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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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Dieses Kapitel
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05.05.2020 2.341
 
Tom und Muri sind gemeinsam auf Fußstreife im Beethovenpark unterwegs, als vor ihren Augen ein alter Mann vom Fahrrad fällt. Sie laufen schnell hinüber, helfen ihm in eine sitzende Position und verständigen einen Krankenwagen. Der ältere Herr bittet sie flach und schnell atmend, seine Tochter anzurufen. Muri nimmt sich deren Nummer aus dem Portemonnaie und geht ein paar Schritte abseits um in Ruhe telefonieren zu können. Tom bleibt bei dem Mann, redet mit ihm, lenkt ihn von den Schmerzen in der Brust ab.

Phil und seine Jungs treffen wenig später ein, übernehmen den Patienten. Gerade als sie abfahren wollen, der alte Mann wird mit Verdacht auf Herzinfarkt zur weiteren Untersuchung mitgenommen, hält der Patient die Männer auf und winkt die beiden Beamten zu sich: “Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich habe gerade vom Herrn Doktor gehört, dass sie mir das Leben gerettet haben” spricht er leise, schaut Muri dabei tief in die Augen. “Ich hätte nie gedacht, dass ich mal froh sein werde, dass junge Männer wie sie in unser Land kommen und uns helfen. Es gibt also auch anständige von euch. Danke, junger Mann!” Damit lässt er sich in die Liege zurückfallen und der RTW fährt davon.

Muri schaut geplättet zu Tom, mit so einer Wendung hat er nicht gerechnet. “Es gibt auch Anständige von uns?!” regt er sich auf. “Jaja, die Türken wieder” grinst Tom. Er weiß, dass Muri es nicht so meint. Sie haben schon viel schlimmere Dinge im Dienst erlebt, da war dieser Mann noch freundlich. Kopfschüttelnd hebt Muri das Fahrrad an die Seite, als eine junge Frau auf sie zugelaufen kommt. Sie stellt sich vor, Muri erkennt die Stimme vom Telefon wieder. “Sie sind die Tochter nehme ich an?” fragt Tom nach, erklärt dann was vorgefallen ist. Die junge Frau erzählt, dass ihr Vater sich stur gegen die Anweisungen ihres Arztes stellt und trotzdem weiter Fahrrad fuhr. “Jetzt hat er die Quittung bekommen” seufzt sie, nimmt das Fahrrad an sich, dankt den Beamten für ihre Hilfe und macht sich auf in Richtung des Krankenhauses, dem Rettungswagen hinterher. Nachdenklich schauen Muri und Tom ihr hinterher. “Mein Vater ist auch so ein Sturkopf” murmelt Muri leise, meldet sie bei der Leitstelle wieder frei. Sie setzten ihre Weg nachdenklich fort. Tom neben ihm nickt: “Meiner auch. Den werden sie irgendwann ins Krankenhaus tragen müssen. Freiwillig setzt er keinen Fuß darein.”

“Wie Robin!” grinst Muri schief “der sträubt sich auch immer dagegen!” Tom lacht bei dem Gedanken an die lebhaften Diskussionen mit ihrem Kollegen auf. “Das ist auch so ein Chaot. Sag mal Muri” fängt er dann an, schaut seinen besten Kumpel etwas schräg von der Seite an.

Plötzlich wird ihm heiß, seine Kehle ist plötzlich wie ausgetrocknet. Man, ich werd verrückt. Wie hat Mo das nur ausgehalten? Jetzt oder nie leckt er sich nervös über die Lippen. Dann holt er tief Luft und katapultiert die nächste Frage einfach raus: “IchwürdemichfreuenwenndumeinTrauzeugewirst?”

“Wie bitte?” fragt Muri nach, legt seinen Kopf in typischer Pose leicht schief und fokussiert Tom mit seinen leuchtend braunen Augen.

“Du bist mein bester Freund. Ich würde mich freuen, wenn du mein Trauzeuge bist” redet Tom langsamer, fühlt sich ungemein befreit als die Frage endlich raus ist. Gespannt wartet er auf die Antwort.

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Moritz wird vom sturmklingeln geweckt, das jemand an seiner Haustür veranstaltet. Als er verschlafen und tief gähnend die Tür öffnet, steht ein strahlender Daniel vor ihm. “Was willst du denn hier?” fragt Moritz müde nach, die Nachtschicht ist nicht lang her. “Ich war gerade ne Runde laufen und da dachte ich, ich klopf mal bei dir an” strahlt Daniel ihn an. Jetzt erst betrachtet Moritz ihn genauer, in Sportklamotten und leicht verschwitzt steht Daniel vor ihm und wackelt unruhig hin und her. “mmhmmm” bekommt er nur raus, winkt Daniel dann durch ins Wohnzimmer. “Willst was trinken?” fragt er, reibt sich müde den Schlaf aus den Augen. Irgendwo im Hinterstübchen regen sich zweifel, Daniel oder ein anderer ihrer Kollegen kam nie unangekündigt einfach mal so vorbei. Aber Moritz ist zu müde, um länger darüber nachzudenken. Außerdem ist es doch auch nett von ihm denkt er.

“Moritz? Hallo? BREUER” ruft Daniel lauter, winkt vor dem Gesicht seines Kollegen wild auf und ab. Moritz erwacht aus seinen Gedanken und blickt Daniel verständnislos an. Hat er was verpasst?

“Ein Wasser würd ich nehmen” sagt Daniel und lässt sich gemütlich auf der Couch nieder. Moritz schlurft hinüber in die Küche, füllt zwei Wassergläser und will gerade eins an Daniel überreichen, als es wieder an der Tür klingelt. Leise fluchend stellt er die Gläser auf den Couchtisch und schlurft hinüber zur Tür. Davor steht Robin, ebenfalls in Sportklamotten aber nicht verschwitzt. “Wir sind doch zum laufen verabredet, oder?” zweifelt Robin, als er den Aufzug seines blonden Kollegen sieht. Hat er sich im Tag geirrt?

Moritz glaubt langsam, dass er im falschen Film ist. Verwirrt schaut er an Robin auf und ab, dann macht es klick in seinem Gehirn. “Nee, schon richtig. Komm rein. Daniel ist auch hier, keine Ahnung wo der herkommt oder was er will!” gibt Moritz auf und winkt Robin einfach durch ins Wohnzimmer. Er selbst verschwindet nach oben ins Schlafzimmer, er zieht schnell seine Laufsachen an und blickt auf seine Armbanduhr. Schon halb zwölf, da hat er wohl wirklich verschlafen…

Daniel beugt sich im Wohnzimmer verschwörerisch zu Robin hinüber, als sie beide gemütlich auf der Couch sitzen und am Wasser nippen. “Ich bin nur hier um auszukundschaften, was man den beiden zur Hochzeit schenken könnte” raunt er leise zu Robin, der daraufhin grinst. “Hab mich schon gewundert, was du hier um diese Zeit willst” antwortet er, schnellt dann in eine aufrechte Position als sie Moritz ins Zimmer kommen hören.

“Dann können wir auch zu dritt laufen, oder?” fragt Robin und schaut beide auffordernd an. Moritz und Daniel nicken, Moritz trinkt noch schnell was, dann zieht er schon die Haustür hinter sich ins Schloss und läuft den beiden hinterher. Was für ein komischer morgen seufzt er in Gedanken auf, trabt dann hinter den beiden her in Richtung Schlosspark.

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Erik seufzt genervt auf. Seit einer Woche ist er nun bei Dennis zu Hause, darf nicht kochen, nicht waschen, rein gar nichts machen. Dennis behandelt ihn wie ein rohes Ei. Ständig schwänzelt er um ihn herum, fragt ob er noch was braucht, ob es ihm gut geht, ob er etwas essen oder trinken möchte? Ist ihm zu kalt, soll er bescheid sagen. Oder doch zu warm?
Langsam dreht Erik bei all der Fürsorge durch. Er weiß, dass Dennis es gut meint und sich nur Sorgen um ihn macht. Aber langsam wird es dem bärtigen Beamten einfach zu viel Aufhebens um seine Person.

Auch jetzt steht Dennis wieder in der Küche, zaubert irgendein wohl duftendes Essen für sie beide und hat ihn mehr oder weniger dazu verdonnert, ja auf dem Sofa sitzen zu bleiben. Erik kann vom vielen nichtstun schon gar nicht mehr richtig schlafen, die Bewegung fehlt einfach. Die Stelle an seinem Oberschenkel, durch den der Durchschuss ging, ist gut am heilen. Selbst der Arzt hat ihm versichert, dass Spaziergänge kein Problem wären und sogar dabei helfen würden, seine Geschmeidigkeit im Laufen wieder herzustellen. Schluss damit. Ich werd verrückt vom Rumsitzen!
Kurz entschlossen nimmt er seine Krücken an sich, hievt sich daran hoch und humpelt hinüber in die Küche. Dabei belastet er das Bein jeden Tag ein bisschen mehr, er spürt deutlich die Besserung.

Den besorgten Blick von Dennis quittiert er nur mit einem leisen seufzen, belastet so gut es geht beide Beine und hebt übermütig die Krücken in die Luft. “Ich kann stehen!” ruft er begeistert aus und hüpft auf einem Bein in Richtung seines Freundes. Der lacht von dem ganzen Quatsch belustigt auf, schüttelt den Kopf über so ein kindisches Verhalten. Erik kuschelt sich von hinten an seinen Freund, legt neugierig sein Kinn auf dessen rechte Schulter und blickt neugierig in die blubbernden Töpfe. “Was gibts zu essen?” fragt er, will die gute Stimmung nicht zerstören. “Kartoffeln und Sahne-Heringsfilets” antwortet Dennis leise, dreht leicht seinen Kopf und drückt einen leichten Kuss auf Eriks Schläfe. “Wollen wir nachher spazieren gehen?” fragt Erik hoffnungsvoll, erntet direkt wieder einen besorgt-strengen Blick von Dennis. “Bitte?” fleht er schon fast, legt so viel Verzweiflung in seine Stimme wie er kann.“Ich dreh bald durch, wenn ich micht nicht ein bisschen bewegen kann” setzt er hinterher, nachvollziehbare Gründe bringen bei Dennis am meisten. Ergeben nickt die Glatze, dann dreht sich der ganze Körper in seinen Armen zu ihm. “Aber du sagst sofort bescheid, wenn du erschöpft bist” mahnt er, legt seine Arme um den schlanken Körper. Er weiß, dass er Erik mehr zutrauen kann und sollte, aber er macht sich einfach so sorgen, dass die Wunde wieder aufgeht. Erik nickt wild, voller Energie und strahlt bis über beide Backen. “Mach ich, versprochen!” sagt er, schnappt sich zwei Teller und kramt Besteck aus der Schublade, humpelt ohne Krücken hinüber an den Esstisch.

Während sie essen, kommt das Thema irgendwann auf ihre aktuelle Wohnsituation. “Ich wollte sowieso mal mit dir reden” beginnt Dennis, legt sein Besteck zur Seite. Erik beschleicht ein ungutes Gefühl. Schmeißt er ihn raus? Er hat die Gastfreundschaft ausgenutzt, Dennis mag ihn nicht mehr. Die Gedanken rasen nur so durch seinen Kopf, schicken Schweißbäche seinen Rücken hinunter. Aber Dennis legt beruhigend eine Hand auf seine, sieht den inneren Kampf seines Freundes. “Keine Angst, ich schmeiß dich nicht raus” lacht er leise. “Ich habe vorhin nur einen Anruf von meinem DGL bekommen, das ich ab nächsten Montag wieder für den Dienst eingeteilt bin. Personell sieht es wohl knapp aus im Moment. Und da du ja praktisch schon bei mir eingezogen bist, wollte ich dich fragen, ob wir mal deine Sachen herholen wollen?” zum Ende hin wird er immer leiser, immer unsicherer ob Erik das überhaupt will.

Erik schaut überrascht zu Dennis, der ihn von unten herauf bittend anblickt. Damit hat er überhaupt nicht gerechnet. Aber die Idee schickt ein wohliges Kribbeln durch seinen ganzen Körper, Begeisterung ergreift besitz von ihm. Lächelnd nickt er, greift fester zu. Drückt die zarten Finger von Dennis in seiner Hand.

“Ja, gern. Das würde mir gut gefallen” spricht er leise, im Kopf formen sich schon Ideen, wo er seine Sachen hinstellen will. “Ernst und Simon helfen bestimmt!” schmiedet er Pläne, die Dennis mit einem lachen abnickt. “Und wir brauchen André und deine Jungs. Und Anders frage ich auch, der kann anpacken!” spinnt Dennis die Idee seines Freundes weiter. Gemeinsam überlegen sie, wo welche Möbel hinkommen. Später auf dem Spaziergang entschieden sie sich sogar dazu, ein neues Sofa zu kaufen. Ihre Alten sind entweder durchgesessen oder kann einfach nicht mehr gesehen werden.

Zeit für etwas neues, etwas gemeinsames!

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“Hast du eigentlich schon einen Trauzeugen?” fragt Daniel, als sie zu dritt an einer Bank ihre Beinmuskeln für die weiteren Kilometer dehnen. Robin schaut interessiert auf, Moritz wird knallrot. “Eigentlich nicht wirklich. Ich wollte meinen Bruder fragen, weil das so tradition ist. Aber davon bin ich wieder ab. Er hat sich nie um mich gekümmert, zeigt überhaupt kein Interesse und denkt er sei sonst was besseres. Nein danke, dann nehm ich lieber einen anderen. Einen, der so ist, wie ein Bruder sein sollte!” schüttelt Moritz den Kopf, lässt ihn etwas bedrückt hängen. “Mich brauchst du nicht fragen” schüttelt Daniel lachend den Kopf “ich weiß nicht mal, was man bei einem Hetero-Ding machen muss, geschweige denn bei euch beiden! Ich würde es nur versauen!” hebt er abwehrend die Hände. Moritz lacht: “Alles klar. Dann eben nicht” und streckt ihm gespielt die Zunge raus. “Dann frage ich eben meinen Bruder einer anderen Mutter” sagt er leise und schaut hoffnungsvoll auf Robin.

Dem bleibt das Lachen im Halse stecken. Wie vom Donner gerührt schaut er Moritz an, hätte nie damit gerechnet, dass der Kleine so über ihn denkt. Tränen steigen ihm in die Augen, ein Kloß blockiert seinen Hals. Überwältigt kann er nur nicken, geht auf Moritz zu und schließt ihn fest in die Arme. “Danke” flüstert er erstickt an dessen Hals. Moritz streicht leicht über seinen Rücken, lacht befreit auf. “Naja, danke dir wohl eher.”
Robin schiebt ihn leicht von sich, boxt gegen die Schulter des Blonden. Zieht etwas beschämt seine Nase hoch und wischt eine verwirrte Träne aus seinen Bartstoppeln. Dann nickt er ihm zu und in friedlicher Stille treten sie den Rückweg an. Daniel lächelt zufrieden, holt auf und setzt sich neben Moritz. Robin schließt auch auf und läuft auf der anderen Seite von Moritz. “Du musst bei der ganzen Planung aber helfen” spricht Moritz an Daniel gewand, der mit einem Nicken und einem “Gerne!” zustimmt. Als Dreierkette laufen sie durch den Park zurück, vermitteln Moritz ein sicheres Gefühl, als er so zwischen ihnen her joggt.

“Bis gleich auf der Wache!” verabschiedet sich Daniel, biegt joggend in eine Seitenstraße.

Robin und Moritz liefern sich einen Sprint bis zur Haustür, japsend kommen sie an. Lachend fallen sie auf die Treppenstufen, keuchen vor sich hin und beobachten die vorbeifliegenden Vögel. Robin legt irgendwann eine Hand auf Moritzs Schulter: “Danke. Du bist auch wie ein Bruder für mich!”
Moritz schaut überrascht zu ihm, lächelt. Verstehend nicken sie sich zu, es ist ja alles gesagt. Kurz drückt er die Hand auf seiner Schulter, steht auf und reicht seine Hand hinunter, zieht Robin auf die Füße. “Los, duschen. Ich schmeiß was in den Ofen” stößt er zwischen zwei Keuchern hervor, dann fällt sein Blick auf seine Armbanduhr. “Dann müssen wir auch schon los!” seufzt er. Robin quittiert das mit einem schadenfrohen lachen und verschwindet im Badezimmer.

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Die Menschen im Beethovenpark können derweil etwas denkwürdiges erleben: zwei Beamte, etwa gleich groß, einer türkisch, einer europäisch aussehend, liegen sich gleichzeitig lachend und weinend in den Armen. Dann lösen sie sich voneinander und wischen sich die Tränen aus dem Gesicht. Der Türke haut dem anderen Beamten überwältigt auf den Rücken, ohne ein weiteres Wort setzen sie wenig später ihre Fußstreife fort. Einer grinst über beide Ohren, der andere schaut unsicher lächelnd drein, als würde er sich fragen:

Um Gottes Willen, auf was habe ich mich da bloß eingelassen?
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