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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
11
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Dieses Kapitel
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20.02.2020 2.143
 
Eine Woche war seit der versuchten Entführung Moritzs und der Öffnung des Briefes vergangen.

Eine Woche war vergangen, seit Ben ungekämmt und mit dem Hemd noch in der Hand auf der Wache erscheinen war.

Seit einer Woche geistert Tom wie abwesend durch die Gänge und freute sich jedes Mal, wenn er Innendienst machen sollte.

Klaus Wiebel fragte sich in dieser Woche immer wieder, wie diese Chaostruppe es überhaupt jemals schaffte Ordnung in die Welt draußen zu bringen - hier auf seiner Wache war es ein unmögliches Unterfangen. Moritz wurde von Tag zu Tag verzweifelter und fragte bei jeder Gelegenheit, ob er Tom auf seine Laune ansprechen sollte. Da aber niemand wusste, worum es ging und was dem großen Tschechien so die Laune verhagelte, fiel die Hilfe leider etwas mau aus. Am Ende der Woche war Moritz sauer auf alles und jeden. Fühlte sich alleingelassen mit seinem Problem und drehte fast durch, als er mit Tom zum Innendienst eingeteilt war - nun war er auch hier der miesen Laune seines Partners ausgesetzt.

Mit Erleichterung dachte Klaus daran, daß Erik wieder auf die Wache zurückgekehrt ist. Dieser brachte durch seine Art immer etwas Frieden in die Wache. Eriks Nase war noch Blau und sein rechtes Auge zierte ein Veilchen, aber er war wieder topfit und fuhr mit seinem selbsternannten Bodyguard Ben "The Bulldog" Decker Einsätze.
Ben passte die ganze Woche wie eine Mischung aus großer Bruder und überfürsogliche Glucke auf Erik auf. Der ertrug es mit einer bewundernswerten stoischen Ruhe und Beschwerte sich doch tatsächlich nie. Bis eines Tages Ben ihm tatsächlich nach einem blutigen Einsatz zum Hemdenwechsel in die Umkleide folgte. Er wollte sich selbst überzeugen, dass der kleine sich keine Wunden zugezogen hatte und ihn nur abeimmelte. Keiner der anwesenden Kollegen wusste genau was passierte, doch Ben kam kurze Zeit später geknickt die Treppe hoch, verschwand im Büro und war für niemanden zu sprechen. Erik wurde selbstverständlich belagert als er wenig später in sauberer Uniform wieder in die Wache trat. Doch er schwieg und erklärte nur, dass Ben und er sich geeinigt hätten. Erik, ruhig wie er war, lief in die Küche, kochte sich einen Tee und verschwand so verschwörerisch grinsend im gemeinsamen Büro, dass der Flurfunk namens Paul vor Neugier beinahe kollabierte. Paul stand gerade mit einem großen Pott Kaffee bei Muri in der Funkzentrale, als ein Funkspruch von Florian kam. Paul wollte eigentlich rausfinden, ob Muri etwas aus Tom herausbekommen hatte. Aber der Türke stellte Pflicht vor Tratsch und ignorierte den neugierigen Deutschen.

>>15/01 für den 15/23<<
>>der hört dich<<
>>schick bitte einen RTW und ein NEF zu unserem Einsatzort. Herr Schneider braucht dringend medizinische Versorgung. Wir kommen mit einer Zuführung rein, bitte schonmal weibliche Kollegin bereitmachen.<<
>>Ist verstanden. RTW und NEF sind unterwegs. Die abgefragt Person ist positiv. Alles weitere auf der Wache.<<
>>Verstanden<<


Nervös schaute Muri zu Paul. "Man man man. Was da wohl wieder passiert ist?"
"Hoffentlich alle Jungs von uns heile. Tom verkraftet nichts mehr, was an sein Umfeld und seine Nerven geht. Der geht aufm Zahnfleisch, ja, da kann er nichts mehr ab. Bitte verschone ihn diese Woche ein bisschen mit deinem Charme" bittet Muri zum Abschluss, denn Paul wurde durch den Summer nach vorne gerufen. In der Tür steht Fabian, erholt und braun gebrannt aus dem Urlaub zurück. "Moin ihr Landratten. Na habt ihr mich vermisst? Liebe Grüße von meinem Vadder, der redet in einer Tour von euch. Beziehungsweise eigentlich nur von Moritz. Der Kleine hat ihm ganz schön die Laune verhagelt. Mein Vadder schimpft immer noch auf ihn, dass er ihm den Urlaub mit der Anzeige versaut hätte" lacht Fabian. Sein Vater hat Moritz angeklagt, denn er hätte ihm im Versuch in sein eigenes Haus zu kommen gehindert und absichtlich an der Leiter gerüttelt was zur Folge hatte, dass er von dort hinunterfiel. Das es sich tatsächlich um das Haus von Herrn Schulz handelte, konnte keiner der anwesenden Polizisten ahnen. Dementsprechend blieb die Anzeige liegen und Klaus ging stark davon aus, dass sie fallengelassen wird. Die Stimmung zwischen den beiden Kollegen war seitdem angeknackst.

Muri löste sich kurz vom Funk, lief an Klaus Wiebel vorbei und ging sich in der Küche einen Kaffee holen. Er ertappte Tom dabei wie er gedankenverloren aus dem Fenster starrte. Mit einer vollen Tasse stellte er sich neben seinen langjährigen Streifenpartner und besten Kumpel und schaute ihn an. Tom dreht den Kopf, nahm ihn endlich war und schnaubte verächtlich. "Komm mir nicht mit diesem Blick. Ich weiß doch selbst nicht was Sache ist. Hast du heute Abend Zeit auf ein Bier in der "Roßschänke"? Ich glaub, ich brauche mal deinen Rat." Muri überlegt kurz, nickt dann. "Sollte machbar sein. Anna ist mit den Kindern bei ihrer Mutter und wir beide gehen was trinken. Dann kannst du auch mal erzählen, was bei dir so schlechte Laune hervorruft. Das hält man ja nicht mehr aus mit dir. Sei froh, dass der Kleine dich wirklich liebt. Jeder andere wäre längst weg" mit diesen Worten dreht Muri um, der Funk wartet nicht. Robin und Stephan kommen in die Wache, lachen über einen Schmankerl, den Paul zur Begrüßung raushaut. Muri klatscht zur Begrüßung bei allen ein, nimmt nebenbei war wie Erik ins Büro geht. Er läuft an Paul am Tresen vorbei in Richtung Funke.

Klaus Wiebel sitzt in seinem Büro und schreibt den Dienstplan für den nächsten Monat. Wenn es so weitergeht brauche ich bald andere Kollegen hier. Mit den Chaoten ist kein Blumentopf zu gewinnen. Ständige Wechselwünsche machen es irgendwie nicht wirklich einfacher. Wie zur Bestätigung seiner Worte hört er von draußen im Flur ein großes Gelächter aufbrausen. Neugierig wie ein Polizist nunmal ist, steckt er den Kopf zur Tür hinaus und kann nur genervt aufstöhnen und den Kopf schütteln. Augenverdrehend kommt er schließlich vor einem klitschnassen, aber wirklich durchtränkten Moritz zum stehen. Florian, der hinter Moritz in die Wache getreten ist, kann sich das Lachen kaum verkneifen. Paul, mit hochrotem Kopf, führt gerade mit Robins Unterstützung eine sturzbesoffene Kundin ins Büro von Breuer und Winter.

Stephan, der Robin nur auf dem Weg zum Einkaufen hier zum Dienst abgesetzt hat, verschwindet grinsend und kopfschüttelnd wieder nach draußen.

"Tom" ruft Florian. Entsetzt schaut Moritz ihn an. "Bist du wahnsinnig? Wage es nicht ihn herzuholen. Der reißt mir den Kopf ab, man" motzt Moritz rum. "Warte ab was der DGL dazu sagt. Der reißt dir den Kopf ab" lacht Florian und winkt Tom herüber, der im Flur aufgetaucht ist. Tom kommt näher, sieht seinen Partner, kann das Lachen was seine Kehle hochsteigt nicht zurückhalten. Und dann wird er sauer. So ernst und gleichzeitig besorgt haben seine Kollegen ihn noch nie gesehen. Moritz erwartet eine Standpauke. Warum er nicht besser aufpasst, so unprofessionell kann man nicht sein, er solle versetzt werden. Mit gruselig ruhiger Stimme fragt Tom aber nur: "Was ist geschehen?" Moritz schaut betreten zu Boden, er hält dem enttäuschten Blick seines Partners nicht mehr stand. Vor Scham tiefrot verschwindet er in seinem Büro. "Muss aus den Sachen raus. Ganz schön kalt" murmelt er beschämt. Und recht hat er: bei 3°C Außentemperatur wäre wohl jedem mit nassen Klamotten bitterkalt.

Florian fängt an zu lachen. Als er wieder Luft bekommt berichtet er den gespannten Kollegen mit Lachtränen in den Augen was im Einsatz passiert ist. "Wir sind zu einer Ruhestörung im Hotel Schneider gerufen worden. Dem Rezeptionisten wurde die Randale einer besoffenen jungen Frau zu viel. Er bekam sie einfach nicht unter Kontrolle. Also wir betreten das Hotel, kommt uns da schon eine Alkoholfahne bis nach Meppen entgegen. Die Dame sitzt auf dem Boden zwischen zerrissenen Gardinen, Akten und was weiß ich nicht alles. Blumen waren zu sehen, das Hemd des Rezeptionisten zerrissen, deutliche kratzspuren waren auf der Brust auszumachen. Im Gesicht eine ordentliches Veilchen, die Hand zum Schutz ausgestreckt. Er versuchte die junge Dame, die nun bei uns im Büro sitzt, davon abzuhalten weiteren Schaden anzurichten. Fenster hatte sie wohl auch eingeschlagen. Als Breuer die Personalien haben wollte, ist sie wieder ausgerastet. Wir habe beruhigend auf sie eingesprochen. Dann nahm sie allerdings das eingeschlagene Fenster hinter ihr zum Anlass, einen Fluchtversuch zu starten umsich der Personalienkontrolle zu entziehen. Breuer direkt hinterher, bekam sie aber nicht wirklich zu fassen. Beim Sprung durchs Fenster hat er sich die Hand verletzt. Aber tapfer wie er ist, sprintet der Kleine ihr hinterher. Sie rennt wie der Teufel, schlägt Haken und biegt unvermittelt nach rechts ab. Breuer konnte nicht mehr bremsen, reagierte zu spät und kracht volles Karacho in den Gartentisch. Ich dachte schon "das wars". Aber Moritz gab nicht auf. Er rappelte sich auf, klopfte die Hose ab und rannte weiter. Im Dunkeln achtete er nicht auf den Weg und plumpste mit vollspeed in den Gartenteich. Ich musste mich erstmal beruhigen, bis ich ihm helfen konnte." Beruhigen müssen sich jetzt alle auf der Wache. Wirklich jeder hat die Geschichte gehört. Moritz möchte am liebsten vor Scham im Boden versinken. Nachdem er seine Haare mit den Handtüchern notdürftig auf der Herrentoilette trocken gerubbelt hat, ging er ins Büro und nahm die Ersatzuniform aus dem Schrank. Zog sich auf der Toilette schnell trocken an und trat, doch irgendwie neugierig, wieder zurück in den Flur. Er bekam noch den letzten Satz aus Florian Schilderung mit, dann hörte er, wie alle anfingen zu lachen. Als er die tiefe Lache Toms hört, wird es in ihm ganz warm. Er kann wieder lachen. Zwar auf meine Kosten und zu keinem wirklich lustigen Anlass aber er kann wieder lachen. Das habe ich vermisst denkt er erleichtert. Irgendwo scheint der alte Tom doch noch zu schlummern.

Man mag es kaum für möglich halten, aber genau dieses Malheur von Moritz lockert die angespannte Stimmung der vergangenen Woche auf der Wache ungemein auf.

Robin entdeckt ihn zuerst, kommt breit grinsend auf ihn zu und klopft ihm auf die Schulter. Paul folgt und legt feierlich eine Hand auf Moritzs Schulter. "Voller Körpereinsatz, so will ich das sehen Kleiner" damit kehrt er wieder hinter seinen Tresen zurück und beginnt vergnügt in dem Akten zu wühlen. Erik wirft ihm einen anerkennenden Blick zu, nickt salbungsvoll und verschwindet wieder im Büro. Ben nimmt ihn kurz in den Arm. "Wenn du Unterstützung brauchst, sag einfach bescheid. Wir sind nebenan" Damit dreht auch der selbsternannte Bodyguard ab und verschwindet in der Küche. Klaus ist der nächste. "Vollen Einsatz erwarte ich immer. Trotzdem kommst du bitte bei Schichtende zu mir ins Büro." sagt er mit strengen Blick. So lustig manche Einsätze sind, so schnell können sie ins Auge gehen.

Das denkt auch Tom, als er endlich mit Moritz alleine im Flur steht. Er lehnt sich an den Türrahmen und blickt seinem blonden Partner lange an. Vorwürfe kann er ihm nicht wirklich machen. Er war in der letzten Woche auch nicht der Vorzeige-Partner gewesen. "Ich bin froh, dass dir nichts weiter passiert ist aber passe bitte in Zukunft besser auf dich auf. Ich will dich nicht aus dem Krankenhaus holen. Jag mir bitte nie wieder so einen Schrecken ein." Damit legt er Moritz kurz eine Hand an die Wange, lässt sie dort liegen und versinkt in dessen Augen. So viel hat er die ganze letzte Woche nicht zu mir gesagt schießt es Moritz durch den Kopf. Er lässt den Kopf sinken, drückt sich mit dem ganzen Körper kurz gegen Tom. Nimmt die Wärme des Größeren in sich auf und sammelt kurz Kraft um den weiteren Tag zu überstehen. Tom lächelt leicht und löst sich dann von seinem Partner. Streng erhebt er den Zeigefinger und redet ihm nochmal energisch ins Gewissen. Partner sind da um zu helfen, zu zweit koordiniert lässt sich so ein Einsatz ohne einen Wasserschaden auch beenden. Kopfschüttelnd begleitet er Moritz in sein Büro. Florian hat schon mit der Befragung und Belehrung der jungen Dame auf dem Stuhl vor ihm begonnen. Er verdonnert Moritz zum Schreiben und nimmt die Dame mit in den ED-Raum.

Tom geht in den Umkleideraum und entledigt sich seiner Uniform. Feierabend für heute, auf zum Bier mit Muri denkt er und beschwingten Schrittes verabschiedet er sich von den Kollegen auf der Wache. Mit einem Kuss auf die Wange verabschiedet er sich von Moritz. Dieser hat sich seinem Schicksal geschlagen gegeben und tippt lustlos die Anzeigen im Computer ein.

Auch Muri ist bereits bei der Übergabe der Tagschicht an Robin. Anschließend tippt er schnell eine Nachricht an Anna, damit sie Bescheid weiß. Er schält sich aus der Uniform, legt Straßenklamotten an und braust mit seinem Auto in Richtung Kneipe davon. Bin gespannt was Tom auf dem Herzen hat. Hoffentlich ist er nicht verletzt oder gar krank. Dann weiß ich nicht, was ich mache.
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