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Verworrene Schicksalspfade

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / Gen
24.11.2019
21.02.2020
30
108.472
13
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24.11.2019 828
 
Prolog

Als das Schwert ihren Totem zerschmetterte, war die junge Schamanin überzeugt, dass der Paladin vor ihr, das Letzte sein würde, was sie je zu sehen bekm.
Die Kampfschreie entfernten sich, das Schlachtfeld schien sich zu verschieben, doch sie würde diese Höhle niemals verlassen. Mut suchend griff sie nach dem Amulett ihrer Mutter und kniff die Augen zusammen. Ihre Kräfte waren aufgebraucht und ihr Arm gebrochen.
Sie hörte eine kräftige Stimme etwas in Menschensprache rufen und dann geschah etwas, das sie nie vergessen würde.
Der Paladin hob einen Finger an die Lippen und sah ihr eindringlich in die Augen, während er seinem Gefährten etwas zurief. Der Mann folgte daraufhin seinen anderen Kameraden. Die Schamanin hörte es an seinen Schritten.
Einen schier endlosen Augenblick lang geschah nichts, dann glitt der Blick des Paladins zu dem blauen Edelstein an ihrem Hals und die Schamanin glaubte tatsächlich etwas wie Wehmut im Gesicht ihres Feindes erkennen zu können.
Ohne sie zu berühren, richtete ihr Gegenüber eine schimmernde Hand auf sie und während sie spürte, wie ihre Knochen zurück an ihren Platz glitten und sich ein warmer Hauch auf ihre Haut legte, sprach der Paladin mit sanfter Stimme: „Warte bis die Sonne untergegangen ist und dann nimm den Pfad am Fluss entlang. Bleib nicht stehen, ehe du zu deiner Mutter zurückgekehrt bist.“
Dann war sie allein und versuchte zu begreifen, wieso jemand aus dem Volke der Draenei ihr Leben schonte und ihre Sprache kannte.
Doch als der Schock sich legte, begriff das Mädchen, dass es noch lebte und seine Familie wiedersehen konnte. Da es keinen Grund wusste, ihrem Retter nicht zu glauben, wartete es, bis die Sonne verschwunden war und verließ ihre Höhle dann lautlos und flink.
Es nutzte die Dunkelheit zum Schutz und schlich den Pfad am Fluss entlang. Es war noch keinem Feind begegnet und erspähte nur hier und da eine kleine Wacheinheit. Doch wo der Fluss eine Biegung machte, musste es den Schutz der Büsche verlassen und über offenes Gelände gehen. Was ihm unmöglich erschien, als es auf der Erhebung eine Gestalt erblickte. Eine einzelne Wache der Allianz, zweifelsfrei sehr mächtig, wenn man sonst niemanden abkommandiert hatte.
Verzweifelt überlegte die Schamanin, was sie nun tun sollte, als sie ein bekanntes Prickeln auf der Haut spürte. Die sanfte Wärme, die sie in der Höhle überzogen hatte, hüllte sie wieder ein und als sie den Kopf hob, blickte sie ihn die leuchtenden Augen der Wache über ihr.
Derselbe Paladin legte nun ein zweites Mal seinen Schild um sie und bedeutete ihr, weiterzugehen.
Mit klopfendem Herzen eilte sie über die Ebene, bis sie die nächste Baumgrenze erreichte. Hier war sie sicher. Hier lagerte ihre eigene Fraktion im dichten Dschungel.
Als sie ihr Lager erreichte, wurde sie von ihren Eltern beinahe erdrückt.
„Ich dachte, ich würde dich niemals wiedersehen“, schluchzte ihre Mutter, die ihre gerade erst ausgebildete Tochter ohnehin als zu jung erachtete, um in den Krieg zu ziehen. Vielleicht hatte sie damit Recht. Vollständig erwachsen war sie jedenfalls noch nicht. Doch hatten sie in diesen Zeiten eine Wahl?
„Wie hast du es nur geschafft, ganz allein an den Wachposten vorbeizukommen? Niemand sonst hat aus deiner Gruppe überlebt.“ Sie hatte die Stimme ihres Vaters nie zuvor zittern gehört. Wie sehr ihre Eltern sie wirklich liebten, wurde ihr erst jetzt bewusst.
Wie vieles hält man doch sonst für selbstverständlich?
Ihr Vater war einer der großen Heerführer der Orcs und wollte jedes Detail wissen.
„Ich habe es nicht allein geschafft“, gestand die junge Schamanin leise. Wie würden sie reagieren, wenn sie erfuhren, wer ihr Leben gerettet hatte? Ein Klumpen bildete sich in ihrem Bauch und ihre Mutter erkannte ihr Unbehagen sofort.
„Keine Sorge, Mari, erzähl uns einfach, was geschehen ist.“
Also tat sie es. Mari erzählte alles von ihrem Aufbruch bis zu ihrer Rückkehr ganz genau und blickte dann wartend in das sehr ernste Gesicht ihres Vaters und das ihrer Mutter, welche sich die Hände vor den Mund schlug und die Augen schloss.
Mit vielem hatte Mari jetzt gerechnet, aber nicht mit der Frage, die ihre Mutter ihr dann stellte: „Wie sah er aus, dein Paladin?“
„Es war eine junge Frau mit fast weißer Haut und schwarzem Haar. Ihre Hörner sind weder besonders groß noch klein und an ihrem Kopf nach hinten geschwungen. Für eine Draenei ist sie ehrlich gesagt sehr hübsch, obwohl sie eine Narbe hat. Direkt an ihrer linken Schläfe. Ich habe es gesehen, als sie ihr Haar beim Gehen fort geschoben hat. Sie sieht aus wie ein kleiner Stern.“
Als Mari ihrer Mutter in die Augen blickte, wusste sie, dass sie sich die Wehmut der Draenei nicht eingebildet hatte. Sie hatte anhand ihres Amuletts erkannt, wessen Kind sie war. Denn das Gesicht ihrer Mutter spiegelte die gleiche, alte Trauer wider, die sie bei ihrer Feindin gesehen hatte.
„Ist sie deine Kindheitsfreundin von Draenor, Mutter?“
Hatte diese Draenei ihr einst das Amulett gegeben?
„Ja, sie war sechs, als ihre Familie von unseren dämonischen Brüdern abgeschlachtet wurde
und die wenigen Überlebenden Draenor verließen.“
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