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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
Alle Kapitel
91 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.04.2020 1.203
 
>>15/01 für 13/26<<
>>hört<<
>>Hier Stephan. Stürmchen und ich konnten uns in einem Busch bei den angegebenen Koordinaten verstecken. Aber hier ist absolut nichts, wo sich jemand versteckt halten könnte<<
>>Ja, verstanden. Ben ist verkabelt. Wir kommen zu euch, sobald die Koordinaten von der Zielperson durchgegeben wurden. Kein Haus oder Verschlag oder so?<<
>>Negativ. Nur Wiese.<<


“Scheiße!” flucht Klaus.
“Was bedeutet das?” fragt Simon ängstlich, auch Ernst schaut verständnislos drein.
“Das bedeutet” schnauft Wiebel “das sie uns von weitem sehen kann und wir so keinen RTW oder sonstige Fahrzeuge mitnehmen können. Nur einzelne Beamte, versteckt irgendwo im Gebüsch.”

>>15/01 für 13/27<<
>>hört<< schreit Wiebel schon fast in die Funke. Auch seine Nerven liegen blank, er kann es nicht ab, wenn jemand so mit ihm spielt wie diese Sabine.
>>Sturm hier. Wir können keine Bewegung sehen. Die 9/32 ist eingetroffen, versteckt sich jetzt auf der gegenüberliegen Seite der Wiese.<<
>>Ja, verstanden. Wir können nur ohne RTW und F kommen.<<
>>Verstanden. Rechts ist ein See.<<
>>Hab ich mit 13/27. Bleibt stand-by. Wir melden uns bei Eintreffen. Meldet euch bei Bewegung.<<
>>Verstanden<<


Wiebel schaut angespannt zu seinen Jungs, die entschlossen wie eine Wand vor ihm stehen. “Ich muss euch nicht sagen, was für eine Katastrophe es wäre, wenn wir sie nicht bekommen” setzt Wiebel zur Motivationsrede des Abends an, als er durch ein Handyklingeln unterbrochen wird.

Ernst, der das Handy in der Hand hält, drückt mit zitternden Fingern auf den grünen Button.
“J..ja?” fragt er.
“Ach Benny, hier ist es so schön, wir könnten am Wasser sitzen und uns gegenseitig die Sonnencreme auf dem Rücken verteilen. Aber leider ist es so kalt, da macht es keinen Spaß. Vergiss nicht, wenn ich nur einen deiner blauen Kollegenschweine hier sehe, knall ich deinen kleinen, süßen Toyboy ab, verstanden?” flötet Sabine ins Telefon als würde sie mit ihm die nächsten Urlaubspläne besprechen und nicht über eine Entführung verhandeln.

Bens Gesichtsausdruck wechselt von Entsetzten zu unbändiger Wut. Entschlossenheit übermannt ihn, Erik da lebend rauszuholen. Das ist gerade das Wichtigste. Alles andere kann später geklärt werden.
“Verstanden. Kann ich mit Erik kurz reden?”
“….wenns unbedingt sein muss” antwortet Sabine bockig wie ein Kind, das zu etwas überredet wurde, was ihm eigentlich herzlich egal ist.

“Ben?” kommt die schluchzende Stimme von Erik wenig später durch die Leitung. Die Erschöpfung ist ihm deutlich anzuhören, bei jedem Wort schlurft seine Stimme etwas nach. “Ben, sie hat mir die Augen verbunden. Meine Schläfe tut so weh….ich...Ben. Bitte hol mich hier raus. Ich kann nicht mehr. Ich liebe Dennis. Sag ihm das, ja? Und Ernst auch. Ich ...es tut so weh. Mein Bein...ich….Bitte. Komm nicht Ben, sie will dich verletzten.”
Als nächstes vernehmen die Beamten einen schrillen Schrei “NEIN” kreischt Sabine in vier Tonlagen zu hoch. “Du mieses Dreckstück. Ich hab dich gewarnt.” Als nächstes hören die Beamten einen Schuss.

“Er lebt noch. Aber nicht mehr lange. Wir sind 51°00'55.7"Nord und 7°01'34.6"Ost. Beeil dich, er hat nicht mehr lange.” Damit ist die Leitung wieder tot. Tom gleicht kreidebleich die Koordinaten über Funk mit denen von der Bundespolizei ab. Sie sind schon am richtigen Ort, haben den Schuss gehört, können ihn aber nicht lokalisieren. Eine offene Suche wäre zu riskant.

Dennis und Ernst wanken, kreidebleich. Beide halten sich aneinander fest.
“Oh Gott” entfährt es Dennis. “Oh Gott” er fährt sich über die Glatze, Verzweiflung pur steht auf seinem Gesicht.
“NEIN” schreit Ernst, sackt gegen Simon, der ihn gerade noch festhalten kann.

Ben geht ohne ein weiteres Wort aus der Tür. Das muss alles ein Ende haben. Jetzt. Sofort. Sie hat gesagt er lebt noch. Sie hat immer ihr Wort gehalten. Also besteht noch eine Chance, dass es nicht zum Äußersten kommt.

Wiebel will gerade wieder zum sprechen ansetzten, als seine Jungs loslaufen. Hinter Ben her aus der Wache, verteilen sie sich stumm auf ihre Autos. Marc, als heutiger Streifenpartner von Florian und Muri, als Streifenpartner von Tom, laufen mit ihnen.

Wiebel gibt letzte Anweisungen in den Raum der Wachhabenden, dann verlassen auch er und Fabian das Dienstgebäude und fahren im Bulli hinterher.
Simon, Dennis und Ernst folgen in Simons Auto.

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Erik spürt wie ihn jemand berührt und aufrichtet. Er muss im Schlaf zur Seite gesackt sein. Die Hände binden etwas über seine Augen und am Hinterkopf fest. Der Stoff drückt in die Wunde, löst ein unerträgliches Brennen aus. Seine Ketten werden gelöst.
Wäre es nicht halb verhungert und bei normalen Kräften, würde er nun versuchen seiner Peinigerin zu entkommen. Aber er hat seit vier Tagen nichts gegessen, Wasser gab es nur sporadisch, gerade so, dass er nicht starb. Willenlos lässt er sich hochziehen, die Klamotten fallen lose am Körper hinab.

Er spürt wie er am Oberkörper weggezogen wird, seine Beine kratzen über den Boden. Die Frau hinter ihm stöhnt und keucht. Sie poltern eine Treppe hinauf, jede Stufenkante schlägt in seine Wunden an den Knöcheln. Sein Kopf wiegt kraftlos hin und her, wird gegen eine Wand geschlagen.

“Jetzt wirst du mir Glück bringen, mein eisblauer Engel. Heute sehe ich meinen Mann” frohlockt Sabine weiter.

Er wird abgelegt, dann umfängt ihn wieder gnädige Dunkelheit.

Durch Fußtritte in seine Rippen wird er wenig später geweckt, dann wird ihm ein Telefon ans Ohr gehalten.

Er weiß nicht wer am anderen Ende ist, aber das ist ihm egal. Er hofft, dass es jemand ist, der Ben kennt und ihm helfen wird.

“Ben?”schluchzt er ins Telefon. “Ben, sie hat mir die Augen verbunden. Meine Schläfe tut so weh….ich...Ben.”
Er schluckt, versucht seine trockene Kehle zu befeuchten, leckt sich über die aufgesprungenen Lippen.
“Bitte hol mich hier raus. Ich kann nicht mehr.”
Er holt erschöpft Luft, Bilder von einem schönen Mann tauchen vor seinem Gesicht auf. Kennt er ihn? Er weiß es nicht mehr, aber eine Stimme im Inneren flüstert den Namen “Dennis”. Der Mann sieht so schön aus. Von ihm würde er sich küssen lassen. “Ich liebe Dennis. Sag ihm das, ja? Und Ernst auch. Ich ...es tut so weh. Mein Bein...ich….Bitte.”

Das viele reden löst unerträgliches brennen in  seiner trockenen Kehle aus, aber es fühlt sich gut an. Wie ein Ertrinkender einen Rettungsring umklammert, umklammert Erik seine einzige Möglichkeit hier rauszukommen.
Plötzlich tauchen wieder diese Bilder vor seinem Auge auf, die auch in den letzten Tagen immer wieder hochkamen. Ihnen schwingt etwas bedrohliches mit, etwas gefährliches. Eine Waffe! Sie wollen jemanden erschießen!
“Komm nicht Ben, sie will dich verletzten” sind die letzten Worte, die er herausbekommt, dann versagt seine Stimme. Sein Kopf rebelliert, erschöpft sinkt seine Hand mit dem leuchtenden Etwas nach unten.

Als nächstes vernimmt er einen unangenehm schrillen Schrei, dann durchzuckt ihn eine Welle heißen Schmerzes und er sinkt, nach einem letzten aufbäumen seines Körpers, ohnmächtig zur Seite.

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Ich weiß, dass in solchen Einsätzen normalerweise ganz anders vorgegangen wird, aber ich fand es so für unsere Jungs spannender. Verzeiht mir :-)
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