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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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Dieses Kapitel
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30.04.2020 1.912
 
Robin dreht sich um, sein ganzer Körper ist angespannt, bereit den Eindringling zu vertreiben und sein Hab und Gut zu verteidigen.
Er blickt in die müden Gesichter seiner Geschwister.

“Was macht ihr alle hier? Wie seid ihr hier reingekommen? Warum seid ihr so früh hier? Kaffee?” lässt er all seine Frage auf einmal los, sein Gehirn schläft noch, da kommen Informationen etwas ungefiltert.

“Dir auch einen guten Morgen!” lacht seine Schwester, sitzt mit einer dampfenden Tasse neben ihrem Bruder, gegenüber der anderen beiden Brüder. “Woher habt ihr die Tassen?” fragt Robin, kratzt sich am Kopf. Dann nimmt er sich selbst eine Tasse Kaffee und scheucht alle vier hinüber ins Wohnzimmer. Das er eigentlich was essen wollte, ist vollkommen in den HIntergrund gerückt.

Als sich alle fünf auf dem Sofa gemütlich verteilt haben, übernimmt Jonas, als ältestes Geschwisterkind die Erklärung an den jüngsten unter ihnen: “Also das mit Mama und Papa ist nun wohl endgültig vorbei. So lange waren sie noch nie zerstritten und deshalb bin ich dafür, dass wir uns alle einen Schlachtplan überlegen, wie wir zu der Sache stehen, was wir von Papa haben wollen. Darum brauche wir dich. Du kennst dich doch mit Erb- und Scheidungsrecht aus, Robin. Wir müssen Mama da unterstützen” Robin nickt, der Kaffee weckt seine Lebensgeister. Gemeinsam überlegen die fünf Geschwister eine Strategie, inwieweit sie sich in das Thema überhaupt einmischen sollten.

Robin kommt es vor, als würde erst zehn minuten vergangen sein, als es an der Tür klingelt. Er war so ins Gespräch vertieft, dass er die Zeit vollkommen aus den Augen verloren hat. Jetzt springt er fluchend auf, kämmt sich hektisch mit seinen Händen durch die Haare, versucht wenigstens etwas ordnung reinzubringen.

Vor der Tür steht Moritz, Haare perfekt nach hinten gekämmt, Pullover sitzt akkurat über dem weißen Uniformshirt. “Moin!” lacht der blonde. “Was ist denn mit dir passiert? Wir müssen los! Komm!” treibt Moritz ihn an, Robin winkt ihn jedoch nur durch. Verschwindet dann die Treppe hinauf ins Schlafzimmer, verspricht sich mit dem Fertigmachen zu beeilen.

“Moritz?” kommt Max neugierig aus dem Wohnzimmer gelaufen, als er die Stimme erkannt hat. “Was machst du denn hier?” fragt der blonde erstaunt zurück, wird von Max schon ins Wohnzimmer gezogen. Dort stehen ihm plötzlich drei Leute gegenüber, die er noch nie gesehen hat. Aber irgendwie ähneln sie alle Robin. “Das ist Moritz, ein Kollege von Rob. Das sind Jonas, Julius und Marie” stellt Max die anderen Geschwister vor. “Wir haben schon gehört, was mit eurem Kollegen passiert ist. Tut mir echt leid, man. Ich hoffe er kommt schnell wieder auf die Beine” schüttelt der älteste im Raum seine Hand. Moritz schluckt, die Erinnerung ist noch zu frisch. Dankt trotzdem, erzählt von den neuesten Nachrichten aus dem Krankenhaus.

Er setzt gerade an zu fragen, was sie hier alle machen als Robin hinter ihm auftaucht. Leicht außer Atem, prüft er den Sitz seiner nun gekämmten Frisur in der Reflexion seines Handys. “Brauchst dich nicht bemühen, da gibt es nichts mehr zu retten” zieht Julius ihn auf. Moritz grinst, Marie grinst.
“Schnauze!” motzt Robin, dann wendet er sich an Moritz: “Können wir?” Der nickt, verabschiedet sich von den Geschwistern. “War nett euch kennengelernt zu haben, man sieht sich” kann er noch rufen, wird von Robin schon aus dem Haus gezogen. Alle rufen eine Verabschiedung, dann fällt die Tür ins Schloss.

Robin atmet tief aus.

Im Auto erklärt er Moritz dann die Lage, bittet ihn, am Supermarkt eben anzuhalten. Er braucht dringend was zu essen, sonst hält er es nicht lange aus. Sie holen noch Kekse für die Kollegen, dann erreichen sie etwas zu spät die Wache. Sie ziehen sich umlaufen hoch in die Räumlichkeiten. “Na endlich!” werden sie von Stephan und Tom begrüßt, die aufstehen und nach ihren Jacken greifen. Für die beiden ist jetzt Feierabend, sie wollen zu Erik ins Krankenhaus.

Moritz hat die Kekse in eine Schüssel geschüttelt, stellt sie in der Küche für alle auf dem Tisch bereit. Stephan kommt, will sich von Robin verabschieden, aber der dreht sein Gesicht weg. Schulterzuckend greift Stephan erstmal zu den Keksen, Robin wird ihm bestimmt gleich sagen, was ihm über die Leber gelaufen ist. Der haut ihm stattdessen auf die Finger. “Du nicht!” zischt er “du hast meine Geschwister reingelassen!”

Moritz verdünnisiert sich. Den Streit der beiden will er nicht mitbekommen.

Stattdessen geht er zu Wiebel hinüber ins Büro und bestätigt, dass er am 14. Januar den Gerichtstermin wahrnehmen kann. Wiebel informiert, dass es direkt im Anschluss an die Verhandlung eine Testamentseröffnung von Sabine geben wird, bittet ihn dabei zu sein.
“ich werde Erik informieren, Ben und Dennis müssen auch dabei sein. Sie waren direkt involviert in den Fall. Florian wird als Zeuge geladen und da du sowieso da bist, will dich die Staatsanwaltschaft auch dazu noch befragen” damit entlässt Wiebel ihn. “Ach so, gib das bitte Robin” damit überreicht er ihm eine kleine Box, die Moritz erstaunt beäugt.

Er verlässt das Büro, sucht nach seinem Streifenpartner. Als er die lauten Stimmen aus der Küche hört, verdreht er die Augen. Das Temperament geht manchmal echt mit beiden durch. “Ruhe jetzt!” schreit er laut, sieht in zwei wütende Gesichter. “Tragt euren Streit zu Hause aus. Hier, das soll ich dir von Wiebel geben.” Robin schaut erstaunt auf die Box in seinen Händen, öffnet sie. Im Inneren findet er vier Namenstags, zwei für seine Westen, zwei für seine Jacke. Stephan nimmt das Namensschild, zieht das alte von Robins Jacke und klebt einfach das neue auf. Dabei hat er fast Tränen in den Augen, legt seine Arme um seinen Mann. “Ihr seid echt unglaublich” murmelt Moritz, lächelt dann und dreht sich um. Irgendwie hat er das Gefühle einen intimen Moment zu stören. “Jungs!” ruft Paul vom Gang “Einsatz Stürmchen und Breuer! Hop hop.”

Moritz läuft schnell auf den Flur, verabschiedet sich mit einem leichten Kuss von Tom, der am Tresen auf Stephan wartet. “Passt auf euch auf” flüstert Tom ihm noch ins Ohr, dann sind Moritz und Robin schon ins Auto verschwunden. Tom und Stephan fahren ins Krankenhaus, werden noch von Wiebel mit Informationen für Erik versorgt.

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Die Tür zum Krankenzimmer geht auf und Dennis steckt seinen Kopf herein. Erik wurde aufgerichtet, lehnt nun fast in einer sitzenden Position an einem Stapel Kissen und schaut ihm neugierig entgegen. “Bist du tatsächlich mal alleine?” fragt Dennis und blickt sich demonstrativ erstaunt im Zimmer um. Erik lacht, zieht Dennis an der Hand auf sein Bett. “Ernst und Sarah waren kurz hier, sind aber wieder abgedampft um was essbares zu finden. Ben war hier, wollte Kaffee holen, kam aber nicht zurück. Der müsste mit Anne hier irgendwo rumgeistern” zählt er dann auf, legt gemütlich einen Arm um seinen Freund. “Hans hat mir gerade Krücken gebracht. Morgen werde ich wohl entlassen. Muss dann Physio machen, aber ich kann endlich nach Hause. Ich kann die Einrichtung hier echt nicht mehr sehen” scherzt er dann, deutet mit offener Hand in den Raum.

“Hans? Wer ist Hans?” fragt Dennis und schaut ihn eindringlich an. “Entspann dich. Das ist der Pfleger, der mich hier fürstlich bedient. Sonst nichts” versichert Erik, streicht Dennis beruhigend über den Oberarm.
“Also morgen raus ja?” lenkt Dennis das Gespräch etwas ungelenk auf ein anderes Thema. “Wie wärs, wenn du erstmal zu mir kommst? Ich wohne ebenerdig, da brauchst du dich mit den Krücken nicht immer die Treppen zu deinem Apartment hochmühen” schlägt er stattdessen vor. Merkwürdigerweise bleibt das beklemmende Gefühl aus, das sonst in seiner Brust auftaucht, wenn Erik von anderen Männern spricht.

Erik nickt begeistert. “Oh ja, das wäre gut. Und ich wäre nicht alleine. Und wir können uns endlich wie ein richtiges  Paar verhalten!”

Dennis lacht, die Pläne für ihre nahe Zukunft gefallen ihm sehr.

Es klopft, Stephan und Tom treten unaufgefordert ein. “Hey Kleiner!” ruft Stephan. “Man Jung, gut siehst du aus. Sie füttern dich ja doch ganz anständig” scherzt Tom, boxt Erik leicht gegen die Schulter.
Erik lacht, berichtet dann von ihren Plänen. Tom bietet sofort seine und Mos Hilfe an, Stephan quittiert das ganze nur mit einem dreckigen Grinsen.

Plötzlich taucht Ben in der Tür auf, berichtet, dass Anne nun mit ernst und Sarah was essen ist, er selbst muss sich schleunigst mal zu Hause melden. Damit schließt er die Tür wieder hinter sich und ist verschwunden.

"Aha" stößt Erik aus.

Tom erzählt die neuesten Dinge von der Wache, Stephan präsentiert stolz die neuen Namenstags. Irgendwann kommt das Thema auf die bevorstehenden Gerichtsverhandlungen. Dennis drückt Eriks Hand, fragt nochmal, ob Erik da wirklich nochmals durch muss.  Versichert auf das angespannte Nicken seitens Tom hin, dass er und Ben immer an Eriks Seite sein werden, wenn dieser es will und sie braucht. Erik zieht erstaunt die Augenbrauen hoch, erfährt dann von dem Gespräch der beiden Männer auf dem Flur.
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Moritz und Robin erreichen derweil die Unfallstelle. Eine entspannt Atmosphäre schlägt ihnen entgegen, beide Unfallbeteiligten, ein Mann und eine jüngere Frau stehen ruhig auf dem Bürgersteig neben einem qualmenden Auto. Ein Fahrrad liegt völlig unbrauchbar daneben.

“Guten Tag” macht Robin auf sich aufmerksam, Moritz funkt mit der Leitstelle. “Was ist denn passiert?”


Die junge Frau gibt ihm die Hand: “Also ich bin hier aus der Richtung in die Kreuzung gefahren, er kam von rechts und dann...naja..ich hab ihn echt nicht gesehen.”

“Das war meine Schuld” meldet sich jetzt der Radfahrer. Moritz checkt die Personalien. Robin hört sich den Unfallhergang weiter an. Der Radfahrer ist wohl ohne zu schauen auf die Kreuzung gefahren, die Autofahrerin hat ihn zu spät wahrgenommen. Krankenwagen brauchen sie nicht. Sie wollen nur, dass die Polizei den Unfall dokumentiert damit die Versicherung greift.

Aber plötzlich gipfelt dieser Routineeinsatz in einer gefährlichen Situation. Moritz, der sich das Auto näher angesehen hat, schaut auch routinemäßig durch alle Fenster. Als er durch die Heckklappe des Fahrzeuges blickt, bleibt ihm fast das Herz stehen: da liegt eine Waffe!

Er legt sofort eine Hand an seine Waffe, dreht sich zu Robin um. “Robin. Waffe!” ruft er zu seinem Kollegen. “Woher kommt die Waffe im Kofferraum?” fragt er dann an die Frau gewandt, die ihn verständnislos anschaut: “Waffe? Was für eine Waffe?”

Auch Robin hat nun die Hand an der Waffe, das Notizbuch hat er schnell in seine Brusttasche gestopft. Jetzt läuft er angespannt zum Auto, Moritz Kopfdeutungen hinterher. Wirft selbst einen Blick auf die Waffe im Kofferraum.

“Woher kommt die Waffe!” wird Moritz lauter und strenger. Die Frau schaut ihn immer noch hilflos an. “Ich weiß nichts von einer Waffe. Ich hatte noch nie eine” verteidigt sie sich, hebt abwehrend die Hände. Und Moritz glaubt ihr. Auch Robin steht noch relativ entspannt neben ihm, er scheint auch kein ungutes Gefühl zu haben.

Die Frau öffnet ihnen nun den Kofferraum, wird dann von Robin außer Reichweite der Waffe geschoben. Moritz nimmt diese unterdessen genauer unter die Lupe. “Anscheinswaffe!” gibt er dann Entwarnung. Robin atmet erleichtert aus.
“Woher die kommt wissen sie jetzt auch nicht, oder wie?” wendet sich Robin wieder an die Frau. Die schüttelt den Kopf, hält dann abrupt inne. “Warten Sie mal” murmelt sie, tippt dann wild auf ihrem Handy und stellt einen Anruf auf Laut. In den nächsten Minuter ermitteln die Beamten, dass der Neffe der Fahrzeughalterin seine Spielzeugwaffe im Kofferraum verloren hat und sie schon verzweifelt sucht. Erleichtert verabschieden sich die Beamten, erklären die weitere Abwicklung des Unfalls und verabschieden sich dann. Das Auto ist noch fahrbar, der Mann trägt sein Fahrrad seufzend zur nächsten Straßenbahnhaltestelle.

“Puhh...hui” atmet Moritz erstmal aus, als Robin den Wagen schon wieder in Richtung Wache lenkt.
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