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demise is gonna turn around.

Kurzbeschreibung
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Cedric Will Vandom
29.11.2019
29.11.2019
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demise is gonna turn around




Es war egal, wie oft er sich daran erinnerte, dass dies nicht echt war – nicht mehr – und dass es alles nur ein Traum war, so kam es ihm trotzdem jedes Mal so echt vor, als wenn er es gerade wieder erleben würde. Als wenn er wieder ein junger Naga wäre und das Feuer sein gesamtes, bis dahin bekanntes, Leben auf den Kopf stellte.

Er roch, wie das Haus verbrannte, konnte sehen, wie die Flammenzungen es umschlossen und seinen Eltern keine Chance ließen zu entkommen. Er spürte die Hitze, diese unerträgliche, entsetzliche Hitze und er hörte die Schreie seiner Eltern, die beim lebendigen Leibe verbrannten. Er wollte schreien, um Hilfe flehen und hoffte, dass irgendwer sie retten würde – er war nur ein Kind, er hatte keine Chance.
Ihm liefen die Tränen über die Wangen, er hatte sich wund geschrieen und er wusste, was nun folgen würde. Gleich würde Phobos erscheinen und ihm seine Worte des Hasses und der Rache und der Loyalität in die Ohren säuseln. Das war seine Spezialität.

Also ergab Cedric sich seinem Schicksal und sah auf, denn es würde wie jedes Mal das Gleiche geschehen. Er würde sich Phobos anschließen, seine rechte Hand werden – er würde zu dem Monster werden, was man ihm nachgesagt hatte.

Er ergriff die dargebotene Hand und dann stockte er. Die Haut war nicht so weich, wie er erwartet hatte, die Hand war kleiner und er folgte dem Arm, zu dem sie gehörte und dann stockte ihm der Atem.

Dort stand nicht Phobos.

Orube war dort.

Nach Luft schnappend starrte er sie an. Was tat sie hier? Was tat sie in seinem Alptraum – in seiner Erinnerung – wenn er sie zu diesem Zeitpunkt nicht mal kannte?

Cedric erwartete, dass ihre Figur zu Phobos zerschmelzen würde, als ob das alles nur ein Trick seiner Sinne war, eine Illusion, für die er später bekannt werden würde, aber nichts geschah.
Stattdessen lächelte sie ihn sanft an und ein weicher Ausdruck lag in ihren goldenen Augen. Er konnte gar nicht anders, als sie voller Verwunderung anzustarren, als ihre Finger durch seine blonden Locken strichen, nicht eine bedrohliche Geste, sondern nur vollstes Vertrauen.

»Cedric…«, murmelte sie behutsam und er war wie gebannt von ihr. »Orube.« Er hob seine Hand, er wollte sie berühren, wollte sich davon überzeugen, dass sie echt war und wenn er ihre Haut nur mit seinen Fingerspitzen berühren durfte, er brauchte den Beweis–

»Wach auf–«, ihre Stimme hatte einen flehenden Tonfall angenommen. »Wach auf, bitte, wach auf–«

Wieso wurde sie lauter, sie war niemand, die ihre Stimme erheben musste, weshalb–

»Cedric, wach auf!«, es war schrill und er schreckte auf, erstickte beinahe an… an Blut? Wasser? Er wusste es nicht. Also hustete er und dann fiel es ihm ein. Es war Tinte, die ihm die Luft zum Atmen raubte. Er wollte nicht sterben, aber er hatte seinen Tod akzeptiert, wenn er sie retten konnte, dann… dann nahm er dies gerne in Kauf. Weshalb also konnte er sich Gedanken darüber machen, woran er erstickte?

Cedric spuckte einen Schwall an schwarzer Flüssigkeit aus, würgte, bis nichts mehr aus seinem Magen kam und dann endlich konnte er klar sehen. Seine Augen wurden groß, sah er richtig? Sie hielt ihn in ihren Armen und sah besorgt aus, überwältigt, erleichtert– überglücklich.
»Du wirst nicht sterben, Cedric, nicht, wenn ich es sage«, brachte sie mit brechender Stimme raus und… er war verwirrt. Warum scherte es sie, was mit ihm passierte?

»Ich… bin nicht tot?«, krächzte er und hustete erneut, die Reste der Tinte klebten immer noch in seinem Hals. Es war widerlich, genauso wie der Cappuccino, den sie ihm angeboten hatte. Mit Tränen in ihren Augen lächelte sie ihn an, bevor sie ihren Kopf schüttelte. »Nein, ich bin froh, dass du am Leben bist«, gestand sie leise und zog ihn enger in ihre Arme.

»Mädchen? Bitte… geht erst einmal ohne uns weiter«, sagte Orube bittend und sah die Wächterinnen an, die unsicher erschienen, bevor Will das Blut, die Tinte berührte, die er ausgespuckt hatte und mit ihren farbigen Fingern das nächste Wort schrieben. Entschlossen sah sie zurück zu den beiden Erwachsenen. »Wenn es vorbei ist, kommen wir und holen euch«, versprach sie ihnen, bevor die Mädchen alle verschwanden – in das letzte Kapitel des Buches von Jonathan Ludmoore.

Er war müde, also schloss er seine Augen, aber… er musste noch eine Wahrheit aussprechen. »Du hast mich gerettet«, meinte er heiser und musste an ihre Hand denken, die ihn gerettet hatte vor… vor allem, aber am meisten vor seinem eigenen schwarzen Herzen.
»Ich habe nichts getan–«

»Du hast mein Herz gerettet…«, murmelte er, bevor er einschlief, dieses Mal jedoch ohne die Gefahr, nie wieder aufzuwachen.
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