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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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04.05.2020 2.153
 
Moritz und Tom steigen aus ihrem Auto, Tom holt schnell das Geschenk aus dem Kofferraum, dann schnappt er sich Moritz´s Hand und gemeinsam gehen sie die Treppenstufen zur Haustür hinauf.

Der Ring an Toms Finger liegt kühlt an seinen Fingern und Moritz wirft einen Blick zu seinem Partner: Der Bart ist frisch gestutzt, das Haar sorgfältig gekämmt und frisiert. Der weiße Hemdkragen steht aus dem schwarzen Mantel hervor, wird stramm aber nicht zu eng von einer dunkelroten Fliege unter dem Kinn in Form gehalten. “Was schaust du so?” raunt Tom leise, spürt den intensiven Blick seines Partners. Moritz schüttelt lächelnd den Kopf und lässt seinen Blick schnell nach unten fallen. Manchmal kann er es einfach nicht fassen, das dieser schöne Mann für den Rest seines Lebens zu ihm gehören soll. Tom versteht die Stille, drückt seine Hand und schüttelt sie leicht.

“Ja, moin ihr zwei!” wird die Tür vor ihnen mit Schwung geöffnet und Stephan steht in Hemd, Weste und schwarzer Stoffhose vor ihnen. “Kommt rein!”

Nachdem sie Mantel, Schal und Moritz seine Mütze an der Garderobe gehängt haben, treten sie ins wild dekorierte Wohnzimmer: überall hängen Girlanden, Glitzerballons wurden aufgepumpt und hängen unter der Decke, ein Tapeziertisch nimmt die Hälfte des Raumes ein, eingedeckt mit allem was man sich an Essen zu Silvester vorstellen kann. Robin kommt gerade aus der Küche, auch er trägt eine schwarze Stoffhose und ein weißes Hemd. Aber er hat dazu ein Jackett in silber kombiniert, das über und über mit Pailletten besetzt ist.

“Wow” murmelt Tom, guckt mit einer Mischung aus Horror und Unglauben auf den Aufzug seines Kollegen. Hinter ihnen treten Ben und Florian ins Zimmer, gefolgt von Klaus, Linus, Hannah, Paul, Muri und Martin. André kommt, hat seine kleine Tochter auf dem Arm, seine Frau kommt mit einem Kinderwagen hinterher. Stephan drückt jedem ein Glas in die Hand, erklärt kurz das Buffet, dann nimmt der Abend seinen Lauf.

Lachen erhellt den Raum, Robin und Hannah beschäftigen sich mit der kleinen Lia, der Rest steht in Grüppchen verteilt und führt zwanglose Gespräche. Stephan vernimmt das Haustürklingeln und öffnet. “Entschuldige, wir sind etwas spät. Aber ich brauch im Moment einfach länger, das hab ich noch nicht so einkalkuliert” schwappt ihm direkt ein Schwall Worte entgegen, die Stephan eindeutig Erik zuordnet. Dennis neben ihm hat eine Tüte in der Hand und die andere Hand unterstützend auf dessen Rücken liegen. “Macht doch nichts, Hauptsache ihr seid da!” winkt Stephan sie rein. Erik humpelt auf den Krücken durchs Haus, froh, als er sich auf das Sofa fallen lassen kann. Er dachte immer, als Polizist sei er fit und durch das tägliche Laufen in guter Kondition, aber die Woche, die er nun mehr oder weniger nur rumsitzt fordert ihren Tribut und strafen seine Leichtgläubigkeit lügen.

“Bubbu, ba ba ba” ertönt es neben ihm. Erst jetzt bemerkt Erik den kleinen Menschen, der neben ihm auf dem Sofa liegt und mit großen Augen zu ihm aufschaut. “He, kleine Maus” streicht er Lia leicht über die Wange, was ein vergnügtes Glucksen auslöst. Sie brabbeln sich gegenseitig was vor, Lia hat sich an ihm hochgezogen, steht auf wackligen Beinen und lehnt sich gegen ihn. Fasziniert betrachtet sie seinen Bart, fährt mit ihren kleinen Fingern hindurch.

Dennis kehrt von der Garderobe zurück, gesellt sich zu Florian und Linus, die schon die PlayStation in Beschlag genommen haben. Ben, Martin und Paul sind am Buffet zu finden, wo sie angeregt Rezepte austauschen. Tom und Muri sitzen ganz für sich alleine am Tisch und tuscheln über irgendwas, deuten immer wieder auf einen Zettel, den Tom vor ihnen ausgebreitet hat. Moritz steht mit Stephan und Klaus am Fenster, sie tüfteln den besten Platz aus, von dem das Feuerwerk nachher am Besten zu bestaunen sei.

Lia hat sich auf Eriks Schoß gekämpft, Hannah sitzt neben ihm. Robin läuft hinüber zu seinem Mann, kuschelt sich von hinten an den breiten Rücken.

André und Alina genießen den Trubel, endlich etwas anderes außer Gebrüll und Kinderlieder in Dauerschleife. Florian schmeißt gespielt frustriert den Controller in Alinas Richtung: “Du bist dran!” fordert er sie auf, denkt an die Runde Mario Kart auf der Weihnachtsfeier.

“Oh weh, ich hab doch schon alles vergessen” lacht Alina, rappelt sich aber auf und geht zu den anderen Spielern herüber. Kurz darauf ertönen Jubelschreie, werden Hände an die Stirn geschlagen und gelacht.

Florian übergibt ein Mische aus Cola und Whiskey an André, will ihn damit bestechen und für gute Stimmung sorgen. Nach einer weiteren Runde, diesmal mit Vodka, erzählt er von den Umzugsplänen und das sie ja noch einen starken Möbelpacker brauchen. “Und das soll ich jetzt machen, oder wie?” schaut André ihn fragend an. Aber Florian sieht das verräterische Flackern in Andrés Augen. Er schaut ihn von unten her an, setzt den besten Dackelblick auf. “Naja…” setzt er an, fährt sich nervös mit einer Hand durch den Nacken. “Kein Problem. Ich helfe euch gerne. Alina kann gerne die Verpflegung bereiten” bietet der große grinsend an. “Oh das wäre total lieb!” nimmt Florian das Angebot dankend an.

“Ha. Ich hab gewonnen!” jubelt Alina wenig später. Mit hoch erhobenen Armen stürmt sie auf André zu und gibt ihrem Mann einen dicken Kuss auf die Wange. HInter ihr gucken Linus und Dennis etwas säuerlich aus der Wäsche. “Ich will eine Revanche!” fordert Linus, hat schon die Regenbogenstrecke auswählt.

Hannah holt für sich und Erik etwas vom Buffet, der Teller balanciert auf ihren Oberschenkeln. Erik isst die Kartoffeln, Lia schaut mit großen Augen zu. Dennis greift von hinten um Eriks Schulter, greift nach einem süßen Teilchen und stürmt direkt wieder richtung PlayStation. Kopfschüttelnd und lachend schauen die beiden Beamten ihm hinterher, Lia wirft einen verständnislosen Blick in die Runde, lacht dann aber mit.

Tom hat seinen Kopf auf Moritz Schulter gelegt und seufzt leise auf. Muri fachsimpelt neben ihnen im Keller mit Stephan und Robin über die besten Knaller, Böller, Raketen und Feuerwerke, die es zu kaufen gibt. Eigentlich wollten die beiden Verlobten nur helfen, das gesamte Sortiment nach oben zu schleppen, stecken jetzt aber in dieser Diskussion fest. Moritz verdreht die Augen, schnappt sich einfach irgendeine Box und drückt sie Tom in die Hand. Der verschwindet, so schnell es die Höflichkeit zulässt, nach oben in den Garten.

Dort stehen Klaus und Ben. Beide haben ein Ende einer großen Plane in der Hand und versuchen, sie gerade auf den Boden zu platzieren. Da sie beide jeweils die Ecken über Kreuz in der Hand halten, wird es wohl noch ein bisschen dauern. Tom grinst schief und lässt die beiden vor sich ein bisschen Streiten, noch gibt er ihnen keinen Tipp.

Plötzlich dringt aus dem Wohnzimmer ein lauter Knall.

Sie lassen die Folie einfach liegen, Tom lässt die Kiste fallen wo er gerade steht. Robin und Moritz kommen aus dem Keller gestürmt, fragen aufgeregt was passiert ist.

Babygeschrei tönt aus dem Zimmer, Alina kommt mit Lia auf dem Arm heraus, redet beruhigend auf das kleine Mädchen ein. Sie betreten das Wohnzimmer - und stehen komplett im Dunkeln.

Aufgeregtes Stimmengewirr fliegt durch den Raum. Erik ruft nach Dennis, Florian flucht und spricht laut eine Information für alle in den Raum: “Hier bei mir liegen Scherben. Passt auf!”
“Hat jemand ein Handy und kann eben Licht machen?” tönt die Stimme von Linus aus der rechten Ecke. Hannah antwortet von links und kurz darauf erleuchtet ein Licht der Handykamera das Zimmer. Im Halbdunkeln tastet sich Robin wieder einen Weg zurück in den Flur und ruft laut nach unten: “Schatz? Es ist wieder passiert. Dreh mal rein!”

“Mach ich!” ruft es aus dem Keller.

Dann ertönt ein klacken und das Licht geht wieder an. “Ahhh” machen alle.

“Was ist passiert?” will Robin wissen. Blickt auf das Chaos in seinem Wohnzimmer: Florian steht etwas bedrückt unter einer rauchenden Deckenbeleuchtung, sein Hemd nass, seine Hände tropfen voller Sekt. Die Scherben der Glühbirne haben sich mit den Scherben der Sektflasche vermischt, liegen in einer schäumenden Pfütze auf dem Boden. Das Bild vom Fernseher ist schwarz, die PlayStation Spieler haben sich erschrocken umgedreht und blicken etwas belustigt auf Erik. Der sitzt über und über mit Nudelsalat dekoriert auf dem Sofa, Hannah starr vor Schreck daneben.

Nach und nach erfahren sie alle die Geschehnisse: Florian wollte eine Sektflasche öffnen, hat nicht aufgepasst und der Korken schoss nach oben, direkt in die Glühbirne der Deckenlampe. Als diese zersprang löste sie eine Überspannung aus und die Sicherung verabschiedete sich. Hannah hatte sich durch den plötzlichen lauten Knall so sehr erschrocken, dass sie aus Reflex die Teller auf ihren Beiden in die Höhe schlug. Das Essen landete komplett auf dem armen Erik, der nicht mehr fliehen konnte.
Lia kippte dabei von seinem Schoß, landete auf dem Sofa. Erschrocken fing sie laut an zu weinen. Durch den Ruck verschob sich das Sofa nach Hinten und eckte am Buffettisch an. Der wackelte, das Geschirr klirrte, aber er hielt stand. Nur die vollen Schüsseln und Teller schwappten über, verteilten ihren Inhalt über die Platte und Soßen plätscherten auf den Boden.
“Ihr seid solche Trollos….” kopfschüttelnd betrachtet Stephan das Chaos vor sich. Sein Mann neben ihm beginnt schon damit, alles aufzuräumen. Dennis läuft hinüber zu Erik, hilft ihm den Nudelsalat aus den Haaren zu bekommen, während Hannah losläuft und Tücher holt. Ben nimmt Florian die Reste der Flasche aus der Hand, übergibt seinem Kumpel dann ein paar der Servietten die auf dem Tisch neben ihnen liegen.

“Tja” sagt Stephan, beäugt kritisch das Leere Gewinde der Deckenlampe.
“Haben wir noch eine?” kratzt sich Robin neben ihm am Kopf. Stephan verneint.
Wie gut, dass Weihnachten nicht so langer her ist und sie noch gefühlt hunderte Kerzen rumliegen haben.

So kam es, dass alle irgendwann bei Kerzenschein um den Tisch saßen und sich Horrorgeschichten erzählten.

“Leute, es ist halb elf!” stöhnt Paul irgendwann auf. “Geht der Fernseher wieder? Wir müssen doch Dinner for One gucken!” Zustimmendes Gemurmel geht durch die Reihen, alle suchen sich den bestmöglichen Platz um den Fernseher. Erik, der einen Pulli von Robin geliehen bekommen hat, zieht Dennis auf sein gesundes Bein. Florian lässt sich neben Ben fallen, trägt ebenfalls statt des weißen Hemdes einen alten Pulli von Stephan. Robin und Stephan kuscheln sich daneben, Moritz und Tom quetschen sich auf den Sessel. Klaus und Linus sitzen gemütlich draußen, sie wollen kein Fernsehen gucken, sondern genießen lieber den letzten Tag des Jahres bei Wein auf der Terrasse. Hannah und Paul setzten sich in ermangelung weiterer Plätze, einfach auf den Boden vor dem Sofa.
Robin betätigt die Fernbedienung und kurze Zeit später flackert die beliebteste Geburtstagsfeier der Welt über den Bildschirm.

Nachdem James zum Abschluss so spitzbübisch charmant wie eh und je in die Kamera gezwinkert hat, verteilt Stephan Berliner an alle. Sie gehören nunmal auch zu den Leuten, die manche Traditionen weiterführen.

Erik holt seine Medikamente hervor, Tom streichelt Moritz verträumt über den Rücken. Er hatte gestern Frühschicht, ist dementsprechend schon lange auf den Beinen.

“Kurz vor Zwölf!” ruft Florian plötzlich, unterbricht die Gespräche seiner Kollegen aufgeregt.
“Alle Mann herkommen” übernimmt Paul das Kommando. Und genau wie beim Weihnachtsessen erleben Linus und diesmal auch Dennis eine neue Sache.

Alle sammeln sich in einem Kreis, jeder legt eine Hand an die Stelle ihrer Dienstwaffe, die andere seinem Nebenmann auf die Schulter. Sie senken ihre Köpfe und schweigen.

Eine volle Minute herrscht absolute Stille im Zimmer. Sogar Lia ist absolut leise, blickt erstaunt auf ihren Vater, der so komisch still steht.

Dennis und Linus schauen fragend zu Alina, die ihnen zunickt. Als sich die Beamten wieder voneinander lösen und sich leise bereit machen nach draußen zu gehen, erklärt sie ihnen leise was passiert.
“Das machen sie jedes Jahr. So wollen sie ihrer Kollegen gedenken, die heute Nacht Dienst haben und schicken ihnen so, zumindest geistige, Unterstützung. André sagt immer, das er allen in Gedanken Glück wünscht und kurz betet, dass sie heile nach Hause kommen” damit folgt auch sie allen nach draußen. Dennis und Linus schauen sich an. “Irgendwie schön!” grinst Linus und folgt seinem Mann nach draußen. Dennis wartet bis Erik sich fertig angezogen hat, dann treten auch sie in die klare Nacht.

Punkt zwölft ertönt das Glockengeläut der Kölner Domglocken, dringt in jeden Winkel der Stadt, verkündet damit seit mehr als 700 Jahren das neue Jahr.

Alle Paare liegen sich in den Armen, André droht Lia zu erdrücken, als er seiner Frau einen Kuss geben will. Hannah drückt übermütig Paul einen Kuss auf die Wange, Florian und Ben liegen sich in den Armen. Muri wird von Martin in eine Umarmung gezogen, sie klopfen sich freundschaftlich auf den Rücken. Moritz legt lachend einen Arm um Tom, mit dem anderen zieht er Muri näher an sie ran. Legt dana auch ihm einen Arm um den Oberkörper. Zu fünft, Arm an Arm, bestaunen sie das Feuerwerk, das Stephan mit kindlicher Begeisterung in den Himmel schießt. Robin, Paul, Hannah, Klaus, Linus, Ben und Florian haben ihnen gegenüber auch eine Kette gebildet und sich die Hände um die Schultern gelegt. Tom hat auf seiner anderen Seite Dennis im Arm, der Erik fest an sich gezogen hat.
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