Don't worry, even if I leave, you will do well on your own

von Saya
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Kim Seokjin OC (Own Character) Suga V
30.11.2019
26.01.2020
7
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Ich krallte mich mit der einen Hand an Namjoon fest, der mir leise auf englisch zuflüsterte, dass alles gut wird und er hier in den besten Händen sei, wir müssen daran glauben, dass er es schafft.
Die anderen Finger umschlossen den Unterarm meines Bruders Seokjin, der sein Gesicht in den Händen vergraben hatte. Er war nicht wirklich mein Bruder, aber wir standen uns auf diese Weise nahe, seit wie einander umgerannt hatten.

Eigentlich hätten die Jungs einen Auftritt gehabt, doch als ich Min Yoongi nicht auf seinem Zimmer vorfand und ihn auch sonst nirgends finden konnte, überkam mich sofort Panik. Ich rief unbeherrscht nach den anderen Membern von BTS und zusammen suchten wir ihn.
Das Konzert wurde abgesagt, noch bevor wir ihn fanden und wussten, was genau passiert war.
Was gut war. Denn er war mehr tot, als lebendig, als wir ihn zusammengekrümmt am Boden einer Toilette fanden. Um sich herum eine Vielzahl Tabletten verstreut und eine halbleere Flasche Wein.
„YOON!“, schrie ich hysterisch, während Hoseok sofort handelte und einen Rettungswagen anforderte. Ich hörte seine alarmierten Worte, die ich nur halb verstand, da er natürlich koreanisch sprach, während Namjoon versuchte ihn zum Erbrechen zu bringen, erfolglos. Die Zeit rannte also weiterhin ohne Rücksicht.
Ich stand einen gedehnten Moment einfach nur wie erstarrt da, sah das Geschehen an, bekam es aber nur wie durch Watte mit. Ich wimmerte vor mich hin, ehe ich zu ihm stürzte und ihm den kalten Schweiß aus dem Gesicht wischte, mir seine blasse Haut ansah und die Panik in meinem Inneren einfach nicht abriss, geschweige denn aufhörte bis ins unermessliche zu steigen.
Die Jungs schienen es zu schaffen, dass sie sich auf das konzentrierten, was das Wichtigste war: ihren Freund wiederzubeleben und Hilfe zu holen. Während ich völlig hilflos auf dem Boden hockte, sein Kopf; den Namjoon genauso wie den Rest seines Körpers in die stabile Seitenlage gebracht hatte; auf meinen Knien gebettet, und ich ihm immer wieder über das Gesicht fuhr und 'verlass mich nicht' schluchzte.
Eine gefühlte Ewigkeit später kamen die Sanitäter. In Wahrheit waren es vielleicht 5 Minuten.
Sie drängten mich weg, während ich mich nur widerwillig von ihm löste, weswegen es die Hilfe von Seokjin und Taehyung erforderte, die jeder einen Arm nahmen und mir hoch halfen, während ich flehte und weinte und mich dann in die Arme des Jüngeren warf, der ebenfalls weinte.
Nun, da Rettung da war, schienen bei allen die Dämme zu brechen und ich sah überall Angst und Kummer und Tränen. Jeder von uns liebte den Rapper, doch keiner so wie ich. Das Gefühl der  Verzweiflung übermannte mich, was ich aber erst wirklich wahrnahm, als Taehyung seinen Griff um mich so sehr verstärkte, das er schmerzte. Ich hatte scheinbar vor Seelenschmerz angefangen unkontrolliert zu zucken und dann gaben auch schon meine Beine unter mir nach. Mein Bruder nahm mich kurzerhand hoch und setzte mich auf die geschlossene Toilette. Eine der Sanitäterinnen gab mir ein Becher Wasser, welchen ich in einem Zug leerte ohne auch nur meinen Blick von meinem Freund zu lösen. Ich sah nur ihn und was sie mit ihm taten und fühlte eine unfassbare Unruhe in mir, die das Zittern nur noch verstärkte.
Namjoon sprach mit dem Notarzt, der Yoongi nach einem kurzen Check sofort mitnahm.
Der Leader erklärte uns, dass Suga in eine Klinik kommt. Dort würde ihm sofort der Magen ausgepumpt werden und dann müssten sie weitersehen, da niemand genau wusste, welche Menge in der Packung war und was es bereits mit ihm angestellt hatte, welchen Schaden er bereits erlitten hatte. Ich schluckte, denn ich wusste es. Es waren immerhin meine Schlaftabletten, die ich wegen meiner Flugangst mitgebracht hatte.
Ich löste mich ruckartig von Taehyung und Jin und lief dem Notarzt nach, die anderen folgten mir. Ich stammelte mit dem wenigen koreanisch, dass ich mir bisher angeeignet hatte, dass die Packung nahezu voll war, was ihre Befürchtung unterstrich. Sie mussten noch schneller handeln, als bereits gedacht.
Wir liefen ihnen nach. Verließen zusammen das große Gebäude, das von Menschen und Reportern umringt war, die einen Blick auf BTS erhaschen wollten. Ich nahm sie gar nicht wahr. Ihre Gesichter verschwammen zu einem schwarzen Schatten. Meine Welt war auf diesen Krankenwagen vor mir verkleinert worden.
Ich sah zu, wie die Liege mit dem bewusstlosen Yoongi hineingeschoben wurde und dieser dann sofort rasant losfuhr.
Der Klang, der schrillen Sirenen wurde schnell leiser, während ich ihnen nachstarrte und mir immer mehr Tränen die Sicht nahmen. Unentwegt versuchte ich den dicken Kloß in meinem Hals hinunterzuschlucken, doch ohne Erfolg. Er vergrößerte sich stattdessen immer mehr.
Ich war schuld und das wusste ich. Ich hatte das hier begünstigt und es würde mich auf ewig verfolgen. Ich hatte nicht gut genug aufgepasst und panische Angst vor der Quittung.
Seine Worte waren einfach nicht wahr und diese Erkenntnis traf mich wie ein Schlag in den Magen: „Mach dir keine Sorgen, auch wenn ich gehe, du wirst es alleine gut machen.“
Nein, werde ich nicht! Ich sterbe ohne dich! Ohne deine weisen, liebevollen, ernsten Worte im Ohr. Deine tiefe Stimme, dein Lachen. Deine Art, wie du jeden behandelst, vor allem mich. Wie wohl ich mich bei dir fühle und ich immer dachte, dass es dir genauso ergeht. Ohne dich ist diese Welt düster und grau und leer, ohne deinen Charakter, der meinem so ähnlich ist. Ein Leben ohne deine Berührungen wäre eine Qual. Ohne dein Lächeln, deine Augen, deinen Mund. Ohne deine Liebe, Zuneigung, Zuversicht ist dieses Leben eine Tortur, die es nicht wert ist durchzumachen.
Das Zittern wurde immer schlimmer, weswegen mir nun auch noch speiübel war und die Welt immer mehr verschwamm. Erst als jemand fester als nötig meine Taille umklammerte, sah ich auf.
„Komm“, flüsterte Seokjin und dirigierte mich zu dem dunklen Van, mit dem wir dem Krankenwagen folgten.

Über uns prangte ein Schild, mit dicken, roten Schriftzeichen. Ich hätte kein koreanisch können müssen, um zu wissen, was sie bedeuten: INTENSIVSTATION. Und wieder wurde der Knoten in meinem Magen größer. Schwerer, als ich es ertragen konnte. Er erfüllte mich bereits gänzlich und ich nahm seit Stunden nichts außer Panik und Trauer wahr. In mir war rein gar nichts anderes mehr vorhanden, als eine Heidenangst um meinen Freund und die alles erdrückende Frage: Warum?
Warum hat er das getan? Warum kam er nicht zu mir, wie sonst immer? Warum war ich nicht bei ihm, wie sonst? Warum habe ich ihn allein gelassen?
Wie schlimm musste es ihm wirklich gehen, wenn er zu diesem 'Ausweg' griff?
Ich wusste, dass er Depressionen hatte. Das er oft kämpfte, um nach vorn sehen zu können, zu sehen, dass es besser wird, dass das Leben nicht nur aus Tortur, Schinderei und Schmerzen bestand.
Etwas, das uns verband, denn ich hatte früher ebenfalls mit all diesen Dingen zu kämpfen und hin und wieder auch heute noch, weswegen ich normalerweise ein Gespür dafür hatte, wenn es ihm schlechter ging. Heute nicht.
Wir kannten die Ängste und Probleme des anderen, einer der Gründe, warum wir uns von Anfang an so unfassbar gut verstanden und uns letztendlich auch ineinander verliebten – wir waren immer offen und ehrlich zu einander, ohne wirklich zu verstehen, warum es so einfach war, bei dem anderen zu sein. Es fühlte sich richtig und gut und unfassbar schön an, egal welche Steine uns in den Weg gelegt wurden.
Doch wir teilten nicht nur das Negative, sondern noch viel mehr positive Dinge, wie mir die anderen auch bestätigten. Yoongi war wie ausgewechselt, seit wir zusammen waren. Seit fast einem Jahr nun schon und ohne dass es viele Menschen außerhalb dieses Raumes wussten. Es war ein recht gut gehütetes Geheimnis, auch wenn wir alles machten, was normale Paare auch taten: Essen gehen, ins Kino, Spaziergänge durch seine, sowie meine Heimat, Bummeln durch die Stadt und so weiter. Zwar vorsichtig, aber wir taten es dennoch.
Ich spürte, dass ich ihm gut tat, denn es ging uns beiden viel besser, seit wir einander trafen. Er heilte meine Wunden und ich dachte, ich die Seinen.
War das ein Trugschluss?

Der, für mich, talentierteste Rapper von BTS hatte versucht sich das Leben zu nehmen, mit einer Überdosis an Schlaftabletten, die mir verschrieben wurden. Warum zum Teufel habe ich sie dort nur liegen lassen? Warum war das der Weg, den er gehen wollte? Warum wollte er gehen? Warum sprach er nicht mit mir? Warum habe ich nichts bemerkt? Warum?
Wir saßen nun schon mehrere Stunden in einem abgeschirmten Wartebereich und bangten um das Leben von Min Yoongi. Keiner brachte auch nur ein Wort heraus, wir saßen still zusammen, jeder in seine düsteren, dunklen Gedanken versunken. Vermutlich stellten wir uns alle dieselben Fragen. Wahrscheinlich gingen wir alle die Momente mit unserem Freund durch, die uns am heftigsten im Kopf geblieben waren. Meiner war der Tag, an dem Seokjin mich seinen besten Freunden, die auch wie seine Familie waren, vorstellte. Min Yoongi und ich sahen uns an und er stürmte dann kurzerhand aus dem Zimmer, ohne ein Wort, ohne einen weiteren Blick. Er floh förmlich vor mir und ich verstand nicht warum.

„Sie dürfen nicht mit, Miss“, sagte der Arzt in gebrochenem Englisch und deutet auf mich, weswegen Namjoon sofort einschritt. Er sah, wie bleich ich wegen dieser Worte wurde und mir offen das Herz brach. Dadurch, dass ich keine Koreanerin war, scherte ich mich oft nicht um diese Dinge, die in Sugas Heimat Sitte waren, denn ich hatte es ein Leben lang anders gelernt und verinnerlicht. Es war also schwer, dass zu verbergen, wie zum Beispiel nicht zu zeigen, wie ich mich fühlte oder was etwas in mir hervorrief. Ich zeigte, wie es mir ging, wen ich mochte und wen nicht, was ich fühlte, was ich wollte, was er mir bedeutete, immer.
Vielleicht hatte Min Yoongi sich gerade deswegen in mich verliebt – weil ich ein offenes Buch war und uns das unterschied.
Aber ich war nicht immer so, auch ich hatte dunkle Zeiten hinter mir.
Doch zurück um eigentlichen Tag. Der Tag, an dem er fast gestorben wäre.
„Sie ist seine Freundin. Er wird sie sehen wollen, sobald er wach ist. Sie kommt mit! Wenn Sie das wünschen, mit meiner Verantwortung“, erklärte er energisch, zumindest war das meine Mutmaßung aus den Wörtern, die ich verstand. Er schob mich dann geradewegs vor sich und ins Zimmer, welches der Arzt für uns öffnete. Der Mann nickte knapp und ließ mich widerwillig durch.

Als wir in das Zimmer traten, blieb mir augenblicklich die Luft weg. Unweigerlich stiegen mir wieder Tränen in die Augen, wie schon so oft an diesem Tag.
Doch auch dieser Anblick, erschütterte mich in meinen Grundfesten und wird mich auf Ewig verfolgen.
Er war sicherheitshalber an ein EKG angeschlossen, sowie an ein Beatmungsgerät. Außerdem hörte ich das Summen und Vibrieren der Blutdruckmanschette.
Ich schlug mir die Hand vor den Mund, um ein heiseres Schluchzen daran zu hindern, hinaus zu dringen. Doch zu spät.
Ich spürte sofort, wie jemand neben mich trat, Kim Taehyung, und mich in den Arm nahm.
Wie auch vor wenigen Stunden, lag Suga wie tot da. Nur das er hier in einem Krankenzimmer unter Beobachtung war und sie ihm etwas zur Beruhigung gegeben hatten, damit er noch eine Weile schlief und sich von den Strapazen erholte.
Sie hatten ihn tatsächlich wiederbeleben müssen und einige Minute sah es ganz und gar nicht gut aus, sie dachten, er würde es nicht überleben. Die Ärzte erklärten, dass sie ihn fast verloren hätten. Seine Atmung war eingestellt. Sein Herzschlag kaum mehr wahrzunehmen, unregelmäßig. Seine Pupillen zeigten keine Regung. Das erklärte uns der Arzt und Namjoon übersetzte für mich.
Ich konnte ein fassungsloses Stöhnen nicht unterbinden, es drang aus mir heraus, weswegen der Doktor mir kurzerhand einen Stuhl hinstellte, neben das Bett und ich mich dankbar daraufsetzte und sofort Yoongis Hand in meine nahm.
„Er hatte Glück, dass du so schnell reagiert hast“, meinte Jimin, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Ohne mich, wäre es nie soweit gekommen – es waren meine Tabletten“, erklärte ich und sah von meinem Freund auf und die Jungs an.
'Warum Min Yoongi? Warum?'