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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
11
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Dieses Kapitel
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28.04.2020 1.595
 
"Erik" lenkt Ernst die Aufmerksamkeit auf sich. “Jetzt erzähl doch mal, was passiert ist. Ich habe erst durch den Anruf von Simon überhaupt gewusst, was hier abging" fordert er seinen Zwilling auf, hat dessen Hand in seiner und schaut ihn auffordernd an.

"Wir waren essen" beginnt Erik, die Erinnerung zaubert ein kleines Lächeln auf seine Lippen und lässt sein Herz höher schlagen. Mit jedem weiteren Wort gleitet sein Blick weiter in die Ferne, bis er gedanklich am Ort des Geschehens eintaucht:


Er beobachtet, wie Dennis in Richtung der Toilettenräume geht, seufzt leise vor Glück auf. Dieser knackige Hintern gehört jetzt zu ihm! Er kann sein Glück kaum fassen, dass er es tatsächlich geschafft hat, diesen Mann für sich zu gewinnen...

Er taucht unter den Tisch ab, holt sein Handy aus der Tasche. Er bemerkt, wie eine Person neben ihm am Tisch auftaucht, sieht zierliche Beine in hohen Schuhen vor seinen Augen stehen. Er blickt verwundert auf und sieht direkt in die Augen von Sabine. Was will sie denn hier? Die schöne Stimmung ist dahin, ein ungutes Gefühl macht sich in seinem Bauch breit.

“Was wollen Sie denn hier?” fragt er ungnädig, sie stört und soll gehen.
“Sie sind doch Polizist” ruft sie verzweifelt, ihre Stimme ist im ganzen Lokal zu hören. Erik nickt, spannt sich innerlich an.

“Sie müssen unbedingt mitkommen!” keucht sie, stützt ihre Hände auf den Oberschenkeln ab. Sie atmet hektisch ein und aus, schaut sich wild im Restaurant um. Draußen tauchen Blaulichter auf.

“Was ist denn passiert?” fragt er alarmiert.
“Ihr Partner, er…Ben!” sagt sie und rauft sich verzweifelt ihre Haare. Dann krallt sie ihre Fingernägel in seinen Unteram, beugt sich vor, sodass nur er sie verstehen kann. Verschwörerisch schaut sie in seine Augen.

“Was ist mit ihm?” brüllt er jetzt fast, kann sich gerade noch beherrschen. Sein ganzer Körper zittert vor Anspannung. Wieso ist Ben hier? Was ist mit ihm passiert? Woher kommt das Blaulicht draußen? Ist Ben etwa…?

“Da kam ein Auto, er hat nicht geschaut...oh Gott, bitte sie müssen schnell mitkommen!” hektisch zieht sie an seinem Arm, reißt ihn regelrecht vom Stuhl hoch.

Irgendwo in Eriks Gehirn wehrt sich eine Stimme dagegen, aber er hört nicht drauf, lässt sich von der Frau einfach mitziehen. “Ben ist hier? Was macht er denn hier? Ich dachte, er ist bei Florian?” fragt er verwirrt auf dem Weg aus der Kneipe. “Ich weiß nicht, wahrscheinlich wollte er zu ihnen, dann kam das Auto und ...Blut...ich konnte garnicht reagieren….” stammelt sie, läuft vor ihm hektisch aus dem Lokal. Ihre ganze Körperhaltung zeigt Besorgnis und Anspannung.

Erik tritt nach draußen, das Blaulicht ist verschwunden, auf der Straße ist alles ruhig.

Wütend dreht er sich zu der Frau um, schaut sie böse an: “Also wenn das ein schlechter Scherz sein soll, haben sie ihren Spaß….” - dann wird ihm ein Tuch vor die Nase gehalten und er sackt, vom süßlichen Duft des Chloroforms außer gefecht gesetzt, zu Boden.
“Schlaf schön, eisblauer Engel” hört er sie noch flüstern, dann wird alles schwarz.


“Ich bin dann von Schlägen in die Magengrube wach geworden. Sie wollte dich aus mir herausprügeln….” verebbt seine Stimme, ist gedanklich wieder in dieser dunklen Kammer gefangen, Sabine hilflos ausgeliefert.

Seine Mutter schluchzt, hält sich entsetzt eine Hand vor den Mund. Ernst drückt seine Hand noch fester, sein Vater schaut mehr wütend als besorgt. Ben runzelt die Stirn, auch Dennis schaut eher verwirrt drein.

“Ich war gar nicht da, ich war wirklich bei Florian….” flüstert Ben hilflos. Fühlt sich jetzt noch schuldiger. “Ich hätte euch alle da nie reinziehen dürfe. Es ist alles meine Schuld….”

“Ich hätte auf meine innere Stimme hören sollen. Ich bin einfach mitgelaufen, wie so ein treudoofer Hund!” schlägt sich Erik seine freie Hand an die Stirn. Kann es selbst nicht fassen, dass er nicht auf die Alarmsignale gehört hat. Kann nicht verhindern, dass ein paar frustrierte Tränen seine Wange hinablaufen. “ich bin so ein schlechter Polizist. Jeder weiß doch, dass wir auf unsere innere Stimme hören müssen. Ich hab kläglich versagt.”

“Ich bin damals auch einfach in die Katakomben gerannt, ohne mich mit dir abzustimmen…” murmelt Ben auf einmal. “Ich bringe dich immer in solche Situationen, ich bin ein schlechter Partner!”

“JETZT HÖRT AUF!” schreit Eriks Vater plötzlich und hat sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit aller im Raum befindlichen Personen. Sogar Simon, der gemütlich am Schrank gelehnt hat, stellt sich gerade hin. Der Ton lässt nichts anderes zu, fordert bedingungsloses zuhören.

“Du hast dir Sorgen um deinen Partner gemacht. Da ist es vollkommen nachvollziehbar nicht unbedingt rational zu denken. So wie ich es mitbekomme, steht ihr euch sehr nahe, wofür ich dankbar bin. Und wahrscheinlich ist in dem Moment zufällig ein Krankenwagen oder ein Streifenwagen vorbeigefahren, wer weiß. Das alles hätte bei jedem von uns das schlimmste Bild vor Augen heraufbeschworen. Und dann die Frau, die dich so unter druck gesetzt hat. Und du” schaut er zornig auf Ben “hör gefälligst auf dir die Schuld an dem Unfall in den Katakomben zu geben. Es gibt bescheuerte Leute auf dieser Welt. Da kannst du nichts für, da kann Erik nichts für, da kann niemand was für. Ihr habt im Rahmen eurer Möglichkeiten gehandelt, habt euren Job zu voller Zufriedenheit ausgeführt. Ihr stürzt euch an die Front, gebt fast euer Leben. Seid stolz darauf, denn viele andere würden den Schwanz einziehen und einfach wegsehen. Ich jedenfalls bin stolz einen so starken Sohn zu haben, der egal wie oft man ihn umhaut, wieder aufsteht und sogar in den dunkelsten Stunden zu seinen Leuten hält. Ich bin sicher, auch deine Eltern sind stolz auf dich Ben. Ihr riskiert täglich euer Leben. Natürlich könntet ihr euch vorher die Köpfe zerbrechen, was eure nächste Tat für Folgen hat. Aber ihr wisst nicht, was sie alles unternehmen, wenn ihr wegschaut und lange zögert! Ich will mir gar nicht ausmalen, was dieser Verrückten Person eingefallen wäre, wenn du sie abgewiesen hättest, Erik. Dann hätten wir Ben jetzt bestimmt irgendwo vom Asphalt kratzen können.”

Nach dieser Ansagen herrscht Stille im Krankenzimmer. Erik starrt auf die Bettdecke, seine Gedanken rasen. Sein Vater hat recht. Wer weiß was noch alles passiert wäre, wenn er sie einfach weggeschickt hätte.

“Du gibst dir die Schuld an dem, was in den Katakomben passiert ist?” frgat Erik leise, schaut nicht auf. Er weiß genau, dass Ben ihn hört.

Ben lässt erschöpft seinen Kopf sinken. “Ich bin einfach rein. Und dann noch blind dran vorbeigelaufen. Hättest du nicht die Bewegung wahrgenommen und mich später da weggeschubst….Aber dadurch wurdest du fast verschüttet. Weil ich nicht aufgepasst habe und den Helden spielen musste.”

Erik schüttelt den Kopf. “Papa hat Recht. Wir dürfen uns nicht die Schuld geben. Und wenn es so mutige Männer wie dich nicht gäbe, würde der Dom nur noch ein Steinhaufen sein!” Nun schaut er auf, blickt in Bens Gesicht. Der schaut aus unsicheren Augen zu ihm herunter, drückt die Hand seines Streifenpartners.

“Vergibst du mir? Ich verspreche, mich mit dir in Zukunft besser abzusprechen.” Hoffnung glimmt in Bens Augen.

Erik schließt erschöpft seine Augen. Es ist, als wäre eine unsichtbare Last von seiner Brust genommen. Er schluckt, macht die Augen wieder auf. Dann drückt er Bens Hand und nickt. “Ich hab dir schon längst verziehen!”
Auch Ben fällt ein ganzes Gebirge vom Herzen. Erleichtert kann er wieder lächeln, lässt sich neben Erik aufs Bett fallen. Simon sinkt wieder an den Schrank zurück.

“Dein Codewort war übrigens geil!” grinst Erik plötzlich.

“Dazu habe ich auch nochmal eine Frage” meldet sich Simon zu Wort. “Was ist Stöpsel und warum mag der Currywurst?”

Erik fängt an zu lachen. Der Zusammenhang wurde vom Bruder seines Partners völlig falsch verknüpft. Auch Ben wird seit langen wieder von einem Lacher geschüttelt. Ernst schaut grinsend auf seine verwirrte Mutter, die genauso ratlos dreinblickt wie ihr Vater. Da die beiden Beamten kein klares Wort herausbekommen, übernimmt Dennis die Erklärung der Codeworte. Jetzt lacht der ganze Raum.

“Ganz ehrlich: wie kommt man auf so einen Blödsinn!” lacht Ernst. Auch Simon verdreht amüsiert die Augen: “Echt. Wer kommt bitte von Currywurst auf Waffe. Ihr seid doch nicht normal!”

“Na, hier geht es ja fröhlich zu” lacht eine männliche Stimme hinter ihnen. Paul ist unbemerkt in den Raum getreten. Er stellt sich allen vor, schüttelt brav die Hand von Eriks Eltern. Dann wendet er sich an den Mann im Bett.

“Als erstes soll ich liebe Grüße und alles Gute von den Kollegen ausrichten.” Erik nickt. Dann fällt ihm auf, dass Paul in Uniform da ist.

“Hannah holt die Aussage von Phil und die vom behandelnden Arzt. Ich wollte mich erkundigen ob du dich schon in der Lage fühlst, eine Aussage zu machen? Sabine ist zwar tot, aber die Versicherung braucht trotzdem ein rechtskräftiges Urteil. Ihre Erben müssen dann die Last tragen” erklärt Paul seine Anwesenheit.

“Welche Erben? Ich dachte sie war komplett alleine?” fragt Ben überrascht nach. Paul nickt, erläutert dann ihre Ermittlungsergebnisse. “Es gibt wohl noch einen entfernten Cousin. Der wurde jetzt ausfindig gemacht, ob er das Erbe wirklich Antritt wage ich stark zu bezweifeln. Aber dann übernimmt ja der Staat...ach ihr kennt das ja” bricht er ab.

Erik nickt, gähnt herzhaft. Dann reibt er sich müde über die Augen und nickt. Noch einmal da durch, dann ist es in trockenen Tüchern.

“Ich möchte auch Anzeige erstatten” lässt sich Eriks Vater vernehmen.

“Wir schreiben sowieso eine. Entführung  und Bedrohung mehrerer Beamter führt automatisch dazu. Wir nehmen Sie gerne als Nebenkläger auf, dann haben sie keine Rennerei” erklärt Paul die Situation.

Dann macht er sich schreibbereit und Erik beginnt ein letztes mal zu erzählen.
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