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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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25.04.2020 1.541
 
Als Erik das nächste mal erwacht, wackelt alles um ihn herum. Etwas brummt, dann tickert etwas. Er hat das Gefühl sein Kopf explodiert, wenn er ihn auch nur einen Zentimeter bewegt. Sein Oberschenkel brennt höllisch, seine Knöchel versagen den Dienst, ebenso seine Hände, die vor seinem Körper mit einem Seil zusammengebunden sind. Das raue Seil reibt über die Wunden der Kette, schickt kleine Schmerzwellen bei jedem ruckeln des Autos durch sein Körper. Er blinzelt, versucht sich zu orientieren.

“Gleich, gleich gehört er für immer mir” murmelt Sabine auf dem Fahrersitz, rutscht vor Aufregung unruhig auf dem Fahrersitz hin und her. Erik liegt auf der Rückbank, Beine angewinkelt, seine rechte Schulter hängt schon bedrohlich in der Luft. Es fehlt nicht mehr viel, dann fällt er in die Fußräume.
Ihm ist schlecht vor Hunger, sein Kopf dreht sich. Seine Kehle brennt, verlangt nach etwas Flüssigkeit.

Plötzlich hält das Auto abrupt an, er wird gegen die Vordersitze geschleudert. Er stöhnt vor Schmerzen. Das Gefühl sich übergeben zu müssen wird übermächtig, aber er kann die aufkommende Säure herunterschlucken. Die Tür neben seinem Kopf wird aufgerissen, jemand packt ihn unter den Schultern und zieht ihn unsanft aus dem Auto. Die Tür knallt zu, ein unangenehm lautes Geräusch in seinen Ohren. Die Tage im Keller haben ihn sensibel auf laute Geräusche und Licht gemacht. Er blinzelt gegen die plötzliche Helligkeit an, versucht durch zusammengekniffenen Augen etwas zu erkennen. Er wird auf die Beine gestellt. Seine Knie geben nach, fluchend wird er wieder aufgehoben. Sie stützt ihn, zerrt ihn aber gleichzeitig unsanft nach vorne. Sein linkes Bein gehorcht ihm nicht mehr, es knickt einfach weg.
Humpelnd versucht er hinterher zukommen, stolpert, wird immer wieder hochgerissen. Die Kälte schockt seinen Körper, lähmt die restliche Energie, die noch in seinem Körper vorhanden war.

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Robin und Stephan beobachten ein kleines rotes Auto, das mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Wiese vor ihnen brettert. Es legt eine Vollbremsung hin, wirbelt den Schnee auf. Dann fliegt die Fahrertür auf und Sabine tritt heraus, eine Langwaffe in der Hand. Automatisch greifen die beiden Polizisten im Gebüsch zu ihren Waffen. Sabine schaut sich um, läuft dann ums Auto herum und zerrt eine Person aus dem Rücksitz.

“Erik!” atmet Stephan vor Erleichterung mit einem Stoß aus.
“Wenigsten lebt er noch” murmelt Robin neben ihm, betrachtet seinen Kollegen genauer, betet, das die Verstärkung bald eintrifft und ein NEF auf den Weg zu ihnen ist.

Plötzlich taucht Tom neben ihnen im Gebüsch auf. “Hey, Jungs. Oh Gott Erik!” ruft er dann flüsternd aus, als er ihren Kollegen entdeckt. Robin und Stephan starren den Neuankömmling entsetzt an.

“Florian und Fabian sitzen rechts neben dem Busch der Bundeskollegen im Busch, rechts daneben hat sich Klaus versteckt, links von euch sitzen Muri und ich, rechts neben uns sind Moritz und Marc. Simon, Dennis und Ernst halten sich hoffentlich irgendwo im Hintergrund auf. Also die Wiese ist umstellt. RTW und NEF sind auf Stand-By am Parkplatz Haidweg” setzt er seinen Kollegen in Kenntnis, dann verschwindet er vorsichtig und langsam wieder in Gebüsch zu Muri.  

“Na dann” schnauft Robin durch die Nase versucht seine Nervosität zu unterdrücken. Jetzt zählt nur noch, das alle hier möglichst heile rauskommen.

Es kommt wieder Bewegung in die Szene vor ihnen: ein silberner Ford fährt auf die Wiese, bremst und flackert kurz mit den Scheinwerfern auf. Dann öffnet sich die Fahrertür und Ben steigt aus. Sabine dreht sich zu dem neu angekommenen Auto, steht nun mit dem Rücken zu den Bundeskollegen. Erik reißt sie mit rum, hält ihre Waffe an seinen Hals.

“Bist du allein?” ruft sie zu Ben hinüber, der langsam auf sie zuläuft.
“Ja” antwortet Ben, sein Herz schlägt bis zum Hals.
Er muss Erik ausblenden, der nicht mehr wirklich lebendig in ihren Armen hängt und wie eine Puppe herumgeschleudert wird.

Ben kann erkennen, dass sich der Brustkorb seines Streifenpartners hebt und senkt, ein Zeichen, dass die Vitalzeichen noch vorhanden sind. Das linke Bein steht in einem merkwürdigen Winkel nach Hinten ab, kann nicht belastet werden. Eriks Schläfe ist Blutüberströmt und er ist abgemagert, bleich wie der Tod. Die Haare stehen wild vom Kopf ab, der Bart ist zottelig und viel zu lang. Erik schaut auf, kneift seine Augen zusammen.
Ben will irgendwas sagen, um ihn zu beruhigen, ihm mitteilen, dass die Kollegen hier sind. Aber wie, ohne das Sabine etwas merkt und durchdreht?

Er spürt das Mikrofon an seiner Brust kleben, schweiß bildet sich auf seinem Körper. Langsam geht er weiter, immer auf die beiden zu, dabei fixiert er Sabine, denn Eriks Blick hält er gerade nicht stand.
“Bleib stehen” ruft sie laut “keinen Schritt näher. Oder ich puste ihm das Gehirn weg.” das hilflose Wimmern von Erik sticht in Bens Herz.
“Ich bin hier, lass ihn gehen” beginnt Ben die Verhandlung. “Bitte” schiebt er noch hinterher.

“Sag, dass du mich liebst! Und widerstandslos mitkommst, wenn ich ihn loslasse” flötet Sabine, drückt die Waffe weiter in Eriks Hals.

Ben hebt die Hände, zeigt ihr, dass er unbewaffnet ist. Ben sieht die Kollegen der Bundespolizei langsam auf sie zukommen. Die Waffe im Anschlag setzen sie vorsichtig einen Fuß vor den anderen, fixieren Sabine von hinten. Moritz und Marc treten ebenfalls leise aus ihrem Gebüsch, laufen seitlich auf die kleine Gruppe zu, auch sie haben die Waffen schussbereit. Florian taucht auf, läuft parallel zu Moritz und Marc, Fabian folgt, hat ein Funkgerät in der Hand.

“Ich liebe dich” sagt Ben ernst. Jetzt fixiert er Erik, zwingt ihn in seine Augen zu blicken. “So wie der STÖPSEL das Waschbecken liebt und der FAMILIENvater seine CURRYWURST.”

In Eriks Augen blitzt verstehen auf. Er versucht seine Erleichterung nicht deutlich zu zeigen. Sie sind tatsächlich hier. Sie haben mich gefunden. Vor Erleichterung schießen ihm heiße Tränen in die Augen.

“Aber ich kann dich nicht lieben, wenn du meinem Kollegen etwas antust” redet Ben einfach weiter, hofft das irgendwas passiert. “Stell dich nicht mit Mördern auf eine Stufe.”

“Aber er hat dich mir weggenommen” schreit Sabine plötzlich heftig auf und schüttelt Erik durch. Dessen herzerweichendes Wimmern schickt Ben fast in den Wahnsinn. “Aber jetzt bin ich ja hier. Und er war das gar nicht.” redet Ben mit Engelszungen auf sie ein. Verspricht ihr alles, während die Kollegen immer näher kommen, den Kreis um sie immer enger ziehen.

“Polizei!” schreit Marc plötzlich, dann fällt ein Schuss.

In den folgenden Minuten herrscht auf dem Feld ein heilloses Durcheinander:

“NEF! LOS. Schnell!” schreit Fabian in die Funke.
Aus allen Büschen stürzen Polizeiuniformen, umringen Ben, der zusammengesackt auf dem Boden erstmal Luft holen muss. Robin und Florian stürzen zu Erik, reden mit ihm, halten ihn wach und am Leben. Dann kommt Phil angerannt und übernimmt. Die strenge Stimme des Notarztes peitscht über das Feld, jetzt zählt nur das Leben seines Patienten, alles andere muss die Polizei machen. Tom, Moritz, Stephan, Marc, Muri und Fabian sichern die Umgebung und die Sanitäter, Klaus funkt mit der Leitstelle.

“BEN.Weg!” schreit Moritz, als er sieht, wie Sabine, zwar getroffen aber nicht bewusstlos, die Waffe auf ihn richtet.

Wiebel zielt - ein Schuss fällt. Er schaut erstaunt auf seine Waffe, er hat doch gar nicht geschossen. Dann fällt sein Blick nach rechts. Dort steht Muri mit gezogener Waffe und einem Gesichtsausdruck, der nur mit Genugtuung zu bezeichnen ist.

Ben kriecht auf Knien zu Erik, schnappt sich dessen Hand. Dann umhüllt ihn gnädige Bewusstlosigkeit, die Anstrengungen der letzten Tage, der Schlafmangel und die ständigen Sorgen fordern ungnädig ihren Tribut. Erik wird direkt nach der Stabilisation abtransportiert, er muss sofort operiert werden, die Kugel hat im Oberschenkel ordentlich Schaden angerichtet.
Vorsichtig positiv gibt Phil entwarnung an Wiebel. Rein körperlich wird Erik wieder arbeiten können, aber wann das sein wird, steht in den Sternen. Ben folgt wenig später mit Florian als Begleitung im zweiten Rettungswagen.

Die beiden Bundespolizisten decken den leblosen Körper von Sabine ab. Dann holen sie ihr Auto, rufen nach Phil, der einen Totenschein ausstellen muss. Sie begleiten die Leiche zur Obduktion.

Marc, Moritz, Tom, Muri, Fabian und Klaus verteilen sich auf  ihre Fahrzeuge, die sie am Parkplatz zurückgelassen haben. Sie fahren auf die Wache, nach Hause will keiner von ihnen und im Krankenhaus stehen sie nur im Weg.

Stephan und Robin räumen die Maßnahme auf, bestellen den VUD, um das rote Auto abzuschleppen und von den Kollegen der Kriminalpolizei untersuchen zu lassen. Dann ordern sie zwei Kollegen der K-Wache her und folgen nach der Übergabe stumm ihren Kollegen im Zivilfahrzeug zur Wache.

Simon fährt mit Dennis und Ernst den Krankenwagen hinterher.
Das ist wohl die längste Autofahrt im Leben von Dennis. Er weiß, dass Erik da vorne liegt und um sein Leben kämpft und er kann nicht dabei sein, geschweige denn helfen. Er hat mit den beiden Bundespolizisten gesprochen, es sind Kollegen von ihm. Sie versprachen, seinen Antrag auf unbezahlten Urlaub sofort mit ihrem Chef zu besprechen.

Ernst hält seine Hand umklammert, ist wohl noch mehr durch den Wind als er selbst. In der Stille des Autos klingelt plötzlich Ernsts Handy und er geht ran, ohne die warme Hand los zu lassen. Sein Vater meldet, sie sind in Köln angekommen. Welches Krankenhaus? Lebt er noch?
Ernst kann nicht reden, immer wieder steigen Tränen in ihm hoch, blockieren seine Kehle. Er reicht sein Handy einfach an Dennis weiter, der die Familie Stein auf den neuesten Stand bringt.
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