Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Zuhause (The Lost Boys - 1987)

GeschichteDrama, Mystery / P18
22.11.2019
23.09.2020
25
42.178
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.11.2019 679
 
Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen das hüfthohe Geländer der Promenade und lies den Kopf in den Nacken fallen. Mit geschlossenen Augen genoss ich die leichte Brise auf meinem Gesicht und die vielen unterschiedlichen Gerüche und Geräusche die mich umgaben. Das war es also. Santa Carla – mein neues Zuhause. Das dritte in zwei Jahren. Vielleicht was das ja endlich der Neustart nach dem ich mich so sehnte. Ich öffnete die Augen und konzentrierte mich wieder auf das bunte Treiben um mich herum, ich wollte nicht darüber nachdenken was mich hierher gebracht hatte. Ich bemerkte die Blicke die mir einige zuwarfen. Das war mir egal. Ich stach immer ein bisschen heraus, mit meinen lockigen feuerrot gefärbten Haaren. Zumindest tagsüber und wenn wenig junge Leute unterwegs waren.

„Kimberley! Jetzt komm endlich.“ Ich wandte mich der weiblichen Stimme zu.
„Ich komme schon Tante Lucy.“ Langsam schlenderte ich auf die Frau mit den kurzen Haaren zu. Neben ihr grinsten mich meine beiden Cousins blöde an. Michael und Sam wussten ganz genau wie sehr ich es hasste bei meinem vollen Namen gerufen zu werden.
„Ich werde mich gleich ein wenig nach Arbeit umhören. Es wäre schön wenn Michael und Kimberly das auch tun würden. Lasst Sam nicht aus den Augen…“
„Mom! Ich brauche keinen Babysitter. Ich kann auf mich selber aufpassen. Das ist so peinlich, außerdem ist es mitten am Tag.“, beschwerte sich Sam.
„Wie wäre es, wenn ich mit ihm losziehe und Kim mit dir auf Jobsuche geht? Und dann treffen wir uns nachher einfach am Videoshop.“, lenkte Michael ein. Resignierend stimmte Lucy zu und hakte sich bei mir unter, wodurch sie nicht sehen konnte wie ich den beiden Jungs die Zunge heraus streckte.

Die Sonne ging langsam unter und die Promenade schien immer mehr zum Leben zu erwachen. Bisher hatten wir niemanden gefunden der Mitarbeiter brauchte. Natürlich waren wir durch einige Läden geschlendert und ich nahm mir fest vor später auf jeden Fall nochmal ein wenig in dem kleinen Plattenladen zu stöbern. Die Jungs waren noch nicht da als wir am Videoshop ankamen.
„Schau mal Tante Lucy.“ Ich deutete auf das Schild im Fenster.
- Aushilfe gesucht –
„Na dann versuchen wir mal unser Glück.“, sie lächelte mich an und zog ich in den Laden. Meine Tante ging auf die Kassiererin zu und sprach sie auf das Schild im Schaufenster an. „Das trifft sich gut, meine Liebe. Guten Abend ich bin Max. Mir gehört der Laden.“ Ein Mann mittleren Alters sprach Lucy an. Er sah auch aus wie der Besitzer von dem Laden hier, dachte ich. Irgendwie viel zu glatt und aufgesetzt.

Da sich das Gespräch wohl noch in die Länge zu ziehen schien, sah ich mich ein wenig in dem Laden um. Die Auswahl der Filme war nicht unbedingt nach meinem Geschmack, auch wenn ich ein paar Horrorfilme entdeckte, die mir gefielen. Mein Blick ging in eine Ecke des Ladens in der tatsächlich ein Regal mit verschiedenen Musikzeitschriften, Schallplatten und CDs. Neugierig schlenderte ich hinüber. Ich schaute nicht auf als ich die Ladenklingel hörte und jemand herein kam, ich blätterte lieber durch die aktuelle Ausgabe des Rolling Stone Magazines.

„Ich habe euch doch gesagt, dass ich euch hier nicht mehr sehen will. Raus mit euch Jungs!“ Jetzt blickte ich doch hinter dem Regal hervor. Der Besitzer, Max, hatte das Gespräch mit meiner Tante unterbrochen und diskutierte mit einem blonden Jungen. Hinter ihm standen grinsend noch drei Jungs, anscheinend so eine Art Gang. Alle vier das klassische Bild des Bad Boys.

Lucy wandte sich nach mir um. Bitte tu es nicht, dachte ich nur flehend.
„Kommst du Kimberley?“
Verdammt sie hat es getan! Ich biss mir auf die Lippe und war mir sicher, dass ich so rot war wie meine Haare, als ich schnell an Max und den vier Jungs vorbei zur Tür hinaus huschte. Ich konnte ihre Blicke fast spüren und hörte einen leisen Pfiff hinter mir. Dann war ich draußen. Sofort war das Gefühl beobachtet zu werden weg. Wir gingen ein Stück weiter, zu einem Chinaimbiss vor dem meine Cousins standen und winkten. Das traf sich gut, ich hatte Hunger.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast