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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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Dieses Kapitel
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27.04.2020 1.199
 
Auf dem Flur fährt sich Dennis nervös über seine Glatze, lässt eine Hand fallen, während die andere in seinem Nacken liegen bleibt.

“Ich wollte mich nochmal in Ruhe bei dir bedanken. Du hast ihm das Leben gerettet” beginnt er, als Ben abwinkt. “Ach quatsch! Das ist erstens mein Job, zweitens ist Erik mein Streifenpartner. Ich mache alles für ihn”

“Ja. Das...ich wollte sowieso mal fragen, was deine Absichten bei ihm sind” windet sich Dennis, aber diese Frage geistert bei ihm im Kopf, seit er Erik kennt. Irgendwo ist es ihm unangenehm diese Frage zu stellen, aber andererseits muss er es einfach wissen.

Ben schaut ihn an, verwirrt und nicht verstehend. Dann erhellt Erkenntnis sein Gesicht und er lacht auf. “Oh, das meinst du!” lacht er. Jetzt ist es an Dennis fragend auf der Wäsche zu gucken: “naja, du bist immer da, hast dich gesorgt wie kein anderer. Da dachte ich...?” fährt er sich dann plötzlich unsicher durchs Gesicht.

“Ich hab kein Interesse an Erik. Zumindest nicht so wie du” erzählt Ben. “Eigentlich mochte ich ihn erst nicht” sinniert er weiter, erzählt vom ersten Zusammentreffen auf der Wache “er war so schüchtern, hat kaum was gesagt. Und ich wusste nicht recht, was ich mit ihm anfangen sollte. Er war neu im Dienst, dazu so ruhig wie sonst kaum einer der Kollegen. Dann hatten wir einen Fall, bei dem er zum ersten Mal mich gegen einen aufmüpfigen Jungen verteidigte, dem jede Einsicht fehlte. Das hatte ich nicht erwartet, naja, seit dem waren wir wärmer. Er ist durch die unzähligen Einsätze wie ein eigener Bruder für mich, wir vertrauen uns blind. Er hat mir das ein oder ander mal im wahrsten Sinne den Arsch gerettet. Anders würde es auch nicht funktionieren, denn Partner müssen sich blind vertrauen. Ich weiß alles von ihm. Also mach dir bitte keinen Kopf, ich steh eh auf Mädels” verspricht er dann. “Aber ich sage dir gleich: ich habe einen ausgeprägten Beschützerinstinkt, was alle Jungs und Mädels auf der Wache angeht. Wir sind über die Jahre zusammengeschweißt, mehr als eine Familie. Ich stehe nicht zwischen euch, niemals. Genauso ist es übrigend bei Tom und Muri. Die passen auch wie Brüder auf sich auf, aber jetzt steht Mo auch unter dem Schutz des Türken. So sind wir nunmal. Da du jetzt zu Erik gehörst, passe ich mit auf dich auf. Ob du willst oder nicht. Wenn du Erik nur ein Haar krümmst….” setzt er an, wird von einem lachenden Dennis unterbrochen, der abwehrend die Hand hebt. “Die Leier kenne ich von Eriks Bruder schon” legt er Ben die Hand auf den Oberarm, schaut zu ihm auf. “Danke, dass du auf ihn aufpasst, wenn ich es nicht kann!”

Ben nickt, für ihn ist es eine klare Sache.

Auch Dennis hat sich beruhigt, hat nun die Gewissheit, dass Ben nicht so ist wie sein Ex-Freund. “Du musst mir deinen Geburtstag verraten” sagt Ben plötzlich und ein schelmischen Grinsen erscheint auf seinem Gesicht “ich backe legendäre Geburtstagstorten” prahlt er dann, zieht Dennis am Arm wieder ins Zimmer.
Dennis lacht auf. Das Gespräch hat sich in eine unerwartete Richtung entwickelt, aber viel positiver als er es je gedacht hätte.

Aus den Augenwinkeln sieht er wie eine kleine Gruppe Menschen in ihre Richtung kommt. Dennis dreht neugierig den Kopf und erkennt Simon, der in einem ernsten Gespräch mit Ernst vertieft ist. Hinter dem Zwillingsbruder seines Freundes entdeckt er zwei ältere Menschen, er tippt, das es Eriks Eltern sind.

Die Mutter entdeckt ihn als erstes, kommt im Laufschritt auf ihn zu und ruft schon von weitem: “Dennis!”
Überrascht bleibt er stehen, dann spürt er Bens Hand auf seinem Rücken: “Ich lass dich mal alleine” flüstert der Beamte in sein Ohr, verschwindet durch die Tür. Die kleine Gruppe hat ihn erreicht, umringt ihn. Fragen schauen sie ihn an. Er lächelt leicht, gibt Entwarnung. Alle um ihn herum atmen erleichtert aus.

Dann stürmen sie das Krankenzimmer.

Erik lacht gerade über einen Witz den Phil gemacht hat, als er sieht wie Ben mit einem erleichterten Gesichtsausdruck ins Zimmer zurückkommt. “Deine Familie ist da” warnt Ben ihn vor, als sie auch schon ins Zimmer stürmen.
“Also eigentlich sind dass zu viele Leute hier…:” will Phil protestieren und die Regeln einhalten, wird aber von Robin unterbrochen: “Mo und ich sind schon weg, wir haben Dienst. Stephan und Tom wollen glaube ich auch gerade gehen, oder?” schaut er die beiden scharf an.

Zwei Sekunden dauert es, bis der Groschen fällt. Fast gleichzeitig erheben sich die Beamten der Inspektion 5, die dienstfähig sind. Sie wuscheln durch Eriks Haar, versprechen vorbeizukommen. Es entsteht ein kleines Durcheinander, bis alle sich verabschiedet haben und jeder seine persönlichen Sachen geschnappt hat.

Moritz tritt Ben bei dem Versuch seine Jacke anzuziehen versehentlich auf den Fuß, was ein Schwall der Entschuldigung nach sich zieht. Ben winkt ab, Robin zieht Moritz einfach aus dem Zimmer, Tom und Stephan hinterher. Die Familie soll endlich Ruhe haben.  

Erik atmet tief durch. Er liebt seine Kollegen. Aber das hat ihn dann doch etwas überfordert.

“Mensch, Junge!” seufzt seine Mutter, nimmt ihn vorsichtig in den Arm. Dann stellt sie ihre Handtasche aufs Bett und zeigt den Männern um sie herum wieder einmal, was es heißt eine gute Mutter zu sein. Sie zaubert Tupperboxen voller Essen hervor, legt zwei Flaschen Wasser auf die Bettdecke. Ein Buch erscheint und zum Schluss erblickt ein Tablet das Krankenhauslicht.

“Mama…” stöhnt Ernst ein bisschen überfordert auf, wird von Phil unterbrochen. “Die Patienten bekommen hier genug zu essen…”sagt er, beäugt die Berge von Essen auf dem Bett. “Ach papperlapapp” spricht Eriks Mutter rigoros “er musste vier Tage hungern, da kann ich ihm wohl eine Kleinigkeit mitbringen. Schauen sie mal, wie dünn er ist” stemmt sie ihre Arme in die Hüfte und funkelt den Notarzt herausfordernd an. Der hebt die Hände, weiß aus eigener Erfahrung, dass man einer Mama nicht widerspricht. Er  schüttelt lachend den Kopf: “Dann habe ich nicht gesehen!” damit verabschiedet er sich.

“Er hat mir das Leben gerettet Mama!” lacht Erik auf. “Sei lieb zu ihm, bitte.” Dann schaut er zu seinem Bruder. Der steht mit Tränen in den Augen ruhig da, hat Stephans Platz am Fußende des Bettes eingenommen. Erik kann sein Gefühle im Inneren regelrecht toben hören. Dennis sitzt links neben ihm auf dem Stuhl, seine Mutter rechts. Hinter ihr steht sein Vater, der ihn mit einer Mischung aus Stolz und Besorgnis mustert. Ben steht hinter Dennis an die Wand gelehnt und sieht aus, als bräuchte er dringend drei Liter Kaffee. Neben Ben steht ein junger Mann, den Erik von Fotos kennt: Simon.

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Auf der Wache wird die Nachricht, dass Erik aufgewacht ist und die OP gut überstanden hat, mit Jubel aufgenommen. Robin übergibt die Krankschreibung für Ben und die Vorläufige Befreiung vom Dienst für Erik an Wiebel, fährt dann mit Moritz auf Streife.

Irgendwann im Auto fragt Moritz, wen er denn alles zur Hochzeit einladen muss. Das löst hämisches Gelächter bei Robin aus: “Gut, dass ich das hinter mir hab!”
“Das hilft mir auch nicht viel weiter” mault Moritz gespielt, will alle Tipps und Tricks wissen, wie so eine Feierlichkeit ohne große Probleme zu überstehen ist.

Jadenkt Robin und seufzt erleichtert es geht endlich wieder bergauf.
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