Gegen die Einsamkeit

von Thoronris
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Blaise Zabini Draco Malfoy Hermine Granger Theodore Nott
01.12.2019
08.12.2019
9
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Draco hatte sich darauf eingestellt, dass es nicht leicht werden würde, einfach so wieder in Hogwarts aufzutauchen. Zu viel war passiert, zu wenig war allgemein bekannt. Seine Eltern waren freigesprochen worden, insbesondere aufgrund der lebensmüden Tat seiner Mutter, doch sie unterlagen vorläufig strengen Auflagen und mussten regelmäßig Ministeriumsangestellte in ihrem Anwesen dulden.

Seufzend lehnte er sich auf dem großen Ledersofa zurück und schloss die Augen.

Er selbst hatte sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, nach Hogwarts zurückzukehren. Er war erwachsen, er hatte sieben Jahre Schule hinter sich. Dass das letzte Jahr nicht abgeschlossen war und die Qualität des Unterrichts sehr gelitten hatte, war ihm egal. Er wollte sich nicht den Blicken seiner Mitschüler aussetzen, die nicht wussten, was wirklich geschehen war. Doch seine Eltern und das Ministerium hatten es sehr deutlich gemacht: Wenn er für ein Jahr nach Hogwarts zurückkehrte und sich dort gut führte, so würde man ihn mit offenen Armen in der Zauberergesellschaft als arbeitendes Mitglied empfangen.

Es war Teil seiner Strafe dafür, an Dumbledores Tod Schuld zu tragen. Ganz egal, welche oberflächlichen Gründe das Ministerium und die Mitglieder des Ordens des Phönixes anführten, Draco wusste, dass es in Wirklichkeit nur darum ging, ihm nachträglich alles heimzuzahlen.

Es hatte schon im Zug angefangen. Die entsetzten Blicke und das nicht gerade leise Gemurmel über seine bloße Anwesenheit waren kaum zu ertragen gewesen. Als wäre er Abschaum. Als gehörte er dort nicht hin.

Er war froh, dass Blaise und Theo sich ihm angeschlossen hatten. Sie waren nicht gezwungen worden, das Jahr zu wiederholen. Sie waren freiwillig hier. Sie betonten, dass sie einfach nur richtig auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden wollten, jetzt, da ihr Familienvermögen durch den Krieg deutlich geschrumpft war.

Draco vermutete insgeheim, dass sie ihm beiseite stehen wollten.

Doch da sie nichts dazu sagten, sagte er auch nichts. Schlangen waren loyal, aber sie sprachen nicht über Gefühle. Draco hoffte, dass dieselbe Loyalität, die er für seine beiden besten Freunde empfand, auch auf die übrigen Slytherin-Schüler in diesem Jahr zutraf. Er wusste, die Schüler der anderen Häuser würden ihm das Leben schwermachen, doch damit kam er zurecht, solange er im Gemeinschaftsraum Ruhe finden konnte.

Bisher hatte keiner der jüngeren Schüler etwas zu ihm gesagt, aber das Schuljahr war auch noch jung. Vielleicht sollte er versuchen, sich zumindest mit den Vertrauensschülern aus dem fünften Jahr anzufreunden.

Sein Blick wanderte zu der Gruppe hochmotivierter Schüler, die an einem der Tische saß und gemeinsam Hausaufgaben erledigte. Die erste Woche war noch nicht rum, und so waren die meisten anderen noch eifrig bei der Sache. Er blickte zurück in die Flammen des Kamins. Er konnte diese Motivation nicht teilen. Er wusste, dass er gute Noten produzieren sollte, aber in Wirklichkeit war er nur als Strafe hier.

Die Blicke, die er jeden Tag in der Großen Halle ertragen musste, sprachen Bände. Insbesondere die Schüler aus Gryffindor machten keinen Hehl daraus, dass sie ihn am liebsten umbringen würden, wenn sie damit davonkommen könnten. Seit er das erste leise Gespräch belauscht hatte, in dem jüngere Schüler überlegt hatten, ihn ganz zufällig eine Treppe hinunter stürzen zu lassen, verließ er den Gemeinschaftsraum nur noch in Begleitung von Theodore oder Blaise.

Dass ausgerechnet Granger als einzige von den Gryffindors zurückgekehrt war, setzte dem Ganzen die Krone auf. Die meisten Siebtklässler des letzten Jahres aus Gryffindor waren zu Kriegshelden erklärt worden und hatten direkt Angebote vom Ministerium, Gringotts oder St. Mungos erhalten. Alle hatten die Angebote angenommen.

Nur Granger nicht.

Sie stolzierte schwer bepackt mit Büchern durch die Gänge, entweder alleine oder in Begleitung von der jüngsten Weasley, als ob es das Natürlichste der Welt wäre, dass sie wieder hier war.

Als er ihr im Zug über den Weg gelaufen war, wäre er am liebsten wieder ausgestiegen, egal, welche Auflagen das Ministerium für ihn hatte. Sie hingegen hatte ihn angelächelt und gegrüßt und war dann an ihm vorbeigegangen, als ob nichts weiter dabei wäre.

„Na, was für trübe Gedanken brütest du jetzt schon wieder aus?“

Überrascht schaute Draco zur Seite. Er hatte nicht bemerkt, dass Blaise sich neben ihn auf das Sofa gesetzt hatte. Ein spöttisches Grinsen lag auf den Lippen seines schwarzhaarigen Freundes, doch Draco ließ sich davon nicht täuschen. Sorge sprach aus seinem Blick.

„Ich hab nur gerade darüber nachgedacht, wie merkwürdig es ist, dass Granger wieder hier ist“, erklärte er, darum bemüht, seinen Tonfall locker und entspannt klingen zu lassen.

Nickend rieb Blaise sich über sein Kinn. „Ja, seltsam, oder? Ich wette, sie wurde genauso mit Angeboten überschwemmt wie die anderen.“

„Jeder will doch bestimmt die beste Freundin von Potter, die zudem noch Muggelgeborene ist, in den eigenen Reihen wissen“, nahm Draco den Faden auf. Er konnte sich nicht helfen, ihm war die Sache mehr als suspekt.

„Man könnte meinen, ihr zwei habt keine Ahnung, wie Granger tickt“, mischte sich Theo ein, der plötzlich hinter ihnen aufgetaucht war, die Hände auf der Rückenlehne des Sofas abgestützt.

„Woher sollen wir denn irgendetwas über sie wissen?“, schoss Blaise direkt zurück. „Woher willst du etwas wissen?“

Theo ließ sich nicht auf die Provokation ein, sondern rollte stattdessen dramatisch mit den Augen. „Hermine Granger, die oft als das Hirn des Goldenen Trios bezeichnet wird. Hermine Granger, die überall Bestnoten hat. Hermine Granger, die mehr Freizeit in der Bibliothek verbringt, als jeder andere von uns. Hermine Granger, die immer noch eine Frage hat, egal wie oft Snape ihr den Mund verboten hat.“

„Ist ja gut, ist ja gut!“ Draco wedelte mit beiden Händen durch die Luft. „Ich glaube, wir haben’s verstanden. Sie will ernsthaft noch mehr lernen.“

„Bingo“, bestätigte Theo, während er um das Sofa herum ging und sich auf der anderen Seite von Draco fallen ließ. „Ich hab gestern direkt gefragt und das war ihre Antwort.“

„Seit wann bist du mit der so dicke?“, kam es misstrauisch von Blaise.

„Seit gar nicht“, erwiderte Theo trocken. „Sie war alleine in der Bibliothek, als ich gestern nach einem Buch gesucht habe. Da hab ich einfach gefragt, weil ich neugierig war. Und im Gegensatz zu euch zweien“, er schaute betont zwischen Draco und Blaise hin und her, „bin ich kein Fan von Klatsch und Tratsch, also frage ich andere, wenn ich etwas wissen will.“

„Du bist über den Sommer ja noch anstrengender geworden!“, beschwerte sich Blaise, ehe er sich zurücklehnte und seinen Kopf in den Nacken legte. „Komm von deinem hohen Ross runter.“

Gegen seinen Willen musste Draco grinsen. Blaise und Theo waren immer damit beschäftigt, den anderen zu provozieren, aber wenn man ihnen vorschlug, sich einfach aus dem Weg zu gehen, wurden sie erst recht wütend. Zumindest wurde so sein Alltag nie langweilig.
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