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Chronosaurus

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Bang Chan Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
23.11.2019
27.04.2020
3
7.889
 
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15.04.2020 3.335
 
Schmerzen.

Daran erinnerte sich Minho zuallererst. Ein stechender Schmerz direkt an seinem Rücken.
Er war ins Laub gefallen und hatte sich nicht mehr regen können.
Ein Pochen ging unentwegt durch seinen Rücken, als wenn ihm etwas genommen wurde; ausgesaugt.
Die Energie hatte ihn verlassen und sein Bewusstsein ebenfalls.

Doch nun war alles anders, als er es hinterlassen hatte. Sein Rücken pochte nicht mehr, nur ein leichtes Ziepen war zu vernehmen.
Um ihn herum war es nicht kalt, sondern angenehm warm. Und er lag definitiv nicht im raschelnden Laub inklusive Baumwurzeln.

Ohne die Augen zu öffnen, strich er einmal mit dem Daumen über den Stoff, auf welchem er mit dem Bauch lag.
Mh. Es fühlte sich an wie ein typischer Sofa-Stoff.
Auf einmal vernahm er auch einen unbekannten Geruch. Es roch nach Tee, seltsamen Tee. Süßlich, aber auch intensiv.
Nach ein paar Überlegungen entschloss sich Minho dazu, es dabei zu belassen, dass es sich hierbei um mehrere, verschiedene Teesorten handeln musste.

Neugierig öffnete er die Augen. Er lag auf einem Sofa in einer Holzhütte.
Wenn er so gerade aus auf die gegenüberliegende Wand sah, fiel ihm natürlich der zwei Meter breite und zwei Meter hohe Spiegel auf.
Jedoch lag sein Fokus keineswegs auf diesem Monstrum von einem Spiegel.
Auch nicht das volle Regal mit unordentlich gestapelten Büchern über magische Themen oder der orangene Teppich bekam seine Aufmerksamkeit.
Es war viel mehr das, was auf dem Teppich lag. Oder eher, derjenige, der dort lag; die Knie an den Oberkörper gepresst und friedlich dösend.

Ein Junge mit rotblonden Haaren lag dort und schlief vor sich hin.

Minho blinzelte heftig und richtete sich dann langsam auf. Sein Shirt war zerschnitten worden und rutschte ihm sofort vom Körper. Dies interessierte ihn jedoch nicht.
Neugierig blickte er einmal durch den gesamten Raum der Holzhütte.

Hinter ihm in der Wand, an welcher das Sofa stand, war ein längliches, schmales Fenster. Links von ihm war ein Kleiderständer mit seiner und einer fremden, blauen Cordjacke.
Rechts von ihm war ein kleiner, runder Tisch mit einem runden Fläschchen. Darin war eine pastelrosa Flüssigkeit, doch Minho beachtete sie nicht weiter.
Rechts war auch noch eine kleine Holztheke mit verschiedenen Notizzetteln, alle mit Tinte geschrieben und deshalb größtenteils verwischt.
Hinter der Theke war ein Regal voll mit Gläschen in verschiedenen Formen. Interessant war jedoch die Farbe der Flüssigkeiten in diesen Glasflaschen.
Grün, blau, rot sahen da noch normal aus. War das eine schwarze Flüssigkeit mit Glitzer drin?

Minho runzelte und kniff die Augen zusammen, um die kleine Etikette, welche an jedem Glas hing, lesen zu können.

„Sternschnuppentrank?“, hauchte er und blinzelte, um zu sehen, ob er sich nicht verlesen hatte.
Nein, hatte er nicht. Neben dem Sternschnuppentrank stand ein Trank mit dem Namen „Wachstumstrank“.
Was der Wachstumstrank tun sollte war ihm klar, doch wozu sollte der Sternschnuppentrank nützlich sein?

Minho´s Blick wanderte etwas weiter nach links neben der Theke. Dort war ein Torbogen, abgedeckt durch ein Perlenvorhang.
Die Perlen schienen ständig ihre Farben zu verändern und je länger Minho sie beobachtete, desto mehr wurde ihm übel.
Also zischten seine Augen etwas weiter nach oben über den Torbogen. Dort hingen alte, vergilbte Blätter mit aufgemalten Bildchen.
Auf den Blättern standen Rezepte für bestimmte Tränke.

Auf einmal dämmerte es Minho. Er war in der Hütte eines magischen Wesens. Dieser Junge, welcher friedlich auf dem Teppich schlief, musste ihm geholfen haben.
Er hatte die Gabe magische Tränke zu brauen und hatte diese pastelrosa Flüssigkeit auf dem Tischchen neben ihm gebraut.
Minho hob sofort die runde Flasche hoch und drehte sie so, dass er die Etikette lesen konnte.

„Schmerztrank“ stand dort in verschmierter Schrift.

Dieser Junge war ohne Zweifel eine …

„Hexe.“

Minho hatte gar nicht bemerkt, wie er das Wort laut und deutlich ausgesprochen hatte.
Deshalb zuckte er erschrocken zusammen, als sich der schlafende Junge blitzschnell vom Teppich aufrichtete und zu ihm herüber blickte.
Dunkelbraune, mandelförmige Augen bohrten sich in seine schwarzen hinein. Kurz regte sich keiner der beiden und sie blickten einander nur still an.
Dann hob der Junge die eine Hand und rieb sich den Schlaf aus den Augen.

„Du bist endlich wach.“, gab er in kindlicher Stimme von sich.
Elegant erhob er sich vom Teppich und hob das Kissen hoch.
Er klopfte es etwas aus und fragte: „Hast du noch Schmerzen?“

Minho schüttelte den Kopf. Eigentlich hatte er misstrauisch sein wollen, denn immerhin konnte er magischen Wesen nicht trauen; erst recht nicht, nachdem er von einem angegriffen worden war.
Jedoch konnte er einer menschenähnlichen Kreatur nicht misstrauisch gegenüber sein, besonders dann nicht, wenn diese Hexe so unschuldig und schön aussah.
Schön auf seine eigene Art und Weise. Die Klamotten, die der Junge trug, waren fragwürdig, doch definitiv passend zu dem Inneren Wesen einer Hexe.

Der Junge lächelte zufrieden und trat auf ihn zu. Er streckte ihm die Hand hingegen.
„Mein Name ist Jisung. Und da du keine Schmerzen mehr hast, kannst du mir die Flasche zurück geben?“

Minho ließ Luft heraus, wobei er nicht bemerkt hatte, dass er sie angehalten hatte.
Anstatt sich ebenfalls vorzustellen oder den Trank zurück zu geben, erhob Minho sich schwungvoll vom Sofa und plapperte los: „Du bist eine Hexe. Du kannst Zaubertränke machen.“

„Ja, und?“, lachte der Junge belustigt und zog seine Hand zurück, da er bemerkt hatte, dass er seinen Trank wohl nicht sofort wiederbekommen würde.
Zuerst musste er damit klar kommen, dass dieser junge Mann verdauen musste, dass es Hexen gab.  

„Es sollte keine Hexen geben!“, sagte Minho laut und unhöflich.

„Soll ich gehen?“, fragte Jisung und verschränkte beleidigt und dabei schmollend die Arme vor der Brust.
„Du kannst gehen, wenn du nicht an meine Existenz glauben möchtest. Aber der Schmerztrank bleibt gefälligst hier, klar?“

Die Hand von der Hexe schnellte hervor und schnappte Minho die runde Flasche aus den Händen.
Dann drehte sich Jisung um und ging hastig und mit erhobenem Kinn durch den Torbogen mit dem Perlenvorhang.
Durch die Bewegung glitten die Perlen aneinander und ein sanftes Glockenspiel ertönte.
Es klang wunderschön und Minho beobachtete neugierig, wie die Perlen bei jedem Ton, den sie abgaben, schneeweiß wurden, nur um wieder diesen verwirrenden Hologramm-Effekt anzunehmen.

Minho hätte gehen sollen.
Zwar wäre es unhöflich gewesen zu gehen, ohne sich vorgestellt oder bedankt zu haben, doch er hätte es tun sollen.
Der magischen Welt, der er momentan ausgesetzt worden war, den Rücken zudrehen und gehen.
Allerdings konnte er nicht.
Etwas Unerklärliches hielt ihn hier in dieser Hütte.
War es die Angst diesem seltsamen Wesen dort draußen wieder zu begegnen oder seine innere Neugier, die immer größer wurde, je mehr er diese Hütte in Betracht nahm?

Minho blickte zum großen Spiegel und trat leise darauf zu. Irgendetwas stimmte mit dem Spiegelbild nicht.
Er sah sich selber so wie er war, aber die Hütte war seltsam anders.
Statt eines orangenen Teppichs und ein türkis Sofa sah er einen grünen Teppich und ein rotes Sofa.
Auch die Holzlatten der Hütte waren nicht aus dunklem Holz, sondern aus hellem Birkenholz.

Je näher Minho dem Spiegel kam, desto lauter wurde ein Geräusch, wo er sich zuerst eingeredet hatte, dass er sich dies einbildete.
Wasser, dass einen Bach hinunter plätscherte.
Minho blieb vor dem Spiegel stehen und das Geräusch war zum Greifen nah.
Die Oberfläche des Spiegels schimmerte und bewegte sich, genau so wie die Oberfläche von Wasser.
Neugierig hob Minho die Hand und tippte vorsichtig mit einer Fingerspitze auf die Oberfläche.
Die Berührung verbreitete Wasserringe auf dem gesamten Spiegel und die Oberfläche bewegte sich sachte; ansonsten tat sich nichts.
Gerade wollte Minho mehr als nur eine Fingerspitze in den Spiegel drücken, da ertönte die strenge Stimme von Jisung.

„Pfoten weg!“

Minho zuckte erschrocken zusammen und sprang einen halben Meter vom Spiegel weg.
Jisung kam mit schnellen Schritten auf ihn zu und stellte sich zwischen ihm und den Spiegel hin.
„Fass den Wasserspiegel nicht an, Mensch.“

Die Art, wie er „Mensch“ aussprach, ähnelte dem Ton, wie Minho zuvor „Es sollte keine Hexen geben!“ gesagt hatte.
Minho gefiel der Ton nicht und er bemerkte nun, wie unhöflich er insgesamt auf Jisung wirken musste.

Schuldig schluckte Minho einen Kloß, welcher sich so langsam in seinem Hals angesammelt hatte, herunter und fragte ruhig: „Wieso nicht? Was macht dieser Wasserspiegel?“

Jisung drehte sich einmal kurz zum Wasserspiegel herum, dann blickte er wieder Minho an, welcher ihn nicht aus den Augen gelassen hatte. Die Neugier war deutlich in seinen Augen zu sehen.

„Hast du schon mal von Paralleluniversen gehört?“, fragte Jisung und nickte dann sich selbst zu.
„Der Wasserspiegel enthält nicht nur ein anderes Universum, nein. Jedes erdenkliche Universum ist dort drinnen gefangen. Also, wenn du nicht auf Nimmer-Wiedersehen verschwinden möchtest, berührst du diesen Spiegel lieber nicht, klar?“

Minho nickte gehorsam und drehte sich dann vom Spiegel weg.
„Gut zu wissen, denk ich.“

„Unnützes Wissen für einen Menschen. Du wirst nie wieder einem Wasserspiegel gegenüber stehen.“, kommentierte Jisung seufzend und wollte schon wieder durch den Torbogen treten, da stoppte her.
Er betrachtete Minho's Wunden auf dem Rücken, welcher ihm gerade zugedreht wurde. Minho wusste es, doch er bewegte oder beschwerte sich nicht.
Jisung streckte die Hand aus und berührte sanft die heilenden Wunden. Eine angenehme Wärme durchfuhr Minho und er schloss entspannt die Augen.
Es war, als wenn die Berührung von Jisung ihm Kraft und Energie gab.

Auf einmal zog Jisung seine Hand zurück und sofort riss Minho wieder die Augen auf, da die kalte Luft wieder auf seinen nackten Rücken traf.
„Ich hole dir ein neues Shirt.“, flüsterte Jisung und verschwand mit leisem Glockenspiel durch den Perlenvorhang.

Minho sah ihm stumm nach und ballte dann die Hände zu Fäuste. Wie konnte Jisung noch immer so nett zu ihm sein, nachdem Minho nichts als Unhöflichkeit an den Tag brachte?
Ja, Jisung sagte auch nicht nette Dinge und auch nicht in nettem Ton, doch seine Gestik und sein Verhalten zeigten gute Manieren und gute Gastfreundschaft.

Jisung kam wenig später mit einem frischen Shirt zurück und hielt es Minho hin.
„Bitte.“

„Danke.“, entgegnete Minho.
Er blickte der Hexe in die Augen und sagte deutlich: „Danke, dass du mich geheilt hast.“

Ein leichtes Lächeln stahl sich auf Jisung's Lippen und er beugte leicht den Kopf.
„Das ist mein Job als Wächter dieses Waldes, Mensch.“

„Minho. Mein Name ist Minho. Ich hätte mich früher vorstellen müssen.“, erklärte Minho und fuhr sich peinlich berührt durch das braune Haar.
Dann sah er zu seinen Füßen und murmelte: „Und es tut mir Leid, falls ich unhöflich gewesen bin. Ich kann einfach nicht fassen, dass es Hexen gibt oder auch dieses seltsame Wesen im Wald.“

Jisung machte eine Wegwerf-Bewegung mit der einen Hand und lächelte freundlich.
„Kein Problem. Ich wäre auch nicht gut drauf, wenn ich angegriffen worden wäre. Wo wir gerade über den Angriff reden; wovon wurdest du angegriffen?“

Minho zuckte mit den Schultern und zog sich das Shirt, welches er von Jisung bekommen hatte, an. Es war groß, doch Minho stopfte es einfach locker in seine Jeans.
„Sicherlich hat das Ding einen Namen, den ich jedoch nicht kenne.“

Jisung sah ihn noch einige Sekunden fragend an, dann schien er zu bemerken, dass Minho nicht von sich aus weiter reden würde.
Er ging zur Holztheke herüber und griff dahinter. Ein paar Blätter wurden auf die Theke geklatscht und direkt daneben ein Tintenglas und ein Federhalter.

Minho musste über diese altmodische Art grinsen und Jisung schien es zu bemerken.
„Hey, du denkst wahrscheinlich „Wieso nimmt der keinen Kugelschreiber?“, aber ich sag es dir nur einmal. Kugelschreiber sind Teufelszeug. Dämonen benutzen das. Wir Hexen verbrennen uns wortwörtlich die Finger an dem Zeug.“

„Echt?“ sagte Minho mit weit aufgerissenen Augen.

Jisung nickte und fragte dann: „Kannst du das Wesen beschreiben? Wie groß, wie viele Arme, Krallen und Augen es hatte? Oder die Haut? Hatte es Fell?“

Minho schritt zu ihm herüber und fing an zu beschreiben, während Jisung verschiedene kleine Skizzen vom möglichen Aussehen des Wesens erstellte.
Minho musste zugeben, zeichnen konnte Jisung definitiv.

„Es hatte lila Haut, zwei Beine und zu lange Arme mit jeweils fünf Krallen. Sein Maul war endlos tief, aber es hatte überhaupt keine Zähne. Sein Schreien war dafür ohrenbetäubend. Schnell. Es war verdammt schnell auf diesen angewinkelten Beinen. Ich glaube, es ist teilweise gesprungen.“

Jisung ließ den Federhalter sinken und blickte dann auf seine Mini-Skizzen. Minho blickte ebenfalls darauf und zeigte dann auf eine.

„So, exakt genau so sah es aus.“, flüsterte er in die betroffene Stille der Hütte.
Die Erinnerung an die Begegnung mit diesem Wesen ließ seinen gesamten Körper erzittern und er zog scharf die Luft ein.

Jisung nickte und riss dann die Zeichnung vom Blatt. Dazu kritzelte er eine weitere Zeichnung von der Wunde auf Minho's Rücken.

„Ich weiß leider nicht genau, was für ein Wesen das gewesen sein soll, aber kein Problem. Die Zeichnungen werde ich an einen Experten schicken und dieser kann mir definitiv sagen, mit was für einem Wesen wir es hier zu tun haben.“ erklärte Jisung, da er ganz genau wusste, wie viele Fragen nun durch Minho's Kopf jagen mussten.
„Es wundert mich nur etwas. Lila ist nicht … Ach, egal.“, lächelte er gespielt ruhig zu Minho, welcher ihn allerdings durchschaute.
Ansprechen würde er es jedoch nicht.

Jisung rollte das Zettelchen zusammen und legte es dann in seine ausgestreckte, offene Hand.
Er holte tief Luft und blies dann die Rolle an. Anstatt von seiner Hand auf die Holztheke zu fliegen, geschah etwas anderes.
Minho klappte die Kinnlade herunter, als er sah, dass aus Jisung's Mund purpurne Funken kamen und sich um die Rolle legten.
Die Rolle fing daraufhin Feuer und verschwand mit einem leisen „Puff“.

„Was? Wieso? Wo?“, stammelte Minho und betrachtete die leere Handfläche von Jisung.

Jisung grinste ihn belustigt an. „Das ist die Hexen-Art Post zu verschicken.“

„Ihr verbrennt sie?“, fragte Minho fassungslos.

Ein wundervolles Lachen kam aus Jisung's Mund und seine Augen formten sich zu Halbmonden.
Er schüttelte heftig den Kopf und hielt sich dabei an der Holztheke fest.
„Mein Atem sah vielleicht wie Feuer aus, aber es war das Postfeuer. Ein Feuer, welches vielleicht warm ist, jedoch nichts zu Asche verarbeiten kann.“
Immer noch lachend trat Jisung wieder durch den Torbogen und fragte: „Willst du einen Tee oder reicht dir die Magie für heute?“

„Was für einen Tee?“, fragte Minho und klang ein wenig misstrauisch, während er es sich erlaubte Jisung durch den Torbogen zu folgen.

Minho hatte mit einer Küche gerechnet und in gewissermaßen war der Raum auch wie eine Küche aufgebaut.
Allerdings wirkte es auch wie ein Botanikhaus.
Gesamte Holzregale standen mit kleinen Pflänzchen bedeckt. Die Pflanzen waren nicht normal.
Sie bewegten sich und ihre Blätter und Stängel waren gepunktet, gestreift oder sogar kariert.

Minho blinzelte und legte den Kopf schräg, als er sah, wie eine Pflanze sich zur anderen herüber lehnte und diese wirklich anfing rot zu werden.
Flirteten die beiden miteinander?

Jisung beantwortete seine unausgesprochene Frage, indem er seinem Blick folgte und dann lachte.
„Ja, in meiner Welt flirten Pflanzen miteinander. Dies ist die „Herzchen“ Pflanze.“
Er ging zu der Pflanze, welche die andere Pflanze zum Erröten gebracht hatte.
Ihre Blätter waren mit Herzchen übersät und wenn man genau hinhörte, schien sie zu schnurren.

„Sie wird für Liebestränke verwendet.“, fügte Jisung hinzu und streichelte der erröteten Pflanze über die schwarzen, spitzen Blätter.
„Nur seltsam, dass diese Schwarze Witwe darauf anspielt. Normalerweise ist sie sehr kalt anderen gegenüber.“
Die Pflanze mit besagtem Namen beugte sich ebenfalls zur Herzchen Pflanze herüber und sie kuschelten langsam miteinander.

„Also“, Jisung drehte sich wieder zu Minho, welcher interessiert gewisse Dinge in kleinen Abfüllgläsern betrachtete.
Diese gewissen Dinge waren, wie er wenig später bemerkte, Organe von irgendwelchen Tieren.
Bestürzt drehte er sich zu Jisung, welcher verlegen lächelte und dann mit den Schultern zuckte.
„Hey, ich befolge nur die Rezepte.“

Dann schritt er zu einem der zwei Kühlschränke in dieser Küche.
Er öffnete den weißen neben dem rosafarbenen und machte eine einladende Bewegung.
„Welchen Tee willst du probieren?“
Bevor Minho antworten konnte, ertönte eine laute Stimme außerhalb der Hütte die Stille des Waldes.

„Minho!“

Jemand schrie seinen Namen und Minho erkannte die Stimme.
Ohne abzuwarten, drehte er sich herum und eilte mit schnellen Schritten auf die Haustür zu.
Gerade schnappte er sich seine Jacke und wollte die alte Holztür aufreißen, da flüsterte Jisung hinter ihm etwas.

„Wenn du gehst, wirst du mich nicht wieder sehen.“

Minho drehte sich herum und sie blickten sich in die Augen.
Draußen rief wieder jemand seinen Namen, diesmal eine andere ihm unbekannte Person.

Langsam und elegant schritt Jisung auf ihn zu und lächelte dabei traurig.
„Such mich nur auf, wenn du magische Hilfe brauchst. Und bitte … Sag niemandem etwas über meine Existenz.“

Minho schluckte schwer und sah sich noch einmal in der Hütte um.
Sein Blick blieb wieder bei Jisung stehen und dieser seufzte.
Wieder rief jemand draußen nach Minho.

„Du solltest gehen. Du wirst sicherlich vermisst.“

Und da sah Minho die tiefe Trauer und Einsamkeit in Jisung's Augen. Er bekam wohl kaum Besuch.  
Niemand suchte nach ihm, da niemand von ihm wusste. Deshalb war Jisung so nett zu ihm.
Seine Aufgabe schien ein Beschützer zu sein, doch wer beschützte diese arme, kleine Hexe?

Minho holte tief Luft und gab ein Versprechen, welches er auf jeden Fall einhalten wollte.
„Ich komme wieder. Ich verspreche, dich noch einmal zu sehen.“
Bevor Jisung etwas darauf erwidern konnte, riss Minho die Tür auf und schritt entschlossen aus der Hütte.

Minho wollte sich nicht herumdrehen. Er wollte stur gerade aus gehen und der Stimme von Chan, die er unentwegt nach ihm rufen hörte, folgen.
Er wollte zurück rufen, doch er blieb still. Je länger er nachdachte, einfach umzudrehen, desto langsamer wurden seine Schritte.

Auf einmal blieb er abrupt stehen. Das Laub raschelte nicht mehr unter seinen Sohlen.
Die Stille des Waldes umgab ihn und mit ihr wieder die Einsamkeit, die Minho liebte.
Doch nun wollte er sie nicht haben. Jisung musste sich immer so fühlen.
Einsam und verlassen in seiner Holzhütte, nur den gruseligen Wasserspiegel und die magischen Pflanzen als Gesellschaft.

Ruckartig drehte sich Minho herum. Er hatte erwartete die Holzhütte weiter weg durch die Bäume des Waldes stehen sehen zu können, da er ja noch nicht allzu weit gegangen war.
Nichts.
Er sah nichts.
Die Holzhütte war weg und mit ihr auch Jisung, die kleine Hexe.

Eine Leere, welche sich Minho nicht erklären konnte, breitete sich in seinem Herzen aus und sein Rücken schmerzte kurz.
Das mussten die Wunden von diesem schrecklichen Wesen sein.

„Minho!“ hörte er in der Nähe von ihm und er sah wieder nach vorne, in die Richtung des Abhanges, welcher zur Stadt führte.
Keine zehn Meter von ihm stand Chan, sein bester Freund, in seiner Polizistenuniform und sah ihn erleichtert an.
Dann ging er auf ihn zu und plapperte los: „Wir haben seit Stunden nach dir gesucht. Die halbe Polizeistation rennt hier durch den Wald und du … Was stehst du so stumm da und regst dich nicht?“

Minho lächelte leicht, erleichtert, dass sich doch nichts geändert hatte, während er mal eben in eine andere Welt eingetaucht war.
Keine Veränderungen, bis auf Minho selbst. Er wusste von Dingen, die sich Chan und andere nicht mal erträumten.

„Mir geht’s gut, danke der Nachfrage.“, scherzte Minho und seufzte. „Ruf deine Hunde zurück. Die brauchen nicht mehr nach mir suchen.“

„Ha Ha.“ gab Chan ein falsches Lachen von sich und holte sein Walky Talky heraus. Schnell gab er eine Durchsage an seine Kollegen im Wald durch, dann steckte er es wieder zurück.





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Nach einem wundervollen und motivierenden Review von Loneylife habe ich mich dazu entschieden, das zweite Kapitel hochzuladen.
Es war ja auch schon fertig geschrieben und jetzt hab ich auch Motivation weiter zu schreiben.
Zwar hab ich genug mit Projekten von der Uni zu tun, aber das wird schon gehen ;)

Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch Lesern und lasst doch gerne ein kurzes Review mit "Gut" oder "Meh" da XD
Muss nicht, fände aber lustig, wenn ich wirklich nur ein Review mit dem Wort "Meh" lesen würde :D

Bleibt gesund, leckt keine Zugtüren ab und näht euch Schutzmasken :P
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