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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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Dieses Kapitel
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29.04.2020 1.449
 
Moritz wacht auf, als ihm etwas in die Wange piekst und einfach nicht weggeht. Als er brummelnd danach schlägt, ertönt neben ihm ein leises Lachen. “Aufwachen, kleiner Löwe!” raunt Tom über ihm. “Komm mal mit” bittet sein Partner ihn dann, zupft fordernd an der Bettdecke. Moritz schlägt die Decke zurück, wirft ein Blick auf seine Armbanduhr auf dem Nachttisch.
“Es ist halb sechs!” schimpft er vor sich hin, schwingt aber trotzdem die Beine über die Bettkante und streift Socken über. Er hat die Schlafgewohnheiten von Tom übernommen, der grundsätzlich nur mit einer langen Hose schlafen geht. Den Vorteil erlebt er jetzt: statt sich in eine Hose zwängen zu müssen, kann er eben schnell einen Pulli überwerfen und ist direkt bereit.

Er tapst aus dem Schlafzimmer den Flur entlang auf den Balkon. Kälte lässt eine Gänsehaut über seinen gesamten Körper laufen, bis ihm eine Decke um die Schulter gelegt wird und er eine Kaffeetasse in die Hand gedrückt bekommt. Dann wird er an der Hüfte auf Toms Schoß gezogen und er kuschelt sich an dessen breite Brust. Rutscht ein bisschen hin und her, bis eine gemütliche Position für beide gefunden ist. Tom legt einen Arm um seinen Oberkörper, hält ihn warm und sicher. Seine Hand zieht leichte Kreise an Moritz´s Schulter.  Beide genießen die Ruhe und Sicherheit des anderen, erholen sich von den Strapazen der letzten Tage. "Wie gehts Muri?" fragt Moritz und gähnt.
Tom brummt nur. Dann: "Naja, mittelmäßig würde ich mal sagen."

Es herrscht lange Zeit Stille, die von beiden genossen wird. Moritz döst leicht weg, Tom nimmt ihm den Kaffee vorsichtshalber wieder aus der Hand. Dann genießt er den ersten ruhigen Morgen seit Tagen auf ihrem Balkon: der Schnee glitzert fein in der Morgensonne, die ihre Gesichter wärmt. Auf seinem Schoß liegt ein blonder Engel wie hingegossen und kuschelt an seiner Brust. Die Decken spenden eine wohlige Wärme, dicken Socken und dicke Kleidung halten sie warm. Er genießt den ersten Schluck seines Kaffees, weckt die Lebensgeister für die Frühschicht.

Wir machen eine Winterhochzeit! schießt ihm wenig später eine Idee durch den Kopf. Begeistert spinnt er seinen Einfall weiter, überlegt sich Farben, Blumen und Deko des Raumes. Aufgeregt will er diese Planung mit Moritz teilen, aber als sein Blick auf das schlafende Gesicht seines Freundes fällt, verwirft er den Gedanken wieder und stellt stattdessen seine Tasse vorsichtig ab.
Dann legt er die Arme um den schlanken Körper seines Freundes, sodass er ihn ohne Probleme hochheben und wieder zurück ins Bett tragen kann. Ein paar Stunden Schlaf sind seinem Partner noch vergönnt, dann holt Robin ihn zur Spätschicht ab. Er selbst tritt an den Kleiderschrank und macht sich für die Schicht fertig. Nach einem Blick auf seine Armbanduhr, flucht er leise und beeilt sich aus dem Haus zu kommen. Er düst mit dem Auto los und sammelt Stephan ein, der schon frierend an der Straße auf ihn wartet.

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Robin wird von einem verführerischen Duft geweckt: frisch gebrühter Kaffee schickt seine Aromen durchs Haus, lässt Robin vergnügt vor sich hin brummen. Er dreht sich gemütlich im Bett um, freut sich, dass er erst zur Spätschicht auf der Wache sein muss.

Mit geschlossenen Augen hört er, wie Stephan ins Zimmer zurückkommt und ihm einen Kuss gibt. “Bis nachher, carino mio” murmelt sein Mann. “Pass auf dich auf” antwortet er. Seit Eriks Entführung hat dieser Satz wieder eine wichtige Bedeutung in ihrer Ehe bekommen.

Kurz darauf vernimmt er das schließen der Haustür, er kuschelt sich tiefer ins Bett - ungnädigerweise verlangt sein Magen genau jetzt lautstark nach etwas zu essen. Seufzend verlässt er das Bett, tappst hinüber in die Küche, gähnt herzhaft und streicht durch seine vom Schlaf wuscheligen Haare. Den Schlaf hat er wirklich gebraucht - die letzten Tage haben ganz schön an seinen Nerven gezerrt.

Sekunden später stirbt er fast an einem Herzinfarkt, als hinter ihm ein räuspern ertönt.

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“Onkel Erik!” ist das erste was er hört, dann landet etwas neben ihm auf dem Bett. “Sarah, vorsichtig. Er ist verletzt” dringt flüsternd die Stimme seines Bruders an Eriks Ohr. Er schlägt träge die Augen auf und blickt direkt in die großen Augen seiner Nichte.

“Entschuldige, sie wollte unbedingt zu dir” taucht Ernst in seinem Blickfeld auf, dann entdeckt er Anne hinter seinem Bruder. Sorgenvoll knabbert sie an ihren Fingernägeln, wie sie es früher getan hat, wenn sie nervös war.

“Mhm…” nickt Erik, legt sich gerade hin. Er war gefühlt vor zwei Minuten endlich eingeschlafen, nachdem er die Nacht über wach da lag und aus Angst vor den Bildern in seinem Kopf nicht schlafen wollte oder besser gesagt konnte.

Anne greift nach seiner Hand, Sarah legt sich einfach neben seine Beine und kuschelt sich an ihn. “Wo ist Dennis?” murmelt Erik, muss erstmal wieder aus dem Schleier des Schlafes auftauchen. Er vermisst die Wärme und Sicherheit, die sein Freund in ihm auslöst.
“Ich weiß nicht?” beäugt Ernst ihn kritisch, sieht, dass sein Bruder schlecht geschlafen hat.

Dann geht die Tür erneut auf und zwei Beamte in Uniform treten ein. Beide sehen aus, als hätten sie die Nacht durchgemacht. Mit kleinen Augen und langsamen Bewegungen kommen sie auf Eriks Bett zu, lassen sich ohne einen Gruß auf zwei Stühle fallen. “Heeeey Kleiner” sagt einer, auf dessen Namensschild “Fuchs” zu lesen ist. “Machst alle hier verrückt, was?” fragt der andere schelmisch grinsend, “Westerhoven” ist auf seinem Schild zu lesen. “Ahhh, sie waren doch dabei, als sie ihn da rausgeholt haben?” erinnert sich Ernst schwach an den zweiten Mann, der ihn überrascht anschaut. “Marc” sagt er dann, streckt die Hand aus. Ernst greift sie und bedankt sich auch nochmal bei diesem Kollegen seines Bruders. Der winkt ab und hält sich schnell eine Hand vor den Mund, um ein gähnen zu verstecken.

Erik auf dem Bett grinst, schlägt bei den beiden Männern ein. “Nachtschicht?” fragt er dann, bekommt ein Nicken als Antwort. Anschließend stellt er alle im Raum vor, kleine Gesprächsthemen entwickeln sich.

Etwa eine halbe Stunde später steckt Ben seinen Kopf zur Tür hinein, hat zwei Becher Kaffee in der Hand. “Oh” sagt er und bleibt überrascht stehen, als er den Menschenauflauf im Zimmer sieht. Blickt dann auf die zwei Becher in seiner Hand und wieder auf die Menschen im Raum. Erik kann regelrecht sehen, wie die Zahnräder arbeiten, dann scheint Ben zu dem Schluss gekommen zu sein, dass zwei Becher eindeutig zu wenig sind. Er drückt die beiden Becher einfach dem ihm nächst stehenden in die Hand, Marc schaut verdutzt drein. Dann dreht sich Ben ohne eine Erklärung um und verschwindet wieder auf dem Gang.
“Warte, ich helf dir!” ruft Anne, ist dann ebenfalls aus dem Zimmer verschwunden. Martin, Marc und Erik schauen verdutzt hinterher, Ernst schüttelt grinsend den Kopf, schnalzt dann mit seiner Zunge. “Hab ich was verpasst? Kennen die sich?” findet Martin als erster seine Sprache wieder.

“Wir hatten gerade erst welchen auf der Wache” murmelt Marc verwirrt, kommt gerade nicht ganz mit. Beäugt die Becher in seiner Hand kritisch, als würden sie jeden Moment über in herfallen. “Die sind auch nicht für dich, Blödmann!” sagt Martin, nimmt ihm die Becher aus der Hand und übergibt einen an Ernst. “Wie lange musst du noch hier bleiben?” fragt Marc an Erik gewand. Den Einwand seines Streifenpartners übergeht er gekonnt, beide haben eine anstrengende Schicht hinter sich. Erik zuckt mit den Schultern, schaut etwas überfordert drein: “Ich denke so zwei, drei Tage noch. Rumliegen kann ich auch zuhause!” motzt er dann rum. Er will seinen Körper wieder bewegen. Inklusive der Zeit im Keller hat er sich seit 5 Tagen nicht mehr richtig bewegt. “Immer ruhig mit den jungen Pferden” zügelt Martin den Freiheitsdrang “erst verheilt dein Bein vernünftig, dann kannst du spazieren gehen” ordnet er an. Bei dem bösen Blick, der ihn von Erik trifft, schiebt er schnell hinterher: “Du brauchst Geduld mein Freund.” Erik schaut ihn schmollend, fast beleidigt an.

“Das konntest du ja schon immer gut, nicht wahr?” lacht Ernst los, zieht seinen Bruder auf. “Ach halt doch die Klappe” schmeißt Erik ihm an den Kopf, verschränkt jetzt wirklich beleidigt seine Arme vor der Brust.

Als Marc wenig später zum dritten mal lange gähnen muss, klopft er Martin auf die Schulter. “So, Kleiner. Wir hauen uns dann aufs Ohr. Bleib gesund und ärgere die Schwestern nicht so doll!” schlägt er bei Erik ein, der ihnen für den Besuch dankt.

Martin kippt den Restkaffee auf Ex runter, schmeißt den Becher in den Mülleimer und verabschiedet sich von den Zwillingen. Sarah ist eingeschlafen, umarmt dabei leicht das Bein ihres Onkels.

“Wo bleiben Ben und Anne eigentlich?” wundert sich Erik. Auf Ernst´Gesicht erscheint ein schelmisches Lächeln, zieht seine Augenbrauen zweimal hinereinander schnell nach oben. “Nein!” ruft Erik erstaunt aus. Kann den Blick seines Bruders direkt deuten.

“Ernsthaft jetzt?”
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