Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
29.03.2020
53
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Als Erik nach draußen tritt, fröstelt er und schimpft sich in Gedanken selber, keine Jacke mitgenommen zu haben. Er blickt in die dunkle Nacht hinaus und versucht, seine durchdrehenden Gedanken zu sortieren und beruhigen. Was will Dennis mit ihm hier draußen? Plötzlich legt sich etwas warmes um seine Schulter und Erik erkennt, dass Dennis ihm seine Jacke auf die Schulter legt. Die Arme überkreuzt greift er nach dem Reißverschluss, zieht die Jacke nur enger um die Schultern, hält sie vorne zusammen. Er braucht etwas in der Hand, sonst würde Dennis sehen wie doll er zittert. Und das ist ja wohl richtig oberpeinlich. Dennis hingegen zieht seine Jacke komplett an, stellt den Kragen auf und zieht den Reißverschluss bis unters Kinn. Erik kann dabei seinen Blick nicht von den delikaten Fingern lassen, die so sorgfältig den Kragen entlang fahren und glatt streichen.

Er schaut auf in Dennis´Gesicht, senkt aber den Blick wieder, als dieser ihn mit einem etwas gekniffenen Ausdruck ansieht. Liegt da etwas Besorgnis in Dennis Blick? “Zitterst du? Sollen wir doch lieber wieder reingehen?” fragt Dennis besorgt. Wie jetzt? Ich dachte, wir haben Zeit nur für uns beide. Und jetzt will er wieder rein? denkt Erik verwirrt. Er blickt auf, schüttelt vehement den Kopf. Er stoppt peinlich berührt, als Dennis leise auflachen muss und beschwichtigend die Hände hebt. “Okay, okay. Wir bleiben hier” spricht er leise mit seiner besonderen Tonlage. Erik könnte ewig hier in dieser sternenklaren Winternacht stehen und Dennis´Stimme lauschen. Aber leider entscheidet sich Dennis dazu, Fragen zu stellen. Erik will nicht reden, er will zuhören, den Moment genießen und einfach nur in Dennis´ Nähe sein.
“Der Einsatz war schon heftig” antwortet er. “Aber Ben war ja da und hat den Typen getakelt. Ich stand ehrlich gesagt nur da und habe gesichert” erzählt er. “Und dann begann alles zu zittern. Ich dachte in dem Moment nur an Ben, der stand einfach so da und hat mit dem Mann geredet, er hatte die Explosion gar nicht genau mitbekommen” er weiß selbst nicht, warum er Dennis das alle nochmal erzählt. Aber irgendwie fühlt es sich gut an alles loszuwerden. Sein Blick schweift in weite Ferne, als er an diesen Moment zurückdenkt. “Ich hatte so Angst, Dennis. Einfach nur Angst. Und dann hat sich mein Hirn ausgeschaltet und das reingeprügelte Training übernahm meine Bewegungen: Partner schützen. Ich bin einfach auf ihn zu, wollte ihn vom Brandherd wegziehen. Und im nächsten Moment lag er schon auf mir.” Erik sieht wie Dennis schwer schluckt und blinzelt überrascht. “Und dann prasselte alles auf uns nieder. Ich dachte, ich ersticke an dem ganzen Staub und Steinkrümeln in meinem Mund. Das nächste was ich wahrnahm, war Toms Taschenlampe. Ich wollte rufen, auf mich aufmerksam machen, schreien, dass wir hier liegen. Aber es ging nicht, kein Ton verließ meinen Mund. Tom kam näher, die gelben Jacken der Rettungscrew waren zu sehen. Ich dachte nur: du musst durchhalten. Ich habe es ihm nie erzählt, aber Ben lag genau auf der Hauptader meines Beines, zerquetschte es fast. Seine Weste drückte fest gegen meine Rippen. Als Tom ihn vor mir runterzog, verlagerte er das Gewicht so, dass Bens Rekorder in meinen Brustkorb schneidete. Bitte, sag es ihnen nicht. Sie haben mir da unten das Leben gerettet. Ich will nicht, das die beiden sich noch zusätzlich unnötige Vorwürfe machen” leise endet Erik mit seiner Erzählung.

Verwundert über sich selbst, dass er einem fast Fremden so viel und so persönliche Dinge erzählt, traut er sich doch, aufzublicken. Interessiert es ihn überhaupt? Was ich fühle. Er wollte einen schönen Abend verbringen und ich vermassel es. Toll gemacht, Erik. Echt super schimpft er mit sich selber. “Entschuldige, dass ich dich so voll heule. Du hast bestimmt schon viel schlimmeres erlebt und hältst mich jetzt für zu weich für unseren Job” senkt er geknickt den Kopf. Aber Dennis überrascht ihn: schlanke, weiche Finger fassen unter sein Kinn, zwingen ihn auf zu blicken. Eriks Augen wandern unruhig hin und her, versuchen im Gesicht gegenüber etwas zu lesen. “Danke, dass du mir das alles erzählt hast. Beinahe verschüttet zu werden ist ein heftiges Erlebnis. Ich halte dich, ehrlich gesagt, für ziemlich stark, dass du sogar noch Ben gerettet hast. Ich wäre wahrscheinlich einfach weggelaufen. Beine in die Hand und ab dafür” lächelt er sanft. “Ja ist klar” lacht Erik und legt seine Finger auf Dennis´Hand, die auf seine Wange gewandert ist. Dennis blickt ihm tief in die Augen, löst ein Kribbeln im ganzen Körper aus. Erik fixiert wie gebannt die Augen von Dennis, spürt wie er innerlich zur Ruhe kommt. Seine Nerven beruhigen sich, er beruhigt sich. Alle Probleme rücken in weite Ferne, hier und jetzt zählen nur diese unglaublich blauen Augen. Wann ist seine andere Hand an meiner Hüfte gelandet?

Plötzlich ertönt ein leises rascheln, dann “Aua” und der Busch etwas weiter entfernt wackelt verdächtig. “Pscht” sagt der Busch. Wackelt wieder, als ein “Was machen sie denn jetzt? Paul, ich seh nix mehr, rück rüber” ertönt.

“Aua, mensch. Pass doch auf” das ist Ben.

“Was denn” schallt patzig die Stimme von Flo herüber “mach dich nicht so breit Benny. Haben sie sich geküsst, Paul?”

“Nein, haben sie nicht” sagt Dennis laut, als Erik und er am Busch angekommen sind. Ertappt frieren die drei im Busch ein. Durch ihre Kabbelei haben sie nicht mitbekommen, dass die beiden näher geschlichen sind.  

“Der Busch ist größer als ich dachte” ist Eriks einziger Kommentar. Dennis schaut ihn verdutzt an, fängt an zu lachen.

“Und jetzt verschwindet” sagt Erik, nickt mit dem Kopf richtung Haus und die drei verziehen sich mit hängenden Schultern ins Warme. Kichern und tuscheln wie die kleinen Kinder. Erik blickt ihnen nach bis sie in der Dunkelheit verschwunden sind, dreht sich dann zu Dennis um. “Entschuldige bitte, aber sie können es einfach nicht unterlassen mich abzusichern” rechtfertigt er schuldbewusst.

“Naja, die Stimmung ist versaut. Aber so weiß ich wenigstens, dass sie auf dich aufpassen, wenn ich es nicht kann” flüstert Dennis, die Lippen nah an Eriks Schläfe. Dem läuft schon wieder ein wohliges Kribbeln den Rücken hinunter. Die Wärme breitet sich in seinem Körper aus, hinterlässt ein wohliges Gefühl in seiner Magengegend. Er lehnt sich leicht an Dennis, legt seinen Kopf auf dessen Schulter und blickt nach oben zu den Sternen. “Ich könnte ewig mit dir hier so stehen” schwärmt er. Dennis drückt ihn mit der Hand an der Schulter näher an sich. “Das machen wir lieber mal irgendwann im Sommer” schmunzelt er “Wir gehen lieber wieder rein, bevor sich einer von uns erkältet.” Er führt Erik langsamen Schrittes mit den Armen um die Schultern gelegt hinein ins warme Haus.

“Ist das ein Date?” fragt Erik schelmisch grinsend, als sie wieder im schummrig beleuchteten Flur stehen und sich die Schuhe abstreifen. Dennis nimmt ihm die Jacke von der Schulter, streift mit seiner kalten Hand leicht über die warme Wange. Kann immer noch nicht fassen, dass Erik ernsthaftes Interesse zeigt.

“Definitiv” flüstert er.
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