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Horseland-Kurzgeschichten

KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P12
26.11.2019
04.08.2020
3
4.441
1
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5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
26.11.2019 1.472
 
Hi,
nachdem ich (mal wieder) die Episode "Feuer und Wasser" auf Englisch und Deutsch gesehen habe, kamen mir da so ein paar Ideen für den weiteren Verlauf der Geschichte. Es ist alles so geschehen wie es in der Serie geschah und dreht sich viel um Willis Gefühlswelt.
Viel Spaß

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Mit quietschenden Reifen kam der Jeep zum stehen. Der Kies spritze zu beiden Seiten weg, die eingeschalteten Scheinwerfer berührten beinahe einen Blumenkübel. Hastig stiegen die Ranchbesitzer John und Eva Marie aus. Zu sehr lagen ihnen noch die Worte ihres Sohnes Benni in den Ohren
„Mama, Papa, Willi ist ja mit den Mädchen Zelten gewesen. Ja im Wald, da wo ich nicht mit durfte. Willi hat eben angerufen. Es brennt da wohl überall. Ich habe schon die Feuerwehr, das Forstamt und so weiter verständigt. Wie Willi es gesagt hat. Jetzt erreiche ich die anderen aber nicht mehr. Ich weiß nicht ob sie verletzt sind, im Feuer eingekesselt, vielleicht schon verbrannt...ist gut, ich beruhige mich wieder. Was soll ich jetzt tun?... Abwarten?! Das den Profis überlassen? Da sind meine Freunde und mein Cousin im brennenden Wald und ich soll warten? Das kann ich nicht! … Ist gut, ich bleibe im Haus. Ja Mama, alles klar. Bis nachher.“
Auch das Gespräch zwischen den beiden im Auto blieb nicht ohne Spuren. Giftige Worte und gegenseitige Vorwürfe überdeckten die gemeinsame Sorge um die Kinder. In den Erwachsenen tobte ein Sturm von Gefühlen.
Als die Tür zum Gemeinschaftssaal aufgestoßen wurde, war es 03:48 Uhr. Also mitten in der Nacht. Beinahe schon morgens. Die beiden Ankommenden trafen auf eine Wand aus Heizungsluft, aufgeregten Stimmen und den Gerüchen von Pfannkuchen und heißer Schokolade.
„Da seit ihr ja. Benni hatte schon erzählt, dass ihr eure Geschäftsreise abgebrochen habt, aber dass ihr so schnell hier sei, hätte ich nicht gedacht.“ Lucia, Almas Mutter, sah die Handler freundlich an. „Ich habe mir erlaubt für die gesamte Mannschaft Pfannkuchen und Kakao zu machen. Ich glaube ihr müsst neue Eier kaufen.“ Lachend wies die dunkelhaarige Frau auf die Personen im Raum. Sowohl die fünf Mädchen, Molli, Alma, Sarah, Zoe und Chloe, sowie deren Eltern saßen an den langen Tischen und unterhielten sich angeregt. Benni trug gerade weiter Pfannkuchen in den Raum und bemerkte die Ankommenden.
„Mum, Dad, das ging ja schnell.“ Weiter kam er nicht, denn Eva Marie eilte auf ihren Sohn zu und schloss fest die Arme um den jugendlichen Körper. Ewas verwirrt versuchte Benni seine Mutter zurück zu umarmen und dabei den Pfannkuchenteller auszubalancieren. „Es geht dir gut.“, hörte der Teenager die Frau erleichtert flüstern. John ging ebenfalls auf die beiden zu und verwuschelte mit einer Hand liebevoll durch die dunklen Haare des Sohnes.
„Klar geht’s mir gut.“, kam die verwirrte Antwort. Inzwischen war jedes andere Gespräch im Raum verstummt. Gebannt verfolgte die Vielzahl an Augenpaaren die Szene.
„Du hast deinen Eltern zwischendurch nicht gesagt, dass es allen gut geht?“, fragte nun Sarah verwirrt ihren Kumpel, der nun von der mütterlichen Umarmung frei gelassen wurde. Ein verlegendes Schulterzucken seinerseits folgte.
„Hab´s wohl vergessen.“
„Vergessen?“, es schien, als würde Lucia die Hände über den Kopf zusammen schlagen wollen,„Deine Eltern waren bestimmt außer sich vor Sorge.“ Eine längere Standpauke blieb den Jungen erspart, denn sein Vater brachte die Frau mit einer Handbewegung zum Schweigen. Dann wandte er sich den restlichen Personen zu.
„Ist irgendjemand verletzt?“ Allgemeines Kopfschütteln war die Antwort.
„Ist jemanden übel, unwohl oder hat wer Kopfschmerzen? Atemprobleme?“
„John, uns geht es allen super.“, meinte nun Molli.
„Nur recht aufgeregt und ohne Ausstattung. Aber reden können die alle noch immer wie ein Wasserfall.“, ergänzte Molli´s Vater grinsend und erntete dafür zustimmendes Nicken. Erleichtert atmeten John und Eva auf und setzten sich mit an einen Tisch.
„Was ist denn überhaupt genau passiert?“

Zitternd lag der Junge im Bett, Die Decke fest um sich gewickelt, wie ein schützender Kokon. Als er das Auto seines Onkels auf den Hof fahren hörte, wurde der Kokon nur noch fester gezogen.
Schuldgefühle lagen auf ihn wie ein tonnenschweres Gewicht. Klar sagten Sarah und Benni, dass er keine Schuld habe, aber was wissen die schon?
ER hätte einfach besser Acht geben müssen.
Schließlich war ER für diesen Ausflug verantwortlich und hatte auch die Aufsichtspflicht. So hieß das doch korrekt in dieser juristen Sprache, oder?
ER wusste, dass Zoe und Chloe nicht die zuverlässigsten Reitschüler sind.
Wieso hatte ER sie Wasser holen und dann noch als letztes am Feuer sitzen lassen.
ER hatte ihr Tun nicht einmal kontrolliert.
Was ist, wenn man ihn verklagte? Was soll er da las Erklärung bringen? Was werden John und Eva von ihm denken?
Der nächste Gedanke lähmte ihn: Sie werden ihn fortgeben! Er war ja schließlich nur ein Pflegekind. Bestimmt kommt er ins Waisenhaus oder in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Was wird dann aus Jimber? Tränen traten aus den Augenwinkeln und tropften auf das Kissen.
Er hatte es doch nicht besser verdient. Er hätte beinahe fünf Kinder umgebracht. Inklusive deren Pferde. Von den Waldbewohner wollen wir gar nicht erst reden. Wimmernd zog der blonde Junge die Decke nun über den Kopf. Schloss die Augen. Wollte so die hämische Stimme los werden. Doch kaum waren die Augenlider unten, sah er wieder den Rauch, das Feuer, die Panischen Blicke von Mensch und Tier.
Seine tränennassen Augen öffneten sich schnell wieder und lugten unter der Decke hervor. Sehnsüchtig sah er auf ein Bild. „Mama, Papa, was soll ich tun?“

„Ach und dann seid ihr durch den See geschwommen. Ihr wart ja echt mutig.“ lobte John währenddessen die Kinder, welche aufgeregt ihre Geschichte zum Besten gaben.
„Eigentlich hat uns Willi angetrieben. Er hat war auch die ganze Zeit bei Zoe und Chloe geblieben, weil sie ja nicht schwimmen konnten und er hatte auch die Idee, dass die Pferde uns rüber schwimmen.“ Während Alma aufgeregte erzählte, zuckte Eva kurz zusammen.
„Wo ist denn Willi?“ Erneut überkam sie die  Sorge und sie machte sich Vorwürfe, nicht schon früher die Abwesenheit ihres Neffens bemerkt zu haben. John erging es ähnlich.
„Ich glaube er ist nach oben in sein Zimmer oder so.“, merkte nun Benni an.
„Aber er ist auf den Hof?“, fragte nun John und knetete unruhig die Hände.
„Er hat im Stall Jimber versorgt und als wir hier saßen, meine ich, die Treppe nach oben gehört zu haben.“

Ein kleiner Lichtstrahl fiel in das dunkle Zimmer, als die Tür einen Spalt geöffnet wurde.
„Willi?“, fragte Eva leise. Der angesprochene presste fest die Augen zusammen und stellte sich schlafend. Er hatte jetzt echt nicht die Kraft sich diesem Gespräch zu stellen.
„Lass ihn.“, das war die Stimme von John,„Er braucht den Schlaf.“ Ja natürlich. Vermutlich brauchte er ihn, damit sie ihn morgen guten Gewissens weg geben konnten.
„Hast recht. Okay, ausnahmsweise. Aber haare nicht alles voll.“ Die letzten Sätze irritierten den Jugendlichen. Auch, als sich die beiden Erwachsenen vom Zimmer entfernten.
Die Antwort auf die kurzzeitige Irritation sprang allerdings mit Samtpfoten auf sein Bett und rieb schnurrend ihr Gesicht an seins.
„Hey Angora.“, flüsterte Willi leise,„ Leistest du mir in meinen letzten Stunden auf Horseland Gesellschaft? Meine Güte, bin ich wehleidig.“ Schnurrend rollte sich die Katze neben ihn zusammen und schlief ein. Trotz der gleichmäßigen Atemzüge fand der Reitlehrer diese Nacht keinen Schlaf.

„Ach Benni“ Verschlafen sah der Jugendliche auf. Es war der nächste Morgen, genauer gesagt 8 Uhr und dem Blauäugigen war alles zu viel. Sogar Frühstücken, was er nun eigentlich sollte, kam ihn mit seiner Müdigkeit unmöglich vor.
„Wenn du uns das nächste mal anlügst, verstecke es besser.“ Diese Aussage lies ihn doch etwas wacher werden.
„Was meinst du?“
„Du sagtest uns am Telefon, dass du auf den Hof bleibst und wartest. Leugnen bringt nichts! Wieso sollten sonst Pferdehaare an deinen Schlafklamotten kleben? Und wieso waren seine Schuhe so schlammig und dreckig?“
„Es tut mir leid. Aber ich habe mir Sorgen gemacht.“
„Wir uns auch. Auch um dich. Stell dir vor, dir wäre was passiert.“
„Entschuldigung.“, beschämt ließ der dunkelhaarige Junge den Kopf hängen. Das Gespräch wurde von John unterbrochen, der die Küche betrat.
„Danke dir, dass du schon die Pferde versorgt hattest?“, meinte dieser mit einem Blick auf seine Frau und setzte sich mit an den Küchentisch.
„Ich? Nein, das habe ich nicht.“ Irritiert blickte sie nun John an, welcher Benni fragend ansah.
„Auch nicht. Bin eigentlich noch nicht wach. Vielleicht Pacco.“, War die gemurmelte Antwort. Doch das konnte John verneinen. Er hatte bereits Almas Vater danach gefragt und viele andere Stallarbeiter gab es nicht.
„Wili?“, kam es nun von Eva als Vorschlag.
„Schläft er nicht noch?“, war die Gegenfrage ihres Mannes. Da keiner eine Antwort wusste, stand der Ranchbesitzer stöhnend auf und ging in das Zimmer seines Neffens.
„Ähm, Eva. Hier ist er nicht. Aber seine Sachen fehlen. Sein Schrank ist halb leer und das Foto seiner Eltern weg. Es sieht aus, als sei das Zimmer unbewohnt."

Fortsetzung folgt....
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