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♥ PROSA: ★ 24 große Fragezeichen

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
01.12.2019
01.01.2020
27
33.617
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Dieses Kapitel
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18.12.2019 1.089
 
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18. Dezember

Vor der Haustür lag ein Paket und ich öffnete es sofort. Diesmal war es ein Kauknochen für Daisy. Martin, dachte ich sofort. Das war doch bestimmt zum Trost für Daisy, weil sie verletzt war? Aber dann hätte er am Abend noch einen Hundeknochen gekauft? Das konnte doch nicht sein, so spät?
Verwundert gab ich das Teil Daisy, die sofort begeistert darüber herfiel. Egal wer es uns hingelegt hatte, der Hund war happy und ich freute mich mit.

Eigentlich hätte ich nur bis mittags arbeiten müssen, aber es war so viel zu tun, dass ich eine Stunde dranhängte. Trotzdem war es ja noch früh und hell, als ich Feierabend machte, also beschloss ich, mit Daisy in den Park zu gehen.
Prompt trafen wir auf John und Blacky.
„Na, hast du schon genug Schüler geärgert für heute?“, begrüßte ich ihn grinsend.
„Mein größtes Hobby“, grinste er zurück. „Was hat Daisy denn am Fuß?“
Ich erzählte ihm kurz von unserem ‚Unfall’ am Vortrag. John kraulte Daisy. „Gut, dass Martin noch in der Praxis war“, meinte er dann. „Gehst du mit mir zum Weihnachtsmarkt? Ich spendier dir einen Glühwein!“
„Ich komme mit, aber dieses süße Zeugs kann ich nicht trinken“, sagte ich angewidert.
„Dann bekommst du eine Bratwurst und Orangensaft!“
„Das klingt fast noch schlimmer“, stellte ich lachend fest und hakte mich bei ihm unter.
„Dann vielleicht ein süßes Lebkuchenherz, um dir meine Liebe zu gestehen!?“, fragte er.
„Oh, bitte nicht“, stöhnte ich.
„Was, das Herz oder das Geständnis?“, fragte er.
Ich sah zu ihm auf. Meinte er das jetzt ernst? In welche Verlegenheit wollte er mich nun bringen?
Er musterte mich und lachte. „Hör auf zu grübeln, das war ein Witz! – Aber ich könnte wirklich etwas zu Essen vertragen!“
„Da werden wir gewiss etwas finden“, bestätigte ich etwas erleichtert.

Kurz danach erreichten wir den Weihnachtsmarkt. Verschiedene Gerüche prallten auf mich ein, dazu Lärm, Musik oder eher Gedudel. Blinkende Lichter. Das war nun nicht wirklich mein Ding. Oh man.
Wir schlenderten los und John entdeckte tatsächlich sofort eine Bude mit Essen und deckte sich damit ein. Schule schien sehr hungrig zu machen. Er fragte mich mehrfach, ob ich wirklich nichts wollte, aber ich schüttelte vehement den Kopf. Ich hatte ein Brot gegessen vorhin und würde später kochen. Da brauchte ich dazwischen wirklich nichts.

Wir schlenderten weiter, während John aß und ich beide Hunde an der Leine hielt. Die Stände waren ganz nett, da sah ich durchaus einige Dinge, die mir gefielen. Aber ich brauchte nichts davon wirklich. An einem Stand gab es diese Pyramiden, die sich drehten, wenn man rundherum Kerzen anzündete. Die meisten hatten weihnachtliche Motive, aber eine war mit vielen Tieren verziert. Sie waren filigran aus Holz geschnitzt und drehten sich im Kreis. Da gab es auch Schmetterlinge, schöne Vögel, Elefanten. Das Teil sah echt toll aus.

„Sehr hübsch, nicht wahr?“, fragte plötzlich eine vertraute Stimme neben mir.
Ich sah auf. Es war James.
„Hi, James. Ja, manche sind echt hübsch“, bestätigte ich.
John, der auf meiner anderen Seite gestanden hatte, begrüßte James und schließlich zogen wir zu dritt weiter. An einem Stand gab es dann Waffeln und Kaffee und da wurde sogar ich weich und trank mit den beiden Kaffee und aß eine Waffel.
Wir unterhielten uns und plötzlich fand ich diesen Weihnachtsmarkt gar nicht mehr so schlimm. Mit der richtigen Begleitung war es doch irgendwie nett.

„Fahren wir eine Runde Kettenkarussell?“, fragte John mich und sah mit glänzenden Augen zu diesem Teil hoch, das sich recht schnell drehte.
„Ich weiß nicht“, sagte ich zögerlich.
„Geht ruhig, ich passe auf Blacky und Daisy auf“, meinte James lächelnd und schon hatte er die Leinen in der Hand und John schob mich zu diesem Karussell.
Hoffentlich würde mir nicht schlecht darauf. Ich war noch nie auf so einem Ding gewesen.

Kurz danach saßen wir in diesen Sitzen nebeneinander, aber doch so weit auseinander, dass wir uns nicht berühren konnten. Schon ging es los und in meinem Bauch kribbelte es. Ui.
Aber es war schön, ich musste lachen. Der Wind wehte mir ins Haar und es machte wirklich Spaß. Das hatte ich nicht erwartet.

Als wir landeten, half John mir aus dem Sitz und sah mich vergnügt an. „Das war toll, oder?“ Er strahlte wirklich wie ein Sommermorgen.
„Das war es, danke. Ich wäre allein nie auf die Idee gekommen!“ Ich drückte ihn einmal übermütig und dann liefen wir zu James, der mir Daisys Leine zurückgeben wollte.
„Es hat dir gefallen?“, fragte er lächelnd.
„Ja, sehr sogar!“
„Dann hat es sich gelohnt!“ Er drückte kurz meine Hand. „Woah, du hast ja eisige Hände. Er nahm meine zweite Hand dazu und rieb meine Hände sanft zwischen seinen, die wirklich angenehm warm waren. „Hast du denn keine Handschuhe?“, fragte er besorgt.
„Doch, aber ich bin meist zu faul sie anzuziehen. Irgendwie sind sie mir immer lästig.“

Wir schlenderten weiter, James führte links Daisy an der Hand und rechts hielt er meine Hand und rieb immer wieder darüber. Auf der anderen Seite machte John das gleiche und ich musste schmunzeln. Wie besorgt sie um mich waren, irgendwie war das voll süß. Händchen haltend mit gleich zwei hübschen Männern auf dem Weihnachtsmarkt!

Schließlich hatten wir alles gesehen, ich hatte warme Hände und wir verabschiedeten uns voneinander. Ich kaufte noch schnell etwas im Supermarkt ein und dann war ich froh, als ich Zuhause endlich wieder im Warmen war.  

Zuerst versorgte ich Daisy und dann war es schon Zeit das Abendessen zu kochen. Martin traf um 19:20 Uhr ein und ich freute mich sehr. Zuerst sah er nach Daisy, während ich das Essen schon auftrug. Dann aßen und erzählten wir und irgendwie fühlte es sich so richtig an. So, als wären wir schon ewig zusammen. Sehr seltsam, aber auch ein schönes Gefühl, das ich in vollen Zügen genoss.

Aber Martin blieb dann nicht mehr sehr lange, er war total kaputt und sah auch wirklich erschöpft aus. „Ich sehe morgen noch mal nach Daisy, aber es heilt gut. Du brauchst dich also nicht mehr zu sorgen“, sagte er beim gehen.
„Danke, ich freue mich, dass du morgen wiederkommst“, gab ich zu.
„Ich mich auch, ich mich auch“, sagte er leise, küsste meine Wange und ging.
Oh man. Diese Schmetterlinge!


Personen-Übersicht:

Carol – Vermieterin
Steve – Chef in der Buchhandlung
Jane – Kollegin aus der Buchhandlung
John mit Blacky – Biolehrer und Hundebesitzer im Park
Tim – Postbote
Chris - Nachbar
Giuseppe – Pizzabäcker/Lieferant
Martin Endaile – Carols Enkel und Arzt
Ken Smith – Bäckerssohn
Hannah – berste Freundin
James Fletcher – Physiker, Kunde
Bobby mit Jacky – Obdachloser
Miss Simmons – Krankenschwester in Martins Praxis


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