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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
11
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Dieses Kapitel
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17.03.2020 1.813
 
Der Tag beginnt wie jeder andere auch im Hause Sindera-Sturm.

Robin wacht ausgeruht auf. Gibt Stephan einen Guten-Morgen-Kuss und verschwindet im Badezimmer. Als er anschließend in die Küche kommt um das Frühstück vorzubereiten, nickt ihm sein Bruder nur verschlafen zu.

Das sie alle nur Augenblicke später hellwach sind und Leben retten, kann noch niemand ahnen.

Plötzlich hören sie von oben einen dumpfen Schlag. Stephan schreit, eine hohe Stimme schickt Kreischtöne durch die gesamte Wohnung. Max und Robin schießt es eiskalt durch den Körper. Sie schauen sich entsetzt an, dann rennt Max die Treppe nach oben. Robin fliegt regelrecht hinterher. Im Schlafzimmer angekommen bleiben sie wie gelähmt im Türrahmen stehen. Vor ihnen bietet sich ein furchtbarer Anblick: Franzi steht wie im Wahn mit erhobenen Armen breitbeinig über Stephan, in der Hand eine Bratpfanne, bereit zum Schlag. Stephan liegt, mit blutender Platzwunde am Kopf, verheddert in der Bettdecke auf dem Fußboden. Allem Anschein nach ist er aus dem Bett gefallen, nachdem Franzi ihm mit der Bratpfanne einen übergezogen hat.

"Jetzt wirst du büßen! Keiner kommt ungeschoren davon. Keiner kommt mit dem Wissen um die Saltatio-Bruderschaft einfach so davon" schreit Franzi völlig außer sich vor Wut und will erneut zuschlagen. "Du kommst uns nicht in die Quere. So ein Wurm wie Du wirst uns den Plan nicht versauen!" droht sie weiter mit tiefer Stimme.

Robin reagiert als erster und rast über das Bett auf die beiden zu. Er stürzt sich auf Franzi, haut sie um. Diese lässt getroffen von dem plötzlichen Stoß die Pfanne fallen, schlägt anschließend der Länge nach auf dem Boden auf. Max kommt hinzu, hält sie fest. Er hat oft genug den Geschichten seines Bruders gelauscht um zu wissen was nun passieren muss, was den Beamten in so einer Situation am meisten hilft. Robin wendet sich Stephan zu, besieht sich besorgt dessen Kopf und fragt nach Anzeichen eines Schädel-Hirn-Traumas. Er versucht so gut es geht mit der Bettdecke die Blutung zu stoppen. Panisch bemerkt er, wie Stephan immer weiter in die Bewusstlosigkeit driftet. "Stephan!" schreit er schon fast "Schatz. Bleib bei mir. Bitte. Oh Gott. Was…" er muss ordentlich schlucken. "Schatz. Hey. Bleib bei mir!" schreit er Stephan an.

Der reagiert nicht mehr.

Panisch schaut sich Robin nach einem Handy um. RTW. Ich brauche einen RTW sind die einzigen Gedanken, die in seinem Kopf ablaufen. Er legt Stephan so gut es geht in die stabile Seitenlage und befiehlt seinem Bruder bei ihm zu bleiben. Er selbst rennt hinüber auf seine Bettseite, das Handy auf dem Nachttisch ruft automatisch den Rettungsdienst. So kommt es Robin jedenfalls vor, denn wirklich viel bekommt er im Moment nicht mit. Seine ganze Sorge gilt Stephan.

Während Robin den Rettungsdienst anruft beugt sich Max, Robins Anweisung folge leistend, über Stephan. Versucht ihn soweit es geht zu stützen und die Schmerzen erträglicher zu machen.

Er bemerkt plötzlich aus dem Augenwinkel, wie Franzi klammheimlich versucht, sich aus dem Staub zu machen. "Hey" schreit er ihr nach "bleib gefälligst hier!" ruft er. Sprintet dabei die Treppe hinunter nach draußen, Franzi hinterher. Er rennt die Straße entlang. Rechts um die Ecke und dann den Rhein entlang verfolgt er sie, bis sie auf einen belebten Teil Kölns treffen. Der kalte Wind schlägt ihm entgegen, Schneeflocken behindern seine Sicht. Nach etwa vier Minuten hat er sie aus den Augen verloren. Verdammter Mist denkt er ärgerlich entwischt. Aus einiger Entfernung hört er plötzlich empörte Aufschreie. Franzi dort vermutend, rennt er den aufgebrachten Stimmen nach. Als er außer Atem bei dem Tumult eintrifft, kommt er schlitternd vor umgefallen Obstkisten, einem Mann in grüner Schürze mit Blut im Gesicht und vor Wut erhobener Faust zum stehen. Der Obstverkäufer deutet nur mit ausgestreckter Hand in die Fluchtrichtung von Franzi. Max schreit ein "Danke" und rennt weiter. Der Mann hinter ihm lässt weiterhin wilde Beschimpfungen los und beginnt damit, die Bananen wieder einzusammeln. Max folgt der Spur aus zornesroten Passanten, umgekippten Stühlen und aufgebrachten Schreien quer über den Wochenmarkt. Aber Franzi ist schneller. Noch, denn in dem dichter werdenden Schneetreiben ist es beinahe unmöglich eine gute Orientierung zu behalten. Hinderlich sind außerdem die vielen Menschen, Marktstände und der Boden, der immer rutschiger wird.
Viel zu spät wird Max bewusst, dass er keine Jacke an hat und nur Hauslatschen an den Füßen trägt. Seine durchweichten, kalten Socken kündigen eine Erkältung im Eiltempo an.

Robin steht völlig aufgelöst und merkwürdig hilflos im Schlafzimmer und beobachtet seine Kollegen vom Rettungsdienst. Sich so hilflos zu fühlen ist eine neue, negative Erfahrung für ihn. Allein die Tatsache dass er den Notarzt kennt, hält ihn davon ab, alle von Stephan wegzuziehen um selbst zu helfen. Phil Funke hat ihn irgendwann vorhin gefragt, ob er die Blauen dazu rufen soll. Mit den Gedanken ganz bei Stephan hat er nur den Kopf geschüttelt und gemeint, er gehe nachdem Stephan abtransportiert wurde direkt zu seinen Kollegen. Phil nickt, schaut Robin einmal in die Augen und streicht ihm beruhigend über den Arm. Was zur Hölle ist hier passiert? Was ist in Franzi gefahren? Was hat Stephan herausgefunden? rasen die Gedanken nur so durch Robins Kopf und geben einfach keine Ruhe.
Auf einmal stellt sich bei ihm so etwas wie der "Profi-Modus" ein: Sein Kopf blockiert sämtliche Gefühle. Wie ferngesteuert nimmt er alles auf, schnappt sich sein Notizbuch und notiert alles, was hier passiert ist. Schließlich drückt er Stephans Hand als dieser auf der Trage im RTW liegt.

Der Spanier konnte das Haus auf eigenen Beinen verlassen, alles andere würde Stephan aus Stolz auch nicht zulassen. "So schlimm ist es nun auch wieder nicht" hat er gesagt. Auf die Einwände des Rettungsdienstes, er sei ohnmächtig gewesen, ging er gar nicht erst ein. Er bestand darauf, aufrecht in den RTW zu gehen.
Dort war er aber doch froh, sich hinlegen zu können. Es drehte sich alles, die Stimmen um ihn herum verschwammen und übel war ihm auch. Von den höllischen Kopfschmerzen wollte er gar nicht erst anfangen.
Er drückte die Hand seines Mannes, als dieser ihm sagt, er würde zur Wache gehen und von dort alles regeln. Robin versprach ihm, direkt danach ins Krankenhaus zu kommen. Stephan nickt leicht, was eine weitere Übelkeitswelle auslöst und spürt einen federleicht Kuss auf seiner Stirn. Zufrieden brummt er. Dann ist Robin schon aus dem RTW verschwunden und Stephan merkt, wie sich alle zur Abfahrt bereit machen. Er hört noch, wie Phil und Robin sich unterhalten, dann schläft er ein.

Robin verspricht Phil, so schnell es geht ins Krankenhaus zu kommen und Sachen für Stephan zu bringen. Der liegt nämlich in Boxershorts und langer Schlafhose auf der Liege. Phil nickt, beruhigt Robin noch einmal dass alles gut werden wird und verschwindet zum NEF.

Robin zieht sich an, schnappt sich eine Tasche und packt ein paar Klamotten, den Kulturbeutel und Stephans Buch vom Nachttisch ein. Wer weiß, wie lange er im Krankenhaus bleiben muss. Robin schließt alles sorgfältig ab und fährt mit dem Auto zur Wache.

Max hat inzwischen aufgegeben. Bei dem einsetzenden Schneetreiben und der Aussichtslosigkeit seiner Verfolgungsaktion ist er auf dem Weg in Richtung Haus seines Bruders. Franzis komplette Sachen, Ausweis und Handy sind schließlich dort. Irgendwann wird sie wiederkommen, spätestens wenn sie abhauen will.
Am Haus angekommen beruhigt er sich ein Stück mehr, als er sieht, dass die Haustür geschlossen ist. Dann ist wohl alles gut gegangen und sie mussten nicht ins Krankenhaus. Beim betreten des Hauses schlägt ihm eine gespenstige Stille entgegen. Normalerweise ist immer Trubel in diesem Haus, doch jetzt ist es beunruhigend leise. Er geht nach oben ins Schlafzimmer, registriert den zerwühlten Zustand des Bettes.
Das Blut auf den Laken, die Überreste der Verbandsverpackungen und die Leere des Hauses im allgemeinen lassen Panik in Max aufsteigen. Was ist hier passiert? "Robin!" schreit er völlig außer sich. "Robin!" Er stürzt in den Flur, öffnet die Tür zum Badezimmer. Auch leer. Er läuft die Treppe runter, zieht sich komplett fertig an und sucht dann das Haus ab. Alles leer. Keller? Fehlanzeige. War Franzi etwa wieder hier? Hat sie die beiden mitgenommen?
Völlig aufgelöst und in grenzenloser Panik greift er zum Handy und ruft Robin an. Mailbox. Ich muss zur Wache, die wissen doch immer wo jemand steckt. Die können doch bestimmt das Handy orten oder so.
Max rennt aus dem Haus, diesmal in schneetauglicher Bekleidung und fährt mit dem Auto zur Wache. So schnell es geht, ohne wirkliche Rücksicht auf die Verkehrsregeln jagt er durch Köln, zum Glück ist es bis zur Wache nicht weit.

Robin sitzt derweil im Auto und grübelt nach. Die lange Wartezeit an einer roten Ampel kann er dazu gut nutzen. Nach einiger Zeit muss er sich selbst eingestehen, dass er keine Ruhe finden wird, bis er bei Stephan im Krankenhaus war und sich selbst davon überzeugt hat, dass es seinem Mann gut geht. Nervös dreht er den Ehering an seinem Finger und kapituliert schließlich vor sich selbst. Er schlägt bei Grün der Ampel den Weg zum Krankenhaus ein. Bis Dienstbeginn sind es schließlich noch zwei Stunden, erst dann werden sich die Kollegen fragen, wo sie sind. Mit einem doch irgendwo schlechten Gewissen, weil er seine Kollegen nicht einweiht, fährt Robin zum Krankenhaus. Schließlich sind sie alle so etwas wie Freunde, da würde er auch wissen wollen, wenn etwas passiert ist.

Am Krankenhaus angekommen, wappnet er sich gegen die aufkommenden Schatten in seinen Gedanken. Es ist gar nicht so lange her, da hat er Moritz hier in einem grausigen Zustand abgeholt. Nach einer besonders schlimmen Attacke seines "Freundes" hatte Moritz ihn angerufen, weinend, verzweifelt, einsam. Er hat Robin gebeten ihn abzuholen. Seit diesem Tage und diesem Anblick, wollte Robin am liebsten nie wieder einen Fuß in ein Krankenhaus setzten. Da wird er sich in nächster Zeit zusammenreißen müssen.

Die Schwester am Empfang gibt ihm die Zimmernummer. Auf der richtigen Ebene angekommen, informiert ihn eine weitere Schwester, dass er gerade nicht zu Stephan kann. Der behandelnde Arzt führe Tests durch, er darf nicht stören. Dass er der Ehemann ist, bringt ihm leider gar nichts.
Auch gut denkt Robin dann fahre ich jetzt zur Wache. Er übergibt der Schwester die Tasche für Stephan, sie verspricht diese bei dem Patienten abzugeben.

Als er auf dem Gelände der Wache ankommt, biegt er auf den Parkplatz für Mitarbeiter und schließt mit fahrigen Bewegungen sein Fahrzeug. Die gesamte Fahrt über haben sich Ängste und Sorgen in sein Gehirn gefressen. Die Sorge um Stephan nahm den größten Teil seiner Gedanken ein, danach die Angst was die ganze Aktion von und mit Franzi zu bedeuten hat. Sind sie wirklich in ernsthafter Gefahr?

Gedankenverloren betritt er die Wache und wird von Tom ohne viele Worte in das Anzeigenbüro gegenüber geschoben. Wiebel tritt hinter ihm ein und schließt die Tür. Moritz schaut überrascht auf, dann ertönt ein erleichterter Aufschrei und Max hängt in seinem Armen.
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