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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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Dieses Kapitel
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09.05.2020 1.532
 
Thomas Anders sitzt in der Kneipe und nippt an seinem frisch gezapften Bier. Er wartet auf seinen Kumpel, fühlt sich ein bisschen unwohl, so ganz alleine an einem großen Tisch in der Ecke des gemütlichen Raumes zu sitzen. Bei jedem Öffnen der Tür schaut er hoch, wird doch wieder enttäuscht. Dann, endlich, nach gefühlten Stunden, geht die Tür erneut auf und ein großgewachsener, schlanker Mann klopft sich den Schnee vom Mantel. Stapft mit den Füßen auf um die Schuhe von Schnee und Matsch zu befreien.

Seine schwarzen Haare werden immer grauer, stellt Anders grinsend fest, im Gegensatz zu ihm, ist der Mann ihm gegenüber jedoch deutlich muskulöser. Etwas neidisch fällt Anders ein, dass der Mann vor ihm eine gut laufende Beziehung führt. Warum sind die besten bloß immer schon vergeben? seufzt er tief in Gedanken, ordert per Handzeichen ein Bier für seinen Freund.

“Was gibt's neues?” fragt er schließlich. Der Mann vor ihm nippt an seinem Bier, lässt sich ein wenig gemütlicher auf der Bank herunterrutschen.

“Ben und Florian wollen bald zusammen ziehen. Und der eisblaue Engel hat auch einen gefunden” berichtet der Mann mit leiser Stimme. “Ach ja, Tom und Moritz werden wohl bald heiraten!”

Das löst eine Reaktion bei Anders aus. Ein paar Sekunden bleibt er stocksteif sitzen, dann atmet er tief durch. Seine Finger um das Bierglas werden weiß, so sehr drückt er zu. “Diese kleine Ratte!” zischt er “hat ihn mir weggenommen.”

“Wer?” fragt die tiefe Stimme überrascht.

“Na der Blonde. Moritz heißt der doch. Der kleine Scheißer ist doch zu nichts vernünftigen fähig, außer er hat einen Mann an seiner Seite, der ihm zeigt wo es langgeht” giftet Anders weiter. Ihm wird Übel, als er daran denkt, wie Moritz ihn damals in der Polizeiwache so auflaufen lassen hat. Wie er ihn verhöhnt hat! Saß da und hat gegrinst, seine Chancen bei Tom lächerlich gemacht und ihn aussehen lassen wie den größten Idioten.

“Weißt du, dass der Kleine bald vor Gericht steht?” unterbricht die Stimme seines Gegenüber seine Gedanken.

Neugierig schaut er auf. “Warum?”

“Hatte wohl was mit Ponales zu tun. War erster am Tatort seines Todessturzes. Ich habe den Fall damals übernommen, zum Glück! Denn jetzt muss er aussagen, ebenso sein Kollege Sturm. Und wenn Moritz da ist, ist Ben auch nicht weit” berichtet er mit tiefer Stimme. “Ach und im Anschluss geht es wohl um die Stalkingsache Becker. Da sind viele seiner Kollege anwesend. Warum fragst du?”

Anders schüttelt den Kopf, in Gedanken formiert sich ein Plan. Vielleicht besteht an dem Tag die letzte Chance Tom für sich zu gewinnen?
“Ach nur so….” antwortet er hastig, bevor die Stille zwischen ihnen drückend und unangenehm wird.

Er nippt nachdenklich an seinem Bier, fragt nach genauem Datum und genauer Uhrzeit der Verhandlung.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Als Tom am Nachmittag auf der Wache seinen Dienst antritt, will er am liebsten direkt wieder umdrehen: die schlechte Stimmung ist schon im Flur zu riechen, beinahe mit den Händen zu greifen.

Er tritt seinen Dienst hinterm Tresen an, wurde von einem merkwürdig schweigsamen Justin auf den neuesten Stand gebracht. Auch Florian und Ben haben sich merkwürdig kurz angebunden in den Feierabend verabschiedet. Nur Heidi war wie immer, wollte sich aber zu der angespannten Stimmung nicht äußern. Moritz hat sich laut Heidi im Büro der Funke verschanzt, redete nur beruflich und sonst mit niemandem auch nur ein Wort.

Seufzend sortiert Tom Akten, ordnet die Ausgangspost, verteilt die angekommenen Briefe an die Kollegen. Er kann sich denken, was Moritz so die Laune verhagelt. Er nimmt sich fest vor, heute Abend mit seinem Verlobten zu sprechen.

Es ist gespenstisch ruhig - Daniel sitzt entspannt am Funk, Wiebel ackert im Büro vor sich hin.

Plötzlich fliegt die Tür eines Büros auf und Robin, seinem Nachnamen alle Ehre bereitend, stürmt über den Flur. Ohne ein Wort stößt er die Eingangstür auf, springt die Treppe hinunter und verschwindet nach draußen. Kurz darauf kommt Muri aus dem Büro, Tom will gerade zu einer Begrüßung ansetzten als sein bester Kumpel abwehrend die Hand erhebt, ihn kurz bittend anschaut und dann Robin hinterherläuft.

Als nächstes kommt Moritz aus der Küche gelaufen, schon in Privatklamotten. “Werde ich von dir wenigstens anständig begrüßt?” fragt Tom und zieht eine Kuss fordernde Schnute. Halbherzig bekommt er von Moritz einen Kuss, er spürt, dass sein Verlobter ganz woanders ist.

“Was ist hier los?” will Tom dann wissen, seine Stimme frosch und fordernd. “Wenn es dir nicht passt, dass meine Familie kommt und helfen will, lade ich sie wieder aus. Oder ich kümmere mich um sie und wir erzählen ihnen, dass du so beschäftigt bist und leider nicht viel mit ihnen unternehmen kannst” entschuldigt er sich halb, versucht Moritz irgendwie zum reden zu bringen.

Der schaut ihn kurz verwirrt an, legt eine Hand auf Toms Brust, lehnt sich halt suchend an seinen Partner. Gerade ist kein Geschädigter da, sie können kurz zuneigung zeigen.

Tom spürt, dass Moritz etwas belastet, er aber im Moment nicht reden will. Besorgt legt er einen Arm um Moritz schlanke Hüfte, spendet ohne Wort Halt und Unterstützung.  
Ein kurzes, bitteres Auflachen kommt aus dem Mund des kleineren: “Nein, darum geht es gar nicht. Deine Familie kann kommen, kein Ding! Ich….ach...keine Ahnung. Lass uns heute Abend drüber reden. Okay?” seufzt Moritz dann müde.

Und plötzlich sieht Tom, wie abgekämpft Moritz aussieht: tiefe Ringe unter den Augen, eingefallene, blasse Wangen. Durch die Arbeit in den jeweiligen Gegenschichten haben sie sich in den letzten Tagen kaum gesehen. Er zieht Moritz enger an sich, lässt seine Augen über den Körper in seinem Arm auf und abgleiten. Er seufzt auf, streicht Moritz kurz mit der freien Hand über die Wange und durchs kurze, blonde Haar.

“Hol den Besten Wein aus dem Keller. Ich bin in ein paar Stunden da” akzeptiert er die Bitte seines Partners. Der schaut aus dankbaren Augen zu ihm auf, stößt sich leicht von ihm ab.

“Und jetzt: ab nach Hause mit dir!” scherzt Tom, haut Moritz leicht auf den Hintern. Erschrocken dreht sich Moritz um, schaut ihm völlig baff und entsetzt in die Augen. Tom grinst nur kindisch, wackelt anzüglich mit den Augenbrauen.

Und Moritz muss lachen. Manchmal ist sein Zukünftiger ganz schön blöd. Aber irgendwie ist es genau diese Eigenschaft, die ihm fast am Besten an Tom gefällt. Er manövriert sie beide ernst und gewissenhaft durch verschiedene Situationen, lockert sie aber auf eine charmante Art und Weise wieder auf. Moritz atmet tief durch: es wird alles gut gehen, dass weiß er jetzt. Tom ist da. Egal wann, was und wie.

Er verlässt die Wache, schwingt sich ins Auto und braust nach Hause. Vor der Tür sieht er, wie Muri und Robin an der Wand der Wache lehnen und heftig miteinander diskutieren. Kurz überlegt er, ob er hingehen und sich erkundigen soll, lässt es dann aber bleiben. Muri ist da, Tom ist da. Zur Not ist Daniel auch noch da.

In der Wache steht Tom vor einem ganz anderen Problem: Sofia steht vor ihm, verlangt laut nach Stephan und schimpft über ihren unzuverlässigen Schwiegersohn. Tom hat eigene Probleme, will eigentlich gar nicht wissen, was da schon wieder los ist. Die Schimpftirade blendet er aus. Ab und zu nickt er beflissen, schüttelt den Kopf oder schnalzt ungeduldig mit der Zuge.

Plötzlich wird die Tür der Wache aufgerissen und ein wütender Stephan erscheint. Martin tritt hinter ihm ein, schaut besorgt in den Flur. Dahinter folgt ein abgekämpfter Robin ein, zum Schluss erscheint ein leicht genervter Muri. Alle verschwinden im Anzeigenbüro, Stephan schleift seine Mutter unerbittlich am Arm hinein.

Muri und Martin bleiben bei Tom am Tresen stehen. Auch Wiebel ist auf den Tumult im Flur aufmerksam geworden, Daniel dreht sich neugierig um. Dann beginnt Muri zu erzählen:

“Sofia wollte sich dafür entschuldigen, dass sie eine Affäre mit Robins Vater angefangen hat und dadurch die Ehe von Robins Eltern zerstört hat. Robin wollte von alldem nichts wissen und hat ihr an den Kopf geworfen, sie hätte sich ja erkundigen können. Völlig schwachsinnig wenn du mich fragst. Wer befragt denn vorher seine Affäre?! Naja, sie wurde dann sauer, fing an zu schimpfen. Behauptete, dass es ja wohl ein großes Opfer ihrerseits gewesen wäre, hierher zu kommen. Und Robin solle sich mal nicht so anstellen, sein Vater würde halt mal was knackigeres wollen. Da ist Robin ausgetickt und hat sie angebrüllt, hat getobt und wollte nichts mehr von ihr hören. Naja, bevor er ihr eine knallt, hat er dann schnell das Büro verlassen. Draußen war er kurz vorm Nervenzusammenbruch. Er will eigentlich ein gutes Verhältnis mit ihr wahren, Stephan zu liebe. Aber es klappt nicht. Ich sag dir, Tom, das ist schlimmer als bei uns Türken was da abgeht! Meine Fresse, so laut hab ich unseren Kleinen noch nie erlebt” schließt er schließlich seine Erzählung und holt tief Luft. Auch Wiebel schaut nachdenklich drein.

“Und Moritz lief hier heute auch rum wie ein falscher fuffziger. Was ist bei euch los?” fragt Daniel dann von hinten.
Alle vier schauen sich ratlos an. Gerade als Tom die Ereignisse grob umreißen will, summt es an der Tür. Alle Beamten verfallen augenblicklich in ihren professionellen Modus und Tom schickt Martin und die Dame in das freie Anzeigenbüro.

Tom nimmt kopfschüttelnd seine Arbeit wieder auf.
Was ist im Moment bloß los?
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