Chronosaurus

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Bang Chan Han / Han Jisung Lee Know / Lee Minho
23.11.2019
27.04.2020
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23.11.2019 1.831
 
Die kühle Herbstluft legte sich auf Minho's Haut und ließ ihn erschaudern.
Er liebte es früh am Morgen in die Berge zu gehen und durch den Nebel zu wandern. Die Stille gab ihm innere Ruhe und die Einsamkeit war alles was er wollte.
Ab und zu lief ihm ein Reh, ein Wildschwein oder ein anderes Tier über den Weg. Dann sahen sie sich friedlich an und gingen erneut ihre eigenen Wege.
Seine Freunde scherzten immer, dass er ein Naturgeist wäre und ihn der Wald deshalb so bedingungslos akzeptierte.

Ein Knacken schräg hinter ihm ließ ihn erstarren. Ein Knurren folgte und Minho drehte sich entschlossen herum.
Zwar hatte er Wölfe schon gesehen, doch das von weiter weg und nicht so dicht hinter ihm.
Es war aber kein Wolf und wie sehr hatte sich Minho wünschen sollen, dass es ein Wolf gewesen wäre.

Vor ihm war eine zwei Meter hohe Gestalt, ein Wesen. Es war nicht von dieser Erde, das wusste er.
Es hatte zwei Arme, zu lang für den Körper, sodass sie auf dem Boden lagen. Die Beine angewinkelt wie bei einem Frosch, bereit für einen Sprung auf Minho zu.
Die Haut des Wesen war lila und so unnatürlich, dass es sofort hier im Wald auffiel.
Der schwere Atem des Wesen erfüllte die Luft und Minho sah erstarrt ins Maul des Wesen.
Keine Zähne, nichts. Nichts, als schwarze Leere.

Minho's Atem stockte und er ging ein paar Schritte zurück. Was war das?
Nie hatte er an die Legenden der Stadt geglaubt, die Legenden über Hexen und übernatürliche Wesen.
Doch das musste eines von diesen Legenden sein. Was auch immer es war, es sah nicht friedlich aus.

Minho drehte sich herum und sah aus dem Augenwinkel, wie das lila Wesen eine mit Krallen besetzte Hand hob.
Schnell rannte Minho los und hörte, wie die Krallenhand haarscharf an ihm vorbei sausten.
Minho stolperte über den mit Laub besetzten Abhang des Berges nach unten auf die Stadt zu.
Er konnte die vielen Häuser sehen und wusste, dass darin noch friedlich seine Freunde schliefen.
Niemand wusste von dieser seltsamen Kreatur im so idyllisch aussehenden Wald.

Minho hörte das laute Rascheln des Laubes hinter sich und wusste, dass dieses Wesen genau hinter ihm war.
Er schlängelte sich geschickt an Bäumen vorbei, doch das Wesen knallte immer wieder mit einem dumpfen Geräusch gegen die Stämme.
Manchmal knackte es und Minho wusste, dass so eben ein Baum umfiel, nachdem er mit solch einer Masse wie dem Wesen getroffen worden war.
Auf einmal ertönte ein ohrenbetäubendes Kreischen aus dem zahnlosen Maul des Wesen.
Es klang wie ein Adler, doch viel durchdringender und als wenn das Geräusch aus schlechten Musik Boxen, wie bei seinem Auto, kommen würde.

Minho holte sein Handy heraus und tippte die Nummer von Chan ein.
Natürlich ging er nicht dran, doch er wartete, bis der Anrufbeantworter dran ging.

„Chan, hier ist etwas im Wald! Es ist lila, zahnlos und hat lange Krallen!“ rief Minho ins Handy.

In dem Moment kreischte das Wesen wieder und holte mit den Krallen aus. Minho spürte, wie sich die fünf Krallen über sein Schulterblatt zogen.
Von Schmerz erfüllt schnappte er nach Luft und seine Beine verloren das Gleichgewicht.
Ihm fiel das Handy aus der Hand und er klatschte nach vorne mit dem Gesicht ins weiche Laub.
Minho's Sicht wurde schwarz und sein Gehör dumpf. Er hörte, wie das Wesen davon ging, als wenn es alles getan hätte, was es tun wollte, und dann erfüllte die Stille seine Ohren.

Sein Schulterblatt pochte und Minho hatte das Gefühl, ihm würde Lebensenergie ausgesaugt werden. Seine Muskeln wurden schwach und gelähmt und ihm wurde schwindelig.
Das Letzte, was er vernahm, war die dumpfe Stimme aus seinem Handy weiter weg.

„Ihre Nachricht wurde versendet!“


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Seine Augenlider wurden schwer und er wollte schlafen, doch er sollte nicht.
Er musste noch diesen Trank fertig kriegen und er konnte diese magische Flüssigkeit nicht einfach unbeaufsichtigt auf dem Herd stehen lassen.
Jisung atmete tief ein und sah zum Trank, welcher glücklich vor sich hin blubberte in dem kleinen Kessel, den Jisung immer für das Brauen von Tränken verwendete.

So langsam nahm der Trank die gewünschte Farbe an, blau. Dunkelblau wie die Nacht.
Es passte, denn immerhin kochte Jisung hier einen Schlaftrank.
Vielleicht sollte er ihn auch gleich mal ausprobieren, obwohl es schon 12 Uhr mittags war.
Er hatte seit über 24 Stunden nicht geschlafen, denn die Vorbereitung für diesen Schlaftrank nahmen in Anspruch, was er gab.
Schlaf und innere Ruhe.  

Jisung nahm den Kessel vom Herd und kippte den Inhalt in mehrere kleine Fläschchen. Diese stellte er dann in den Kühlschrank zur Kühlung.
Davor beschriftete er sie natürlich. Nicht, dass er sie mit dem genau gleich aussehenden Trank gegen Ausschlag von magischen Pflanzen verwechselte.
Dann wusch er den Kessel ab und sah sehnsüchtig zum Sofa in der Ecke des Wohnzimmers, außerhalb der Braukücher, in welcher er sich befand.

Plötzlich hörte er ein Kreischen. Reflexartig griff Jisung zum Dolch, welcher an seinem Gürtel steckte.
Er regte sich nicht weiter und lauschte. Sein Herz schlug schneller und sein Atem erhöhte sich.
Dieses Kreischen konnte er zwar nicht genau zuordnen, doch er wusste, dass der Ursprung nicht natürlich, sonder übernatürlich war.
Ein Wesen aus seiner Welt hatte sich in den Wald, in welchem Jisung in seiner kleinen Holzhütte wohnte, getraut.
An sich war dies nichts Ungewöhnliches. Jedoch schien es sich hierbei um ein größeres Wesen zu handeln und zudem hatte es soeben einen Jagdschrei von sich gegeben.
Hatte es sich ein unschuldiges Reh oder Wildschwein als Nahrung geschnappt oder war es doch ein unwissender Mensch aus der Stadt am Fuße des Berges?

Die Sorge zerfraß Jisung, wie er hier so herum stand und nachdachte. Entschlossen griff er zu seiner dunkelblauen, hüftlangen Cordjacke, welche an der Haustür hing, und riss die Tür entschlossen auf.
Dort draußen sollte es nur ein magisches Wesen geben, das von allen gefürchtet wurde, und das war Jisung.
Ungewollt war er der Wächter dieses Waldes und hatte sich um alle übernatürlichen Angelegenheiten in dieser Gegend zu kümmern.

Seine Stiefel hinterließen kaum ein Geräusch auf dem mit Laub verdeckten Waldboden. Einige Minuten wanderte Jisung ziellos durch den Wald, suchte nach irgendeinem Hinweis auf ein übernatürliches Wesen.
Eine halbe Stunde später, als er in die Richtung der Stadt gegangen war, fand er etwas.
Fußspuren waren das Erste was zu sehen war. Die Spuren waren größer als Jisung gedacht hatte und ihm lief ein eiskalter Schauer über den Rücken.

„Irgendetwas stimmt hier nicht.“ murmelte er zu sich selbst und folgte den Spuren.
Diese führten immer mehr auf die Stadt und somit den Abhang vom Berg zu. Außerdem schienen sie immer mehr auseinander zu gehen; das Wesen musste angefangen haben zu rennen. Wieso?

Weiter weg konnte Jisung sehen, wie einige Bäume umgerissen worden waren. Das Wesen musste mit voller Kraft gegen sie gerammt sein. Aber wieso? Es ergab keinen Sinn für Jisung.
Sicherlich, das Wesen hatte etwas gejagt, doch dabei würde es normalerweise nicht wild gegen Bäume rennen. Dies nahm er zumindest an.
Er nahm auch an, dass das Wesen definitiv nicht vor etwas weggerannt war. Sein Kreischen hatte sich so mächtig angehört, als wenn es gewusst hatte, dass es das mächtigste Wesen hier in der Gegend war.

Besorgt folgte Jisung weiterhin den Spuren und ging den Abhang herab. Er untersuchte die Bäume, doch er konnte keine DNA Spuren finden. Kein Schleim, kein Speichel oder ein anderes Körpersekret.
Es war, als wenn es nie dagewesen wäre, wären da nicht die umgerissenen Bäume und die offensichtlichen Fußspuren.

In seine Gedanken versunken ging Jisung weiter und stellte etwas fest. Ab der Mitte des Abhanges hörten die umgerissenen Bäume auf, als wenn sich das Wesen dort beruhigt hätte.
Das musste heißen, dass es an diesem Punkt seine Beute erwischt hatte, und dies wiederum bedeutete, dass seine Beute noch dort liegen könnte.

Jisung's Schrittgeschwindigkeit erhöhte sich und er joggte locker zu dem Punkt, wo das Wesen seine Beute erwischt haben musste.
Je näher er kam, desto mehr konnte er erkennen, dass dort tatsächlich etwas im Laub lag.
Und dann erkannte er, was dort lag.

„Oh mein Gott.“ Jisung schnappte nach Luft und rannte los.

Als er den bewusstlosen jungen Mann erreichte, kniete er sich hin und drehte ihn herum.
Er legte ihm die Hand auf die Brust und konzentrierte sich. Er atmete noch. Jisung konnte deutlich seinen Herzschlag an den Fingerspitzen spüren.
Erleichtert seufzte er die angehaltene Luft heraus.

Die nächsten Minuten verbrachte er mit der Komplexität, wie er denn bitte diesen Mann zu seiner Hütte tragen sollte.
Huckepack war die beste Variante.

Während Jisung den Bewusstlosen den Berg hinauf hievte, dachte er nach.
Als er zu dem Mann gekommen war, hatte er deutlich die Wunde auf dessen Rücken gesehen.
Wie denn nicht, wenn der Mann mit dem Rücken nach oben im Laub lag. Jisung hatte das Gefühl von solch einer Wunde mal gelesen zu haben.
Fünf Kratzer, sauber alle nebeneinander. Die Kratzer alleine schienen kräftig genug gewesen zu sein, um einen Erwachsenen bewusstlos zu machen.

Jisung schloss die Haustür seiner Hütte auf und stolperte hinein. Weniger vorsichtig ließ er den jungen Mann auf dem Sofa in der Ecke nieder und drehte ihn herum, sodass man seinen Rücken sehen konnte.
Danach schloss Jisung die Haustür wieder zu und zog seine Jacke aus.

Entschlossen kniete er sich vor dem Sofa hin und schnitt die Klamotten des Mannes auf, um die Wunde besser betrachten zu können.
Fünf Kratzer, innen lila und außen herum neongrün.
Es sah ekelig aus, doch Jisung musste sich nicht übergeben. Er hatte schon Schlimmeres gesehen, wobei das hier auch schon nicht ohne war.
Vorsichtig schwebten seine Fingerspitzen über der Wunde und nahmen alle magischen Informationen auf, die es gab.

„Schmerzen.“ hauchte Jisung und zog seufzend seine Hand vom Rücken des Mannes zurück. „Du musst Schmerzen haben. Warte kurz hier.“

Schwungvoll sprang Jisung auf und eilte zum Kühlschrank in seiner Küche. Dabei musste er vom Wohnzimmer, wo er sich befand, durch einen kleinen Durchgang, welcher nur durch eine Perlenkette abgedeckt wurde, hindurch zur Küche.
Er schnappte sich ein pastelrosa, rundes Fläschchen und ging damit zurück zum Mann.
Mit einem leisen „Plopp“ zog er den kleinen Korken aus dem Fläschchen und kippte es sachte.
Ein Tropfen fiel auf die Wunde vom Mann. Jisung wartete noch einmal kurz und dann fiel ein zweiter Tropfen auf die Wunde.

„Das sollte reichen.“ sagte Jisung, als wenn der Mann ihn hörten könnte.
Das war eine Angewohnheit von ihm. Er sprach ständig mit sich selbst, denn wer sonst würde dies tun.

Jisung verschloss die Flasche und stellte sie auf einen kleinen Tisch, welcher neben der Couch stand.
Nun hieß es abwarten, bis der Mann erwachte. Also machte Jisung es sich gemütlich und setzte sich mit einem Kissen einen Meter vom Sofa entfernt auf den Boden und sah zum Mann.
Seine Augenlider wurden wieder schwer und er kämpfte gegen die Müdigkeit an, musste sich aber am Ende geschlagen geben und schlief mit dem Kissen unter dem Kopf auf dem dünnen, orangenen Teppich im Wohnzimmer ein.
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