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Wie Sonnenblumen im Winter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
André Matthäus Ben Decker Florian Winter Robin Sturm Stephan Sindera Tom Mayer
27.11.2019
24.05.2020
90
140.547
11
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07.02.2020 1.631
 
In der Kneipe wurde der Feierabend ordentlich begossen. Die hölzernen Stühle und Tische in dem schummrig beleuchteten Raum, sowie die gemütliche Einrichtung der kleinen Kneipe, machten Lust auf mehr und ließen eine gemütliche, entspannte Stimmung unter den Gästen aufkommen. Der Wirt trug mit seinem mollige Körper und der rheinischen Freundlichkeit ein großes Stück dazu bei.

Auf den Schrecken in der Maßnahme genehmigte sich Moritz erstmal einen Schnaps. Er gab gleich eine Runde für alle drei aus. Sie unterhielten sich über alles, erzählten von amüsanten Erlebnissen in der letzten Zeit, Flo erzählte von seinen neuesten Eroberungen und Stephan klagte ihnen sein Leid, dass viel zu viele und viel zu junge Mädchen immer wieder was von ihm wollten. Moritz saß nachdenklich daneben. "Was ist los, Kleiner. Warum machst du so ein trübes Gesicht? Ist doch alles gut gegangen. Und das es der Vater von Fabi war, kann ja keiner ahnen. Außer Heidi vielleicht. Die Hessen kennen sich doch bestimmt untereinander, hier in Köln sind ja nicht so viele." versuchte Flo vorsichtig seinen Plan auszuführen. Erstmal abtasten was überhaupt los ist. Dann kann ich darauf aufbauen.

Stephan sah sich derweil die anderen Gäste an. Ein junges Paar erregte seine Aufmerksamkeit. Er saß mit dem Rücken zu ihm, während die Frau ihn nicht aus den Augen ließ. Immer wieder schaute sie hoch und mit ihrer Mimik gab sie ihm zu verstehen, dass ihr Gegenüber sie langweilt. In ihren Augen konnte Stephan die eindeutige Aufforderung lesen, dass er herkommen und sie erlösen sollte. Das machst du mal schön selber meine Liebe. Ich kenn dich nicht und werde bestimmt nicht freiwillig wieder in so ein Beziehungs-Dreieck reingezogen werden. Leicht grinsend wandte er sich wieder ab und unterstützte Florian, der bereits zum Necken übergegangen war. "Mach dir keine Sorgen, Kleiner." sagt er. "Jeder fängt mal an. Fabi wird dir nicht den Kopf abreißen. André vielleicht. In dieser Stimmung in der er ist, möchte ich ihn nicht verärgern". Moritz schaut geschockt auf. "Na, ich macht mir ja Mut. Danke auch. Für nix" schiebt er, leicht angepisst hinterher. "Wie gehts denn mit Tom? Alles paletti?" fragt Flo gerade nach als hinter ihnen ein Tumult entsteht.

Eine Frau kreischt auf, ein Mann versucht zu schlichten. Plötzlich hat er die Handtasche der Frau im Gesicht und hält sich fluchend die Wange. "Du Miststück. Was soll das!" regt er sich auf. "Weißt du überhaupt, wer ich bin?" "NEIN." kommt die prompte, schrille Antwort. "Aber wie du drauf bist, möchte ich das auch nie rausfinden." Damit dreht sich die junge Dame um und verschwindet nach draußen.
Alle drei Polizisten am Tisch atmen hörbar aus. Erleichterung macht sich breit.
Sie sind mit Leib und Seele Polizisten und helfen wirklich gern, aber manchmal ist Feierabend einfach Feierabend. Der Wirt kommt und verarztet den Mann. Die ruhige Stimmung kehrt zurück. Manchen Gästen klingeln immer noch die Ohren von der schrillen Stimme der Frau. Der verletzte Mann verlässt die Lokalität und wankt nach draußen. Moritz schaut ihm hinterher. Die kenn ich doch. Aber woher bloß?

Nach einer für ihn letzten Runde Bier für alle drei, verabschiedet sich Stephan. Er hat Frühschicht, da muss er leider relativ früh ins Bett. Seinen Plan verschob er auf das nächste Mal. Florian war inzwischen so betrunken, dass es anstrengend wurde. Er war einer der sentimental Sorte. Außerdem muss er noch das Frühstück für Robin vorbereiten. Das machten die beiden immer so: Der Nachtschichtler kocht Mittagessen und der andere bereitet das Frühstück vor.

Moritz und Florian wollten hingegen noch bleiben. Da sie zusammen Spätschicht haben, haben sie es nicht eilig nach Hause. Tom ist nicht da und auf Florian wartet niemand.
"Manchmal macht es mich fast depressiv, dass ich immer in eine leere Bude komme. Warum will mich denn keine?" leiert er schon angetrunken. Aus treudoofen Augen schaut er Moritz an. "Gibt es dich in weiblich?" Moritz muss auflachen. Dieser so urplötzlich in den Raum geworfen Satz verscheucht seine düsteren Gedanken und Schuldgefühle. "Ben will weg, Anna ist bei Muri und ich? Ich habe eine leere Wohnung und ein kaltes Bett. Das macht doch keinen Spaß." beschwert er sich im allgemeinen und schaut düster in sein Glas.

"Na komm, ich bringe dich nachhause. Du bist schon viel zu dicht, du hast morgen ja quasi einen Dauerkater" versucht Moritz vorsichtig, seine Kumpel zum gehen zu bewegen. Mit der Hand winkt er den Kellner heran. "Wir wollen bezahlen."

Mit einer Hand zur Unterstützung unter Flos Arm, taumeln beide lachend in die kühle Nacht hinaus. "Isch hab meine Jagge vergessen" kommt nuschelnd von Florian. Moritz verdreht kichernd die Augen. Das letzte Bier war echt spitze. So witzig war es schon lange nicht mehr und so wartete er vergnügt draußen, als Florian herumwankte und in den Gastraum zurück stolperte.

"Da bist du ja meine Liebe, mein Leben. Habe ich doch richtig gesehen. Deine Schönheit werde ich nie vergessen oder übersehen. Glaube nicht, dass du mir noch einmal entkommst. Ab heute werde ich dich nie wieder loslassen. Denn du gehörst mir. Und dein neuer kann dich doch sowieso nicht glücklich machen. Das kann nur ich, erkenne es doch endlich. Das was du mir angetan hast, dafür bestrafen ich dich später. Jetzt zählt nur, dass wir zusammen sind."
Als diese Stimme hinter ihm erklingt, wird Moritz mit einem Schlag nüchtern. Und gleichzeitig wird ihm schrecklich übel. Diese Stimme bringt alles zurück. Er fällt in den Gedankenstrudel von damals. Alle Dinge über Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung, Kraft und Stärke, die Tom ihn gelehrt hat und die er sich selbst in den letzten Monaten erarbeitet hatte sind für den Moment vergessen. Ihn überkommt die Angst, die Schmerzen der Schläge, die Scham und das Gefühl der Unterdrückung. Er duckt sich reflexartig.

Warum ist er draußen? Das darf doch nicht war sein. Eiskalt läuft es ihm den Rücken hinunter. Flo, wo bist du? Warum ist Stephan bloß schon gegangen? Was macht ER hier! Die Gedanken rasen nur so durch seinen Kopf, während er gleichzeitig betet, daß Florian ihm hilft und bitte genau jetzt rauskommt.


Mit seiner zurückgewonnenen Wärme um die Schultern macht sich Florian auf den Weg nach draußen. Er tritt durch die Tür und sieht sich nach Moritz um. "Mo? Wo bissn du?" fragt er erstaunt. "hassu dich versteckt? Hehehe das ist witziiiig"

Plötzlich nimmt er eine Bewegung aus dem Augenwinkel war. Rechts von ihm zieht ein muskulöser Mann einen blonden Jungen Mann in ein Auto. Der Blonde wehrt sich vehement dagegen an und schreit immer wieder: "Flo."

Moritz? denkt Florian. Blinzelnd versucht er klarer zu werden. Ach du scheiße! Mo!
Er rennt auf die beiden Männer zu und versucht Moritz von dem Unbekannten wegzuziehen. Erfolglos. Der andere ist einfach stärker. Mit einem gezielten Tritt in die Kniebeugen bringt er den Mann zu Fall. Endlich lässt dieser Moritz los und dieser flüchtet, stolpert auf die andere Straßenseite. Der Unbekannte brüllt laut auf. Wie ein verletzte Tier im Käfig, bäumt er sich ein letztes Mal auf und hebt den Arm, bereit zuzuschlagen. Florian kann sich gerade noch ducken und den Schlag mit den Armen abfangen. Durch die Wucht des Schlages landet er auf dem Boden, direkt unter dem wild gewordenen Mann. Dieser hebt zum finalen Schlag die Hand. Manisch schaut er auf Florian hinab. "Ihr bekommt ihn nicht." fiebert er im Wahn. Krank, einfach nur krank. Psychisch balabala. Komischerweise sind das die Gedanken, die Florian in dem Moment durch den Kopf schießen. Er sieht, wie der Mann über ihm die Hand hebt. In der Faust blitzt ein Messer.

Dann bricht das Chaos aus.

"Nehmen Sie sofort die Hände runter!"
"Lassen Sie das Messer fallen!"
"Runter auf den Boden!"
"Messer weg. Polizei!"
"Waffe runter oder ich schieße!"

Das Chaos was in den nächsten Sekunden ausbricht, wird übertönt von den Stimmen der eintreffenden Kollegen. André und Muri sind da. Ein zweiter Streifenwagen heult auf, blinkt sein blaues Licht durch die Nacht. Mit gezogener Waffe stehen sie hinter Florian, der mit dem Rücken auf dem Boden liegt und lassen den Mann vor ihnen keine Sekunde aus den Augen. Passanten schreien erschrocken auf und laufen verwirrt durch die Gegend. Der Wirt tritt aus seiner Kneipe und brüllt.

Moritz ist auf dem Gehweg zusammengesackt. Er sitzt auf dem Boden, die Arme um seine Knie geschlungen. Mit aufgerissenen Augen versucht er zu verstehen, was gerade passiert ist.

Florian rappelt sich auf. Nun ist er vollkommen klar. Er schleppt sich rüber zu Moritz und nimmt ihn einfach nur in den Arm. Nach einem kurzen Moment merkt er, wie Moritz sich entspannt und langsam seine Arme um ihn legt. "Wie kann...Was…ich verstehe nicht" stammelt der jüngere.
Florian hält ihn einfach nur im Arm. Er sieht, wie seine Kollegen dem Mann die Acht aufs Kreuz legen und zu ihrem Streifenwagen führen. Muri funkt mit der Leitstelle. André kommt zu ihnen, hebt Moritz einfach auf den Arm und trägt ihn zum zweiten eingetroffen Einsatzmittel. Florian läuft daneben und lässt den Hünen keine Sekunde aus den Augen. Gemeinsam sitzt er mit Moritz auf der Rückbank des Streifenwagens. Moritz blickt einfach nur apathisch aus der Wäsche. Keine Regung zeigt, ob er realisiert was um ihn herum passiert. Besorgt wirft Florian einen Blick nach vorne, sieht die Beendigung der Maßnahme durch Muri und beobachtet André, wie dieser dem Wirt dankt und die weiteren Schritte erklärt.

Dann kommt André auf ihren Wagen zu und setzt sich hinters Steuer. Muri fährt den anderen Streifenwagen zum Transport auf die Wache.

In kompletter Stille fahren sie zur Wache. Niemand sagt auch nur ein Wort.

Mit diesem schrecklichen Ausgang eines so sonnig begonnenen Männerabends hat keiner gerechnet.
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