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♥ PROSA: ★ 24 große Fragezeichen

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
01.12.2019
01.01.2020
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08.12.2019 735
 
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8. Dezember

Nun kam wieder ein Sonntag und ich fand ein Päckchen auf der Fußmatte vor der Tür, das haargenauso aussah, wie das allererste am letzten Sonntag.
Ich trug es rein und öffnete es. Es war wieder so ein Kerzenglas, aber diesmal mit Libellen statt mit Schmetterlingen. Der zweite Advent, also die zweite Kerze? Nachdenklich drehte ich das hübsche Glas. Ja, es war zwar kein Weihnachtsmotiv, aber ein schönes Motiv, ich liebte Libellen.
Im Sommer hatte ich mich öfter mit John über Schmetterlinge und Libellen unterhalten. Im Park gab es nämlich einen See, wo immer Libellen herum schwirrten. John kannte jede Libellenart und alle Schmetterlinge, die um uns herumflatterten.

Andererseits – hier in der Wohnung gab es auch Schmetterlinge und Libellen. Ich sah mich um. Ein Puzzle mit 1000 Teilen und Schmetterlings-Motiv hatte ich gemacht und in Glas gerahmt aufgehängt. Postkarten mit Schmetterlingen und Libellen pappten oben an der PIN-Wand. Auf dem Sofa lag ein Kissen in Schmetterlingsform. Meine Lieblings-Handtasche hing im Flur – mit Schmetterlingsmotiv auf hellblauem Hintergrund.
So viele Freunde waren schon hier drin gewesen und hatten Schmetterlinge und Libellen hier gesehen.

In Carols Garten hinter dem Haus war eine kleine Wiese, im Sommer voller Schmetterlinge und ich hatte ihr gesagt, dass ich oft oben am Balkon stand und hinunter sah, um sie zu beobachten. „Ach, Kindchen, dann komm doch einfach runter und setz dich IN den Garten!“, hatte sie mir lachend angeboten. Ab und zu hatte ich dann wirklich dort gesessen und manchmal hatte sie mir Gesellschaft geleistet.

Chris von nebenan hat einen Sohn, der aber bei seiner Mutter lebt und nur ab und zu hier ist. Als er mal hier gewesen war, hatte ich ihm mein Schmetterlings-Bestimmungsbuch geliehen und er war strahlend mit Chris zum Park gewandert, um Schmetterlinge zu finden.

Meine Freundin Hannah wusste, dass ich Schmetterlinge und Libellen liebte, sie hatte mir mal ein Tagebuch mit passenden Motiven auf dem Umschlag geschenkt. Hannah… mein Blick fiel auf den Kalender. Oh ja! Heute würde sie zurückreisen. Sie war für drei Wochen zu ihren Eltern geflogen, würde aber heute Abend zurückkommen. Wie hatte ich sie vermisst! Was sie wohl zu all meinen Geschenken sagen würde?

Ich zog mich an und lief mit Daisy zum Bäcker. Sonntags musste das einfach sein. So hatte Daisy genug Bewegung und ich bekam die unvergleichlichen Smith-Dinkelbrötchen. Eines aß ich immer mit Nutella und eines mit meinem Lieblingskäse. Es gab nichts Besseres…

Ken stand hinter dem Tresen und es waren noch zwei Kunden vor mir dran. Als diese weg waren, hielt Ken mir schon eine Tüte hin. „Guten Morgen! Zwei Dinkelbrötchen? Oder brauchst du auch etwas für Carol?“
Ich musste lachen, weil er so genau wusste, was ich wollte. „Genau, zwei Dinkelbrötchen und Carol habe ich nicht gesehen.“
„Sie isst ja auch nicht immer Brötchen“, meinte er und nahm mein Geld entgegen. „Und, was machst du heute, am Sonntag?“
„Keine Ahnung, ich habe noch nichts vor. Vermutlich noch eine Runde mit Daisy im Park und ansonsten ein schönes Buch lesen. Draußen ist es so kalt!“, erwiderte ich.
„Ja, echt eisig“, nickte er.
„Was machst du?“, fragte ich ihn nun.
„Er zuckte mit den Schultern. Vermutlich nach dem Frühdienst hier erst einmal ein Nickerchen, ich bin seit 4 Uhr auf und nachmittags verkaufen wir ja Kuchen.“
„Ach ja, du hast gar keinen richtigen Sonntag“, stellte ich bedauernd fest.
„Nicht wirklich. Aber das macht nichts, ich habe es mir ja so ausgesucht!“ Er lächelte.
Eine Kundin kam herein und ich verabschiedete mich.

Zu Hause deckte ich mir den Frühstückstisch, machte die beiden Kerzen an und wollte mir gerade mein Brötchen aus der Tüte nehmen, als mir zuerst ein Blaubeer-Muffin entgegenrollte. Ken, der Liebe! Ich musste lachen. Das war ja echt süß. Nun gut, dann würde ich den am Nachmittag verspeisen.

Die Kerzen flackerten und warfen Schmetterlings- und Libellenbilder auf den Tisch. Das war sehr gemütlich. Draußen schob sich dann scheinbar die Sonne durch die Wolken hindurch und mein Blick fiel sofort auf den Schneekristall am Fenster. Nun fing er das Licht ein und warf regenbogenfarbene Bilder auf meinen Fußboden. Wie hübsch!

Na dann, einen schönen 2. Advent, Miss Langdon, wünschte ich mir vergnügt.


Personen-Übersicht:

Carol – Vermieterin
Steve – Chef in der Buchhandlung
Jane – Kollegin aus der Buchhandlung
John mit Blacky – Biolehrer und Hundebesitzer im Park
Tim – Postbote
Chris - Nachbar
Giuseppe – Pizzabäcker/Lieferant
Martin – Carols Enkel und Arzt
Ken Smith – Bäckerssohn
Hannah – beste Freundin



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