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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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Dieses Kapitel
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07.05.2020 1.531
 
Tom wird vom nervtötenden Klingeln ihres Telefons im Flur geweckt. Gähnend stolpert er hinüber, hebt ab und unterdrückt ein weiteres Gähnen: “Mh?” brummt er in den Hörer. “Dobré ráno, lieber Bruder!” dringt die amüsierte Stimme seines Bruders durch die Leitung. “Protože jsem takový dobrý bratr, chtěl jsem vás varovat” (Weil ich so ein guter Bruder bin, wollte ich dich vorwarnen)redet David einfach weiter. “Co chceš?”(Was willst du?) motzt Tom in den Hörer. Er hat so schön geschlafen und wurde so unsanft geweckt.

“Boze! Moritz měl pravdu, opravdu nejsi ranní člověk!”(Mein Gott! Moritz hatte Recht, du bist wirklich kein Morgenmensch”)ertönt das Lachen seines Bruders.
Dann erzählt David von den Flugtickets, die seine Familie für nächste Woche gebucht hat. Nikola hat darauf bestanden in die Vorbereitungen zur Hochzeit eingebunden zu werden, zumal von Moritzs Familienseite nicht viel Unterstützung zu erwarten ist. Tom braucht einen Moment, bis die Bedeutung dieser Worte in seinem noch schlafenden Gehirn angekommen ist, aber dann setzt er sich zur Wehr. Wo sollen sie alle schlafen? Und wieso helfen? Haben überhaupt alle Urlaub und können einfach so aus Tschechien weg?

Tom schwirrt der Kopf. Aber nachdem David das Telefon an ihre Mutter übergeben hat, weiß Tom, dass er verloren hat: sie kommen und wollen am Dienstagabend vom Flughafen abgeholt werden. Besiegt legt Tom den Hörer zurück und atmet tief durch.

Dann legt er sich wieder gemütlich ins Bett und schaut über sein Handy nach bezahlbaren Hotels in der Nähe ihrer Wohnung. Da er sowieso am Handy ist und nicht mehr schlafen kann, erledigt er gleich das unausweichliche: er muss Moritz bescheid sagen. Sein Freund hat Dienst, Tom glaubt sich zu erinnern, dass er an der Funke eingeteilt ist.

>>Přijdeš. Všichni!<<(Sie kommen. Alle!)

Dann schickt er ein paar Hotelvorschläge an seinen Bruder, mit der Information das er und Moritz aber trotzdem arbeiten müssen und sich nicht so einfach mir nichts, dir nichts frei nehmen können. Außerdem sei am Dienstag ein Gerichtstermin, bei dem Moritz Aussagen muss, es könnte also sein, dass Mo etwas durch den Wind sei.

Zu aufgekratzt um sich jetzt noch ausruhen zu können, schlägt Tom die Decke zurück und steht auf. Um den Kopf wenigstens ein bisschen frei zu bekommen, beschließt er direkt eine Runde laufen zu gehen. Frühstücken kann er danach immer noch.

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Erik schleicht sich leise und vorsichtig aus dem Bett. Heute ist Dennis erster Tag im Dienst und er will den Start in die Arbeitswoche so angenehm wie möglich für seinen Freund gestalten. Für Erik selbst ist es der erste Tag ohne Krücken, ab heute darf er frei durch die Gegend humpeln, soll weiterhin jeden Tag die Muskeln im Bein weiter aufbauen.

Er setzt Kaffee auf, deckt den Tisch ein. Dann zieht er sich an, langsam und bedächtig, beugt sich vorsichtig hinunter und bindet seine Schuhe. Zum ersten mal seit zwei Wochen ohne Hilfe. Ein bisschen Stolz auf sich selbst zieht er die Wohnungstür hinter sich zu und lenkt seine Schritte Richtung Bäckerei.

“Erwischt. Flossen hoch!” ertönt plötzlich eine bekannte Stimme hinter ihm und Erik dreht sich erschrocken um. Hinter ihm steht ein fett grinsender Paul in Uniform. Hinter diesem betritt gerade Daniel die warme Bäckerei und reibt sich die kalten Hände. “Was macht ihr denn hier?” fragt Erik erstaunt, verlagert das Gewicht auf sein gesundes Bein.

“Dich ermahnen nach Hause zu gehen und dich auszuruhen!” scherzt Daniel, schaut ihn gespielt böse an. Erik lässt entnervt seine Brötchentüte sinken. “Das ist mein erster Tag ohne Krücken und Dennis´ erster Arbeitstag. Da wollte ich ein schönes Frühstück bereiten. Und da mein sowieso Bewegung braucht, hab ich einen kleinen Spaziergang gemacht” verteidigt er sich.

Paul schaut ihn prüfend an, Daniel stellt sich in die Schlange und bestellt belegte Brötchen für sich und Paul.
“Na, ich will ja mal Gnade walten lassen. Siehst auch schon wieder besser aus!” klopft er Erik dann auf die Schulter. Dem gehen die ganzen Beschützerinstinkte ganz schön auf die Nerven. Immer ist jemand um ihn herum, immer wird er angeschaut, als würde er jeden Moment zusammenklappen. Aber er ist doch stark. Hat den Einsatz überlebt und gut ist. Leicht genervt unterdrückt er ein Augenrollen. “Na dann noch ruhige Schicht euch beiden. Grüßt die anderen auf der Wache mal von mir. Laut meinem Arzt soll ich wohl nächste Woche in den Innendienst zurückkehren können” erzählt er. Diese Nachricht wird mit großer Begeisterung aufgenommen. “Ben macht alle verrückt” stöhnt Daniel “Ich musste die letzten Tage mit ihm fahren, konnte ihm nie was recht machen. Du musst dem mal wieder den Kopf zurechtrücken.”

Erik lacht und verspricht so schnell es geht sie von einem grummeligen Ben zu befreien. “Nächsten Dienstag sehen wir uns dann bei dem Gerichtstermin sowieso alle wieder.”

Paul und Daniel nicken, nehmen den letzten Schluck ihres Kaffees und verabschieden sich. Erik läuft langsam durch die erwachenden Straßen zurück zu seiner Wohnung, fühlt sich richtig gut. Endlich mal jemand anderes außer Dennis oder einer seiner Familie. Erstaunt stellt er fest, dass er unsere zu der Wohnung gesagt hat. Glücklich lächelnd überlegt er, welche Gegenstände und Möbel auf jeden Fall aus seiner Wohnung mitkommen sollen.

Plötzlich nimmt er wahr, wie laute Schritte hinter ihm herlaufen. Sein Puls dreht hoch, Angstschweiß bricht aus all seinen Poren. Er fängt an, hektisch zu atmen. Unangenehme Bilder schießen in seinen Kopf, voller Dunkelheit, Angst und Verzweiflung. Ein dunkles Käfiggitter taucht in seinen Gedanken auf, eine schwere Kette zieht plötzlich an seinen Handgelenken. Nein! schreit er gedanklich laut auf. Geh weg! Nein…

Er beschleunigt seine Schritte, erreicht die rettende Haustür. Zitternd kramt er den Schlüssel schon im Laufen aus seiner Hosentasche, ignoriert das Brennen in seinem Oberschenkel. Mit Tränen in den Augen und hektisch atmend rennt er schon fast ins Haus und schmeißt die Tür regelrecht hinter sich zu.

Die Person läuft einfach vorüber.

Die Wohnungstür ihm gegenüber fliegt auf und Dennis läuft auf ihn zu, reißt ihn einfach von der Wand in seine Arme. “Mach das bitte nie wieder” flüstert er an Eriks Ohr “ohne Nachricht einfach weg”

“Ich wollte Brötchen holen, dir ein schönes Frühstück bereiten” stammelt Erik. “Aber dann haben mich Daniel und Paul aufgehalten und dann waren da diese Schritte...ich..oh gott..” Erik schließt erschöpft die Augen, klammert sich an Dennis Brust, krallt sich in das weiße Schlafshirt.

Dennis schaut ihn kurz besorgt an, zieht seinen Freund dann ins Esszimmer. Er holt schnell den Rest zum Frühstücken her und folgt aufmerksam Eriks Schilderungen. Legt eine Hand auf dessen zitternde Finger und blickt in die glitzernden Augen.

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Ben und Florian hocken mit je einer Tasse Kaffee im Aufenthaltsraum ihrer Wache und gehen die Kosten für den Umzugstransporter durch, planen die Route und wieviele  Umzugshelfer benötigt werden.

Moritz kommt mit leerer Tasse in die Küche gelaufen, fährt sich verzweifelt durchs Haar. “was soll das, man. Ich hab keinen Bock auf die alle” murmelt er vor sich hin, stellt seine Tasse in die Spüle, dreht sich wieder um und läuft zurück zum Funk. “nie hat man seine Ruhe. Wir haben doch selbst nichts geplant! und essen wollen die bestimmt auch noch” motzt er dabei weiter vor sich hin und ist aus dem Raum verschwunden.

“Aha….” spricht Ben gedehnt, schaut dem jüngeren Kollegen hinterher.
Florian zuckt nur mit den Schultern. Wer weiß, was da wieder los ist. “Ben! Flo! Einsatz” schreit Justin durch den Flur, heute Tresenchef.

Beide Beamte erheben sich schwerfällig, dackeln zum Tresen und werden in die Sachlage eingewiesen.

Eine Frau mit langen schwarzen Haaren taucht kurze Zeit später auf der Wache auf, baut sich herausfordernd vor Justin auf. Heidi kommt, ist mit dem Bearbeiten einer Anzeige fertig und legt die Akte auf den Stapel mit der Ausgangspost. “Ja bidde?” spricht sie die Frau im breiten Hessisch an. “Ich möchte zu meinem Sohn!” lässt die Dame etwas überheblich verlauten und schaut sich herrisch auf dem Flur um. “WIe heißt der denn?” fragt Heidi weiter, in Erwartung einer überfürsorglichen Mutter, deren kleiner Sohn entlaufen ist. Aber irgendwas sagt ihr, dass sie falsch liegen könnte. Ratlos tauscht sie einen Blick mit Justin aus, der genauso hilflos ausschaut wie sie.

“Na, Stephan natürlich!” beantwortet die Frau “aber wenn er noch nicht hier ist, warte ich eben” damit lässt sie sich auf einem der Besucherstühle nieder.

“Momente mal. Wie heiße se denn?” fragt Heidi, wird langsam sauer. Das Verhalten der Frau geht ihr an die Nieren.

Es klopft an der Wachentür, Justin lässt Robin und Muri eintreten. Beide lachen über ihren letzten Einsatz.

“Na endlich. Mein missratener Schwiegersohn hängt doch nicht faul rum. Na wenigstens etwas kriegst du hin!” lässt die unbekannte Frau eine spitze Bemerkung fallen.

Robin erstarrt, steht mit dem Rücken zur Frau. Auf seinem Gesicht zeichnet sich absoluter Horror ab, sein Mund formt lautlos das Wort “Nein”.

Mit viel Mühe bekommt er seine Mimik wieder unter Kontrolle und dreht sich mit einem gezwungenen Lächeln zu der Mutter seines Mannes um. “Sofia!” drückt er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. “Was willst du hier?”

Er packt sie etwas fester als nötig am Handgelenk und zieht sie in sein heutiges Büro.

“Ahaa….” macht Muri, folgt mit einem spitzbübischen Grinsen den Beiden. Ist schließlich auch sein Büro. Und die kostenlose Vorstellung eines so köstlichen Dramas lässt er sich ungern entgehen.
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