Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

♥ PROSA: ★ 24 große Fragezeichen

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
01.12.2019
01.01.2020
27
33.617
27
Alle Kapitel
444 Reviews
Dieses Kapitel
16 Reviews
 
20.12.2019 1.240
 
.




20. Dezember

Am nächsten Morgen stand ein Körbchen vor der Tür. Darin befanden sich ein Paket Mehl, Zucker, Zimt, gemahlene Mandeln, Nüsse, Eier, Schokolade…. Eingerollt zu einer Rolle mit Schleife befand sich auch ein Bogen Papier darin, auf dem ein Plätzchen-Rezept abgedruckt war.

Plätzchen hatte ich noch nie gebacken. Hm. Ich trug den Korb in die Küche.
Von Hannah kam eine WhatsApp-Nachricht. „Morgen, Süße. Was ist es heute?“
Ich fragte mich, ob sie das wirklich nicht wusste?
„Zutaten zum Plätzchen backen, inklusive Rezept. Sowas hab’ ich noch nie gebacken!“
„Ich komm abends vorbei, dann machen wir das zusammen!“

Na bravo, dachte ich, das würde ein Küchenchaos geben. Hannah kochte gut, aber die Unordnung, die sie dabei verbreitete, war immer unglaublich. Aber die Freude, dass sie mich besuchen würde, überwog. Wir hatten uns ein paar Tage nicht gesehen, da passte das doch gut.

„Ich bin gegen 18 Uhr zurück“, schrieb ich zurück.
„Gut, bin 18:30 Uhr bei dir. Bringe uns auch was zu Essen mit!“
Das war eine gute Idee, dachte ich und freute mich. Ich schickte ihr ein Herzchen-Smiley.

Der Tag verging in der Buchhandlung wie im Flug, denn wir hatten nonstop zu tun.
Ich war ziemlich platt, als wir nach Hause gingen und hoffte, dass Hannah mich wieder wach bekäme.
Sie traf kurz nach mir bei mir zu Hause ein und wir aßen erst einmal das mitgebrachte Abendessen. Danach machte Hannah uns eine Tasse Kaffee. Sie streichelte Daisy ausgiebig und obwohl sie schon durch ein Telefonat vorgestern mit mir wusste, wie es zu Daisys Verletzung gekommen war, musste ich es ihr noch mal erzählen.

Mit fetziger Musik begannen wir dann zu backen und ich wurde wieder munter. Kurz danach bollerte es gegen die Haustür.
„Ich geh schon“, meinte Hannah, weil ich gerade mit beiden Händen Teig knetete.
Sie kam mit Chris zurück, der versuchte sich gegen Daisy zu wehren und mich anschießend von hinten umarmte und über meine Schulter sah.
„Hi Prinzessin. Das machst du sehr gut, kann ich helfen?“ Er roch gut und hauchte mir ein Küsschen auf die Wange. So lieb.
„Hi mein Prinz“, erwiderte ich. „Bestimmt kannst du helfen, am besten fragst du Hannah, sie ist die Plätzchen-Fachfrau!“
Chris machte sich auch erst einmal Kaffee. Ich musste schmunzeln, vermutlich war er deshalb hier, weil seiner wieder leer war….

Danach erhielten wir beide Arbeitsaufträge von Hannah und kamen gut voran. Nach kurzer Zeit duftete meine Küche schon ganz herrlich und gebannt starrte ich durch die Backofentür.
„Es klingelt, wenn sie fertig sind, du musst nicht aufpassen“, gluckste Hannah.
„Ich weiß, aber ich finde es spannend und es riecht himmlisch.“
Diesmal umarmte Hannah mich und sah mit mir in den Backofen.
„Später werden wir vielleicht mal Kinder haben und mit ihnen backen und den Plätzchen beim braun werden zusehen.“
Verwundert sah ich sie an. Hannah so sentimental zu erleben, war echt eine Seltenheit.
„Das wird bestimmt wunderschön. Dann werden wir zu viert zusammen backen“, überlegte ich und fand die Vorstellung wirklich toll.
„Das werden wir, aber vielleicht sind wir auch mehr. Ich will kein Einzelkind“, meinte Hannah.

„Wem darf ich ein Kind machen?“, fragte Chris und umarmte uns beide.
„Keiner, du Spinner. Wir wollen doch keine Nerds“, sagte Hannah und schob ihn von uns weg.
„Aber ich bin ein lieber und sehr hübscher Nerd und ich trage auch keine hässliche Brille!“, empörte sich Chris.
Ich stellte mich vor ihn und knöpfte sein Hemd auf und richtig wieder zu. „Nur bist du immer ziemlich schlunzig bekleidet, mein Schatz.“
Er schmunzelte. „Ich knöpfe es immer absichtlich falsch zu, weil ich weiß, dass du es dann richtig knöpfst und mich Schatz nennst…“ Er wackelte mit den Augenbrauen und ich musste lachen.
„Trotzdem will ich kein Kind von dir“, sagte ich dann.
„Schade“, erwiderte er theatralisch frustriert und ließ sich auf einen Küchenstuhl fallen, der beängstigend knarrte.

„Wer darf dir denn ein Kind machen?“, fragte Hannah mich neugierig.
Ich zuckte mit den Schultern. „Der Mann, den ich dann liebe?“, war doch klar, oder?
„So romantisch“, stöhnte Chris und verdrehte die Augen.
Ich klatschte ihm auf die Schulter und setzte Teewasser auf.
„Ja, da bin ich altmodisch und romantisch, ich wollte nicht allein erziehend sein, wie deine Ex….“
„Das war auch nicht so geplant. Ich fürchte, wir waren einfach zu früh dran. Unüberlegt, jung…“, erklärte Chris.
„Aber dafür macht ihr es trotz Trennung gut. Deinem Sohn geht es gut, er entwickelt sich bestens, also war gewiss nicht alles falsch, was ihr gemacht habt“, versuchte ich ihn zu trösten.
„Das ist richtig, der Kleine war das Beste, was ich bisher zustande gebracht habe.“ Er wirkte ganz stolz.
„Das stimmt, er ist ein liebes Kind“, bestätigte ich und dachte an den fröhlichen Jungen, Mick, der hier im Haus schon so oft laut gelacht hatte. Chris war gewiss nicht der zuverlässigste Mensch, aber in dem Punkt doch verantwortungsbewusst.

„Tee und Plätzchen im Wohnzimmer?“, fragte Hannah und unterbrach die entstandene Stille.
Der Herd piepte und sie holte die Bleche sofort heraus.
„Gute Idee“, sagte ich.
Ich trug die Teekanne rüber, Chris die Tassen und Kandis und Hannah brachte einen großen Teller voller noch dampfender Kekse mit.
„Morgen könntest du ein paar davon noch anpinseln und dekorieren“, überlegte sie.
„Mal sehen, ich mag ja nicht ganz so gerne, wenn es extrem süß ist.“
„Vielleicht schmecken sie so wie sie sind am besten“, meinte Chris und schnappte sich gleich einen, um dann zu jaulen wie Daisy, denn er hatte sich die Zunge verbrannt.
„Du bist so unglaublich verfressen und gierig“, stöhnte Hannah und holte ihm ein Glas Wasser.

Aber, als die Kekse etwas abgekühlt waren, stellte ich fest, dass sie genauso gut schmeckten, wie sie dufteten.
„Hm, köstlich!“
„Ja, das haben wir gut hinbekommen“, meinte Hannah stolz. Sie stand auf und machte den Fernseher an. „Dazu könnten wir einen schönen, schnulzigen Weihnachtsfilm gucken“, überlegte sie und ich rief: „Oh nein, nicht schon wieder!“
Hannah lachte und machte tatsächlich in Ermangelung eines anderen Films, den von letztens wieder an.
„Ist ja gruselig“, stellte Chris fest und ich musste kichern. Diesbezüglich waren wir absolut einer Meinung.
„Komm in meinen Arm, Prinzessin, dann kuscheln wir, tun so, als würden wir den Scheiß gucken und schlafen einfach ein. Hannah wird so begeistert vom Film sein, dass sie es gar nicht bemerken wird!“
Hannah bewarf ihn mit einem Kissen und ich kuschelte mich gerne zu ihm. Wie immer.

Es war dann genauso wie Chris gesagt hatte. Hannah guckte begeistert, Chris und ich schliefen ein.
Als ich wieder erwachte, war es fast dunkel. Auf dem Tisch brannten nur meine Adventskerzen und malten Schmetterlinge, Libellen und Gänseblümchen auf den Tisch. Als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah ich einen Zettel daneben.

„Ihr Penner!
Ich habe Daisys Verband gewechselt und war nochmal mit ihr unten.
Schlaft gut.
Und wehe du lässt dir ein Kind von ihm machen!
Hannah“

Ich musste leise kichern.

Vorsichtig schälte ich mich aus Chris’ Umarmung, was ihn unwillig brummen ließ. Er sah so süß aus, wenn er schlief. Ich deckte ihn zu, ging ins Bad und dann ins Bett. Schnell schlief ich ein, mit Plätzchenduft in der Nase….


Personen-Übersicht:

Carol – Vermieterin
Steve – Chef in der Buchhandlung
Jane – Kollegin aus der Buchhandlung
John mit Blacky – Biolehrer und Hundebesitzer im Park
Tim – Postbote
Chris - Nachbar
Giuseppe – Pizzabäcker/Lieferant
Martin Endaile – Carols Enkel und Arzt
Ken Smith – Bäckerssohn
Hannah – berste Freundin
James Fletcher – Physiker, Kunde
Bobby mit Jacky – Obdachloser
Miss Simmons – Krankenschwester in Martins Praxis





.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast