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Horseland-Kurzgeschichten

KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
26.11.2019
29.03.2021
6
8.927
1
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Dieses Kapitel
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07.02.2021 1.305
 
Hey,
hatte mal wieder eine spontane Idee. Ist leider etwas länger geworden als gedacht. Deswegen gibt´s das in mehreren Teilen. Hauptcharakter ist (mal wieder) Will:D
Viel Spaß damit!
Lg
Cruella
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Lautes Geplapper erfüllte das Klassenzimmer. Der typische Geruch von Kreide, Seife und verschiedenen Deodüften bildeten seinen ganz eigenen Schulgeruch. Ein unsanfter Stoß gegen den linken Oberarm holte Will aus dem TicTacToe-Spiel auf einem linierten Collegeblock.
„Hey, ich gewinne gerade gegen Maya.“, murrte er den Störenfried an, während er seinen nächsten Kreis setzte
„Ha! Schon wieder gewonnen!“, rief seine braunhaarige Mitspielerin und setzte das entscheidende Kreuz.
„Na super. Herzlichen Glückwunsch. Schon wieder.“ Will´s Resignation brachte seine Mitschülerin zum Lachen. Um sich dem Triumph nicht weiter ausgesetzt zu fühlen, drehte sich der blonde Teeanager zum Störenfried um. Er blickte in das lachende Gesicht seines besten Freundes Joshua.
„Gib es auf. Du bist grottenschlecht in TicTacToe. Die fehlt einfach das strategische Denken.“, urteilte der Lockenkopf und brachte seinen Freund dazu, das Gesicht zu verziehen und sich mit dramatischer Geste an seinen linken Brustkorb zu fassen.
„Da ist man 16 Jahre lang befreundet und dann so was“
„Höre auf zu spinnen. Sag mir mal lieber, ob du die Bio Hausaufgaben gemacht hast.“
„Sag bloß, du hast die wieder nicht.“, nun zog Will skeptisch die Augenbraue hoch. Sein Gegenüber rieb sich verlegen den Nacken.
„War mit Kathrin unterwegs und haben die Zeit vergessen.“ Will warf einen kurzen Blick auf Joshuas Freundin, welche sich gerade angeregt mit Maya unterhielt und stöhnte leise auf.
„Zuerst mich kritisieren und dann mich nach meinen Hausaufgaben anbetteln, weil der feine Herr mit seiner rosaroten Brille nur an das eine denkt.“
„Ist das ein ja?“ Erwartungsvolle braune Augen trafen auf ruhige blaue.
„Okay“, gab Bennis Cousin nach,„Aber meine Bio Sachen sind im Spind. Die kannst du dir nach Englisch selber holen. Ich laufe garantiert nicht.“
„Du bist echt der Beste! Apropos Englisch. Mal sehen, wie unser neuer Englischlehrer so ist.“
„So lange er nicht so garstig ist, wie die letzte, dessen Namen ich mir nie merken konnte.“, kam es von Kathrin und erntete zustimmende Lacher.
„Niemand stand bei ihr besser als auf der Note drei.“, murrte Maya.
„Fast niemand!“, mischte sich nun auch ein Mitschüler aus der hinteren Sitzreihe ein,„Will stand bei ihr IMMER auf einer eins oder zwei. Ich glaube er gefiel ihr.“
Stöhnend bette Will sein Gesicht in seinen Händen. Das war nicht unbedingt sein Lieblingsthema. Dabei konnte er diese besagte Lehrerin genauso wenig leiden wie seine Mitschüler. Warum gerade er, vor allem mit seiner Legasthenie, so bevorzugt wurde, konnte er sich nie erklären.

„Guten Morgen!“, erschallte es plötzlich von vorne und kündigte so den Beginn des Englisch-Unterrichts an.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde schrieb der Lehrer mit Großen Buchstaben ein Wort an die Tafel :“Muttertag“.
„Ich wollte zum Einstieg mal etwas kreatives und was fürs Gefühl haben. Wie manche von euch wissen, ist nächste Woche Sonntag Muttertag. Ich bin ja absoluter Fan davon. Das erinnert uns doch immer wieder daran, dankbar zu sein, so wunderbare Frauen an seiner Seite zu wissen. Nicht wahr?“
Zustimmendes Nicken kam aus der Reihe der Schüler.
„Also, was eure Aufgabe ist: Ihr sollt bitte jeder ein individuelles Geschenk für eure Mutter gestalten. Ob Bild, Gedicht oder Schmuckstück. Eurer Fantasie ist keine Grenze gesetzt. Nur zwei Bedingungen habe ich. Erstens, es soll Gefühl ausdrücken und zweitens, es muss für eure Mutter sein. Nicht für euren Vater, Schwester oder Ähnlichen. Nein, für eure Mutter.“
„Aber meine Mum und ich sind momentan nicht so grün miteinander.“, kam es prompt von hinten.
„Muss das wirklich für die leibliche Mutter sein?“, kam es nun auch von Will.
Der junge Lehrer sah die beiden streng an.
„Liebt ihr eure Mütter.“ Gehorsam wurde genickt.
„Na also. Ja es muss für die Mutter sein.“
„Aber...“
„William Alexander! Möchtest du gleich am ersten Tag zum Direktor?“
„Natürlich nicht.“, murmelte Will zerknirscht und sah seinen besten Freund an, welcher seinen Blick besorgt erwiderte.
„Der kennt ja echt kein Pardon. Soll ich mal mit ihm reden?“ Joshuas Worten folgte Will´s ehrliches Lächeln.
„Nein, danke. Weis ich zu schätzen, aber geht schon.“
„Okay, aber du schließt dich jetzt nicht wieder auf´m Klo ein, oder?“, fragte Will´s bester Freund noch einmal besorgt und erinnert den Reitlehrer so an eine Situation vor einigen Jahren

Flashback
„So meine Lieben. Heute basteln wir zusammen, okay?“ erwartungsvoll sah die Kunstlehrerin ihre zehnjährigen Schüler an.
„Was basteln wir denn?“, wurde hineingerufen und brachte die Frau so zum Lachen.
„Wir basteln ein Windspiel. Das macht dann schöne Töne, wenn es draußen windig ist.“
Begeisterungsrufe erschallten im Raum. Lachend hob die Frau die Hände
„Einen kleinen Moment noch Ruhe bitte! Ich möchte bitte, dass ihr das für eure Mama bastelt. In vier Tagen ist ja Muttertag.“
„Das möchte ich nicht.“, kam es leise aus der mittlere Reihe.
Verwundert sah die Pädagogin den blonden Jungen an.
„Was möchtest du nicht, William?“
„Das Ding für Mama basteln. Darf ich eins für meinen Cousin machen? Benni mag Musik.“
„Nein, das kommt nicht in Frage. Jeder soll es unter den selben Voraussetzungen machen. Und das bedeutet für die Mütter.“
„Nein! Das macht keinen Sinn.“, Will´s kindliche Stimme wurde lauter und dünner.
„William, hör auf zu schreien. Sonst muss ich deine Eltern über dein Verhalten informieren.“, mahnte ihn die Frau. Tränen traten in Will´s Augen.
„Tun Sie das doch. Mama und Papa sind eh tot!“, aufgelöst sprang der Junge auf und verbarrikadierte sich in einer Kabine der Schultoilette. Erst Joshua und dann die dazu kommende Eva brachten ihn dazu, die Tür aufzuschließen und sich in deren Armen zu begeben.


„Hey Großer, wie war die Schule?“, lächelnd begrüßte John seinen Neffen, als dieser die heimische Küche betrat.
„Ganz okay.“, meinte dieser und wurde prompt mit einer hochgezogenen Augenbrauen bedacht.
„Was ist los?“, sanft nahm der Mann Will an den Schultern und drückte ihn auf einen Küchenstuhl. Dann setzte er sich gegenüber hin. Will seufzte leise und dachte einen Moment nach.
„Was würdest du einer toten Person schenken, wenn du ihr was schenken müsstest? Ich weiß, das macht absolut keinen Sinn, weil sie ja gerade von kleinen Lebewesen zersetzt wird, aber wenn man trotzdem muss.“
„Wovon zum Teufel redest du?“ John war völlig verwirrt und legte seine Hand auf die etwas kleinere von Will. Dieser seufzte erneut.
„Mein neuer Lehrer möchte unbedingt, dass wir Muttertagsgeschenke machen. Er besteht drauf, dass wir das für unsere leibliche Mutter machen.“ Nun nickte John verstehend.
„Und du hast ihm nicht erzählt, dass du Waise bist?“
„Er lies mich nicht. Er fragte mich stattdessen ob ich Mum nicht liebe. Natürlich tue ich das, aber sie ist halt verstorben. Du und Eva seit jetzt irgendwie zu meinen Eltern geworden. Ich möchte Mum und Paps keineswegs ersetzen, aber es fühlt sich irgendwie so an. Nun bin ich komplett verwirrt Das fühlt sich so an, als würde ich die beiden betrügen oder so. Affig oder?“ Als Will wieder in Johns Gesicht sah, sah er Tränen in den Augen des Mannes aufblitzen.
„Alles okay?“ Augenblicklich machte sich Will Vorwürfe, John mit seinen Problemen belästigt zu haben. Gleichzeitig suchte er fieberhaft nach de Worten, welche eine solche Reaktion bei seinen Onkel verursacht haben möchte.
Johns Hände, welche nach seinen Schultern griffen, brachten Will wieder in die Realität zurück. Erst jetzt bemerkte er, dass sich der ältere Mann vor ihn hockte.
„Du siehst uns als deine Eltern?“, fragte er nochmal nach, was seinen Neffen zum unsicheren Nicken veranlasste. Johns Mundwinkel verzogen sich zu einem Strahlen.
„Daran ist gar nichts verkehrt. Hörst du? Wenn deine Eltern das wüssten, wären die überglücklich. Glaube mir! Und Eva und ich haben dich unglaublich lieb.“ Mit den Worten schloss der Mann den jüngeren in die Arme, welche die Umarmung erwidert.  Nach einiger Zeit löste Will die Umarmung und sah seinen Pflegevater mit einem schrägen Lächeln an.
„Mein Problem bleibt aber: Was schenke ich einer Verstorbenen?“
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