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♥ PROSA: ★ 24 große Fragezeichen

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
01.12.2019
01.01.2020
27
33.617
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Dieses Kapitel
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19.12.2019 1.038
 
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19. Dezember

Am nächsten Morgen stand ein sehr großer Karton vor der Tür und ich wunderte mich. Vorsichtig trug ich ihn hinein und stellte ihn auf den Wohnzimmertisch. Ich öffnete ihn und sah oben rein.
Oh. Es war die Weihnachtspyramide mit den Tieren, die ich gestern auf dem Weihnachtsmarkt bewundert hatte. Das konnte doch nicht wahr sein? Perplex sank ich auf das Sofa.

John oder James? Es musste doch einer von den beiden gewesen sein? Ich konnte es nicht fassen. Oder hatten sie es irgendwem gesagt? Die Pyramide zu zweit gekauft oder alle zusammen? Das war wirklich unglaublich und nahm ja überdimensionale Ausmaße an.

Ich stand wieder auf und holte das Teil aus dem Karton. Es lagen blaue Kerzen dabei, die ich in die Halterungen steckte. Das sah wirklich hübsch aus. Ich freute mich schon darauf, die Kerzen am Abend anzuzünden und all die Tiere genauer zu betrachten. Was für ein tolles Geschenk.

Aber zuerst rief die Arbeit und ich machte mich mit Daisy auf den Weg. Auch Steve und Jane wunderten sich über mein tolles Geschenk, als ich ihnen davon erzählte. Aber im Prinzip glaubte ich ihnen nichts mehr, die steckten doch alle unter einer Decke…

Hannah fragte zwischendurch per WhatsApp, was ich heute bekommen hätte und auch sie war dann angeblich ganz überrascht… Verräterin!

Nach der Arbeit kaufte ich Gemüse ein und bei Ken ein paar Brötchen. Dann kochte ich eine Gemüsesuppe und bereitete frische Kräuterbutter ohne Knoblauch zu. Weder ich noch Martin würden morgen die Kunden und Patienten vollstinken wollen, dachte ich…

Als Martin klopfte, schlug mein Herz schneller und ich ließ ihn herein.
„Hi, du Engel“, sagte er und lächelte mich sanft an.
„Engel?“
„Jepp, das lange blonde Haar, diese Locken, du siehst echt aus wie ein Engel.“ Er sagte das todernst und mir wurde wieder ganz warm ums Herz.
„Komm rein, du Weihnachtswichtel“, erwiderte ich und ließ ihn herein.
„Weihnachtswichtel?“, fragte er belustigt und zog die Augenbrauen hoch. „Ich denke durchaus, dass du beteiligt bist an meinem besonderen Advent“, stellte ich fest.
„Er ist also besonders?“, fragte er lächelnd.
„Und ob. Ich hatte noch nie so viel lieben Besuch und vor allem, noch nie so viele Geschenke!“
„Das klingt wirklich besonders bereichernd“, meinte Martin und folgte mir ins Wohnzimmer.

„Daisy, na, meine Süße, was macht deine Pfote?“
Daisy war auf ihn zugerannt und er wurde freudig begrüßt.
„Dann zeig mal her“, hörte ich ihn sagen und ging wieder in die Küche, um den Tisch fertig zu decken.
„Das sieht gut aus, morgen kannst du den Verband ruhig noch mal selber wechseln, ich lasse dir Material hier. Dann sollte es auch gut sein. Die Fäden lösen sich selber auf.“
Er trat herein. „Oh, du hast wieder gekocht?“, fragte er überrascht.
„Nur weil ich wusste, dass du kommst. Zu zweit ist Essen eben schöner!“
„Das ist es, danke, ich freue mich und das riecht himmlisch!“

Er wusch sich die Hände und setzte sich zu mir. Ich reichte ihm den Brötchenkorb rüber.
„Die Butter ist ohne Knoblauch“, erklärte ich.
„Das ist gut“, nickte er und beschmierte sich sein Brötchen damit.
„Also kommst du morgen nicht?“, fragte ich noch mal nach.
„Wenn ich da wäre, würde ich noch mal kommen, aber ich habe ab morgen Mittag eine Fortbildung und komme erst Samstagabend zurück“, erklärte er.
Ich sagte nichts und aß einen Löffel Suppe. Wie schade, ich mochte es, wenn er hier war…
„Mach dir keine Sorgen um Daisy, ich zeige dir gleich, wie du den Verband wechseln kannst“, sagte er sanft.
„Ich mache mir keine Sorgen mehr um sie“, erwiderte ich.
„Aber?“, fragte Martin und musterte mich.
„Nichts, kein aber“, sagte ich.
Er nickte. „Dann ist es ja gut.“

„Was für eine Fortbildung hast du denn?“, fragte ich.
„Alternative Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen.“
„Das ist bestimmt interessant“, überlegte ich.
„Ich hoffe es. Ich habe im Moment einige betroffene Patienten und ich würde ihnen so manches Leiden gerne erleichtern.“
Er war so einfühlsam und wirklich besorgt um seine Patienten, das gefiel mir.
„Die Fortbildung findet in der Klinik statt, in der ich vorher war und ich hoffe, dort auch ehemalige Kollegen zu treffen. Vielleicht finde ich jemanden, der Lust auf eine Kleinstadtpraxis hat und bei mir einsteigt.“
„Da drücke ich dir Daumen, das wäre schön.“ Dann hätte er gewiss mehr Freizeit, mehr Zeit für sich, seine Granny, Freunde…

„Deine Suppe schmeckt echt super“, lobte er mich. „Granny kocht manchmal eine ähnliche, aber deine ist wirklich noch besser!“
„Das sagen wir ihr aber besser nicht“, lachte ich erfreut.
„Das denke ich auch, sonst ist sie noch gekränkt.“
„Ich habe auch noch Nachtisch gemacht“, fiel mir ein und ich stand auf, um ihn aus dem Kühlschrank zu holen. Es war eine Quarkspeise mit frischem Obst. Ich holte noch zwei Schüsselchen und Löffel dazu.

„Hm“, sagte Martin. „Ich fürchte, du hast künftig einen Dauergast zum Essen.“ Er zwinkerte mir zu und lutschte genüsslich seinen Löffel ab.
„Gerne“, sagte ich und zwinkerte glücklich zurück. Ich freute mich, dass es ihm so gut schmeckte. Hierher kommen dürfte er auch ruhig öfter…

Ich machte uns noch eine Tasse Tee und wir setzten uns damit ins Wohnzimmer zu Daisy. Martin zündete die Kerzen an der Pyramide an und ich beobachtete die einzelnen Tierfiguren, die sich langsam im Kreis zu drehen begannen. Sie waren wunderschön. Die Propeller des oberen Rades drehten Schattenbilder an der Decke, das war wirklich faszinierend. Man könnte stundenlang davor sitzen und zusehen, wie es sich drehte und leuchtete. So träumten wohl Kinder in der Weihnachtszeit…

„Das ist wunderschön“, stellte Martin fest.
„Das finde ich auch. Es sieht schön aus und hat irgendwie auch etwas Beruhigendes.“
„Das ist er, der Geist der Weihnacht. Friedliches Beisammensein, gute Gespräche, leckeres Essen. Zeit füreinander haben und Kerzenschein. Innen zu sitzen, in der warmen Stube, wenn es draußen kalt ist“, sagte Martin leise.
„Mit Menschen, die man mag.“
Er lächelte mich an und ich lächelte zurück.
Was für ein unvergesslicher Abend!


Personen-Übersicht:

Carol – Vermieterin
Steve – Chef in der Buchhandlung
Jane – Kollegin aus der Buchhandlung
John mit Blacky – Biolehrer und Hundebesitzer im Park
Tim – Postbote
Chris - Nachbar
Giuseppe – Pizzabäcker/Lieferant
Martin Endaile – Carols Enkel und Arzt
Ken Smith – Bäckerssohn
Hannah – berste Freundin
James Fletcher – Physiker, Kunde
Bobby mit Jacky – Obdachloser
Miss Simmons – Krankenschwester in Martins Praxis


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