TSW - Der Bodyguard

von Hopy1x2y
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P16
26.11.2019
09.12.2019
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Clara

Was um alles in der Welt war bloß in mich gefahren? Wieso hatte ich mich ihm vorhin in der Boutique förmlich an den Hals geworfen? Das sah mir doch gar nicht ähnlich. Ich legte mich auf das Bett und vergrub mein Gesicht in das Kopfkissen. Vielleicht war auch nur alles zu viel für mich und ich drehte langsam durch. Ich musste mich mit jemandem aussprechen. Mein Blick fiel auf das Telefon. Sollte ich meine beste Freundin anrufen? Nur für ein paar Minuten, was würde denn schon dabei sein? Derek brauchte davon ja gar nichts zu erfahren.
Ein bisschen Angst hatte ich schon davor, wie er in einem solchen Fall reagieren würde. Ich wusste ja nicht wirklich viel über die Organisation, der er angehörte.
Entschlossen richtete ich mich auf und griff bereits nach dem Telefonhörer, als ich entschied, es besser auf die Zeit nach dem Abendessen zu verschieben. Also ging ich stattdessen in das Badezimmer, um mich etwas zu erfrischen. Während ich mich wusch, musste ich an Dereks Gesicht denken, als ich in dieser durchsichtigen Bluse vor ihm gestanden hatte. Es war nicht zu übersehen gewesen, dass mein Anblick etwas in ihm ausgelöst hatte. Lebten die eigentlich zölibatär in ihrem Refugium? War nicht anzunehmen, denn anscheinend gab es ja genügend Nachwuchs, wenn ich seine kurzen Anmerkungen richtig interpretierte. Außerdem war da ja auch noch diese Schlange, Laura, mit der er wohl zusammen gewesen war. Jedenfalls nahm ich es an, auch wenn wir noch nicht intensiv darüber diskutiert hatten. Wie es wohl war, mit einem solchen Mann zu schlafen? Es grassierten ja die tollsten Gerüchte über die besonderen Fähigkeiten der TSW-Mitglieder.
Als ich mich abtrocknete, meldete sich mein schlechtes Gewissen. Da dachte ich andauernd darüber nach, wie Derek wohl im Bett wäre, und verschwendete keinen Gedanken an Frank. Er hatte mich schließlich auch aus einer scheußlichen Lage befreit und ich hatte mit ihm seit der Feier im Golfclub kaum ein Wort gewechselt. Dann war es zu dieser Einladung gekommen, mit der er aber nichts zu tun hatte. Vielleicht sollte ich nicht nur meine Freundin Janice, sondern auch ihn anrufen. Seine Handynummer herauszufinden, dürfte ja kein großes Problem darstellen.
Ich zog mir eine unauffällige Jeans-Bluse-Kombination an, bevor ich das Zimmer verließ. Ich sah dem Abendessen mit einer gewissen Vorfreude entgegen. Obwohl Derek ja kein normaler Mann war, versprach die Zeit mit ihm allein recht interessant zu werden. Vielleicht lag es auch gerade daran, dass er nicht dem Durchschnitt entsprach. Außerdem würde ich hoffentlich nun das Ziel unserer Fahrt mitgeteilt bekommen.
*****
Das Restaurant im Erdgeschoss des Hotels war nicht besonders groß, was auch zu erwarten gewesen war. Auch die Speisekarte war nicht sehr umfangreich, aber ich empfand die ganze Atmosphäre dennoch als sehr gemütlich. Das lag nicht zuletzt an meinem Begleiter, dessen Erscheinung und Ausstrahlung die Blicke der anwesenden Frauen auf sich zog, was ich bisher noch nie so bemerkt hatte.
»Du bist anscheinend ein echter Frauenmagnet«, sagte ich leise und konnte nicht vermeiden, dass auch ein Hauch Eifersucht mitschwang.
»Hast du den Eindruck? Wirke ich auch so auf dich?«
Erneut zeigte sich dieses beinahe spitzbübische Lächeln auf seinen Lippen. In solchen Momenten erinnerte er mich mehr an einen großen Jungen als an das Zuchtprodukt, was er im Grunde genommen war - falls die Gerüchte stimmten.
»Nun ... es ist so, dass ... alle Frauen ... was mich angeht ...«
Ich brach das Gestammel ab. Was war nur in mich gefahren? Er hatte aber nicht darauf geachtet, sondern stattdessen ein Handy aus der Tasche seines Jacketts gezogen, welches er mir nun über den Tisch hinweg reichte.
»Die Nummer deines Vaters ist bereits gespeichert. Ruf ihn aber nur über diese Telefonnummer an. Und bitte beachte eine Sache!«, fügte er hinzu, während ich ungeduldig nach dem Telefon griff. »Ruf keinen anderen Menschen an. Weder Verwandte, noch Freunde, verstanden? Es ist zu deiner eigenen Sicherheit! Sprich mit ihm nicht länger als zehn Minuten und sag ihm nicht, wo wir sind!«
»Ich verspreche dir, ich werde ein artiges Mädchen sein!«
Er blickte mir noch einmal durchdringend in die Augen, bevor er das Handy losließ. »Es sind noch keine sieben Uhr!«, ermahnte er mich, als ich bereits das Telefon einschaltete.
»Übertreibst du es nicht langsam mit deiner Vorsicht?«
»Wir sind gerade den ersten Tag unterwegs und wissen nicht, wer hinter dir her ist und wie gut sie ausgerüstet sind. Also nein, ich glaube nicht, dass ich übertreibe.«
Mit einem kleinen Murren legte ich das Telefon beiseite ... und blickte überrascht auf, als er seine Hand sanft auf meinen Unterarm legte.
»Versteh mich bitte. Ich will nur nicht, dass dir etwas passiert.«
Diese Berührung, der Blick, seine Stimme! Die Kombination davon hatte eine mörderische Wirkung auf mein Innenleben. Ich verspürte ein aberwitziges, übertriebenes Glücksgefühl, das ich so noch nie kennengelernt hatte. Lag es daran, dass wir alleine unterwegs waren und keine Angst zu haben brauchten, dass Laura oder mein Vater auftauchen würden? Auch er schien etwas zu fühlen, denn er zog seine Hand so hastig zurück, als hätte er auf eine heiße Herdplatte gefasst.
»Tut mir leid«, murmelte er. »Das war falsch.«
»Das ... schon in Ordnung ...«, druckste ich herum, während alles in mir in Flammen stand. Was war er für ein Mann, dass er mit einer harmlosen Berührung alles in mir in Wallung versetzen konnte? Völlig verwirrt griff ich mir das Handy und sprang auf.
»Ich schnappe etwas frische Luft, bevor ich meinen Vater anrufe«, sagte ich mit aller Selbstbeherrschung, die ich aufbringen konnte.
»Du hast doch noch gar nichts gegessen.«
»Ich habe keinen Hunger!«
»Bleib aber im Eingangsbereich, hörst du? Soll ich dich nicht besser begleiten?«, rief er mir noch nach, als ich schon die Tür des Restaurants erreicht hatte.
»Nein, schon okay! Ich brauche nur ein paar Minuten für mich«, erwiderte ich und sah zu, dass ich ins Freie gelangte. Vor der Tür sog ich die kühle Abendluft in meine Lungen und genoss die Brise auf den heißen Wangen. Das war doch nicht normal, wie heftig wir so plötzlich aufeinander reagierten!
Auf gut Glück wandte ich mich nach links und folgte der Straße, vorbei am Einkaufszentrum und vorbei an der Tankstelle, die wir auf dem Weg zum Hotel passiert hatten. Ich marschierte zügig den Weg entlang, bis ich fast die Stadtgrenze erreicht hatte. Mittlerweile war es auch sieben Uhr geworden. Ich ließ mich auf einer nahen Bank nieder und wählte die eingespeicherte Nummer. Es tat so gut, die Stimme meines Vaters zu hören. Bei all den merkwürdigen und beängstigenden Dingen, die in den letzten Tagen und Wochen auf mich eingeprasselt waren, war er der Fixpunkt, an den ich mich ausrichten konnte.
Nur schweren Herzens hielt ich mich an die Vorgabe meines Aufpassers und überzog die mir zugestandenen zehn Minuten nur um etwa die Hälfte. »Bis morgen«, flüsterte ich, bevor ich das Gespräch beendete. Erst jetzt, wie ich so in der hereingebrochenen Dunkelheit auf der Bank saß, spürte ich ein Gefühl der Verlassenheit. Hoffentlich würde mir mein Vater recht bald mitteilen, dass alles überstanden wäre und ich nach Hause zurückkommen könnte.Andererseits würde dann Derek aus meinem Leben verschwinden. Warum konnte das Leben nicht einfacher sein?
Müde erhob ich mich und machte mich auf den Rückweg. In der Dunkelheit sah die Umgebung plötzlich völlig anders aus als im Tageslicht. Unwillkürlich sah ich mich um, da mir meine Phantasie irgendwelche Verfolger vorgaukelte. Ich beschleunigte meine Schritte und wechselte zweimal die Straßenseite, weil mir Personen entgegenkamen, die auf mich irgendwie bedrohlich wirkten. Wenigstens war ich nur noch wenige Meter vom Hoteleingang entfernt.
»Wohin denn so eilig, schöne Lady?«
Ein offensichtlich angetrunkener Mann war wie aus dem Nichts vor mir aufgetaucht. Ich schrak fürchterlich zusammen und wich zwei Schritte zurück.
»Lassen Sie mich in Ruhe, oder ... oder ich schreie!«
»Wo bist du gewesen?«, hörte ich Dereks vorwurfsvolle Stimme neben mir.
Ohne lang nachzudenken, flog ich geradezu in seine Arme. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie sich der betrunkene Mann eilig entfernte.
»Warum hast du nicht auf mich gehört? Kann ich mich wirklich nicht darauf verlassen, dass du keinen Unsinn anstellst? Hältst du das hier für einen Spaß?«
Ich hörte, wie verärgert er war. Ohne es zu wollen, schossen mir die Tränen in die Augen, teilweise, weil ich mich schämte, aber auch weil ich nicht wollte, dass er böse auf mich war. »Ich habe mir nur die Beine vertreten«, sagte ich schluchzend und hasste mich, weil es so weinerlich klang.
Er strich mir zärtlich über den Rücken, während ich in seinen Armen lag. »Es ist ja alles gut gegangen«, sagte er mit dieser sanften, vibrierenden Stimme, die mir bis ins Mark ging. »Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.«
Er führte mich zurück in das Hotel und die Treppe hoch, bis wir vor meinem Zimmer angekommen waren. »Wir fahren morgen Früh um neun Uhr weiter. Um acht frühstücken wir«, sagte er, während ich versuchte, den Schlüssel ins Türschloss zu bekommen. Ruhig nahm er mir den Schlüssel aus der Hand, öffnete die Tür und brachte mich noch in den Raum. »Versuch etwas zu schlafen. Die letzten Tage waren sehr aufreibend. Wenn du etwas benötigst, dann zögere nicht, an meine Tür zu klopfen. Ich brauche nicht viel Schlaf. Gute Nacht!«
Er sah mir noch prüfend ins Gesicht, bevor er mein Zimmer verließ. Ich atmete tief auf und ließ mich auf das Bett fallen. Wieso brachte mich seine Gegenwart nur so durcheinander? War es wirklich nur aus dem Grund, weil wir jetzt alleine unterwegs waren? Über mich selbst den Kopf schüttelnd ging ich ins Badezimmer. Eine Dusche würde mich hoffentlich auf andere Gedanken bringen.
*****
Noch nach Mitternacht wälzte ich mich ruhelos auf dem Bett hin und her. Immer wieder sah ich Dereks markante Gesichtszüge vor mir, lag in meiner Fantasie in seinen Armen, schmiegte mich an seinen muskulösen Körper und genoss die Wärme, die von ihm ausging. Schweißnass setzte ich mich schließlich auf die Bettkante. Kein Zweifel, ich war scharf wie ein Rasiermesser. Ich wollte ihn nicht nur in Gedanken vor mir sehen, sondern ihn berühren, jeden Zentimeter dieses atemberaubenden Körpers erforschen und ihn tief in mir spüren.
Wie in Trance ging ich zur Zimmertür und hatte bereits die Hand auf die Türklinke gelegt, als ich unwillig grunzte und zurück ins Bett kroch. Alles in mir brüllte enttäuscht auf, weil mein Restverstand die Oberhand behalten hatte, anstatt dass ich mich den Instinkten hingab. Dennoch fand ich keine Ruhe und wälzte mich von der einen auf die andere Seite. Was sprach denn dagegen, einfach zu ihm ins Zimmer zu gehen? Schließlich waren wir beide alt genug und eine miteinander verbrachte Nacht würde doch nichts an unserer geschäftlichen Beziehung ändern. Oder doch? Ich wusste viel zu wenig über den TSW. Vielleicht hatten sie ein Gelübde abgelegt und es war ihnen streng verboten, mit einem Menschen zu schlafen. War er technisch gesehen überhaupt ein Mensch? Jedenfalls sah er so aus, wie ein besonders gut gebautes Exemplar eines heißen ...
Erneut richtete ich mich auf. So ging es nicht weiter. Mittlerweile war es drei Uhr früh und ich benahm mich wie eine läufige Hündin. Ich fragte mich, ob es ihm wohl ebenso ging wie mir. Sah er mich und meinen Schutz nur als einen Job oder ... und hatte er nicht selbst gesagt, dass ich an seine Tür klopfen sollte, wenn ich etwas benötigen würde? Allerdings hatte er daran wohl eher nicht gedacht. Nein, ich musste mich einfach zusammenreißen und es nicht noch verkomplizieren. Unwillig legte ich mich wieder hin, rollte mich zusammen und schloss die Augen. Hoffentlich würde ich noch etwas Schlaf finden.
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