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BBC's Hustle - Flames and Dust

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
21.11.2019
21.11.2019
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Disclaimer:
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In dieser Geschichte wird der Konsum von Alkohol geschildert (teilweise auch im Übermaß)!
Das liegt allerdings nur daran, dass die Situation und der Kontext dies mit sich bringen und es für den weiteren Verlauf der Handlung unumgänglich ist.

Bitte seid immer vorsichtig im Umgang mit Alkohol. Damit ist nicht zu spaßen. Ich persönlich trinke gar nichts. Denn ich habe Menschen daran sterben sehen.

Ihr solltet euch weder aus Gruppenzwang dazu hinreißen lassen, übermäßig zu trinken, noch versuchen, im Alkohol eine Lösung für Probleme zu finden.
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Ich sah aus dem großen weißen Fenster zu meiner Rechten.
Der Himmel war durchscheinend grau und es dämmerte gerade.
Londons Skyline hatte einen dunkelorangen Ton angenommen.
Und auch im Haus war es ruhig geworden.

Ohne weiter darüber nachzudenken, schlüpfte ich in meine beigen High Heels.
Schuhe mit hohen Absätzen zu tragen, gab mir immer ein selbstbewusstes Gefühl.
Ich sah auf meinen Wecker, der immer 10 Minuten vor gestellt war. Eine Macke von meiner Mutter.
Sie tat das mit allen Uhren im Haus, damit sie nie zu spät kommen kann, sagt sie.
Es war kurz nach 18 Uhr. 19:30 Uhr lief ein Fußballspiel, das ich unbedingt sehen wollte. Manchester United gegen West Ham.
Auch wenn das eigentlich nicht meine Art war, beschloss ich also um diese Zeit nochmal in die Stadt zu gehen. Ich kannte da eine Kneipe, in der ich früher oft mit meinem Vater gewesen bin, um Fußball zu gucken. Vorsichtshalber steckte ich seinen alten, gestreiften Fanschal ein.
Er war sein Heiligtum. Er dachte immer, es bringe Glück, wenn er ihn bei sich trüge.
Am Tag seines Unfalls hatte er ihn zu Hause gelassen.

Ich wurde unerwartet aus meinen Gedanken gerissen, denn aus dem Wohnzimmer war plötzlich wieder Lärm zu vernehmen.
Ich schnappte schnell nach meiner Handtasche und schlich aus dem Haus.

Als ich kurze Zeit später in der richtigen Straße angekommen war und durch die Tür der hell erleuchteten Kneipe trat, hatte das Spiel bereits angefangen.
Ich ging zum Tresen herüber um mir was zum Trinken zu kaufen und mir dann einen Platz zu suchen.
,,Wie lange läuft das Spiel schon?", fragte ich neugierig, während ich mich leicht gegen den Tisch lehnte um in meiner Tasche zu kramen.
,,Ungefähr 5 Minuten.", antwortete die tiefe, etwas gelangweilte Stimme eines Mannes, der neben mir an der Theke stand.
Seine Haare waren dunkelblond, hatten aber durch die Beleuchtung der Bar einen leicht rötlichen Schimmer.
Er drehte sich zu mir um, starrte mich einen Moment lang an und musterte mich dann kurz.
Ich musste ein wenig verlegen lächeln.
Er lächelte zurück, wandte sich anschließend aber wieder dem Kellner zu.
,,Ein Guinness, bitte."
Der Kellner nickte und wandte sich nun mir zu.
,,Sie auch, junge Dame?"
,,Nein danke, ich nehme ein Irn Bru."

Während er dabei war, die Flasche zu öffnen, holte ich einen 5 £ - Schein aus meiner Brieftasche.
Aber der Mann neben mir schob einen 10 £ - Schein über die Theke und meinen eigenen Schein wieder quer zu mir zurück.
,,Passt. Ich mach das schon."
Ich war einen Moment lang so verblüfft, dass ich wohl da stehen musste wie angewurzelt.
,,Setzen Sie sich ruhig zu mir."
Ich schmunzelte.
,,Danke, Mister -"
,,Morgan."
Ich griff meine Brause und
wir nahmen an einem der dunkelbraunen Holztische in der Ecke Platz.

Während des Spiels sprach ich kaum mit ihm. Aber es war keine seltsame Stille, schließlich waren wir hier, um Fußball zu sehen. Und das taten wir auch bis schließlich die Halbzeit begann.
West Ham führte mit 2:0 und ich hatte relativ gute Laune.
Entsprechend positiv reagierte ich, als Mister Morgan endlich ein Gespräch mit mir anfing.
,,Also - wie ist ihr Name?", fragte er interessiert. Seine hellblauen Augen leuchteten mich warm an.
,,Sheila. Sheila Sinclair."
Er verschränkte die Arme, lächelte aber leicht amüsiert.
,,Sind Sie Irin?"
,,Naja. Mein Vater ist aus Irland.", gab ich schüchtern zu.
,,Dann haben Sie doch sicher nichts gegen ein Glas Guinness, oder?"
Ich schüttelte daraufhin schmunzelnd den Kopf.
Er stand auf und wollte zur Theke gehen,  drehte sich dann aber nochmal zu mir um.
,,Oder doch lieber Irish Whiskey?"
,,So einfach können mich nicht abfüllen.", grinste ich.
Er nickte verschmitzt.

Ich sah erwartungsvoll auf mein Handy.
,20:19 Uhr'.
Und ich hatte noch keine einzige Nachricht von meiner Mutter. Premiere. Aber auch merkwürdig. Ich steckte es trotzdem wieder zurück in meine Tasche und konzentrierte mich auf Mister Morgans hellblaue Augen. Ich fand ihn eigentlich wirklich attraktiv, doch ich konnte nur schwer einschätzen, wie alt er war. In sowas war ich wirklich nicht so gut.

Kaum hatte er sich wieder gesetzt, ging das Spiel weiter. Die Lautstärke legte sich langsam wieder.
Doch die Stille hielt nicht lange an.
Denn kurz nach der Halbzeit kreuzte plötzlich mein Stiefvater Eric auf.

,,Hier treibst du dich wieder rum."
Ich rollte mit den Augen.
Jetzt geht ein Gewitter los, davon war ich überzeugt.
,,Wer ist der Kerl?"
Mister Morgan musterte ihn.
,,Mein Stiefvater."
Eric kam zu mir an den Tisch gehastet.
,,Fräulein, du hast hier nichts verloren! Was fällt dir ein, einfach abzuhauen?"
,,Ich wollte mir nur das Spiel ansehen."
,,So ein Schwachsinn!"
Er griff nach meinem Handgelenk und zerrte mich von meinem Platz.
,,Hey!" Ich versuchte mich aus seinem Griff zu befreien.
Mister Morgan erhob sich daraufhin und bäumte sich vor ihm auf.
,,Lassen Sie endlich das Mädchen in Ruhe."
,,Wer sind Sie denn?", fragte er halb abwertend, halb provokativ und hob dabei das Kinn. Mich ließ er nun los.
,,Ich denke, das geht Sie nichts an."
Eric grinste dämlich.
,,Na falls Sie sie heute noch schwängern, muss ich ja wissen, an wen ich mich wenden muss."
Er schlug meinem Stiefvater daraufhin grob mit der Faust ins Gesicht.
Ich erschrak.
Er fiel ein Stück zurück. Mister Morgan schien sich nicht zurückgehalten zu haben, denn Eric blutete aus der Nase.
Trotzdem richtete er sich wieder auf.
,,Sheila, wenn du in zwei Stunden nicht zuhause bist, kannst du was erleben!", brüllte er.
Ich sah auf den Boden. Am liebsten würde ich gerade einfach nur darin versinken, dachte ich.
Er wollte noch etwas zu mir sagen, aber Mister Morgan packte ihn an der Schulter und schubste ihn in Richtung Ausgang.
Er warf mir einen unfassbar wütenden Blick zu, dann verschwand er mit einem lauten Türknallen.

Ich atmete tief durch.

Gott, Erics Auftritt war so peinlich.
Alle starrten zu uns herüber; das bemerkte ich erst jetzt.
Also setzte ich mich leise wieder und versuchte, für den Rest des Abends so unauffällig wie möglich zu wirken.
Es war wie in einem schlechten Film.  
Ich schämte mich so sehr für ihn....
Das schien auch Mister Morgan zu bemerken, denn er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.
,,Hey Kleine, du kannst nichts dafür, dass er sich so aufführt."
Meine Mundwinkel zogen sich ein Stückchen nach oben.

,,Ist der immer so zu dir?"
,,Immer wenn er zu viel getrunken hat..."
Er schüttelte verständnislos den Kopf.
,,Vollidiot."
Ich zuckte mit den Schultern.
,,Und du lässt dir das gefallen?"
,,Naja, bin eigentlich nicht viel zu Hause."
Ich nahm ein Schluck von meinem Bier.
,,Am liebsten würde ich ihn nie wieder sehen, das können Sie mir glauben. Ich bin oft stundenlang in der Innenstadt. Aber am Ende des Tages - muss ich ja doch wieder dahin zurück."
Er sah mich eindringlich an.
,,Das geht schon so seitdem ich 15 bin. War damals oft beim Jugendamt. Aber das Ganze hat dort niemanden mehr interessiert, weil ich schon alt genug war, um für mich selber zu sorgen."
,,Wie alt bist du?"
Ich wich seinem Blick aus.
,,achtzehn."
Er schwieg. Ich hatte keine Ahnung, ob er geschockt war oder nicht, aber ich wollte es eigentlich auch nicht wirklich wissen.
Ich wusste selbst nicht, weshalb ich ihm gerade meine Lebensgeschichte erzählt habe.
,,Was ist mit deinem Vater?"
,,Er ist schon tot."
,,Tut mir leid."
,,Wir sind früher oft zusammen hierher gegangen. Haben uns Fußball angesehen. Mein Dad war ein riesen Fußballfan.", lächelte ich schüchtern. Ich dachte oft an ihn. Wäre er noch da, müsste meine Mutter sich Eric nicht gefallen lassen. Und mir würde er dann auch nicht auf der Nase herumtanzen können.
,,Der Schal in deiner Tasche ist von ihm, oder?"
Ich nickte.
Etwas apart betrachtete ich die hellblauen Streifen, die den dunkelroten Stoff überzogen; als die ganze Kneipe plötzlich laut aufjaulte.
2:1.
Manchester hatte ein Tor gemacht.
Ich rollte mit den Augen. Na toll.
Dabei fiel mir wieder ein, weshalb ich eigentlich hier war: Fußball.
Die fünfunddreißigste Minute war schon angebrochen.
,,Was denkst du? Gewinnen wir?", fragte mich Mister Morgan.
Ich nickte.
,,Darauf könnte ich wetten."
Ich lächelte überzeugt in Richtung Glücksschal.
Und ich sollte Recht behalten.
West Ham gewann mit 2 : 1.

Ich freute mich so sehr, dass ich ihm quer über den Tisch ein High Five gab.
Gleichzeitig wurde meine Stimmung aber immer mehr von dem Gedanken getrübt, wie Eric mich wohl tyrannisieren wird, wenn ich wieder zu Hause bin. Und noch schlimmer: Wie meine Mutter reagieren wird...

Als ich neben Mister Morgan das Lokal verließ, regnete es wie aus Kannen.

Ich blieb unter dem Dach stehen, um meine Nachrichten zu checken.
52 Nachrichten, 3 verpasste Anrufe und 1 Mailboxnachricht.
Und alle von meiner Mutter. Ja, das passte schon eher zu ihr.
Die Mailboxnachrichten hinterließ sie im Grunde immer nur ausversehen, weil sie zu spät auflegte.
Aufmerksam las ich mir ein paar ihrer Nachrichten durch, um sicher zu gehen, das nichts passiert ist. Aber Nein; es ging in jeder einzelnen der 52 Nachrichten nur um Eric....

Ich lehnte mich seufzend gegen die Fassade.

,,Hast du vor, hier zu bleiben?"
Ich schüttelte den Kopf.
,,Ich warte noch bis der Regen schwächer wird, dann gehe ich auch nach Hause."
Mein Blick schweifte zu Boden.
Der Regen prasselte nur so auf die Straßen.
,,Komm mit mir, Kleine."
Ich sah ihn fragend mit großen Augen an.
Er lächelte leicht.
,,Na los, komm endlich."
Zögerlich tat ich ein paar Schritte auf ihn zu.
,Gehe niemals mit fremden Männern mit.', hörte ich die Stimme meine Mutter in meinem Hinterkopf.
Sie würde einen Herzinfarkt bekommen.
Aber seien wir ehrlich: Ich vertraute diesem Mann mehr, als ich Eric jemals vertrauen werde.
Also tat ich das Richtige. Das, was wahrscheinlich niemand sonst getan hätte. Ich hörte auf mein Herz und ging mit ihm.
,, - unter den Schirm. Oder willst du nass werden?"
Er zog mich enger an sich heran, bis jeder Zentimeter von mir von dem schwarzen Regenschirm, den er bei sich trug, überdeckt wurde.
Ich fühlte, wie mein Blut mir in die Wangen lief.
Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich ihn heimlich ansah, traute mich aber nicht, etwas zu sagen. Ich wusste einfach nicht was.
Also liefen wir knappe 10 Minuten nur stumm nebeneinander her, bis er sich dazu entschied, endlich die Stille zu brechen.
,,Nenn mich Ash."
,,Ash wie Ashton?"
,,Nein. Ash wie - Ashley."
Ich kicherte in mich hinein. Ein ziemlich seltener Männername.
An der nächsten Straßenecke blieb er plötzlich stehen.
Ich hob meinen Kopf.
Er schien in einem der Hochhäuser zu wohnen, deren Fenster glänzten wie Spiegel und über die sich Eric immer aufgeregt hatte, weil sie angeblich die Stadt verschandelten.
,,Wo sind wir?", fragte ich.
,,Eastend."

Nachdem ich ihm in die Eingangshalle gefolgt bin, stiegen wir nun in einen Aufzug.
Okay, zugegeben: DAS war wirklich eine unangenehme Stille da drin.
Um so erleichterter war ich, als sich die glänzenden Metalltüren endlich wieder aufschoben.
Ich zog meine High Heels aus und nahm sie in die Hand um keinen Lärm zu machen.

Leise schlichen wir uns durch die dunkle Penthousewohnung. Ash hielt mich an der Hand, damit ich im Dunkeln den Weg fand.
Er zog mich in irgendein Zimmer und schloss vorsichtig die Tür.
Dabei kam er mir für ein paar Sekunden bedrohlich nah.
Mein Herz pochte. Ich wusste nicht, ob ich mich zu ihm hingezogen fühlte, oder ob er mich einschüchterte. Womöglich beides.
Aber ich hatte keine Zeit, es herauszufinden.
Er knipste den Lichtschalter an, der sich direkt hinter mir an der Wand befand, dann ließ er meine Hand los.
Als ich mich umdrehte, traute ich meinen Augen kaum. Ein Teil der Wand bestand nur aus Glas. Die Aussicht auf London von hier aus war atemberaubend.
Man erkannte kaum einzelne Häuser. Nur die dunklen Umrisse der Altstadt und die der anderen Wolkenkratzer. Es war wie ein einziges großes Lichtermeer.
Ashs Stimme ertönte hinter meiner Schulter.
,,Sag was, falls du dich umziehen willst."
Ich sah an mir herunter.
Das Kleid, das ich trug, sah zwar wirklich gut aus, aber zum Schlafen war es nicht sehr bequem.
Er musterte mich.
,,Hast du nichts anderes dabei?"
Ich schüttelte leicht den Kopf.
Daraufhin kramte er kurz in seiner Kommode.
,,Hier. Zieh das an."
Er legte ein etwas länger geschnittenes Hemd auf das Bett.
Ich nickte stumm.
Ashs Blick haftete an mir.
Ich zog leicht die Augenbrauen hoch.
,,Mister Morgan, würden Sie sich - umdrehen?"
Er hob leicht den Kopf, dann drehte er sich zur Wand.
Blitzschnell machte ich den Reißverschluss meines Kleides auf und schlüpfte in sein Hemd.
,,Okay."
Ich schloss den letzten Knopf und setzte mich, den Rücken zu Ash gewandt, damit er sich ebenfalls umziehen konnte.
Etwas nervös rieb ich meine zu großen Ärmel aneinander.
,,Ash?"
Er reagierte nicht besonders, also redete ich einfach weiter.
,,Danke. Du hättest dich echt in Schwierigkeiten bringen können."
Ich fuhr mir durch die mittelblonden Haarsträhnen.
,,Ich bin schon in ganz andere Situationen geraten.", lächelte er.
Er hatte gelächelt; das habe ich in seiner Stimme hören können.
Und irgendwie gab mir das ein Gefühl von Wärme.

Als er endlich das Licht löschte, und ich ins Bett sank, war es schon lange nach 22:00.
Meine Gedanken begannen umher zu schweifen.
Ich musste an Eric denken, wie er wohl gerade an die Decke gehen würde. Wie meine Mutter krank vor Sorge auf der Couch sitzen würde.

Und dann dachte ich über Ash nach.

Es war irreal. Ich lag in einem völlig fremden Bett neben einem Mann, den ich gerade erst kennen gelernt habe. In einem Penthouse am anderen Ende von London.

Vorsichtig drehte ich mich auf die andere Seite.
Ich musste verrückt sein.

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Notiz: Ich wusste zum Zeitpunkt an dem ich die Story geschrieben habe nicht, dass Ash tatsächlich eine Fraktur von einer Kneipenschlägerei hat. Tja, eben Menschenkenntnis ;D
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