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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
9
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24.04.2020 1.925
 
Dennis und Ben werden auf der Wache mit je einer Decke und einer Tasse Tee in den Aufenthaltsraum verfrachtet. Florian bleibt bei ihnen, während alle anderen Kollegen bei der Suche nach ihrem Freund mithelfen. Simon telefoniert draußen vor der Wache, wurde von Wiebel beauftragt Familie Stein zu informieren.

Moritz und Tom sitzen in Zivilkleidung über eine Karte der Umgebung gebeugt. Sie suchen in einem Radius von 50km um das letzte Signal des Handys. Diskutieren leise über Lagerhallen, einem einsam stehenden Bauernhof oder einfach nur über eine Möglichkeit, wo man einen Menschen unbemerkt hinbringen und verstecken könnte.

Ben wird derweil verrückt vom ganzen Warten. Impulsiv steht er auf, stößt dabei seinen Stuhl um und läuft im Raum unruhig hin und her. Er verschränkt die Arme hinterm Rücken, holt sie wieder vor, bleibt am Fenster stehen. Knetet seine Finger und beobachtet den vorbeiziehenden Verkehr. Irgendwo da draußen ist er. Aber die Welt dreht sich weiter, tut so als ob nichts passiert wäre. Wo bist du nur, Erik? seufzend fährt er sich durchs Gesicht, fährt zum hundertsten mal heute durch seine Haare. Auf einmal spürt er eine warme Hand auf seiner Schulter. “Ich weiß sie werden ihn finden” flüstert Florian neben ihm. “Warte ab. Bald haben sie ihn schon” versucht er seinem Kumpel Mut zu machen. Auch Dennis taucht nun neben ihnen auf, wirft einen traurigen Blick auf die zwei. Er bleibt stumm neben ihnen stehen. Was soll er auch sagen? Die Kollegen machen ihren Job, mehr können sie im Augenblick nicht tun, auch wenn es ihm genauso schwer fällt, hier ruhig und untätig stehen zu bleiben.

Sie hören wie die Tür zur Wache geöffnet wird. Kurze Zeit später geht die Tür zum Aufenthaltsraum auf und Wiebel betritt mit ernster Miene den Raum, gefolgt von Hannah, Paul und Martin. “Ich habe Stephan und Robin zu Eriks Wohnung geschickt. Vielleicht finden sie irgendwas” sagt Wiebel, schaut dann zu Paul und Hannah.

“Wir waren nochmal im Restaurant. Eine der Kellnerinnen konnte die Person beschreiben, mit der Erik mitgegangen ist. Das ältere Ehepaar war auch noch da, die konnten aber nichts weiter aussagen. Sie waren zu sehr mit ihrem 25.Hochzeitstag beschäftigt. Sie haben nur gesagt, das ihr ein süßes Paar seid” fasst Hannah die Ermittlungsergebnisse zusammen.

“Die Beschreibung passt genau auf Sabine” ergänzt Paul und bestätigt damit die schlimmen Vorahnungen.

“Das ist alles meine Schuld!” schreit Ben plötzlich auf und sackt an der Wand zu Boden. Er reibt mit seinen Händen über sein Gesicht, schluckt die aufkommenden Tränen herunter. Geschockt blicken seine Kollegen auf den sonst so gefassten Mann. “Red nicht so ein Quatsch!” blafft Moritz ihn an, auch seine Nerven liegen blank.

“Aber ich bin einfach in die Katakombe rein. Hab mich nicht vorher mit ihm abgesprochen. Er kam hinterher, weil er mich schützen wollte. Hätte er mich nicht weggestoßen, wäre ich da drin hops gegangen. Er selbst wäre beinahe verschüttet worden, hätten Tom und Klaus uns nicht so schnell gefunden. Seine Rippe ist angeknackst deswegen, er konnte nächtelang nicht schlafen. Bricht hier auf der Wache zusammen, weil ich Grobian es aus Egoismus und Angst vor den Konsequenzen nicht geschissen bekomme, vernünftig mit ihm zu reden. Dann taucht diese Verrückte auf und bedroht ihn mit einer Waffe. Und jetzt wurde er gekidnappt, weil diese Sabine denkt, er hätte ein Verhältnis mit mir”ruft Ben verzweifelt. “Ich sollte da stehen und nicht er. Das ist doch Scheiße!”

“Jetzt hör aber auf!” schreit Florian plötzlich heftig und haut Ben auf den Oberarm. “Hätte ich nicht diese blöde Idee gehabt, dich mit dem Kuss vor dieser Verrückten zu retten, wäre es doch alles gar nicht so passiert.”

“Ich hätte direkt raus gehen müssen, dann hätte ich wenigsten das Kennzeichen gesehen. Ich hätte..” lässt sich Dennis resigniert neben Ben auf den Boden sinken.

Tom haut mit der flachen Hand auf den Tisch: “Schluss jetzt! Das bringt doch alles nichts!”

“Tom hat recht. Keiner ist Schuld und niemand hier im Raum kann etwas für die Taten unserer Verdächtigen” versucht Klaus alle zur Ruhe zu bringen. “Mich würde viel eher interessieren, warum Erik einfach so mit der Frau mitgeht. Er weiß doch wer sie ist und hätte normalerweise auf Zeit gespielt bis Dennis wiederkommt. Was hat sie ihm gezeigt oder erzählt, das er einfach so mitgeht?”

Diese Frage bringt wieder Ruhe in den Raum. Alle grübeln vor sich hin, stellen Mutmaßungen auf. Aber was ist in so einer Situation "normal" oder "rational richtig"? Kann man überhaupt so handeln?
Fabian erscheint kurze Zeit später in der Tür. Über seine Schulter blickt Ernst mit besorgtem Blick in den Raum. “Den hab ich vor der Wache gefunden” informiert er, dann lässt er den Bruder seines Kollegen eintreten.

“Meine Familie möchte, das ich ihnen allen für ihren Einsatz danke. Wenn sie Fragen haben, stehen wir natürlich zur Verfügung. Ich würde gerne hier bei ihnen bleiben, wenn das in Ordnung ist und meine Familie immer über den neusten Stand informieren” sagt er ruhig. Aber jeder im Raum sieht die Anspannung, die Sorge um seinen Bruder und die Last, die auf seine Schulter drückt. Der Überbringer von Nachrichten in so einem Fall zu sein, der auch noch den eigenen Zwillingsbruder betrifft, ist schwer. Alle murmeln ihre Zustimmung, dann wird Ernst von Tom auf den neuesten Stand gebracht. Der blickt grübelnd auf die Karte, tippt wenig später mit seinem Finger auf einen Punkt neben der Autobahn. “Ich weiß, das hier eine Raststätte ist, von der man weiter in die Felder wandern kann. Aber das hilft euch wahrscheinlich auch nicht wirklich.”

“Ein Versuch ist es wert. Martin, schick eine Streife der Autobahn-Kollegen dort mal mit einem Bild des Entführungsfahrzeuges vorbei. Vielleicht hat ein Anwohner oder so das Auto gesehen” gibt Klaus die Anweisungen, neue Hoffnung glimmt auf, den jungen Kollegen zu finden. Martin nickt, verlässt den Raum.

Ben ist wieder aufgestanden, nimmt seine alte Runde wieder auf. Ihm hat sich ein komisches Gefühl beschlichen, Ernst so nah zu stehen. Es ist, als würde Erik nur wenige Meter entfernt stehen. Das zehrt noch zusätzlich an seinen Nerven. So nah und doch so weit entfernt.
Dennis fährt sich unruhig über die Glatze, lehnt sich an Simon. Starrt mit leerem Blick auf den Teppich. Er will Erik halten, ihm sagen, das alles gut wird und diese wundervollen Lippen küssen. Die weiche Hand in seiner spüren. Eriks lachen hallt in seinen Ohren nach, verhöhnt ihn, quält ihn mit Sehnsucht und Verlangen.

Muri kommt irgendwann vorbei, erkundigt sich nach Neuigkeiten, legt Tom eine Hand auf die Schulter und verabschiedet sich dann wieder in den Dienst. Andere Menschen brauche auch ihre Hilfe. Aber er versichert seine Unterstützung.
Klaus ist wieder im Büro verschwunden, will alles mobilisieren was die Polizeistaffel zu bieten hat: Hubschrauber mit Wärmebildkameras, so viele Streife wie möglich bekommen ein Bild von Erik mit dem Auftrag, die Augen offen zu halten. Jetzt telefoniert er gerade mit dem Leiter der Hundestaffel, danach kommt die Reiterstaffel dran.

Hannah und Paul brüten mit Fabian über den wenigen Daten, die sie über diese Sabine herausfinden konnten: alleinstehend, keine Kinder, unverheiratet und auch nie gewesen. Eltern im Kindesalter verloren und keine Geschwister. Wurde von Heim zu Heim gereicht. Das alles zeichnet ein ungutes Bild: sie hat nichts zu verlieren. Sie schauen sich die bekannten Aufenthaltsorte genauer an, gleichen sie mit ihrer Karte auf dem Tisch ab.

Robin und Stephan kommen etwa eine Stunde später in den Raum, haben einen großen Topf und Teller für alle dabei. Robin verteilt Suppe, Stephan schenkt jedem eine Tasse Tee aus. Die nächsten Stunden werden anstrengend, da brauchen sie alle ihre Kräfte. In der Wohnung i nichts ungewöhnlich. Die Nachbarn haben ihn seit heute früh nicht gesehen.

Klaus kommt wieder, informiert alle, dass ein Hubschrauber bereit steht, sobald das Suchgebiet genauer eingegrenzt wurde. Martin erscheint, bestätigt, das eine Streife im Gebiet eingetroffen ist und Ausschau hält. Er drückt Stephan eine Funke in die Hand, die auf dem Kanal der Bundeskollegen eingestellt ist.

Plötzlich klingelt ein Handy.

Ernst wird kreidebleich und kramt hektisch in seinen Taschen. Nervös beißt er sich auf die Lippen: eine unbekannte Nummer ruft an. Moritz rennt gefolgt von Robin aus dem Raum, kehrt kurze Zeit später mit einem Laptop der Wache zurück. Robin hat hinter ihm zwei Schusswesten für ein Einsatzteam dabei, hält seine und Stephans Waffe in der einen Hand, in der anderen ein Tablet.

Alle im Raum schauen angespannt und aufgeregt zu, wie Moritz die Handyortung aufruft und Robin seinem Mann die Weste in die Hand drückt. Der nickt angespannt, quetscht die Funke in der Hand fester. Dennis zerquetscht fast die Hände von Ben und Simon, Ernst leckt sich nervös über die Lippen.

“So lange wie möglich ins Gespräch verwickeln. Wir orten das Signal. Robin und Stephan fahren raus, sobald wir eine Idee haben, wo sie sind. Versprechen sie alles” gibt Wiebel kurz und knackig anweisungen.

Ernst nickt und hebt ab.

“Na endlich!” ertönt eine schneidende Frauenstimme aus der Leitung. Moritz´ Finger fliegen über die Tastatur. Tom wischt sich den Schweiß von der Stirn.

“Wer sind sie? Was wollen sie?” spricht Ernst und blickt nervös im Raum hin und her. Die Beamten schauen ihn angespannt an, er kann in ihren Augen nicht lesen, ob das ein guter oder schlechter Start war.

“Das interessiert doch keinen, wer ich bin. Ich weiß aber, was sie wollen. Ich habe hier jemanden, der sie gerne sprechen möchte. Aber dann verrät er bestimmt wo wir sind. Und das kann ich mir nicht leisten. Noch nicht. Nicht wahr?” schrillt die Stimme durchs Telefon, dann hören die Beamten ein dumpfes Geräusch und ein markerschütternden Schrei dringt aus dem Hintergrund ans Telefon.

Ben und Dennis werden kreidebleich. “Das war Erik!” flüstert Dennis. Krallt sich noch fester an die Hand seines Bruders. Ernst lässt fast das Telefon fallen, er kann den Schmerz
regelrecht spüren.

“Er ist stur wie ein Esel. Will nicht zugeben, dass er mir meinen schönen Benny weggenommen hat” säuselt die Stimme. Dann wird sie wieder schneidend: “Aber das werde ich schon aus ihm herausprügeln.”

Ben wird speiübel, alles dreht sich. Auch Ernst sieht aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen.
“Was wollen Sie denn von ihm. Er hat nichts gemacht. Bitte, was soll denn da...ich …” stammelt Ernst ins Telefon, kann überhaupt nicht mehr klar denken. Die Sorge um seinen Bruder treibt ihn in den Wahnsinn.

“Ich will Benny” kommt trotzig aus dem Hörer. “Aber das geht nicht, solange der Eisblauäugige Zwerg uns im Weg steht.”

Alle im Raum bleiben erfroren stehen und schauen ungläubig auf das Telefon.
Dann klackt es und die Leitung ist tot.

“Scheiße!” entfährt es Moritz und der Kommissar haut frustriert mit der Hand auf den Tisch. “Das war zu kurz. Ich konnte nur den Sendemasten bestimmen.”

“Das reicht für den Hubschrauber!” ruft Wiebel und stürmt aus dem Raum. Stephan beugt sich über Moritz Schulter und gibt den Bundeskollegen über Funk die Koordinaten des Sendemasten. Sie versprechen in dem Gebiet die Augen offen zuhalten.

“Hat sie gerade gesagt, sie bringt ihn um?” flüstert Simon. Kann überhaupt nicht fassen, was hier gerade abgeht. Die Bewunderung gegenüber seinem Bruder wächst immer mehr. Er könnte diesen Druck nicht jeden Tag aushalten. Er legt seinem Bruder beruhigend eine Hand um dessen Schulter.
Ben hat seine Knie angezogen, die Arme draufgelegt und die Stirn darauf abgelegt.

“Oh Gott. Bitte nicht” flüstert Ernst.

Robin und Stephan haben sich inzwischen die Westen angezogen. Stephan rennt in die Umkleide und holt ihre Uniformjacken, Robin lädt die Daten aufs Tablet. “Haltet uns auf dem Laufenden” ruft er noch, dann sind beide verschwunden. “Ihr seid die 13/26!” hören sie Martin brüllen, dann knallt die Tür zu.
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