TSW - Der Bodyguard

von Hopy1x2y
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P16
26.11.2019
12.12.2019
32
61.139
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02.12.2019 1.050
 
Derek

Es fiel mir überraschend schwer, mich auf das Fahren zu konzentrieren. Immer wieder sah ich aus den Augenwinkeln zu Clara hinüber.
»Wohin geht denn nun unsere Reise oder kannst du mir das immer noch nicht sagen?«
Ich deutete auf einen Parkplatz keine hundert Meter vor uns. »Dort ist unser Ziel.«
»Aha. Da stellen wir dann ein Zelt auf und campen oder wie darf ich das verstehen?«
Ich antwortete nicht, sondern steuerte den Wagen in eine Parklücke und stellte den Motor ab. »Wir wechseln den Wagen. Steig bitte aus.«
Sie sah mich verwundert an, löste aber dann doch den Sicherheitsgurt und verließ das Auto. Ich führte sie zu unserem neuen Fahrzeug, wir stiegen ein und setzten die Fahrt nach kurzer Zeit fort.
»Und was sollte das jetzt?«
»Nenn es gesundes Misstrauen«, erwiderte ich. »Es könnte ja sein, dass sich dein Vater nicht an meine Anweisung gebunden fühlt und befohlen hat, an unserem vorigen Wagen einen Sender anzubringen.«
»Du bist paranoid, kann das sein?«
»Ich bin vorsichtig, das ist etwas anderes. Ich vertraue niemandem!«
»Auch nicht mir?«
Ich grinste sie an. »Erst recht nicht dir. Willst du nun erfahren, wohin wir fahren?«
Sie verschränkte aber nur die Arme und blickte starr geradeaus. Sie sah richtig toll aus, wenn sie schmollte. Vermutlich wusste sie es auch.
»Und warum vertraust du mir nicht?«, brach sie nach ein paar Minuten das Schweigen.
»Es hat nichts mit dir als Person zu tun, aber es wäre nur eine verständliche Reaktion, wenn du mit deinem Vater oder Freunden in Kontakt treten wolltest. Schließlich fährst du mit mir an einen unbekannten Ort. Es würde aber meine Arbeit sehr erschweren, wenn jemand wüsste, wohin wir unterwegs sind.«
*****
Wir erreichten unser erstes Etappenziel zu der Uhrzeit, die ich mir vorgenommen hatte.
»Hier werden wir übernachten«, sagte ich und steuerte den Wagen auf den Parkplatz eines kleinen Hotels.
Ich sah ihr an, dass sie mit meiner Wahl nicht besonders zufrieden war. »Es ist eine mittelgroße Stadt und ein unauffälliges Hotel. Sollte man auf der Suche nach dir sein, wird man dich wohl kaum an einem solchen Ort vermuten.«
»Warum denn nicht?«
»Weil du dafür zu verwöhnt bist.« Ich hörte deutlich, wie sie nach Luft schnappte.
»Das stimmt doch gar nicht!«
Ich schmunzelte nur und dies hatte zur Folge, dass sie spielerisch nach mir schlug. Natürlich hatte ich es nicht ernst gemeint. Dafür kannte ich sie schließlich zu gut.
Ich nahm meine kleine Reisetasche aus dem Kofferraum und deutete auf den Eingang. »Wir checken jetzt erst einmal ein, bevor wir uns um deine Garderobe kümmern und danach noch etwas essen gehen.«
*****
Es war das zweite Mal, dass ich mit Clara gemeinsam Kleidung aussuchte. Doch während wir uns beim ersten Mal noch fremd gewesen waren, gestaltete sich dieser Einkaufsbummel komplett anders. Sie wusste um ihre Wirkung auf mich und genoss es sichtlich. War es vor einigen Wochen noch eine harmlose Spielerei gewesen, so schien sie diesmal einen Schritt weitergehen zu wollen.
»Gefällt es dir?«, fragte sie mich mit einem Unterton, den ich noch nie bei ihr gehört hatte.
Ich war beileibe kein Fachmann, was Frauenkleidung anging, aber so, wie sie sich nun präsentierte, verschlug es mir die Sprache. Eingehüllt war sie in einen Hauch von Nichts, eine fast durchsichtige Bluse, die ihre Brüste umschmeichelten und gleichzeitig hervorhoben. Sie schien meine Verwirrung zu bemerken, denn um ihre Lippen spielte ein kleines Lächeln. Sie strich sich mit einer Hand gekonnt-lasziv durch das Haar und wirkte gleichermaßen verrucht, unschuldig und begehrenswert.
»Es sieht umwerfend an dir aus«, sagte ich und kämpfte mit aller Macht um meine Selbstbeherrschung.
Schon in ihrer normalen Kleidung kam sie mir äußerst anziehend vor. Doch immer wieder musste ich daran denken, was passieren konnte, wenn wir auch die letzte Grenze überschreiten würden. Ein Rekrut des TSW, der seine Pflichten vergaß und das Missionsziel aus den Augen verlor, hatte im Allgemeinen keine hohe Lebenserwartung.
Doch je mehr sie sich mir näherte, desto mehr raubte mir ihr Duft beinahe den Verstand. Auch Clara reagierte auf mich, wie ich feststellte, und dies machte die Situation nicht gerade einfacher. Zudem kam sie immer weiter auf mich zu und stand nun so dicht vor mir, dass ihre Brust mich berührte. Alles in mir forderte mich auf, sie jetzt und sofort zu nehmen und es kostete mich übermenschliche Anstrengung, die Kontrolle über meine Handlungen zu behalten.
»Vielleicht solltest du dir aber auch Kleidung kaufen, die nicht so auffällig ist«, fuhr ich fort und erschrak fast über das Kratzen in meiner Stimme.
Ich sah in ihren Augen eine Mischung aus Verwirrung und Enttäuschung, bevor sie sich abrupt umdrehte und in die Umkleidekabine zurückging.
Tatsächlich probierte sie in der Folgezeit nur noch alltagstaugliche Kleidung an. Obwohl ich darüber hätte froh sein sollen, hatte ich doch immer noch das Bild vor Augen, wie sie fast nackt vor mir stand. Schließlich trugen wie einen ganzen Haufen Kleidungsstücke zur Kasse und legten sie dort ab.
Erst da schien ihr etwas bewusst zu werden. »Geld!«, rief sie aus. »Ich habe doch weder Geld noch meine Kreditkarte dabei!«
»Mach dir keine Sorgen«, beruhigte ich sie und zog die Kreditkarte aus der Tasche, die zur TSW-Standardausrüstung während einer Mission gehörte. »Das geht alles auf Spesen.«
*****
Beladen mit Einkaufstüten kehrten wir in unser Hotel zurück. Ich begleitete sie auf ihr Zimmer und legte die Sachen auf ihr Bett. Sie wartete unschlüssig im Raum und sah mich nachdenklich an. Eigentlich hätte alles wieder normal sein sollen, da sie nicht in dieser aufreizenden Bluse vor mir stand, aber ich bekam das Bild einfach nicht aus dem Kopf. Es war das erste Mal, dass wir wirklich ungestört waren. Sonst waren ja immer andere Menschen um uns herum gewesen.
»Ich hole dich in einer halben Stunde zum Abendessen ab. Ist dir das recht?«, fragte ich schließlich.
Sie nickte nur stumm, setzte sich auf das Bett und leerte mit fahrigen Fingern die erste Tüte aus. Sie wirkte so traurig, als ob sie etwas vermissen würde. Ich wollte mich zu ihr setzen, sie in den Arm nehmen und trösten. Doch dann bestand die Gefahr, dass wir etwas tun würden, was nicht ungeschehen gemacht werden konnte.
»Bis nachher!«, sagte ich, verließ den Raum und zog die Tür hinter mir zu. Draußen lehnte ich mich erst einmal an die Wand und schloss die Augen. »Dünnes Eis, Derek!«, flüsterte ich. »Ganz dünnes Eis!«
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