Soulmates

von -LeeLuna-
OneshotRomanze, Tragödie / P12 Slash
Kim Seokjin RM
21.11.2019
21.11.2019
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Es war Winter, als er mich verließ.

Der Ausdruck in seinen Augen glich damals dem kalten und stürmischen Wetter, welches in der Nacht über unser Haus gezogen war.
Ich erinnerte mich noch genau, wie der Wind durch alle Ecken drang, der Regen auf die Fenster prasselte und der Nebel das Gras umhüllte.

Er wusste, dass ich in solchen Momenten Angst hatte.

Er wusste es.

Und trotzdem tat er es.

Auch wenn es schon Jahre her war und ich ihn seitdem nicht mehr gesehen hatte, erinnerte ich mich trotzdem noch an alles von ihm.

Er mit seinen wunderschönen Augen, die damals nur für mich geglänzt hatten, er mit seiner wunderbaren Seele, welche wie für mich gemacht schien.

Aber dies war nur Wunschdenken gewesen.
Eine Seifenblase, welche in dieser Nacht, in der es am dunkelsten war, geplatzt war.

Trotz diesen Umständen oder gerade wegen dieser Umstände vermisste ich ihn.

Damals hatte ich nicht den Grund gekannt, warum er mich verlassen hatte. War ich zu langweilig, zu hässlich, nicht mehr liebenswürdig? Was war passiert?Was hatte ich getan?
Bis heute wusste ich es nicht. Bis heute gab ich mir die Schuld. Ich gab allen die Schuld. Allen außer ihm.

Denn eine Sache hatte sich über die Jahre nie verändert. Meine Gefühle für ihn.
Sie waren noch genauso present, genauso intensiv wie am ersten Tag.

Ich hatte ihm in die Augen geschaut, er hatte mir in die Augen geschaut..und das war's. Liebe auf den ersten Blick, hatten meine Freunde früher immer gesagt.

Und ja, das war sie wirklich. Wahre, vollkommene Liebe.

Noch am selben Abend teilten wir unseren ersten Kuss und flüsterten uns Dinge ins Ohr, welche ich ebenfalls niemals vergessen kann.
Damals in dem Hütte, welche er zusammen mit seinem Vater gebaut hatte.

Abgeschieden. Mitten im Wald. An einem Hang. Mit dem schönsten Blick auf die Stadt, den es gibt. Es war atemberaubend.

Aber so schnell die Flamme unserer Liebe entfacht war, so schnell war sie auch wieder ausgebrannt. Jedenfalls war es für ihn so. Für mich nicht. Sie brannte immer noch. Schwach, klein und zerbrechlich, dennoch tat sie es.

Auch heute noch, jetzt in diesem Moment, denke ich über all diese Dinge nach. Ich habe nie gelernt loszulassen. Ich konnte, ja sogar wollte nicht.

Ich dachte immer, er würde zurück kommen. Er würde einsehen, dass er ein Fehler gemacht hatte. Ich hätte ihm verziehen. Ich würde ihm immer verzeihen.

Doch er kam nicht zurück. Dies wurde mir immer deutlicher bewusst, obwohl ich immer noch festhielt. An meinen Erinnerungen, meinen Gedanken.

Meine Freunde hatten mich längst hinter sich gelassen und gingen ihren eigenen Weg.
Denn mittlerweile hatten wir unseren Abschluss gemacht. Den Abschluss, welcher mich nicht interessierte. Denn ohne ihn, meinen Seelenverwandten, gab es keine Zukunft.

Ich nannte ihn immer noch so, nach all den Jahren.
Er hatte es früher geliebt, mich so zu nennen.

Du bist die Person für mich. Mein Ein und Alles. Ich bin so glücklich dich kennenlernen zu dürfen, meinen Seelenverwandten.

Dies hatte er immer zu sagen geflegt. Und ich hatte ihm geglaubt. Ich hätte ihm alles geglaubt. Denn Liebe macht blind.

Doch bei mir half keine Brille, keine Kontaktlinsen. Nur er konnte helfen. Aber er wollte nicht.

Wie ging es ihm wohl heute? War er glücklich? Dachte er noch an mich, wie ich es tat?
Vermutlich nicht.

Jeder normal denkende Mensch wäre wieder glücklich, wäre längst über diese Trennung hinweg. Aber ich war nicht normal. Ich war krank.
Meine Liebe zu ihm war krank.

Ich wusste es. Ich wusste, dass er mir schadet. Ich wusste, dass ich loslassen sollte. Ich wusste, dass ich eine Zukunft hatte.

Diese zu greifen, war schwerer als gedacht. Also blieb ich weiter auf der selben Stelle, mit den selben Gedanken, die ich seit Jahren hatte. Ich kam nicht vor, nicht zurück.

Doch mittlerweile war ich an dem Punkt, an dem ich nicht mehr konnte. Ich konnte nichts ändern, nichts voranbringen. Ich konnte nicht leben.

Entweder musste ich etwas ändern oder..

..mein Leben beenden.

Die zweite Option würde mir einfacher fallen, denn ich war eh schon tot. Eine leblose Hülle, die Tag für Tag aufsteht und sich Nacht für Nacht wünscht nicht mehr aufstehen zu müssen.

Diese Spirale zog mich immer weiter runter, bis ich irgendwann am Boden ankommen würde.
Sofort dachte ich wieder an ihn. Was er mir damals in mein Ohr geflüstert hatte.

Wenn du ganz unten bist, dann gibt es nur einen Weg. Und zwar den nach oben.

Ich dachte drüber nach. Länger und länger.
Bis ich zu einem Entschluss kam.

Ihn zu vergessen. Voran zu gehen. Weiter zu machen. Loszulassen.

All diese Dinge prasselten auf einmal in mein Gehirn. Ich spürte sowas wie Hoffnung. Auch wenn es nur ein Fünkchen war.

Doch sie war da. Und sie starb zuletzt.

Entschlossen irgendwas zu machen, zog ich zum ersten Mal seit langem wieder meine Schuhe an, meine Jacke an und nahm meinen Wohnungsschlüssel in die Hand.
Jene Wohnung, die ich seit Wochen nicht verlassen hatte.
Doch ich wollte jetzt. Irgendwie. Vielleicht.

Ich machte die Tür auf und setzte einen Fuß vor den anderen. Immer noch ungläubig, dass ich das gerade wirklich tat.

Doch was wollte ich eigentlich machen?
Ich würde vielleicht einfach nur planlos durch die Straßen ziehen, oder?

Ein Café. Das Café. In dem ich früher gerne gesessen hatte.

Dieses Café lag am Stadtrand, weshalb es dort etwas ruhiger und gemütlicher zuging.

Jetzt zum Winter hin wurde da alles bestimmt dekoriert mit vielen Lichterketten und weichen Kissen für die Sessel.

Und zum ersten Mal seit langem zeigte ich einen Ansatz eines Lächelns. Ich freute mich.
Ich freute mich tatsächlich.

Ein wenig durchgefrohren kam ich in dem Café an, welches sogar noch schöner aussah als in meinen Gedanken.

Ich ging automatisch in meine damalige Lieblingsecke. Dort hatte ich mich immer verzogen, wenn es Zuhause mal wieder eskaliert war. Damals mit 16 wusste ich mir nicht anders zu helfen, als mich einfach stundenlang in diese Ecke zu setzen und einen Kakao nach dem anderen zu trinken.

Und genau das hatte ich heute auch vor, weshalb ich mir meinen Lieblingskakao mit Spekulatiusgeschmack bestellte.

Nach ein paar Minuten nahm ich die Tasse dankend an und versuchte den ersten Schluck zu trinken.

Prima nicht zu heiß, dachte ich mir.

Ich machte es mir in meiner Ecke gemütlich.

"Jinnie?"

Ich stutzte. Diesen Spitznamen hat keiner mehr verwendet, seit..

Ich blickte auf und sah direkt in seine Augen. Die Augen von ihm.

Er sah mit dem gleichen, intensiven Blick zurück, wie er es damals gemacht hatte. Wie bei unserer ersten Begegnung. In diesem Café.

"Kim Namjoon..", flüsterte ich.

Doch er hörte es.

Und lächelte.