielleicht ein wenig unglücklich gewählt“, gesteht er ihr amüsiert zu.

„Allerdings. Aber trotzdem treffend…“, murmelt sie. Gleich darauf fragt sie sich, ob Draco wirklich als Märchenprinz zählt. Er ist ganz sicher wie ein Prinz aufgewachsen, hat in einem Krieg gekämpft und den Fall des Monsters miterlebt… Allerdings nicht als der Held. Außerdem reicht all das nicht aus, um ihr zu garantieren, dass sie mit ihm für immer glücklich sein wird. Kaum hat sie das gedacht, hat sie auch schon die Stimme ihrer Mutter im Ohr, die ihr einbläut, dass Liebe ein Luxus ist.

Sie kann sich glücklich schätzen, wenn ihre Ehe auf einer guten Freundschaft basiert, und es scheint tatsächlich so, als würden sie und Draco das aufbauen. Freundschaft. Ohne jegliches Feuer, ohne Verlangen oder Leidenschaft. Nicht einmal die Tatsache, dass sie in Hogwarts fast ein Jahr lang in ihn verknallt gewesen ist, kann die traurige Realität aufwiegen, dass er an die Illusion einfach nicht heranreicht. Natürlich kann er da nichts dafür, und es wäre unfair, ihm daran die Schuld zu geben. Sie hat sich schlichtweg verschätzt – aber nun weiß sie nicht, ob sie einen Heiratsantrag ablehnen kann, ohne gesellschaftlichen Suizid zu begehen. Und ohne enterbt zu werden.

Sie seufzt, als sie zu dem Schluss kommt, der ihre Gedanken beherrscht, seit sie alt genug ist, um sich für Jungs zu interessieren. In der Öffentlichkeit wird sie sich den Wünschen ihrer Eltern beugen müssen. Aber sie ist geschickt darin, sehr geschickt, unter der Oberfläche und im Geheimen ihre kleinen Spielchen zu betreiben. Sie wird es wohl auch in der Ehe so halten müssen.

Und vielleicht tut sie Draco auch gerade schreckliches Unrecht, vielleicht entwickelt sich noch mehr. Besser als ihn wird sie es kaum treffen. Die anderen reinblütigen Familien Englands und aus dem Rest Europas kennt sie von unzähligen Empfängen und Zusammenkünften. Sollte es tatsächlich so weit kommen, dass Draco vor ihr niederkniet, wird sie sich dem wohl ergeben müssen.

Astoria taucht wieder aus der Gedankenwelt aus, in die sie tief versunken ist, und begegnet Lucius´ Blick. „Es sieht nicht so aus, als hätte Draco vor, sich bald hierher zu bequemen“, wechselt er das Thema, weit weg von Hochzeitsplänen und existenziellen Ängsten, und dafür ist sie ihm unendlich dankbar. „Möchten Sie eine Runde tanzen?“

No I-I-I-I, can't be responsible
If I-I-I-I, get you in trouble now
See you're-'re-'re-'re, too irresistible
Yeah, that's for sure
So if I put your hands where my eyes can't see
Then you're the one who's got a hold on me
No I-I-I-I, can't be responsible, responsible


Sie zögert eine Sekunde lang – aber da Draco noch nicht einmal in ihre generelle Richtung blickt, hat sie kein schlechtes Gewissen dabei, diese Einladung anzunehmen. Mit einem „Gerne“ stellt sie ihren Sekt auf einem vorbeischwebenden Tablett ab, nimmt seine ausgestreckte Hand entgegen und lässt sich von ihm auf die Tanzfläche ziehen, auf der gerade ein neues Lied angestimmt wird. Sie selbst hat früher Tanzstunden genommen, und die Bewegungen stecken ihr immer noch in den Beinen. Sie hat nur Probleme damit, den Takt des Liedes zu erkennen. Aber Lucius scheint das nicht im Mindesten zu stören. Mit wenigen Schritten finden sie ihren Rhythmus und bewegen sich langsam über das Parkett.

„Wo ist eigentlich Nar … Mrs. Malfoy?“ Um ein Haar wäre ihr der Vorname herausgerutscht. Das wäre immerhin ein zu verzeihender Fauxpas, aber es erschreckt sie doch ein wenig, wie vertraut sie Lucius innerhalb dieses kurzen Gesprächs geworden ist. Vermutlich liegt es daran, dass sie ihn bis jetzt immer nur gegrüßt hat. Das ist die erste richtige Konversation, die zwischen ihnen beiden stattfindet.

„Narzissa fühlt sich heute nicht gesund. Sie wollte lieber zuhause bleiben.“

„Oh.“ Astoria ist von seinem kühlen, herablassenden Tonfall einen Moment irritiert, dann beeilt sie sich, Besserungswünsche zu formulieren. In den nächsten Minuten tasten sie sich zunächst wieder durch Smalltalk vor, doch bald fließen die Anekdoten nur so von Astorias Lippen, und Lucius erweist sich als gekonnter Gesprächspartner, der interessiert nachfragt und eigene Erzählungen einbringt.

Sie geht in der Aufmerksamkeit auf, badet förmlich darin – sie weiß, dass sie eitel ist, aber sie weiß auch, dass sie es sich erlauben kann. Und dass Lucius ihr die Aufgeschlossenheit entgegenbringt, die Draco ihr bis jetzt verwehrt hat, hebt ihre Stimmung beträchtlich. Als er sie nach fünf, sechs (sieben? Sie hat aufgehört zu zählen, da sie sich bereits gleichzeitig auf seine Worte und ihre Schritte konzentrieren musste) Tänzen wieder an den Rand der Tanzfläche zurückführt, ist ihr leicht ums Herz.

It ain't my fault (No, no, no, no, no, no, no)
It ain't my fault (No, no, no, no, no, no, no)
It ain't my fault


Als sie Draco dort erblickt, der etwas ungeduldig aussieht, schwindet ihr Hochgefühl jedoch ein wenig. Lucius übergibt sie mit einer galanten Geste in den Arm seines Sohnes, und sobald der Körperkontakt zu ihm unterbrochen wird, wird Astoria klar, dass sie mit ihm in diesen begrenzten Minuten um einiges mehr gelacht hat als an irgendeinem Abend mit Draco. Der Unterschied wird ihr mehr denn je bewusst, als Dracos Berührung sich so ganz anders, weniger selbstbewusst, sondern vorsichtig anfühlt. Sie will nicht denken, dass ihr Körper sich nach Lucius führender Hand sehnt, aber es widerstrebt ihr doch, ihn gehen zu sehen, nachdem er sich verabschiedet hat, um mit einem Bekannten zu sprechen.

Als sie im Weggehen seinen breiten Schultern und dem langen, blassblonden Haar eine Sekunde zu lange hinterherstarrt, bemüht sie sich, ihre Gedanken zu zügeln und in eine weniger gefährliche Richtung zu lenken. Stattdessen konzentriert sie sich auf Draco, der ihr scheinbar nichts anmerkt und sich für seine lange Abwesenheit entschuldigt.

Einige Stunden später beschwert sich Draco über schmerzende Füße und fragt sie, wie lange sie noch bleiben möchte. Astoria kann sich ein ungläubiges Schnauben nur schwer verkneifen. Er war derjenige, der unbedingt auf diese Veranstaltung wollte, und sie ist diejenige, die hohe Absätze trägt. Sie schluckt den schnippischen Kommentar, der ihr auf der Zunge liegt, gemeinsam mit einem guten Schuss von Odgens Feuerwhiskey hinunter. Gerade jetzt ist sie in ein Gespräch mit einer ehemaligen Klassenkameradin vertieft und möchte noch nicht gehen.

Sein leidender Gesichtsausdruck ist allerdings so mitleiderregend, dass sie ihm einen Ausweg bietet. „Du kannst auch ohne mich gehen, Draco, wirklich. Ich amüsiere mich gut, ich werde später mit Flohpulver heimkommen.“ Er mustert sie fragend, aber die Müdigkeit und Sehnsucht nach seinem Bett sind ihm anzusehen. „Bist du dir sicher, Toria? Ich will dir den Abend nicht verderben, indem ich dich einfach stehenlasse.“

Du hast mich vorher schon einfach so stehengelassen, und da war es dir egal. Und jetzt gerade verdirbst du mir den Abend, weil du nicht gehst.  

Nichts davon spricht sie laut aus. Stattdessen schenkt sie ihm ein freundliches Lächeln und einen Kuss auf die Wange. „Ich bin mir ganz sicher. Mach dir keine Sorgen.“ Als ihr klar wird, dass sie ihn heute vielleicht nicht ganz nett behandelt hat – ihre Laune ist im Moment wirklich nicht die beste, warum auch immer – setzt sie eine Portion Fürsorge obendrauf. „Und du – bitte appariere nicht. Du hast getrunken, und Flohpulver ist genauso schnell.“ Sie weiß, dass er es verabscheut, die Asche von seinem Umhang zu streifen, aber darum geht es nicht. Sie will wirklich nicht, dass ihm etwas geschieht.

Er stimmt ihr zu ihrer Überraschung zu und verabschiedet sich. Aufgrund des Alkohols fühlt sich seine Berührung warm und weich an, fast so angenehm wie die von…

Er geht, ohne sich ein weiteres Mal nach ihr umzudrehen. Nicht, dass sie das groß stört.

„Also… Zwischen dir und Draco läuft alles gut?“ Astoria dreht sich zu Romilda Vane um, einer Gryffindor, mit der sie sich irgendwann im siebten Jahr in Hogwarts angefreundet hat. Während der ersten paar Schuljahre hat sie dieses laute, schamlose Mädchen naserümpfend übersehen, aber nach dem Krieg haben sie beide festgestellt, dass sie einander doch irgendwie mögen. Astoria hat gehofft, mit ihr ein wenig lachen und die Sorgen vergessen zu können. Aber jetzt, wo sie mit diesem neugierigen Blick gemustert wird, bereut sie ihre Entscheidung.

Sie versucht, die Zweifel und Ängste, mit denen sie den ganzen Abend lang gerungen hat, nicht an die Oberfläche treten zu lassen. Stattdessen lässt sie das fröhliche, junge Mädchen durchblitzen, das sich über jede einzelne von Dracos perfekten blonden Haarsträhnen begeistern konnte. In Hogwarts – als alles noch ein wenig einfacher gewesen war. Das ist zwar mittlerweile mehrere Jahre her, aber es wirkt, als würde Romilda ihr glauben. Oder als würde ihr wenigstens die Lust zum Nachfragen vergehen.

Die Verschnaufpause von Romildas Röntgenaugen wird ihr aber nur kurz gewährt, da Lucius nur wenige Minuten später wieder neben ihr erscheint. Völlig selbstverständlich platziert er sich dort, als würde er an ihre Seite gehören – und die Vorstellung gefällt Astoria ein wenig zu gut.

It ain't my fault you came in looking like that
You just made me trip, fall, and land on your lap
Certain bad boy smooth, body hotter than a sauna
I don't mean to be rude, but I look so damn good on ya


Mittlerweile lässt der Alkohol ihre Sicht leicht verschwimmen, aber sie kann trotzdem noch erkennen, dass Romilda große, neugierige Augen macht. Bevor sie jedoch anfangen kann, unangebrachte Fragen zu stellen, taucht ihr Freund auf (der zu Astorias andauernd wiederkehrendem Vergnügen eine große Ähnlichkeit zu Harry Potter aufweist). Die beiden verabschieden sich höflich, und Romilda sendet Astoria zum Abschied die Frage Hast du mir da etwas verschwiegen? mit den Augen. Astoria schüttelt nur den Kopf, denn sie hat nichts verschwiegen, es gibt nichts, worüber sie schweigen müsste.

Und irgendwie geschieht es, viel zu leicht, dass Lucius sie auf ein weiteres Getränk einlädt, und sie immer länger miteinander sprechen. Von der Mischung aus Wein, Sekt und Whiskey beflügelt erzählt sie ihm viel mehr, als sie eigentlich sollte, und definitiv mehr, als man dem Vater des zukünftigen Verlobten offenbaren sollte. Von den Schwiegereltern will man ernstgenommen, als kluge, vernünftige Person gesehen werden. Aber sie hört sein tiefes Lachen viel zu gerne, um sich noch um Konventionen zu scheren.

Ain't got time right now
Missed me with that "what's your name, your sign" right now
It's light outside, I just called an Uber and it's right outside
Oh my God, what is this?
Want you all in my business
Baby I insist
Please don't blame me for whatever happens next


„Wissen Sie, Miss Greengrass, Sie haben mich heute Abend überrascht.“
„Wie denn das, Mr. Malfoy?“

„Ich habe bis jetzt geglaubt, dass Sie um einiges zurückhaltender und… nun ja… langweiliger sind. Es ist schön, Sie etwas besser kennenzulernen.“

Sie lacht kokett auf. „Da freut es mich, dass ich Sie doch noch von mir überzeugen konnte.“

„Allerdings. Es wäre eine Schande gewesen, wenn ich nie herausgefunden hätte, was Sie hinter all den strikten Protokollen so verbergen. Aber jetzt sehe ich, was Draco an Ihnen findet. Klug, schön und geistreich… Er wäre ein Dummkopf, Sie gehen zu lassen.“

Einen Moment lang wirft es Astoria aus der Bahn, wie ernst er all das sagt. Dann wird ihr klar, dass sie an Draco in den letzten Minuten, ach was, Stunden nicht gedacht hat. Diese Realisierung zieht sie ein wenig mehr auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein Blick in die reflektierende Fläche hinter der Bar hält ihr, metaphorisch und ganz real, den Spiegel vor. Ihre Wangen sind gerötet, ihre Augen glasig, und sie sitzt eindeutig zu nahe bei Luc… bei Mr. Malfoy. Abrupt erhebt sie sich. „Ich gehe kurz an die frische Luft. Hier drinnen ist es ganz schön stickig.“

Ihre Atmung beruhigt sich in der kühlen Nachtluft ein wenig, und ihre Wangen nehmen wieder einen normalen Farbton an. Der Frühling hat schon länger begonnen und geht mit seiner Maienwärme langsam in den Sommer über, aber die Nächte sind immer noch kalt. Sie erschrickt, als ein Zweig hinter ihr zerbricht, und noch mehr, als sie sieht, dass Mr. Malfoy ihr gefolgt ist. Sie muss sich zusammenreißen, ihre Fassade wiedererrichten. Er hat einen Einblick in ihr gut verborgenes Selbst bekommen, aber das muss sie nun wieder verstecken.

No I-I-I-I, can't be responsible
If I-I-I-I, get you in trouble now
See you're-'re-'re-'re, too irresistible
Yeah, that's for sure


„Ich wollte nur nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Ist Ihnen nicht kalt?“ Die Besorgnis in seiner Stimme ist echt, als er an sie herantritt. Und als er so nahe bei ihr steht und sie in seinen Duft einhüllt, schmeißt sie ihre Vernunft gleich wieder über Bord. Sie nickt langsam, und er schließt sie in eine Umarmung, die sie wirklich vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen erwärmt – das liegt aber ganz sicher nicht an seinem Winterumhang.

Er könnte einfach einen Wärmezauber sprechen. Und ich auch, denkt sie, aber sie beide machen keine Anstalten, Magie zu benutzen.

Sie blickt auf, sieht, dass er sie schon ansieht, sieht, dass er genauso zögert wie sie, sieht, dass ihm das Herz ebenfalls bis zum Hals schlägt. Einen, zwei Wimpernschläge lang rührt sich niemand, und sie weiß, dass sie noch davongehen kann, sich noch abwenden kann, unverändert diesen Garten verlassen kann.

So if I put your hands where my eyes can't see
Then you're the one who's got a hold on me
No I-I-I-I, can't be responsible, responsible


Obwohl sie es wirklich nicht will, meldet sich der letzte Rest ihres Anstands und zwingt Worte hervor. „Mr. Malfoy, das ist keine so gute Idee, glaube ich… Sie sind verheiratet und ich…“ Er scheint einen Augenblick lang abzuwägen, dann antwortet er: „Narzissa und ich sind nur noch für die äußerliche Erscheinung in der Gesellschaft zusammen. Wir haben uns schon lange getrennt. Und du und Draco seid kaum ein offizielles Paar.“ Ein Paar, dass sich überhaupt erst einmal auf die Lippen geküsst hat. Für ihren Geschmack gibt Draco zu viel auf Konventionen – sogar ihr für die Öffentlichkeit frisiertes Selbst ist nicht so zurückhaltend wie er im Privaten.

Ihr Gehirn sucht und findet noch hundert andere Gründe, warum diese Situation keine gute Idee ist, und warum sie wirklich, wirklich gehen sollte. Aber dann knurrt Lucius „Ach verdammt“ und neigt sich zu ihr, und alle Gedanken an Flucht verschwinden aus ihrem Kopf. Verdammt – wie wahr, wie wahr. Zum Scheitern verdammt, doch es ist ihr egal. Sie lehnt sich seinen Lippen entgegen und der letzte Frost um sie herum ist vergessen. Hitze und Leidenschaft durchfluten sie, wie das erst einmal geschehen ist, als sie nach Monaten des Begehrens einen Kuss von Blaise Zabini bekommen hat. Und obwohl die beiden Situationen nicht unterschiedlicher sein könnten, füllt sie das gleiche Verlangen aus wie damals, das Begehren, sich noch enger an ihn zu drängen, die Schauer, die sie durchlaufen, immer weiter und auf die Spitze zu treiben. Dieses Wollen, diese Sucht, die nicht mehr aufzuhalten sein wird, wenn sie nicht jetzt sofort stoppt…

It ain't my fault (No, no, no, no, no, no, no)
It ain't my fault (No, no, no, no, no, no, no)
It ain't my fault


Sie ist sich selbst kaum bewusst, dass sie leise murmelt, dass sie nun lieber aufhören sollten. Aber Mr. Malfoy gibt ihr noch einen Kuss, und ihr Widerstand schwindet dahin, und dann verschmilzt auf einmal alles zu einer rasend schnellen Folge von Bruchstücken. Ihr weicher weißer Mantel, den sie von der Garderobe abholt, die grünen Flammen im Kamin, in die sie die Adresse wispert, die er ihr verraten hat, ein kleines, eisernes Hoftor das quietscht, als sie es aufstößt, und ein weiches Bett, in dessen Kissen sie beinahe versinkt. Sie wartet nur wenige Minuten auf ihn, aber ist trotzdem kaum mehr bekleidet, als er den Raum betritt. Er starrt sie an, als hätte er noch nie in seinem Leben etwas Schöneres gesehen (sie ist sich ziemlich sicher, dass dieser Blick eingeübt ist, aber selbst wenn, ist es ihr egal. Er gibt ihr das Gefühl, umwerfend schön zu sein, noch schöner, als sie ohnehin von sich selbst überzeugt ist).

Dann ist er auf einmal über ihr, auf ihr, küsst sie wieder und presst sie an sich, der Stoff seiner Roben reibt an ihrer empfindlichen Haut und hinterlässt brennende Spuren. Sie fühlt sich so lebendig wie schon lange nicht mehr, so gut und befreit, wie sie es zuletzt getan hat, bevor… Bevor sie angefangen hat, mit Draco auszugehen. Der Gedanke, der Hauch des schlechten Gewissens verschwindet so schnell wieder, wie er an die Oberfläche getreten ist.

Baby, one, two, three
Your body's calling me
And I know wherever you're at
Is exactly where I wanna be
But don't blame me
It ain't my fault (No, no, no, no)


Sie konzentriert sich nur noch auf Lucius´ Stimme (irgendwo zwischen dem zweiten und dem dritten Kuss ist ihr das Mr. Malfoy abhandengekommen), auf seine gewisperten Versprechungen, wie gut es sein wird. Und sie ist sofort bereit, es zu glauben, erst recht, nachdem sie seine schlanken Finger an ihrem empfindlichsten Punkt spürt, die dort unablässig reiben, kreisen, reizen. Unaufhaltbar spürt sie, wie sich die Feuchtigkeit ausbreitet, und als sie schon glaubt, es nicht mehr aushalten zu können, dringt er mit einem, dann mit einem zweiten Finger in sie ein und triezt sie noch mehr, bringt sie immer näher an die süße Erlösung, aber erlaubt es ihr nicht ganz, in ihr aufzugehen.

So if I put your hands where my eyes can't see
Then you're the one who's got a hold on me
No I-I-I-I, can't be responsible, responsible


Als sich nach endlos scheinenden Minuten schon Tränen der Frustration in ihren Augen sammeln, sie kurz davor ist zu wimmern und zu betteln, treibt er sie mit seinem Ansturm auf ihre Sinne vollends in den Wahnsinn. Er hinterlässt heiße Küsse auf ihrem Hals und Ohrläppchen, zieht eine Spur von ihnen bis zu ihren Brüsten und saugt ihren harten Nippel in seinen Mund. Gerade als sie sich nur noch einen winzigen Moment davon entfernt wähnt, zu kommen, lässt er abermals von ihr ab.

Sie spürt den Verlust seiner Berührungen, als wäre ihr ein Teil ihrer Selbst entrissen worden. Sie will protestieren, aber da sieht sie, dass er sich bloß vollends entkleidet und mittlerweile mehr als bereit ist, noch weiter zu gehen. Eine letzte Verzögerung geschieht dadurch, dass er einen raschen Zauberspruch spricht, den sie als Schutz vor Schwangerschaft und Krankheiten erkennt.

Dann ist er wieder bei ihr, und füllt sie endlich, endlich aus. Sie biegt den Rücken durch und stöhnt mit ihm im Gleichklang, weil es sich viel zu gut, verboten gut anfühlt. Er ist so viel besser darin als all die Männer, die sie schon zuvor in ihrem Bett erlaubt hat. Sie alle schienen geglaubt zu haben, dass sie durch minimalen Aufwand explodieren würde – aber Lucius weiß, wie er sich bewegen muss, und vor allem, wo er sie berühren muss. Als ihr Orgasmus sie kraftvoll erfasst, sieht sie weiße Lichter vor ihren Augen aufblitzen und kann einen leisen Aufschrei nicht unterdrücken.

Aber Lucius ist noch nicht fertig mit ihr, obwohl er selbstzufrieden grinst. Nun verändert er seinen Rhythmus, stößt härter zu und pinnt ihre Handgelenke so fest in die Matratze, dass sie sicher ist, die Spuren davon noch Tage später sehen zu können. Aber es ist ihr recht, für sie hat es etwas unglaublich Erregendes, diesem Mann zu seinem Vergnügen so sehr ausgeliefert zu sein. Nun ist sie es, die seinen Nacken mit Küssen übersät und sanft zubeißt, gleichzeitig die Beine um seine Hüfte schlingt. Nach mehreren Minuten kommt auch er zum Ende, und bleibt danach noch ein paar Momente lang schwer atmend auf ihr liegen.

It ain't my fault (No, no, no, no, no, no, no)
It ain't my fault (No, no, no, no, no, no, no)
It ain't my fault


Sie genießt es, seinen schnellen Herzschlag an ihrem Brustkorb zu spüren, und zu fühlen, wie sie sich beide langsam wieder beruhigen. Dann rollt er sich langsam zur Seite und blickt ihr zwischen den zerwühlten Laken direkt in die Augen. „Das war… ein Erlebnis, Miss Greengrass.“

„Astoria, bitte.“

„In Ordnung.“

„Ich stimme dir zu.“

Schweigen, einige Minuten lang. Dann die Aussage ihrerseits, verwoben mit einer kaum wahrnehmbaren Frage, einer winzigen Hoffnung: „Wir sollten das wohl nicht wiederholen.“

Er stimmt ihr, zu ihrem Leidwesen, zunächst zu. „Nein, das sollten wir wohl nicht.“ Einen Atemzug lang ist sie enttäuscht. Aber dann fährt er fort: „Allerdings tue ich schon seit Jahren nicht mehr das, was ich eigentlich sollte.“

In diesem Moment wird Astoria klar, dass sie nicht den Märchenprinzen, sondern den König will.

It ain't my fault you got me so caught (It ain't my fault)
It ain't my fault you got me so caught (It ain't my fault)
Oh, well that's too bad it ain't my fault!



So, das war´s mit dem ersten Kapitel. Schockiert? Erfreut? Gespannt, wie es weitergeht? Ich freu mich auf eure Reaktionen :D
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