Osoroshī kage

von MAC01
CrossoverAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Seto Kaiba
01.12.2019
10.12.2019
10
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Teil: 03 / 24

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Kommentar: ---

***** ***** ***** ***** *****

Noch Stunden später hing Jonouchi in seinen Gedanken bei dem unerwarteten Wiedersehen mit Kaiba Seto. Es ärgerte ihn, dass der Brünette bei ihrer Begegnung vermutet hatte, dass Jonouchi die Küchenhilfe in der Mensa war. Scheinbar hielt der Geschäftsmann ihn tatsächlich für einen völligen Versager, der nichts aus sich gemacht hatte, nachdem er Domino City den Rücken gewandt hatte und nach Tokyo gezogen war. Der Blonde konnte die Wut in sich gut spüren. Die Wut darüber, dass er nicht schlagfertiger gewesen war. Warum hatte er Setos zweite Mutmaßung, dass er an der Essensausgabe arbeiten würde, so im Raum stehen lassen?
"Hey Jonouchi-kun... Da hat sich gerade ein Kunde an Tisch 3 gesetzt.", flüsterte ihm Usui-san, eine Geschichtsstudentin und seine Kollegin, zu. Nur langsam fand Jonouchi wieder in die Gegenwart und blinzelte die Dunkelhaarige kurz an, bevor er nickte.
"Danke.", meinte Jonouchi dankbar, nahm sich sein Tablett und das kleine Gerät, mit dem er die Bestellungen aufnahm und an die Küche übermittelte und wollte sich schon umdrehen, als ihm die Ironie der Situation bewusst wurde.
Eben hatte er sich noch innerlich darüber aufgeregt, dass Kaiba ihn für die Küchenhilfe oder Essensausgeber gehalten hatte, aber jetzt stand der Blonde hier, mit einer langen, schwarzen Schürze umgebunden und kellnerte in einem Cafe, dass nahe seiner kleinen Wohnung lag, um sich etwas dazu zu verdienen. Daher lachte er kurz auf, schüttelte den Kopf und ging zu Tisch 3.
"Willkommen im Café Antik.", begrüßte Jonouchi geübt den Gast und hob erst dann seinen Blick. Sofort erstarrte er, als er sah, wer sein Gast war: Uchiha Itachi - sein Tutor.
"Danke. Katsuya, richtig?", hakte Itachi mit einem charmanten Lächeln nach und strahlte den Blonden regelrecht an.
"Ähm... Jonouchi.", korrigierte der Blonde den Älteren.
"Ach, stimmt ja. Hier in Tokyo spricht man sich eher mit dem Familiennamen an.", stellte der Tutor fest, ohne sein Lächeln zu verlieren. Jonouchi zog seine Stirn kurz kraus.
"Wie überall in Japan.", merkte der Blonde verwirrt an.
"Nah... nicht überall ist das so Sitte. In meiner Heimat sprechen wir uns eigentlich nur mit den Vornamen an.", erklärte Itachi  ihm.
"Wieso?", fragte Jonouchi verblüfft.
"Das Dorf aus dem ich komme gliedert sich in ein paar Familien. Würden wir uns nur mit dem Familiennamen ansprechen, wüsste niemand wer gemeint ist oder von wem gerade gesprochen wird.", erklärte Itachi amüsiert. Die Augenbrauen des Blonden wanderten kurz hoch, bevor er einmal den Kopf schüttelte und auch wieder lächelte.
"Verstehe.", fügte er noch kurz an.
"Und du jobbst hier?", hakte Itachi nach und versuchte das Gespräch am Laufen zu halten.
"Ja... von irgendwas muss ich ja meine Miete bezahlen.", meinte Jonouchi mit einem Zwinkern. "Also, was darf ich dir bringen?"
"Was würdest du mir denn empfehlen?", holte der Ältere die Meinung seines Gegenübers ein.
"Hm... wir haben einen ausgezeichneten, gedeckten Walnuss-Apfelkuchen, mit Karamellsauce und dazu würde ich einen Caffè Latte empfehlen.", schlug Jonouchi das Tagesangebot vor.
"Das klingt doch gut, das nehm ich bitte.", lächelte Itachi sanft. Jonouchi nickte und gab die Bestellung in sein Pad ein.
"Kommt sofort.", meinte er nur charmant, wandte sich mit Schwung ab und ging zur hohen Theke. Dahinter begann er geschwind den Caffè Latte zu machen, der in einem hohen transparenten Becher gereicht wurde und formte gekonnt mit dem Milchschaum das Symbol des Café Antik als obere Schicht. Dann nahm er ein vorgeschnittenes Stück des Kuchens, füllte ein kleines, kannenähnliches Gefäß mit ihrer Karamellsauce und eine Schale mit der Schlagsahne, und begab sich mit beidem zurück zum Tisch seines Tutors.
"Einmal unseren hausgemachten gedeckten Walnuss-Apfelkuchen, mit Karamellsauce und Schlagsahne, sowie einen Caffè Latte. Viel Vergnügen bei diesem Genuss.", lächelte er ihm zu, während er den Teller und den Becher vor Itachi abstellte und dann wieder gehen wollte.
"Wohnst du hier in der Nähe?", fragte Itachi, während er die Gabel in die Hand nahm und den ersten Bissen vom Kuchen abtrennte. Der Blonde blieb stehen und wandte sich wieder dem Älteren zu.
"Ja.", antwortete er kurz angebunden ohne weiter auszuholen. Seine Körpersprache begann sich sichtbar zu verändern. Wurde angespannter. Als er sich erneut abwenden wollte, schluckte Itachi den ersten Bissen hinunter.
"Der Kuchen ist wirklich ein Gedicht. Er ist sogar noch handwarm.", lobte er die Empfehlung seines Gegenübers.
"Das Lob werde ich an die Inhaberin weiterleiten, die diesen Kuchen gebacken hat.", meinte Jonouchi gezwungen freundlich.
"Hab ich etwas falsches gesagt?", hakte Itachi nach dem zweiten Bissen nach, dem die Veränderung in Jonouchis Wesen nicht entgangen war. Dieser ließ sein Pad in einer Tasche seiner Schürze gleiten.
"Warum fragst du, ob ich in der Nähe wohne?", konterte der Blonde mit einer Gegenfrage.
"Ich bin erst vor kurzem in diese Gegend gezogen und hab mich gefragt, ob du mir den einen oder anderen Tipp geben könntest... du weißt schon, wo man gut einkaufen kann, welcher Markt die größere Auswahl oder bessere Frische hat... einen Park, in dem man abends mal abschalten kann. So was in der Richtung.", erklärte Itachi, ohne sein Lächeln zu verlieren.
"Aha.", kam es ungläubig von Jonouchi, der Itachi scharf musterte. "Ich fürchte, da werde ich dir auch keine große Hilfe sein, Uchiha-san..."
"Itachi, bitte.", bat der Ältere, sehr zum Unmut des Blonden.
"Ich kauf immer da ein, wo ich gerade vorbei komme, wenn mir einfällt, dass ich noch was brauche. Und den einzigen Park in diesem Stadtteil liegt direkt gegenüber des Cafés.", führte Jonouchi seine Antwort zum Ende.
"Verstehe... magst du den Park?", hakte Itachi nach, der sich etwas von der Karamellsauce über sein restliches Kuchenstück goss. Jonouchi spürte, wie in ihm plötzlich Wut darüber aufkeimte, dass sein Tutor ihn so zwanghaft in ein Gespräch verwickeln wollte.
"Ich habe mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht, ob ich den Park mag oder nicht. Entschuldige mich bitte, aber ich muss weiterarbeiten.", meinte er schließlich und wandte sich energisch ab, bevor er zur Theke zurückkehrte, um dort offensichtlich ein paar Tassen abzuwaschen. Seine Kollegin schien ihn etwas zu fragen und dabei zu Itachi rüber zu schauen, doch Jonouchi wank nur ab.

Das Café Antik war eigentlich eine Mischung aus Café und Coffee Shop. Es öffnete morgens bereits um 06.00 Uhr seine Tür für die Nachtschwärmer, die auf dem Weg ins Bett noch schnell in den Genuss eines frisch gemahlenen und optimal aufgebrühten Kaffees kommen wollten. Abends versorgte es bis Mitternacht all die lerngeplagten Studenten, die versuchten mit einem letzten Koffeinschub die Nacht durch zu lernen, um in ihrem jeweiligen Fach gut vorbereitet in die Vorlesung zu gehen.
An diesem Abend war es Jonouchi, der die 'Ehre' hatte bis zum Ladenschluss hinter der Theke zu stehen. Als er den letzten Koffeinjunkie versorgt hatte schloss er hinter diesem noch ab, wischte die Tische und Stühle gründlich ab und putzte gewissenhaft den Boden. Dann säuberte er fachmännisch und geübt die verschiedenen Maschinen, stellte die letzten Tassen aus der Spülmaschine in die Schränke und brachte die Kasse in den Tresor.
Es war fast 01.00 Uhr, als der Blonde seine Schürze abnahm, sie in seinen Spinnt hängte und sich auf den Heimweg machte.
Für Oktober war es bereits unangenehm kalt und so raffte Jonouchi seine Jacke etwas enger um sich, als er das Gebäude verließ. Ein paar wenige Schritte durch die schmale Gasse ließen ihn auf die Straße vor dem Café gelangen. Vor ihm erstreckte sich der Park zu beiden Seiten etwa gleich weit und er seufzte. Seine Wohnung lag genau auf der anderen Seite des Parks. An und für sich keine weite Strecke, aber für gewöhnlich vermied Jonouchi es durch den Park zu gehen. Doch heute Abend hatte er die Temperaturen definitiv unterschätzt und die Kälte hielt ihn an seinen eigenen Vorsatz heute auszusetzen und die 500 Meter durch den Park zu nehmen.
Also überquerte der Blonde die Straße und folgte dem Hauptweg, der die Strecke um weitere fünfzig Meter verlängerte, da er nicht kerzengerade angelegt war, sondern sich durch die Anlage schlängelte.
Der feine Kies unter seinen Füßen machte ein für ihn ungewohntes Geräusch, als er über ihn schritt. Warum die Stadtplaner hier auf einen befestigten Weg verzichtet hatten würde ihm ewig ein Rätsel bleiben. Er eilte an den Bäumen und hohen Büsche vorbei, ließ den Kinderspielplatz wortwörtlich links liegen und kam zum See, der hier künstlich angelegt worden war. Er hatte die Hälfte des Weges geschafft, als sich die Geräusche durch den losen Untergrund mehrten.
Jonouchi achtete darauf sein Schritttempo zu halten und weder langsamer, noch schneller zu werden. Doch im Augenwinkel versuchte er nach hinten zu schielen. War da noch jemand? Aber er konnte kaum unauffällig den Kopf soweit drehen, dass er über seine Schulter hätte sehen können.
Er spürte nur, wie sein Herz beschleunigte und er den Eindruck gewann, dass es ihm bis zum Hals schlug. Seine Hände waren in seinen Jackentaschen fest zu Fäusten geballt. Das Gefühl nicht mehr alleine im Park zu sein hatte ihn fest im Griff. Schlimmer noch: Die Befürchtung, dass ihm jemand gezielt folgte formte sich in ihm.
Warum hatte er auch seine eigene Regel so schändlich ignoriert? Wegen der Kälte, schon klar, aber war es das wirklich wert? Er konnte den Ausgang des Parks sehen und wurde doch schneller. Mit einer Hand wechselte er von seiner Jackentasche in die Hosentasche und angelte nach seinem Schlüsselbund. Als er ihn erreichte zog er ihn hervor und begann seinen Haustürschlüssel zu suchen.
Endlich trat er wieder auf den Bürgersteig, schaute in beide Richtungen der leeren Fahrbahn und überquerte sie dann. Dabei legte er nochmals an Tempo zu und erreichte auf der anderen Seite direkt den Eingang des Hauses, in dem sich seine Wohnung befand. Mit zittriger Hand schob er den Haustürschlüssel ins Schloss, drehte ihn und entriegelte die Tür. Er stieß die Tür hastig auf, sprang in den Flur und warf sich dann gegen die nur langsam wieder zufallende Haustür. Doch als er hörte, wie sie in das Schloss schnappte entspannte er sich ein wenig. Zum Glück hatten sie hier im Haus eine Tür, die keine Glaselemente in sich trug und somit der Eingangsbereich hier von außen nicht einsehbar war.
Also ging er zum Briefkasten, schaute hinein und stieg dann die Treppen in den dritten Stock hinauf. Dort ging er in seine Wohnung, vermied aber das Licht oder sonstige Beleuchtung anzumachen. Wie ein Einbrecher schlich er zu seinem Fenster im Wohnzimmer und blickte, verborgen hinter dem Vorhang auf die Straße. Es war niemand zu sehen. Auf der anderen Seite lag der Park. Auch dieser wirkte verlassen. Hatte er sich das alles nur eingebildet? Er konnte spüren, wie sein Herz immer noch bis zum Hals schlug.
Vielleicht war es pure Paranoia, aber er wollte kein Risiko eingehen. Denn wenn es keine Paranoia war... dann hatte er ein Problem und dann wollte er wem auch immer keinen Hinweis darauf geben, in welcher Wohnung er lebte.

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